Bruno Freys publizistischer Amoklauf gegen die Uni Zürich

Es ist ein in der Geschichte der deutschsprachigen Volkswirtschaftslehre wahrscheinlich einmaliger Vorgang: Der Züricher Ökonomie-Professor Bruno Frey hat die öffentliche Hand in der Schweiz indirekt aufgefordert, seiner eigenen Fakultät den Geldhahn abzudrehen – weil die Forschung seiner Kollegen irrelevant sei.

Die Volkswirte der Universität Zürich hätten den Bezug zur Wirklichkeit verloren und lebten in einer abstrakten Modellwelt. Seine Kollegen würden unter Ausschluss der Öffentlichkeit forschen.

„Wann rebellieren die Steuerzahler?“, fragt Bruno Frey in einem vor wenigen Tagen in einem Gastbeitrag für den Schweizer „Tages-Anzeiger“. Die Forschung seiner Züricher Kollegen beeinflusse die Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik “sicherlich nicht”, schreibt er:

“Irgendwann dürfte dies auch den Steuerzahlenden auffallen, welche die Universität finanzieren.”

Der  Gastbeitrag ist nicht nur eine Generalabrechnung mit der modernen Volkswirtschaftslehre, Frey kritisiert explizit die Arbeit seiner Züricher Fakultätskollegen:

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Eigenplagiate von Bruno Frey: Uni Zürich drückt ein Auge zu

Fast ein dreiviertel Jahr hat die Universität Zürich gebraucht, um die Eigenplagiats-Vorwürfe gegen den VWL-Professor Bruno Frey untersuchen zu lassen.

Jetzt liegt der Bericht der externen Kommission vor – die drei Gutachter Richard Layard, Christopher Pissarides (beide: London School of Economics) und Georg Winckler (Uni Wien) haben mindestens ein Auge zugedrückt.

Sie haben offenbar nur den ersten bekanntgewordenen Fall – die fehlenden Querverweise in vier sehr ähnlichen Papieren zum Untergang der Titanic analysiert, nicht aber die zahlreichen anderen Fälle.

Sie kommen zu folgendem Schluss: Diese fehlenden Zitate seien “unangemessen” und die Autoren sollten dafür gerügt werden. Weitere Maßnahmen seien aber nicht nötig, da zu erwarten sei, dass die fehlenden Querverweise zu den anderen Arbeiten ein “einmaliges Ereignis” blieben.

Das ist eine – um es vorsichtig auszurücken – sehr erstaunliche Einschätzung. Die Uni Zürich ist ihr dennoch gefolgt und betrachtet den Fall als erledigt.

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Eine Konferenz zur Ehrenrettung von Bruno Frey

Der Erfurter Professor Jürgen Backhaus, der auch das “European Journal of Law and Economics” herausgibt, veranstaltet im Dezember eine interessante Konferenz.

Es geht allgemein um die Frage von Eigenplagiaten und konkret um Bruno Frey sowie meine journalistische Arbeit zu Frey’s Publikationsverhalten.

Hier ist die Einladung, die über den Newsletter der “Societies for the History of Economics” verschickt wurde:

“It is only by varied repetition that new ideas can be impressed upon reluctant minds.”

This often repeated admonition by the Nobel-prize winning economist James M. Buchanan is obviously unknown to the journalist of the German daily “Handelsblatt” Olaf Storbeck, who has initiated a vendetta against the well-respected economist Bruno S. Frey accusing him of self-plagiarism.

Many people agree that such a delinquency does not even exist. For this reason, a meeting will be convened at the University of Erfurt to discuss the issue, the merits and demerits of repeating oneself.

Essays read and defended at this meeting will be published in the journal “Homo Oeconomicus” in a conference issue. The meeting will take place at the University of Erfurt on December 9.”

Ich fühle mich sehr geschmeichelt, dass meine Arbeit so einen Einfluss hat und sogar wissenschaftliche Konferenzen inspiriert (auch wenn ich bei dem Vendetta-Teil der Einladung nicht ganz sicher bin….)

Wer sich für die Hintergründe der ganzen Diskussion interessiert -  meine  beiden Handelsblatt-Artikel dazu sind hier und hier verfügbar, ausführlicher gehe ich auf die Fälle hier und hier in meinem englischen Blog ein.

Auf jeden Fall bin sehr gespannt, wer dort sprechen wird (in meinem englischen Blog mache ich ein paar Vorschläge) und freue mich schon jetzt auf die Lektüre der  Essays.

Besuchen Sie mein englisches Weblog “Economics Intelligence” und meine Facebook-Seite – ich freue mich über jedes “like”!


Das Bruno-Frey-Plag-Projekt

Die Debatte um angebliche weitere Eigenplagiate des Schweizer Professors Bruno Frey gewinnt an Fahrt. Im “Economic Job Market Rumour”-Forum werden etliche weitere mutmaßliche Fälle aufgelistet, zum Teil sind die “Abstracts” wortwörtlich identisch.

Ich habe selbst im Moment leider nicht die Zeit, mich da im  Detail mit zu beschäftigen, aber es gibt ein Projet namens “Frey Plag”, das Erstaunliches zu Tage fördert.

Mehr Informationen dazu in meinem englischen Blogpost.
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“Der Journalist des Handelsblatts schreibt viel Falsches”

Die Deutschen sind doch nur neidisch auf einen erfolgreichen Schweizer, meint Bruno Frey. (Bild via Wikipedia)

Das hat Bruno Frey in einem Interview der Schweizer Gratiszeitung “20 Minuten” (“Ich habe mich zu wenig selbst zitiert”) gesagt.

(Vielen Dank an Marco Hafner alias “RBK_31″, der mich über Twitter auf das Interview hingewiesen hat!).

Die Kollegen von 20 Minuten haben Frey unter anderem gefragt, ob er die Aufregung übertrieben finde. Seine Antwort:

“Ja. Der Journalist des deutschen Handelsblatts, der gestern breit darüber berichtete, schreibt viel Falsches. Und er bauscht mich zum Star-Ökonomen auf, damit er die nötige Fallhöhe für einen reisserischen Artikel hinkriegt.”

Mir sind keine Fehler bekannt, und Bruno Frey hat sich diesbezüglich auch noch nicht gemeldet. Daher rufe ich alle Leser zum Fact Checking meiner Artikel auf – wer einen Faktenfehler im Zusammenhang mit Bruno Freys Titanic-Texten findet, darf mit mir “auf Schalke”.

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Bruno Frey – jetzt ermittelt die Uni Zürich

Die Leitung der Universität Zürich hat heute ein offizielles Verfahren gegen Bruno Frey eingeleitet – wegen des “Verdacht der Unlauterkeit in der Wissenschaft”, teilte mir soeben die Pressestelle mit. “Um die Unabhängigkeit des Verfahrens zu garantieren, werden externe Gutachter eingesetzt”, schrieb mit der Pressesprecher der Hochschule.

(Hintergründe zu den Vorwürfen gegen Frey hier und – ausführlicher, aber auf Englisch,  hier und hier.)

Das Einschalten externer Gutachter ist insofern bemerkenswert, weil es sich dabei offenbar um eine Ermessensentscheidung der Hochschulleitung handelt  – ich interpretiere das als ein Indiz dafür, dass man die Vorwürfe in Zürich ernst nimmt.

Joseph Falkinger, Dekan der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Uni Zürich, schrieb mir dazu gestern: “Wird ein Verfahren eingeleitet, beauftragt sie Vertrauenspersonen mit der Ermittlung und setzt bei Bedarf externe Gutachter ein. Dies stellt die Unabhängigkeit des Verfahrens sicher.”

Die Debatte um die Eigenplagiate von Bruno Frey wird seit Ende April in der angelsächischen Ökonomenzunft geführt – die Hochschulleitung wurde aber erst darauf aufmerksam, weil Dekan Falkinger sie gestern nach einer Handelsblatt-Anfrage informierte. (Mehr dazu auch hier: “University of Zurich takes a look at Frey’s conduct”)

Weitere Neuigkeiten in Sachen Bruno Frey:

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“Journal of Economic Perspectives” tadelt Bruno Frey öffentlich

Die Titanic verlässt Southampton - Freys umstrittene Arbeiten beschäftigten sich mit ihrem Untergang (Foto via Wikipedia)

Das “Journal of Economic Perspectives” (JEP) hat Bruno Frey und seine Koautoren Benno Torgler und David Savage wegen der Mehrfach-Veröffentlichung nahezu identischer Beiträge getadelt, Bruno Frey hat sich im Namen aller Beteiligten entschuldigt, schrieb mir JEP-Herausgeber David Autor soeben. Den Schriftwechsel mit Frey wird das JEP in seiner nächsten Ausgabe abdrucken,

“which is a very stern and public rebuke to an academic. “

Mit dem JEP distanziert sich das zweite VWL-Journal von den Praktiken von Bruno Frey und seinen Ko-Autoren – der Herausgeber des “Journal of Economic Behaviour und Organization” hat das Autoren-Trio offenbar auf die schwarze Liste gesetzt und ihnen mitgeteilt, dass er in Zukunft keine Arbeiten von ihnen mehr akzeptieren werde.

Das 1986er-Paper von Hall (“Social class and survival on the S.S. Titanic”), das ich bei Repec gefunden habe (5. Treffer, wenn man nach “Titanic” sucht)  kannten die JEP-Herausgeber noch nicht, obwohl sie sich mehrere Monate mit dem Thema beschäftigt haben.

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Sitzt Bruno Frey auf der Titanic?

Untergang der Titanic (Bild via Wikipedia)

Übers Wochenende habe ich mich in die Vorwürfe, die das anonyme US-Webblog “Economic Logic” gegen Bruno Frey, Benno Torgler und David Savage erhoben hat und die ich am Freitag hier schon kurz präsentiert habe, im Detail eingelesen.

Nach der Lektüre der vier Arbeiten und der Ethik-Richtlinen der Journals lautet mein Zwischenfazit: Das ist weit mehr als ein Sturm im Wasserglas. Es sieht leider so aus, als hätten die Autoren mit ihren vier  Arbeiten zum Untergang der  Titanic tatsächlich gegen die guten Sitten der ökonomischen Zunft verstoßen und die Richtlinen der Journals, in denen die Papiere erschienen sind, verletzt. Sie haben nahezu identische Arbeiten bei verschiedenen Journalen eingereicht, ohne auf ihre anderen Papiere zum gleichen  Thema hinzuweisen und ohne diese zu zitieren.

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Versteckte Eigenplagiate? – Schwere Vorwürfe gegen Bruno Frey

Bruno Frey (Foto: Hannes Röst via Wikipedia)

Er ist einer der kreativsten und forschungsstärksten deutschsprachigen Volkswirte überhaupt, lautstark kritisiert er  die Engstirnigkeit der Ökonomen, vehement fordert er mehr Pluralismus in der VWL: Bruno Frey, VWL-Professor an der Universität Zürich – in einem Porträt vor vier Jahren habe ich ihn einen “ökonomischen Grenzverletzer” genannt.

Ein Forscher, den ich persönlich kenne und schätze.

In einem englischsprachigen Blog namens “Economic Logic” werden jetzt schwere Vorwürfe gegen Bruno Frey und seine Koautoren Benno Torgler und David Savage erhoben.

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