Homo oeconomicus – das unverstandene Wesen

Und wieder brandet die Diskussion um den “homo oeconomicus” auf, bei der sich mir die Fingernägel aufrollen. Da wird ein abstraktes Konzept als anthropologisches Modell des Menschen als eines allein eigennützigen Wesens missverstanden, um dann zu versuchen, diese angeblichen Mängel mit Versatzstücken aus der Psychologie irgendwie aufzupeppen. Besonders grausam ist es, den so konstruierten einseitigen Menschen dann auch noch Adam Smith zu unterschieben, der einer der bedeutendsten Moralphilosophen der Neuzeit war und in seiner “Theory of Moral Sentinments” ein sehr feines Bild des Mensch gezeichnet und die Moral letztlich auf unsere Fähigkeit zur Empathie zurückgeführt hat.

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Wie gefährlich ist Josef Ackermann?

Die Kollegen der “taz” haben heute ein bemerkenswertes Interview mit Simon Johnson veröffentlicht . Johnson ist Professor an der Business-School des MIT und war 2007/2008 Chefökonom des IWF.

Es geht um die Banken und das Finanzsystem, und direkt seiner ersten Antwort Johnson ran wie Blücher:

“Ihr [gemeint ist: die Deutsche Bank] Chef Josef Ackermann ist einer der gefährlichsten Bankmanager der Welt, weil er darauf besteht, eine Eigenkapitalrendite von 20 bis 25 Prozent zu erzielen. Ein so hoher Gewinn ist nur möglich, weil er genau weiß, dass die Deutsche Bank ein Systemrisiko darstellt und daher von den Steuerzahlern gerettet würde, falls ein Konkurs droht. Also wird auf Gewinn spekuliert – was dann auch die Boni der Manager maximiert.”

Auch die neuen Basel III-Regeln, die das Bankensystem sicherer machen sollen und mehr Eigenkapital verlangen, macht Johnson nieder:

“Basel III bringt überhaupt nichts.”

Johnson regt sich auch über die Lobbyarbeit der Banken auf, die Milliarden Dollar an US-Politiker spenden.

Das Schlimme ist: Der Mann hat so ziemlich auf ganzer Linie Recht.

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Die Crux mit den Schulden

In der vergangenen Woche hat Henry Kaspar im VWL-Blog Kantoos Economics unter der Überschrift “Warum Schulden zählen” einen lesenswerten Beitrag zum Zusammenhang zwischen der massiven Verschuldung der US-Haushalte und der Finanz- und Wirtschaftskrise veröffentlich. Kaspar schreibt:

Ich habe wenig Zweifel dass die Finanzkrise hier – in der Überschuldung amerikanischer Haushalte – ihre eigentliche Ursache hat. Die Implosion des U.S. (und zum Teil auch europäischen) Finanzsystems war die unvermeidbare Folge sobald U.S. Haushalte – die immerhin rund 20 Prozent der weltweiten Sozialprodukts absorbieren – Schwierigkeiten bekamen ihre aus dem Ruder gelaufenen Schulden zu bedienen. Ebenso klar ist mir dass die Greenspan-Fed die Hauptschuld an der Krise trifft. Sie verlor nicht nur finanzielle Ungleichgewichte völlig aus den Augen, sondern züchtete auch noch jene Assetblasen, welche die Haushalte zum Schuldenaufbau provozierten

Ich denke, Kaspar hat weitgehend recht. Zwar bin ich, wie in meinem Buch “Die Jahrhundertkrise” beschreibe, überzeugt, dass es nicht die eine Ursache für die Krise gibt, sondern dass ein ganzes Bündel verschiedener Faktoren zur Kernschmelze des Finanzsystems geführt hat. Aber der Schuldenwahnsinn der Amerikaner war ganz sicher ein entscheidender Faktor.

Etwas enttäuscht bin ich allerdings von Kaspars Argumentation – die Belege, die er anbringt, sind relativ  schwach. Er argumentiert hauptsächlich mit aggregierten Statistiken zum Kreditwachstum in den USA . Dabei gibt es eine ganze Reihe von hervorragenden empirischen Studien, die harte wissenschaftliche Belege für den Beitrag, den die  Schulden zur Krise geleistet haben, liefern.

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