Li legt los

Rettung für die Konjunktur: Neubauprojekte in China (Changzhou).

Rettung für die Konjunktur: Neubauprojekte in China (Changzhou).

Premier Li weigert sich, den Geldhahn wieder aufzudrehen. Dafür hat es auf das schwächste Wachstum seines Landes seit anderthalb Jahrzehnten ankommen lassen: Lediglich 7,7 Prozent betrug das Plus im vergangenen Jahr. Für das kommende Jahr lässt Li die Chinesen lediglich auf „Stabilität“ in der Wirtschaftspolitik einstimmen. Sprich: Einen neuen Boom will Peking keinesfalls auslösen. Dafür will Li durch gezielte Reformen ein nachhaltiges, selbsttragendes Wachstum schaffen.  » weiterlesen

Die Kluft wächst eigentlich schon lange

Heute morgen fiel mein Blick auf die Schlagzeile meines Kollegen Dirk Heilmann: „Die Kluft in der Euro-Zone wächst“. Darin nennt er die neuesten Wachstumszahlen der Euro-Zone – und zeigt, dass sich die einzelnen Staaten zuletzt sehr ungleich entwickelt haben. So war das vierte Quartal in Frankreich den Umständen entsprechend stark, in Italien, Portugal und Griechenland dagegen deprimierend lausig.

Ich habe mich gefragt, seit wann diese Kluft denn eigentlich wächst. Ist die größer werdende Ungleichheit nur eine Begleiterscheinung der Krise – oder ein Dauerphänomen?

Dafür habe ich einmal bei Eurostat die Pro-Kopf-BIP-Zahlen der zwölf Länder herausgesucht, die als erste den Euro als Bargeld eingeführt haben. Das Ergebnis ist erschreckend: Nach dem Euro-Start 1999 ist der Wohlstand der einzelnen Staaten praktisch immer ungleicher geworden (siehe blaue Kurve). Eigentlich hatte man den Euro ja auch deswegen erfunden, um das Zusammenwachsen Europas zu fördern. Doch beim Wohlstandsniveau scheint das nicht funktioniert zu haben –  im Gegenteil.

Sicher, mein Ungleichheitsmaß ist ziemlich grob (ich habe berechnet, um wie viel Prozent die Pro-Kopf-BIPs der einzelnen Länder im Schnitt vom durchschnittlichen Pro-Kopf-BIP aller zwölf Länder abweichen). Aber eine gewisse Aussagekraft hat es sicherlich.

Dass Währungsunionen als solches die Ungleichheit fördern, sollte man daraus aber bitte nicht schlussfolgern. So zeigt die schwarze Kurve eine entsprechende Berechnung für die Westafrikanische Währungsunion, die aus acht Staaten besteht, deren Bürger seit 1994 mit „CFA-Franc“ bezahlen. Sie ist seitdem stark gefallen.

2011 ist nicht 2008; 2012 wird nicht wie 2009

Viele reden in diesen Tagen davon, dass sich die Ereignisse des Winters 2008/09 zu wiederholen drohen.

Damals rauschte die Weltwirtschaft nach dem Schock der Lehman-Pleite in eine tiefe Rezession – die Banken hörten auf, Geld zu verleihen, die Unternehmen hörten auf, zu investieren und die Menschen begannen aus Angst mehr zu sparen.

Die Ausweitung der Euro-Schuldenkrise von der Peripherie der Währungsunion in den Kern hat zweifellos das Zeug, eine neue Finanzkrise auszulösen, aber noch sind wir nicht so weit. Außerdem hat sich die Euro-Krise hinreichend langsam entwickelt, so dass auch Menschen, die nicht regelmäßig den Wirtschaftsteil lesen, sich allmählich an den Ernst der Lage gewöhnen konnten.

Das ist ein Faktor, der dazu beiträgt, dass es außerhalb der besonders hart von Sparprogrammen betroffenen Länder keine schockartigen Auswirkungen auf die Realwirtschaft zu geben scheint. Ein anderer Faktor ist, dass die Unternehmen ganz offensichtlich aus den Erfahrungen von 2008 gelernt haben und ruckartige Anpassungen an die verschlechterten Aussichten vermeiden, um nicht zu der Rezession beizutragen, die sie fürchten.

Zwar haben die Banken begonnen, ihre Kreditvergabe einzuschränken, aber die Unternehmen investieren weiter und die Menschen konsumieren weiter - das zeigt sich in Deutschland in diesen Wochen ganz deutlich.

Der Konsum und die Unternehmensinvestitionen haben im dritten Quartal den Export als Wachstumstreiber abgelöst und das scheint auch in das vierte Quartal hinein zu tragen. Drei Hinweise darauf sind heute: Der weitere Rückgang der Arbeitslosenzahlen im November, der unerwartet kräftige Anstieg der Einzelhandelsumsätze um real 0,7 Prozent im Oktober und der nochmalige, wenn auch nur einprozentige Anstieg der Aufträge im deutschen Maschinenbau.

Auch in den USA haben die Pessimisten ein weiteres Mal mit ihrer Ankündigung eines Double-Dips nicht recht behalten, Japan erholt sich nach den Katastrophen des Frühjahrs und China und andere Schwellenländer halten starke Wachstumsraten aufrecht. Das alles sieht nicht danach aus, dass 2012 so wird wie 2009.

Und das sind wiederum gute Nachrichten für die deutsche Wirtschaft. Sie wird zwei, drei schwache Quartale erleben, aber die Indikatoren lassen uns die Hoffnung, dass eine Rezession trotz der Probleme in der Euro-Zone noch vermeidbar ist.

Dass dies alles unter dem Vorbehalt steht, dass die Währungsunion nicht auseinanderfällt, versteht sich von selbst.

Böse Überraschungen haben Konjunktur

Wer hätte das gedacht? Keiner der von Bloomberg befragten Ökonomen jedenfalls. Keiner hatte erwartet, dass das Ifo-Geschäftsklima im November steigen wird.

Positive Überraschungen sind in Krisenzeiten ohnehin eine Rarität.

Die Volkswirte der Commerzbank führen darüber sogar Buch. Der Chefvolkswirt der Bank, Jörg Krämer, hat mit seinen Kollegen über einen längeren Zeitraum beobachtet, was die Mehrheit der Ökonomen vor der Veröffentlichung von Konjunkturdaten für die Euro-Zone erwartet - und was dann tatsächlich passierte.

Die Überraschung war in den meisten Fällen: negativ. Jedenfalls in Europa überwiegen die unbeliebten Überraschungen. Das zeigt ein sogenannter Surprise-Index:

Euro Area Surprise Indicator

Was dahinter steckt? Die Bankvolkswirte vergleichen die Werte, die ihre Zunft für wichtige Konjunkturdaten im Schnitt erwartet hatte mit den tatsächlichen Ergebnissen. Die Differenz standardisieren sie, so dass sie die in unterschiedlichen Einheiten gemessenen Werte vergleichen können.

Dass die Überraschungen in Europa derzeit so oft so negativ waren, preisen die Volkswirte in ihre Konjunkturprognose ein. Nicht einmal eine Stagnation trauen die Commerzbank-Ökonomen der Euro-Zone inzwischen noch zu.  Erst vor enigen Tagen haben sie ihre Prognose auf minus 0,4 Prozent für 2012 für die Euro-Zone gesenkt.

In den USA ist der Überraschungseffekt übrigens ein anderer:

US Surprise Indicator

Ist das die Wende?

Der Euro-Gipfel hat diese Woche nahezu alle weiteren wirtschaftsrelevanten Ereignisse und Veröffentlichungen in den Schatten gestellt. Da konnte Bundeskanzlerin Merkel die Erwartungen im Vorhinein noch so sehr dämpfen – angesichts der Bedeutung der Beschlüsse stand der Gipfel im Fokus. Zu Recht.

Es lohnt sich dennoch, einige Konjunkturdaten, die in dieser Woche fast unbemerkt veröffentlicht wurden, hier einmal zu thematisieren. Denn sie transportieren eine wichtige Botschaft: Die Weltwirtschaft verliert an Fahrt – und das deutlich.

» weiterlesen

Im Schutze der Anonymität

Prognosen sind eine schwierige Sache – erst Recht, wenn sie die Zukunft betreffen. Dieser gern zitierte Spruch ist spätestens seit der Finanzkrise in aller Munde.

So hatte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) beispielsweise Anfang Oktober 2008 noch für das Jahr 2009 einen Anstieg des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von einem Prozent erwartet. Der damalige DIW-Chef Klaus Zimmermann sagte:

“Wir gehen davon aus, dass eine Eindämmung der Finanzkrise gelingt.”

» weiterlesen

Die Mär vom kräftigen US-Aufschwung

Erinnert sich noch jemand? Gerade zwei, drei Monate ist es her, dass Ökonomen reihenweise ihre Wachstumsprognosen für die USA nach oben korrigierten. Endlich schienen die Billionen-Konjunkturspritzen der Regierung und der Fed ihre Wirkung zu tun

Fed-Chef Ben Bernanke frohlockte  Anfang März vor dem US-Senat:

“Wir verzeichnen eine wachsende Zahl von Beweisen dafür, dass der Aufschwungbei Konsumausgaben und Unternehmensinvestitionen sich nun bald selbst trägt.”

Nach 2,8 Prozent Wachstum im vergangenen Jahr rechne er für dieses Jahr mit einem Konjunkturplus von 3,5 bis 4,0 Prozent.

Doch Tag für Tag tröpfeln nun Konjunkturdaten herein, die Zweifel an der Euphorie wecken.

Der Konsum, der bekanntlich runde 70 Prozent der US-Wirtschaft ausmacht, entwickelt sich schwach, in die Zange genommen von steigenden Energie- und Lebensmittelpreisen und einer nach wie vor hohen Arbeitslosenzahl. Die Ökonomen werden schon sehr nachdenklich.

So hat Harm Bandholz, US-Experte von Unicredit, heute seine Wachstumsprognose für das erste Quartal gleich um einen ganzen Prozentpunkt auf eine Jahresrate 1,75 Prozent gesenkt. Für ganz 2011 reduzierte er sie von 2,75 auf 2,5 Prozent. Das wäre dann weniger als Deutschland und nicht mehr, wie noch zu Jahresanfang die Mehrzahl der Ökonomen glaubte.

Paul Dales von Capital Economics sagt sogar voraus, dass das US-Wachstumstempo sich im ersten Quartal auf 1,5 Prozent halbiert hat. Er weist darauf hin, dass der Einzelhandelsumsatz real sogar gesunken sei, wenn man die steigenden Inflationsraten einbeziehe.

Warten wir ab, was Barack Obama heute Abend als seinen Plan zur Reduzierung der Defizite vorstellt. Eins ist klar: Wenn der von Olaf Storbeck beschriebene Vertrauensverlust in die Staatsfinanzen der USA  mit einer Wirtschaft zusammentrifft, die trotz des größten Stimulus der Geschichte nicht auf eigenen Beinen stehen kann, dann wird es wirklich düster.

Ifo-Geschäftsklima so hoch wie zuletzt 1969!

Das Ifo-Geschäftsklima für die gewerbliche Wirtschaft Deutschlands ist im Februar von 110,3 auf 111,2 Punkte gestiegen und hat die Erwartungen der Volkswirte wieder einmal übertroffen (Commerzbank: 110,5; Konsens: 110,3). Das Ifo-Geschäftsklima befindet sich auf dem höchsten Stand seit Dezember 1969! Die Unternehmen haben vor allem ihre gegenwärtige Lage deutlich besser eingeschätzt, die Erwartungen für die kommenden sechs Monate konnten sich auf dem sehr hohen Niveau halten. Ebenfalls stark zugelegt hat der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe Deutschlands (62,6 nach 60,5 im Januar), der entsprechende Index für den Euroraum legte von 57,3 auf 59,0 zu. » weiterlesen

Die Zukunft der Bundesbank

Viele Beobachter finden, dass es Axel Webers Aufgabe gewesen wäre, in der EZB als Präsident eine „deutsche Linie“ durchzusetzen. Dahinter stecken gleich zwei verkehrte Vorstellungen. Erstens wird die Macht des Präsidenten im Zentralbankrat völlig überschätzt. Der Präsident kann alleine wenig erreichen, und vermutlich ist die Rolle des Chefvolkswirts in der EZB wenigstens vergleichbar wichtig wie die des Präsidenten. Zweitens ist die Vorstellung falsch, dass die Franzosen, Italiener, Spanier und Portugiesen im Rat der EZB entweder grundsätzlich nicht in der Lage sind zu begreifen, dass das der Ankauf griechischer Staatsanleihen durch die Zentralbank zu Inflation führen kann oder, daß ihnen Inflation eben nicht so wichtig ist, wie ihren deutschen Kollegen. Nur nach dieser Vorstellung bedarf es eines deutschen Lehrmeisters, der in der EZB die Sachen in Ordnung bringt. » weiterlesen

Inflation: Erhöht die EZB die Zinsen?

Im Dezember ist die Inflationsrate im Euroraum überraschend auf 2,2% gestiegen – vor allem wegen höherer Energiepreise. Nun befürchtet die EZB, dass die Inflation in den kommenden Monaten weiter zulegen könnte, bevor sie gegen Ende des Jahres wieder sinkt. Diese kurzfristige Aufwärtsrisiken hätten aber noch nicht die Einschätzung der EZB geändert, dass mittel- bis langfristig Preisstabilität gegeben sei. » weiterlesen