Weissgarnix macht dicht – schade!

Ich lese gerade beim “Wirtschaftswurm” (ja, das Blog heisst wirklich so), dass Thomas Strobl sein sehr erfolgreiches Blog “Weissgarnix” zumachen will.

Auf Nachfrage bei Twitter schickten mir “wuschelig” und Stephan Dörner den Link zum entsprechenden Post: es stimmt, am 9. September verschwindet “weissgarnix”.

Ist mir ja glatt entgangen, das ist ja echt ein Ding.

Thomas schrieb vor über einem Monat dazu:

“Wenn es am besten ist, soll man bekanntlich aufhören – eine Maxime, deren Einhaltung nicht ganz gelungen scheint, denn für mich persönlich liegen die besten Zeiten dieses Blogs bereits einige Monate zurück. Aber besser spät als nie, daher werde ich Weissgarnix in Kürze beenden, genauer gesagt: am 9. September, zu diesem Termin habe ich zumindest den Hostingvertrag gekündigt.

Statt einem langen warum und wieso: Ich sehe einfach nichts mehr, für das sich der Aufwand lohnen würde. Die Diskussionen drehen sich im Kreis, alte Themen erscheinen lediglich im neuen Gewand, alles was gesagt werden musste, wurde gesagt.

Wer einzelne Inhalte des Blogs aufheben will, soll sie sich bis zum 9.9. runterladen. Ob und wie lange sie danach noch verfügbar sein werden, kann ich nicht sagen.

Ich bedanke mich bei allen Lesern und Kommentatoren für die Aufmerksamkeit und die Treue während der letzten dreieinhalb Jahre.”

Wir waren zwar oft nicht der gleichen Meinung, und in der Target2-Debatte habe ich mich auch mal richtig über Thomas geärgert, aber deswegen muss er doch nicht gleich komplet in den Sack hauen. :-)

Schade, Schade!

Was passiert mit den ganzen Co-Autoren, die bei Weissgarnix schreibe? Wenn ihr eine neue Heimat sucht, hier seid ihr willkommen!

Der Wirtschaftswurm macht nur seine Blogroll zu- und gibt dabei eine nette Übersicht über die restlichen deutschen Wirtschaftsblogs.
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Wie war’s in Lindau? Handelsblatt-Fellows berichten

Zum dritten Mal konnten wir als Medienpartner des Lindauer Ökonomie-Nobelpreisträgertreffens Nachwuchsforscher nominieren, die dann als “Handelsblatt Fellows” an den Bodensee gereist sind.

Das Programm war im vergangenen Herbst im Handelsblatt und in unserem Ökonomie-Newsletter ausgeschrieben. Wir konnten 25 Forscher vorschlagen, von denen 16 den Auswahlprozess des wissenschaftlichen Kuratoriums überstanden.

Lindauer Ökonomie-Nobelpreisträgertreffen: Handelsblatt Fellows 2011

Am Donnerstag abend trafen wir uns alle – gemeinsam mit dem Nobelpreisträger Edmund Phelps – an der Uferpromenade in Lindau zu einem gemeinsamen Abendessen. Dabei habe ich dieses Gruppenbild gemacht.

vordere Reihe, von links:

Stefanie Lehmann (Uni Bonn), Katja Drechsel (IWH Halle), Lisa Herzog (Oxford), Cornelia Düwel (Uni Gießen / Bundesbank) Michael Weber (Berkeley)

mittlere Reihe, von links

Sebastian Ebert (Uni Bonn), Christoph Lakner (Oxford), Maria Gerhardt (Universität Gent/CEPS), Stefan Bauernschuster (Ifo Institut, München) , Jan Starmans (HU Berlin)

hintere Reihe, von links:

Moritz Meyer (EUI Florenz), Edmund Phelps (Columbia, Nobelpreisträger 2006), Vivian Mohr (Cambridge), Kristina Czura (Universität Frankfurt),  Sebastian Findeisen (Universität Zürich), Jana Stöver (HWWI Hamburg), Dominique Shure (Oxford, nicht im Bild)

Hier ein paar Eindrücke der Handelsblatt-Fellows:

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Euro-Krise: Heftige Worte von Lagarde und Bernanke

IWF-Chefin Christine Lagarde (Bild: IWF)

Die neue IWF-Chefin Christine Lagarde hat auf der Notenbank-Konferenz in Jackson Hole, Wyoming gerade eine bemerkenswerte Rede gehalten.

Mit Blick auf die Euro-Krise nimmt sie kein Blatt vor den Mund.

Wenn die Politik nicht die richtigen Schlüsse sieht, sieht Lagarde die Zukunft des Euros bedroht.

Die Krise drohe dann vollends auf den Kern der Euro-Zone überzugreifen.

Nach der Rede von Fed-Chef Bernanke von gestern ist das der zweite Warnschuss in Richtung Europa.

Lagarde betonte: Ohne eine schnelle Rekapitalisierung der Banken in Europa drohe die Schuldenkrise noch stärker auf die Kernländer der Währungsunion überzugreifen. » Weiterlesen

Unseriöse Zahlen? Ifo-Institut kommt erneut unter Feuer

Die Zahl hat es in sich – wenn sie denn stimmt. 47 Milliarden Euro würden Euro-Bonds Deutschland pro Jahr kosten, schätzt das Münchener Ifo-Institut, weil die Zinsen für Deutschland steigen würden. Ifo-Chef Hans-Werner Sinn bezeichnete Eurobonds jüngst in einem Gastbeitrag für das Handelsblatt als “süße Droge”.

Wim Boonstra, Chefvolkswirt der niederländischen Rabobank, hat diese Berechnungen in einem Gastbeitrag für die niederländische Wirtschaftszeitung Eufin, heftig kritisiert. Der Text ist auf niederländisch geschrieben, aber zum Glück funktioniert Google Translate ja ganz gut.

(Vielen Dank an Robert Went, Ökonom beim niederländischen Thinktank WRR, der mich über Twitter [@went1955] auf den Boonstra-Text hingewiesen hat.)

Schon die Überschrift des Boonstra-Textes geht in die Vollen: “Der heftiger Schnitzer des Ifo Instituts”. Es geht heftig weiter: Boonstra vergleicht die Ifo-Forscher mit Naturwissenschaftlern, die den Klimawandel belegen wollen und dafür die Temperaturen in einem brennenden Haus messen.

Boonstras zentraler Vorwurf ist, dass die Annahmen, mit denen das Ifo-Institut das Zinsniveau nach der Einführung der Eurobonds berechnet hat, falsch sind.

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Warum mich die Wulff-Rede enttäuscht hat

Gerade hat Bundespräsident Christian Wulff das 4. Ökonomie-Nobelpreisträgertreffen in Lindau eröffnet – mit einer aus meiner Sicht ziemlich enttäuschenden Rede.

Ziemlich viele Phrasen, und die normale deutsche wirtschaftspolitische Orthodoxie, aber keine wirklich neuen, konstruktiven Ideen.

Hier ein paar der schönsten Phrasen:

“Nun klaffen in den öffentlichen Kassen Löcher, wertvolles Saatgut wurde verzehrt, statt fruchtbaren Boden zu bestellen. Politik mit ungedeckten Wechseln auf die Zukunft ist an ihr Ende gekommen.”

“Die Versündigung an der jungen Generation muss ein Ende haben.”

“Vertrauen ist schwer zu erarbeiten, aber schnell zu zerstören.”

“Eines der Grundprinzipien der Marktwirtschaft ist: Risiko und Haftung gehen Hand in Hand.”

Wulff erinnerte zwar daran, dass erste die europäische Einigung nach dem zweiten Weltkrieg Frieden und Wohlstand gebracht hat und wir uns dieser Errungenschaften täglich bewusst ein sollten. Aber er sagte auch: Solidarität bedeutet nicht, dass man für andere zahlt.

Eurobonds hält Wulff für falsch, weil man ja schließlich auch als Privatmann nicht für jeden Verwandten eine Kreditbürgschaft übernehmen würde und jeder seine Probleme alleine lösen solle. Die Ankäufe von Staatsanleihen durch die EZB sei “politisch und rechtlich fragwürdig” und sollten daher so schnell wie möglich wieder eingestellt werden. (Wulff machte sich nicht die Mühe zu diskutieren, ob diese Ankäufe vielleicht ökonomisch sinnvoll sind.)

Richtig schräg ist Wulffs Argument, der Ankauf von Staatsanleihen auf dem Sekundärmarkt durch Notenbanken sei teurer als auf dem Primärmarkt – weil dabei Banker Provisionen verdienen würden. Tatsächlich ist es in der derzeitigen Lage günstiger, weil die Staatsanleihen der Krisenstaaten an den Finanzmärkten mit einem deutlichen Preisabschlag gehandelt werden.

Etwas hilflos finde ich seinen Appell, dass die Politik wieder die Initiative ergreifen sollte. Wulff sagte:

“Statt klare Leitplanken zu setzen, lassen sich Regierungen immer mehr von den globalen Finanzmärkten treiben. Immer öfter treffen sie eilig weitreichende Entscheidungen kurz vor Börsenöffnung, anstatt den Gang der Dinge längerfristig zu bestimmen. Dies trifft unsere Demokratien in ihrem Kern.”

Das klingt gut, aber was hieße es konkret? Wenn das Finanzsystem und / oder die Währungsunion vor dem Durchglühen steht, gibt es keine Alternative zu diesen eiligen Entscheidungen. Wer in solchen Situationen versuchen würde, “den Gang der Dinge langfristig zu bestimmen”, erlebt schneller als ihm lieb ist, dass Keynes Recht hatte – “langfristig sind wir alle tot.”

Dass die irrlichternde Politik Deutschlands maßgeblich dazu beigetragen hat, die Panik an den Finanzmärkten zum überkochen zu  bringen, und dass mit diesen nächtlichen Krisensitzungen ein Totalzusammenbruch des Finanzsystems vermieden wurde, scheint Wulff nicht zu verstehen.

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Attac ist auch da

Heute abend habe ich mich beim Ökonomie-Nobelpreisträgertreffen noch schnell meine Akkreditierungsunterlagen abgeholt – und nicht schlecht gestaunt über die Plakate, die an der gewaltigen Mauer direkt gegenüber der Lindauer Inselhalle hingen: Auch die Globalisierungsgegner von Attac  heißen die Ökonomie-Nobelpreisträger in Lindau willkomen – auf ihre Art und Weise.

"Shame on you 'nobel' economists"

Ich selbst sehe ja die etablierte Volkswirtschaftslehre ebenfalls nicht gerade unkritisch. Für meinen Geschmack sind die Plakate etwas zu schrill und enthalten etwas zu viele Ausrufezeichen. Einige sprechen durchaus berechtigte Fragen an, zum Beispiel ob Ethik für Volkswirte ein Fremdwort ist. (Über diese Frage hat sich ja der Nobelpreisträger Amartya Sen, der nicht in Lindau dabei ist, viele kluge Gedanken gemacht.

"Is ethics in economic science a foreign word?"

Andere erscheinen mir  - zumindest vor dem Hintergrund der Besucher, die nach Lindau gekommen sind – etwas dümmlich.

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Edmund Phelps und der Wahn

Ich habe gerade hier in Lindau auf dem Ökonomie-Nobelpreisträgertreffen mein erstes Interview geführt – mit Edmund Phelps, dem Preisträger von 2006.

Edmund Phelps: "Wahn, Wahn! Überall Wahn!"

Inhaltlich war es sehr spannend. Seine  Analyse und Politik-Empfehlungen für die USA dürften den Konservativen im Land nicht gefallen: Phelps spricht sich für massive Steuererhöhungen aus. Mehr in den nächsten Tagen bei Handelblatt.com.

Sehr lustig war das T-Shirt, das er anhatte – Phelps war vorher in Bayreuth und hat sich dort ein Shirt mit der Aufschrift “Wahn, Wahn! Überall nur Wahn!” gekauft.

Der Bezug zur Lage auf den Finanzmärkten ist aber nur rein zufällig.
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Bruno-Frey-Affäre: Das JEP nimmt kein Blatt vor den Mund

Bruno Frey (Foto: Hannes Röst, Bild via Wikipedia)

Der Schweizer Top-Ökonom Bruno Frey (Universität Zürich), der die Lebenswerk-Wertung des Handelsblatt-Ökonomenrankings anführt, ist innerhalb der Volkswirtschaftslehre massiv in die Kritik geraten – wegen Eigenplagiaten. (Eine Zusammenfassung der Vorwürfe hier, alle Handelsblog-Beiträge dazu gibt es hier.)

Zusammen mit seinen Ko-Autoren Benno Torgler und David Savage (Queensland University of Technology) hat Frey vier mal sehr ähnliche Studien in verschiedenen Fachzeitschriften veröffentlicht, ohne auf die anderen Arbeiten zu verweisen.

Gestern abend ist die Sommer-Ausgabe des “Journal of Economic Perspectives” erschienen, das eine der betroffenen Zeitschriften war.

Darin werden zwei bemerkenswerte Briefe abgedruckt – das Schreiben des JEP-Herausgebers David Autor an Bruno Frey und Freys Antwort.

Autor nimmt kein Blatt vor den Mund.

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Die EZB und ihre Inflationsneurose

Paul de Grauwe, Ökonomieprofessor an der Universität Leuven, hat heute im Ökonomenportal Voxeu.org einen bermerkenswerten Gastbeitrag veröffentlicht.  (Aufmerksam darauf wurde ich durch meinen FAS-Kollegen Patrick Bernau).

De Grauwe fordert darin, die EZB solle als “lender of last resort” für Staatsanleihen agieren – und argumentiert sogar, Milton Friedman hätte dies wahrscheinlich ähnlich gesehen. Die Inflationsrisiken seien gering, und die “moral hazard”-Probleme ließen sich in den Griff kriegen.

Sein Fazit lautet:

“The ECB has been unduly influenced by the theory that inflation should be the only concern of a central bank. It is becoming increasingly clear that financial stability should also be on the radar screen of a central bank. In fact, most central banks have been created to solve an endemic problem of instability of financial systems. With their unlimited firing power, central banks are the only institutions capable of stabilising the financial system in times of crisis.

In order for the ECB to be successful in stabilising the sovereign bond markets of the Eurozone, it will have to make it clear that it is fully committed to exert its function of lender of last resort. By creating confidence, such a commitment will ensure that the ECB does not have to intervene in the government bond markets most of the time, very much like the commitment to be a lender of last resort in the banking system ensures that the central bank only rarely has to provide lender of last resort support.”

Mit Blick auf Milton Friedmans mutmaßliche Position bin ich mir zwar nicht so sicher, ansonsten denke ich aber, dass de Grauwe weitgehend recht hat.

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Ah, jetzt kapier ich’s endlich!

So kompliziert ist das alles gar nicht – die Griechenlandkrise und der Rettungsschirm, erklärt im Video.

Sehr nett  - die Jungs sollten eine englische Version davon machen!

Update: Friedrich Bolle hat mich über Twitter dankenswerterweise auf diesen Artikel aus der Landeszeitung hingewiesen (“Die Welt-Erklärer von der Uni)”, in dem die Hintergründe des Projektes erklärt werden.

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