Die Unruhen in China fangen erst an

Containerterminal in Hongkong: Manipulierte Zollstatistik?

Containerterminal in Hongkong: Manipulierte Zollstatistik?

Chinas Aktienmarkt ist am Dienstag zunächst weiter gefallen. Obwohl sich die Geldversorgung der Banken wieder stabilisiert hat, bleiben die Märkte nervös. Aus gutem Grund. Denn die Liquiditätsprobleme der vergangenen zwei Wochen waren nur der Anfang. Die echte Straffung der Geldpolitik steht China noch bevor. Auf Premier Li wartet noch ein harter Kampf. » weiterlesen

Der indische Elefant und die Euro-Krise

Zwei Wissenschaftler lernen auf einer Indien-Reise einen dressierten Elefanten kennen. Das Tier kann Walzer tanzen und Porzellanteller kleben. Sie bringen es mit nach Europa, wo sie eines Tages mit dem Elefanten einen Porzellanladen aufsuchen. Das Tier beginnt einen Walzer zu tanzen und zerstört Teller und Tassen. Anschliessend klebt es die Scherben behände zusammen.

Befragt, warum sie den Elefanten in den Porzellanladen mitgenommen haben, antworten die Wissenschaftler, es sei die kostengünstigere Alternative, den Elefanten die Scherben kleben zu lassen.

Hätte jemand das Porzellan zerstört, der weniger geschickt ist, als der Elefant, dann würde das viel teurer:

“Verantwortungsbewusste Politik darf nicht darauf setzen, dass man vielleicht Glück haben kann.”

Das Geschäft müsse zwar für einige Jahre geschlossen werden, aber das Porzellan werde geklebt. Nach Abschluss der Umschuldungsverhandlungen erhole sich der insolvente Laden “oft überraschend schnell”. Daher: “Die Richtung stimmt”.

Harald Hau und Bernd Lucke betrachten die Rekapitalisierung der Banken als eine günstige Versicherung gegen die Folgen einer Bankenkrise. » weiterlesen

Rettet die Banken, nicht die Staaten

In der vergangenen Woche hat der Mannheimer VWL-Professor Hans Peter Grüner hier im Handelsblog einen Vorschlag seiner Kollegen Harald Hau und Bernd Lucke zur Lösung der Schuldenkrise auseinandergenommen. Hau und Lucke hatten in einem Gastbeitrag für die FAZ vorschlagen, statt den Staaten die Banken zu retten. Grüner hält diesen Ansatz für falsch. Jetzt haben Hau und Lucke auf Grüners Kritik reagiert:

Hans-Peter Grüners vermeintliche Kritik an unserem Vorschlag ist zunächst einmal eine Bestätigung unserer zentralen These: Es gibt eine Alternative zum Rettungsschirm.

Statt deren Existenz zu leugnen (wie die Bundesregierung dies tut), sollten die Zahlen auf den Tisch: Was kostet eine Rekapitalisierung der Banken und was kostet der Rettungsschirm?

Hans-Peter Grüner nimmt diese Debatte ernst und leistet seinen Beitrag dazu. Die Kosten verschiedener Strategien kann man nur evaluieren, wenn man einen geeigneten Referenzpunkt setzt. Für Grüner lautet dieser Referenzpunkt: Der Rettungsschirm funktioniert.

» weiterlesen

Können wir wirklich fünf EU Länder pleite gehen lassen?

Harald Hau und Bernd Lucke finden, daß eine Rekapitalisierung der Banken eine kostengünstige Alternative zur jetzigen Politik sei. Ich teile diese Einschätzung nicht.

In einem kürzlich erschienenen Zeitungsartikel legen Harald Hau und Bernd Lucke nahe, daß ein Default Griechenlands, Italiens, Spaniens, Portugals und Irlands durch eine Rekapitalisierung der Banken für Europa verkraftbar sei.

Hau und Lucke sehen die Rekapitalisierung und den dann möglichen Default als Alternative zur Ausweitung des EFSF. Die Bankenrekapitalisierung sei „kostengünstiger und effektiver“ als die „gegenwärtige Politik“. Deshalb sei die Politik der Bundesregierung nicht alternativlos.

Der Aufsatz der beiden verfolgt den (in seiner Anreizwirkung nützlichen) Ansatz, die Eigentümer der Banken zunächst weitgehend mit Eigenkapital haften zu lassen. Bei der Rekapitalisierung stünden den eingesetzten Mitteln dann die Assets der Bank gegenüber, so daß hier keine Verluste auftreten müssen. Zu recht argumentieren Hau und Lucke, daß jeder Bailout der Investoren gerade auch vermögende Anleger verschont. Dennoch bin ich überzeugt, daß die beiden in ihren Schlussfolgerungen zu weit gehen.

» weiterlesen

Individuelle PIIGS-Exposure aller 90 Banken

Puh, das war ein hartes Stück Arbeit gestern abend – ich habe die Infos aus 90 PDF-Dokumenten für jede einzelne Bank zusammengesucht.

Die Tabelle mit den Ergebnissen ist bei Google Docs verfügbar, und hier schreibe ich noch ein bisschen was über eine seltsame Diskprekanz zwischen den aggregierten und den disaggregierten EBA-Zahlen.

Besuchen Sie mein englisches Weblog “Economics Intelligence” und meine neue Facebook-Seite (über “likes” freue ich mich natürlich).

194,1 Milliarden Euro potenzielle Giftanleihen

Der EBA-Stressstest legt offen, wie viele Staatsanleihen Griechenlands, Irlands und Portugals in Europas Bankensystem stecken.  Rund zwei Drittel der Papiere gehören jeweils den  Geldinstituten der Problemstaaten. Deutsche Banken sind innerhalb der EU größter Auslandsschuldner Griechenlands.

Eine Staatspleite in Griechenland würde deutsche Banken besonders hart treffen – das zeigen die detaillierten Ergebnisse des Stresstests (S. 18ff), den die europäische Bankenaufsichtsbehörde  EBA am Freitag abend in London veröffentlicht hat.

Deutsche Geldinstitute haben griechische Staatsanleihen von rund 8,8 Milliarden Euro in den Büchern – neun Prozent aller griechischen Staatsanleihen, die im EU-Bankensystem stecken (98,2 Milliarden Euro), liegen damit in Deutschland.

» weiterlesen

Wie gefährlich ist Josef Ackermann?

Die Kollegen der “taz” haben heute ein bemerkenswertes Interview mit Simon Johnson veröffentlicht . Johnson ist Professor an der Business-School des MIT und war 2007/2008 Chefökonom des IWF.

Es geht um die Banken und das Finanzsystem, und direkt seiner ersten Antwort Johnson ran wie Blücher:

“Ihr [gemeint ist: die Deutsche Bank] Chef Josef Ackermann ist einer der gefährlichsten Bankmanager der Welt, weil er darauf besteht, eine Eigenkapitalrendite von 20 bis 25 Prozent zu erzielen. Ein so hoher Gewinn ist nur möglich, weil er genau weiß, dass die Deutsche Bank ein Systemrisiko darstellt und daher von den Steuerzahlern gerettet würde, falls ein Konkurs droht. Also wird auf Gewinn spekuliert – was dann auch die Boni der Manager maximiert.”

Auch die neuen Basel III-Regeln, die das Bankensystem sicherer machen sollen und mehr Eigenkapital verlangen, macht Johnson nieder:

“Basel III bringt überhaupt nichts.”

Johnson regt sich auch über die Lobbyarbeit der Banken auf, die Milliarden Dollar an US-Politiker spenden.

Das Schlimme ist: Der Mann hat so ziemlich auf ganzer Linie Recht.

» weiterlesen

Bankenregulierung: Die Chance ergreifen

Wie sich seit Monaten abzeichnete, kommen die Impulse für eine ernsthafte, radikale Reform der Bankenregulierung aus den USA und Großbritannien. Obamas herzhafter Tritt vor das Schienbein der Wall Street muss jetzt auch die Europäer aufwecken. Auf den G20-Gipfeln haben sie konstant Misstrauen gegen den Regulierungswillen der Anglo-Amerikaner gestreut, seither haben sie sich im Reformeifer abhängen lassen. Ich bin mal gespannt, ob die Bundesregierung und die Franzosen die Vorlage aufnehmen und jetzt ebenfalls einen Umbau des Bankensektors angehen. Entsprechende Andeutungen gab es zuletzt aus Berlin ja zuhauf. » weiterlesen

Die Briten zeigen, wie’s geht

In meinem jüngsten Blog habe ich für eine radikale Reform des Bankensystems in Deutschland plädiert. Die Briten machen jetzt vor, wie es gehen kann. Natürlich ist die Ausgangslage nicht vergleichbar und sind die Probleme der britischen Regierung besonders groß, aber sie nimmt die Herausforderung an und gestaltet das Bankenwesen neu. Das ist der entscheidende Unterschied: Der Gestaltungswillen. Gesunde, überschaubare Banken und mehr Wettbewerb um den privaten Bankkunden sind richtige Ziele. Die Kosten sind hoch, das ist keine Frage. Aber durch den Verkauf von Beteiligungen wird auch Geld reinkommen. Und wenn die Regierung die Banken ordentlich saniert, dann wachsen auch die Aussichten, dass sie aus den Beteiligungen an RBS und Lloyds zu anständigen Preisen aussteigen kann.