Ich sage nur: China, China, China

Bereits der frühere Altbundeskanzler Kurt-Georg Kiesinger hat in den 60er Jahren mit dieser Bemerkung vor der Gefahr aus dem fernen Osten gewarnt. Heute ist China noch mächtiger und damit wirtschaftlich noch gefährlicher. Das Reich der Mitte ist drauf und dran, hinter den USA zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Erde aufzusteigen und dem Exportweltmeister Deutschland den Rang abzulaufen. US-Präsident Barack Obama hat die neuen Muskeln der Chinesen gerade zu spüren gekommen. Seine Bitte, die chinesische Währung Renminbi endlich von der staatlichen Leine in die Freiheit des Devisenmarktes zu entlassen, hat Chinas Präsident Hu Jintao einfach totgeschwiegen. Statt andere zu kritisieren, sollten die Amerikaner besser ihren Protektionismus zügeln, sagte der Chinese. Das Verzwickte daran ist, dass man das eine nicht ohne das andere lösen kann.

China ärgert mit seiner seiner staalichen Aufwertungsbremse nicht nur die Amerikaner. Auch die Europäer kochen, weil der Euro bislang fast allein die Lasten des Dollarverfalls tragen muss. Und Chinas Handelspartner in Asien versuchen mit massiven Deviseninterventionen verzweifelt eine Aufwertung ihrer Währungen zu verhindern, damit sie gegenüber dem großen Konkurrenten noch wettbewerbsfähig bleiben. Die Betonköpfe in Peking lösen mit ihrer Dickköpfigkeit nicht nur einen gefährlichen Abwertungswettlauf aus, sondern schüren gerade jenen Protektionsimus, vor dem Hu Jintao gewarnt hat. Wenn die Arbeitslosigkeit in den USA weiter steigt, werden die gegenwärtige Klagen der Chinesen über US-Strafzölle auf Autoreifen und Stahlrohre wie Peanuts erscheinen. Zur Erinnerung: Der frühere US-Präsident Richard Nixon drohte 1971 mit einer zehnprozentigen Importsteuer und erzwang damit eine Aufwertung der wichtigsten Handelswährungen gegenüber dem Dollar.

Um einen offenen Handelskrieg zu vermeiden, müssen internationale Organisationen wie die G20 und der Internationale Währungsfonds (IWF) jetzt einschreiten. Dass sich die Chinesen von den USA keine Belehrungen über eine gesunde Wirtschaftspolitik mehr anhören wollen, kann man nach der Finanzkrise verstehen. Vermutlich verhindert auch die Rivalität der alten und der neuen Weltmacht eine Verständigung. Wenn jedoch die G20 mit Mitgliedern wie Indien, Indonesien, Brasilien und Südkorea auf eine überfällige Aufwertung des Renminbi drängt, sind die Chancen weitaus besser, dass Peking sich bewegt. Sekundiert werden müsste diese politische Initiative durch eine größere Rolle des IWF als Versicherung vor Zahlungsbilanzkrisen. Die Washingtoner Organisation schwimmt nach der Aufstockung ihrer Mittel im Geld. Dieses Kapitalpolster sollte den Schwellenländern ohne drakonische Vorbedingungen zur Verfügung gestellt werden, falls sie jemals wieder in Finanznöte geraten sollten. Mit dieser Sicherheit könnten China und andere asiatische Länder ihre schädliche Ansammlung von riesigen Devisenreserven beenden, die neue Ungleichgewichte und Spekulationsblasen produziert.

Die Gefahr kommt aus China, für die Lösung muss die internationale Gemeinschaft sorgen.