So wirkt sich der Boykott-Aufruf auf das BWL-Ranking aus

Jörg Schläpfer von der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich hatte in den vergangenen Tagen allerhand zu tun: Er pflegt die Forschungsmonitoring-Datenbank, die  unter anderem Grundlage für das Forschungsranking BWL des Handelsblatts ist. Seit dem vergangenen Wochenende hat Jörg sich durch hunderte von E-Mails gearbeitet und in der Datenbank vermerkt, welche Forscher  nicht im Personenranking erfasst sein wollen.

Insgesamt haben sich in diesem Jahr 339 Betriebswirte auf die “Robinson-Liste” setzen lassen – deutlich mehr als bei unserem ersten BWL-Ranking vor drei Jahren. Die allermeisten Forscher haben sich nach dem von Alfred Kieser und Margit Osterloh initiierten Boykott-Aufruf bei uns gemeldet. (Zu den Argumenten der Kritiker habe ich hier im Handelsblog Stellung bezogen, eine ausführlichere Stellungnahme folgt in den nächsten Tagen.)

Insgesamt haben wir 3016 für das BWL-Ranking relevante Forscher in unserer Datenbank erfasst, von denen 2224 mindestens eine für das Ranking relevante Publikation haben. Grob geschätzt machen die Ranking-Verweigerer also elf Prozent der Wissenschaftler nicht mit.

Die Auswirkungen auf das Personenranking sind aber deutlich geringer, als diese nackten Zahlen suggerieren.

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BWL-Forscher rufen zum Boykott des Handelsblatt-Rankings auf – mit Update

In knapp zwei Wochen – am 10. September – veröffentlicht das Handelsblatt die Neuauflage des BWL-Rankings. Wir bieten Forschern, die nicht mitmachen wollen, eine Opt-Out-Möglichkeit aus den Personenrankings (für das  Hochschul-Ranking werden die Personen trotzdem mitgezählt).

Einige Betriebswirte um Margit Osterloh (Uni Zürich) und Alfred Kieser (Zeppelin Universität, Friedrichshafen) haben jetzt einen Boykott-Aufruf initiiert und einen offenen Brief verfasst, der dem Handelsblatt vorliegt. Darin heißt es:

Warum wir aus dem Handelsblatt BWL-Ranking ausgestiegen sind

Am 9. September [Anmerkung: tatsächlich ist es der  10. September] dieses Jahres wird das Handelsblatt in seinem zweiten BWL-Ranking wieder verschiedene Ranglisten veröffentlichen: die der besten 250 deutschsprachigen Betriebswirte nach den Forschungsergebnissen ihres Lebenswerkes, die der 100 Besten nach den Forschungsergebnissen der letzten 5 Jahre und die der 100 Besten unter 40 Jahren. Ermittelt werden diese Ranglisten auf der Basis der in Zeitschriften veröffentlichten Aufsätze. Buchveröffentlichungen werden nicht berücksichtigt. Die Aufsätze werden nach einem vom Handelsblatt ermittelten Maßstab gewichtet, welcher die Qualität der jeweiligen Zeitschrift und der darin veröffentlichten Arbeiten zum Ausdruck bringen soll. » weiterlesen

Drei weitere Lichtenthaler-Aufsätze zurückgezogen

Drei weitere Fachzeitschriften haben in den vergangenen Tagen Arbeiten des Mannheimer BWL-Professors Ulrich Lichtenthaler wegen schwerer Fehler zurückgezogen: Das “Journal of World Business”, das  “Strategic Management Journal” (SMJ) und das “Journal of Management Studies”.

Die SMJ-Retraction ist unter anderem deswegen besonders frappierend, weil es sich um eines der neuesten Papiere von Lichtenthaler handelt – der Aufsatz, den er gemeinsam mit seinem Doktorvater Holger Ernst von der WHU geschrieben hat, ist erst 2012 erschienen.

Damit ist die Zahl der Aufsätze von Lichtenthaler, die seit Anfang Juni offiziell “retracted” wurden, auf sechs gestiegen. Forscher, die  Details des Falles kennen, sagen mir, dass in den nächsten Wochen und Monaten noch eine Reihe weiterer seiner  Arbeiten, die  in anderen Fachzeitschriften erschienen sind, zurückgezogen werden. Mindestens zwei weitere Retractions stehen unmittelbar bevor. Lichtenthaler hat nach meinen Informationen auch von sich aus noch bei noch deutlich mehr Fachzeitschriften um den Widerruf von problematischen Artikeln gebeten. » weiterlesen

Griechenland spart – so viel, wie niemand sonst in Europa

Griechen-Bashing ist gerade mal wieder ziemlich in Mode in Deutschland. Der CSU-Politiker Stefan Müller brachte des Volkes Stimme jüngst auf den Punkt. In Griechenlandsei  kein ausreichender Wille erkennbar, die Auflagen der internationalen Geldgeber zu erfüllen.

Zumindest mit Blick auf die Entwicklung der Staatsfinanzen stimmt das aber schlicht und ergreifend nicht. Ein schöner Beleg dafür ist eine Studie der Irischen Notenbank, über die die Kollegen der FAZ heute in ihrer Printausgabe unter der Überschrift “Niemand saniert so hart wie die Griechen” berichtet. In dem Artikel heißt es:

“… kein Krisenland der Eurozone [unternimmt] so harte Anstrengungen zur Sanierung der Staatsfinanzen wie Griechenland. Das zeigt eine neue Untersuchung der Irischen Zentralbank. Der griechische Staat hat nach Berechnung der Notenbank-Ökonomin Laura Weymes in den vergangenen beiden Jahren Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen im Volumen von 20 Prozent der Wirtschaftsleistung vorgenommen und damit fünfmal so viel wie Portugal und Spanien bislang. Selbst Irland, das für seine entschlossene Sparpolitik als vorbildlich gelobt wird, ging bei der Haushaltssanierung nicht annähernd so hart vor wie Griechenland”

Die Studie mit dem Titel “Fiscal Consolidation – does it deliver” kann man auf der Webseite der Irischen Zentralbank herunterladen. Darin findet man unter anderem folgende Grafik, die die Konsolidierungsanstrengungen der verschiedenen Krisenstaaten vergleicht. » weiterlesen

Deutsche Ökonomen bei Twitter – das um Fake-Follower bereinigte Sommer-Update

Ende Juli habe ich nach rund einem halben Jahr die Liste der deutschen Ökonomen bei Twitter aktualisiert – und bin dabei auf eine sagenhafte Follower-Inflation bei @eflation gestoßen. Im Januar hatte er noch 376 Follower, jetzt sind es fast 24000.

Bei Twitter spekulierten mehrere Leute darüber, dass es sich um gekaufte Follower handeln könne, auch der Wirtschaftsphilosoph monierte   in einem Blogpost  Fake-Follower bei eFlation. eFlation selbst weist von sich, dass er sich Follower gekauft hat.

Heute machte mich @egghat über Twitter auf ein neues Tool von Status People aufmerksam, mit dem man die Qualität der Twitter-Follower beurteilen kann. (Hintergrund zu dem Tool hier.) Die App gibt an, wie groß der Anteil der Follower ist, deren Accounts entweder Fake oder inaktiv sind.

Ich habe mich daher entschlossen, die Twitter-Liste abermals zu aktualisieren – und nach dem mit der Status-People-App bereinigten Zahl der Follower zu sortieren, womit ich mich selbst leider wieder aus der Top 10 katapultiere….

  1. @littlewisehen – Der Münchener Wirtschaftsblogger Wolfgang Unglaub –  3548 “gute” Follower (89% von 3987)
  2. @eFlation – “Fondsmanager, Publizist, Cosmonaut” – und  Autor bei Wiessaussieht –  3355 “gute” Follower (14% von 23967)
  3. @PatrickBernau – Der Online-Chef des Wirtschaftsressorts der Frankfurter Allgemeinen Zeitung – 1992 “gute Follower (70% von  2845) – Patrick  war auch einer der ersten Wirtschaftsjournalisten mit einer eigenen Facebook-Fanpage, mit derzeit 198 “Likes”
  4. @abuschmeier- Management-Consultant und Hochschullehrer  - 1967 “gute” Follower -  (88% von 2235)
  5. @doener – Der  Düsseldorfer Wirtschaftsblogger Stephan Dörner – 1917 “gute” Follower (79% von  2426)
  6. @egghat – “Econblogger und iOS Developer”, der das Blog “Die Wunderbare Welt der Wirtschaft” betreibt – 1810 “gute Folloer (78% von 2320)
  7. @tiefseher – Daniel Eckert, Finanzreporter der “Welt” und “Welt am Sonntag”: 1463 “gute” Follower (58% von 2522 )
  8. @rkeuper – Ralf Keuper tweeted aus Paderborn über Ökonomie, Banking und Finance – 1287 “gute” Follower (90% von 1430)
  9. @blicklog – Das unabhängige Ökonomie-Blog “Blicklog” bei Twitter –1265 “gute” Follower (75% von 1687)
  10. @schuldensuehner - Holger Zschäpitz, Wirtschaftsredakteur bei der “Welt” – 1247 “gute” Follower  (67% von 1862 Follower)
  11. @marcusgatzke -Ressortleiter Wirtschaft bei “ZEIT Online” – 813 “gute” Follower (73% von 1115 )ollower (Januar: 777)
  12. @olaf_storbeck – Handelsblatt-Ökonomie-Korrespondent – 783 “gute” Follower (69% von 1135)   [das bin ich – es gibt auch noch mein englisches Account @olafstorbeck mit 2018 “guten” Followern (61% von 3309)  Followern (Januar:  2498)  und meine Facebook-Seite mit derzeit 766 “Likes”  
  13. @teraeuro - laut Twitter-Profil “sporadischer Hobby-Blogger” – 740 “gute” Follower (83% von  892 )
  14. @pixeloekonom- Johannes Eber, Berater der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft – 532 “gute” Follower  (74% von 719 )
  15. @mh120480 – betreibt das Blog Goowell – 524 “gute” Follower (75% von 699)
  16. @aloa5 – Otmar S, betreibt das Blog Logicorum – 473 “gute” Follower  (88% von 538)
  17. @ralfdrescher – Mein ehemaliger Handelsblatt-Kollege Ralf Drescher, heute Ressortleiter beim deutschen Wall Street Journal  – 455 “gute” Follower (75% von 606)
  18. @wirtschaftswurm – Der freie Journalist und Ghostwriter Arne Kuster –449 “gute” Follower  (71% von 632)
  19. @lostgen – Der Autor des Blogs “Verlorene Generation” twittert auch – 435 “gute” Follower (75% von 580)
  20. @kantosEcon – Twitter-Feed des Blogs “Kantoos Economics” 383 “gute” Follower – (55% von 697)
  21. @Haucap – Der Vorsitzende der Monopolkommission und lange Zeit der einzige VWL-Prof in dieser Liste –  310 “gute” Follower (72% von 430)
  22.  @StephanEwald - Profi-Zyniker und Blogger bei Wiesaussieht  – 245 “gute” Follower (81% von 303)
  23. @Wirtschaftsphil - Ein anonymer Hochschulvolkswirt, der als “Wirtschaftsphilosoph” auch ein eigenes Blog betreibt – 244 “gute” Follower (76% von 321)
  24. @DanielDaffke – “Gelegenheitsblogger” – 219 “gute” Follower (87% von 252 )
  25. @markusgaertner – Der ehemalige China-Korrespondent des Handelsblatts berichtet heute aus Vancouver über die Weltwirtschaft  – 203 “gute” Follower (82% von 248)
  26. @stefan_sell: Der Professor der Hochschule Koblenz twittert  über Wirtschaftsthemen – 175 “gute” Follower (70% von 250)
  27. @SDullien: Der ehemalige FTD-Kollege Sebastian Dullien, heute VWL-Professor an der FH Berlin -  103  “gute” Follower  (82% von 126)
  28. @profpaulwelfens – Der Wuppertaler VWL-Professor Paul Welfens –77 “gute” Follower  (73% von 106)
  29. @zopolan – “Economics, Social Sciences, Politics, Political Culture, Philosophy, Humanism. And Coffee. The guy on the photo is not me.” –77 “gute” Follower  (82% von 72)
  30. neu: @lumpyeconomist: Der Aachener VWL-Professor Rüdiger Bachmann, der als Lumpenökonom auch bloggt – 47 “gute” Follower (65% von 72 )

Medien, Wirtschaftsforschungsinstitute u.ä.

  1. @FTD_Wunder – Die Konjunktur-Kollegen der “Financial Times Deutschland” – 1408 “gute” Follower (64% von 2200))
  2. @FAZ_Finance – Finanz- und Wirtschaftsnews der FAZ – 1484 “gute” Follower (60% von 2474)
  3. @OECDStatistik – Die Mitarbeiter des OECD Berlin Centre wühlen in den OECD-Datenbanken und veröffentlichen  Zahlen, die für aktuelle Diskussionen im deutschsprachigen Raum relevant sind.  – 1248 “gute” Follower (64% von 1951)
  4. @insm – Twitter-Repräsentanz der “Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft” – 910 “gute” Follower  (71% von 1282)
  5. @DIW_Berlin – Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung bei Twitter  -714 “gute” Follower  (68% von 1050)
  6. @iw_koeln – Das Institut der deutschen Wirtschaft bei Twitter – 669 “gute” Follower  (69% von 969)
  7. @ZBW_news – Twitter-Repräsentanz der Kieler Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften – 476 “gute” Follower (63% von 755)
  8. @hb_oekonomie – Die Handelsblatt-Ökonomie-Berichterstattung bei Twitter – 402 “gute” Follower (56% von 718))
  9. @fazitblog – Das Wirtschaftsblog der FAZ-Kollegen bei Twitter – 378 “gute” Follower (60% von 630)
  10. @oekonomenstimme – Deutschsprachiges Ökonomenportal nach dem Vorbild von VoxEU.or – 369 “gute” Follower (63% von 586)
  11. @IMKFlash - das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung und ihr Chef Gustav Horn sind ebenfalls online – 267 “gute” Follower (62% von 431)

Andere Übersichten

Patrick Bernau hat eine schöne Übersicht über Ökonomen bei Google Plus zusammengestellt. Wer sich für die Euro-Krise interessiert, sei noch auf den “PIIGS Plus Club” bei Twitter hingewiesen – eine Liste mit Twitterern aus allen möglichen EU-Ländern, die auf Englisch über die Misere tweeten. (Hier ein bisschen was zu den Hintergründen des PIIGS-Plus-Clubs.)

Wer fehlt noch? Hinterlasst mir einen Kommentar im Blog oder schreibt an @olaf_storbeck.

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Besuchen Sie mein englisches Weblog “Economics Intelligence” und meine Facebook-Seite – ich freue mich über jedes “like”!

 

http://twitter.com/LostinEU

 

 

Mario Draghi dient der Stabilität

Er nannte keine Summen, keine Ziele, keinen Zeitplan: Auf den ersten Blick blieb Mario Draghi, der Präsident der Europäischen Zentralbank, heute in seiner Erklärung zu möglichen Staatsanleihekäufen durch die Notenbank im Ungefähren stecken. Was, wann und wie viel die EZB kaufen könnte, das ließ er  im Dunkeln. Erst in den nächsten Wochen will die EZB die genauen Details ausarbeiten.

Die wenigen Einzelheiten und die vielen „Vielleichts“ enttäuschten die Finanzmärkte. Nach der Brandrede, die der EZB-Chef in der vergangenen Woche in London gehalten hatte, hatten die Beobachter mehr Details und konkrete Pläne erwartet. Die Botschaft, die bei ihnen ankam, lautete: Die EZB will alles tun, was nötig ist, um den Euro zu retten – weiß aber noch nicht genau, was oder hat sich zumindest noch nicht entschieden.

Doch diese naheliegende Interpretation wird dem wahren Inhalt von Draghis Rede nicht gerecht. Denn indirekt hat der EZB-Präsident zum ersten Mal öffentlich eingeräumt, dass die Notenbank eine bestimmte Zielgröße für die Risikoaufschläge bei Staatsanleihen hat – und dass sie bereit ist, alles zu tun, um diese Zielgröße zu erreichen. Wo die Schmerzgrenze der Notenbank liegt, verriet Draghi zwar nicht. Aber allein die Tatsache, dass es sie gibt, ist ein wichtiger Schritt nach vorn. Wenn Draghi meint, was er sagt, dann bedeutet das, dass die Bank im Zweifel unbegrenzt aufkauft. » weiterlesen

Deutsche Ökonomen bei Twitter – das Sommer-Update

Nach gut einem halben Jahr ist es höchste Zeit, meine Liste der deutschen Ökonomen, die bei Twitter unterwegs sind, zu aktualisieren.

Das Update war lange überfällig – erstellt habe ich es jetzt auch aus einem eigennützigen Anlass: Ich möchte ein bisschen Werbung machen für unser neues Twitter-Account @hb_aus_london.

Zugegeben, mit Ökonomie hat Account das nicht viel  zu tun. Es geht um London und die olympischen Spiele. Unter diesem Account tweetet  das Londoner Handelsblatt-Büro – Michael Maisch, Katharina Slodczyk und ich – während der größten Sportveranstaltung der Welt  über alles mögliche und unmögliche rund um London 2012 (allerdings kaum über Sport).  Eine kurze Vorstellung unseres Accounts findet sich auch hier: “Zwitschern über London, Olympia – und Bier”

So, und damit endet der Werbeblock. Hier die Übersicht über die Twitter-Ökonomen.

Beim Aktualisieren dachte ich lange: “Viel hat sich ja nicht bewegt” – bis ich bei @eFlation angekommen war, der im Januar mit 371 Followern auf Platz 16 lag. Im letzten halben Jahr ist seine Twitter-Followerzahl absolut explodiert – auf unglaubliche  23913. Ich habe das dreimal nachgeprüft, aber diese Zahl weist Twitter wirklich aus. Damit hat sich  der Fondsmanager und Publizist mit großem Abstand ganz nach vorne katapuliert, er hat jetzt sieben Mal mehr Follower als @littlewisehen, der bislang unangefochten auf Platz 1 lag. Weiß jemand, was der Grund ist für diese magische Follower-Inflation bei @eFlation?

Abgesehen von dem Riesensprung bei @eFlation gab es nur kleinere Verschiebungen – und eine Reihe von neuen Ökonomie-Twitterern. » weiterlesen

Uni Mannheim prüft Vorwürfe gegen Ulrich Lichtenthaler

Nachdem der  Rektor Hans Wolfgang Arndt die nötigen Kollegen aus dem Urlaub geholt hat, tagte heute an der Universität Mannheim die Kommission, die die  Vorwürfe gegen den Mannheimer Betriebswirten Ulrich Lichtenthaler untersucht.

Sie hat beschlossen, externe Gutachter einzuschalten und verspricht eine “schnellstmögliche, sorgfältige Aufklärung der Vorwürfe “.

Die Universität veröffentlicht dazu folgende Pressemitteilung:  » weiterlesen

Der publizistische Amoklauf des Walter Krämer

Mein Düsseldorfer  Kollege Jan Mallien hat eine ziemlich unglaubliche Story ausgegraben: In einem Interview mit der Studentenzeitung “Pflichtlektüre” hat der  Dortmunder Statistik-Professor  Walter Krämer  einen publizistischen Amoklauf hingelegt.

(Update: Nach dem Handelsblatt-Bericht hat Walter Krämer das Interview mit der Studentenzeitung überarbeitet und die kritischen Passagen herausnehmen lassen – mehr dazu unten.  Die Original-Fassung ist allerdings noch hier verfügbar.

Noch ein Update: Meine Kollegen von Handelsblatt.com haben heute mit Krämer gesprochen: Das Interview mit der “Pflichtlektüre” sei nicht authorisiert worden, er habe sich bei Bofinger entschuldigt.)

Seinen Kollegen Peter Bofinger, der den von Krämer initiierten Ökonomenaufruf hart kritisiert hat, bezeichnet Krämer als “akademische Nullnummer”. Und den “Spiegel”-Journalisten, der einen kritischen Artikel über Hans-Werner-Sinn geschrieben hat, möchte Krämer am liebsten “erwürgen und an die Wand klatschen”.

Bislang hatte ich den Aufruf selbst für den Tiefpunkt der akademischen Debatte über die Euro-Krise gehalten, aber dieses Interview toppt die Sache gewaltig. Das ist auf einem Niveau mit anonymen Kommentatoren, die hier im Blog Leuten, die anderer Meinung sind, offen gedroht haben: “Machen Sie ruhig so weiter, wenn die Stimmung im Volk kippt wird man sich an Sie erinnern.” » weiterlesen

Roman Herzog zu Bundesbank und EZB

Altbundespräsident Roman Herzog hat ein bemerkenswertes Interview zum ESM gegeben. Darin findet sich auch eine interessante Passage zur Rolle der Bundesbank.

Frage: “Artikel 88 schreibt vor, dass die Kompetenzen der Deutschen Bundesbank auf die EZB übertragen werden können, wenn diese „unabhängig ist und dem vorrangigen Ziel der Preisstabilität verpflichtet“. Sind die politischen Entscheidungen der EZB und das Fluten der Märkte mit einer Billion Euro also ein Verfassungsbruch?”

Antwort: “Ich würde es umgekehrt sagen: Der Grundgesetzverstoß wäre es, wenn man zu lange wartet, diese Übertragung zu widerrufen. Ich bin da für schonungslose Drohungen in den Verhandlungen.”

Der Widerruf der Übertragung von Kompetenzen an die EZB muss mit einer eigenen Währung einhergehen. Es ginge also um den Austritt Deutschlands aus der Währungsunion. Interessant scheinen mir in diesem Zusammenhang drei Fragen. Erstens: Wann müssen wir davon ausgehen, dass die EZB nicht mehr dem vorrangigen Ziel der Preisstabilität verpflichtet ist? Zweitens: Wann müssen wir davon ausgehen, dass die EZB nicht mehr unabhängig ist? Drittens: Spielt es bei der Anwendung von Artikel 88 des Grundgesetzes eine Rolle, ob die Bundesbank nach einem Euro Austritt weniger Inflation als die EZB erreicht?

Die Unabhängigkeit ist formal erfüllt. Aber die formale Unabhängigkeit hilft der EZB nicht, wenn die Fakten ihr keine Wahl lassen. Die EZB ist trotz ihrer festgelegten Ziele und trotz der formalen Unabhängigkeit Bilanzrisiken eingegangen, die auch Risiken für die Preisstabilität werden können. Allerdings wurde die EZB mehrfach von der Politik in eine Lage gebracht, in der sie die Wahl hatte, wichtige Grundsätze aufzugeben oder eine Finanzkrise in Verbindung mit einer Rezession hinzunehmen. Sie hatte die Wahl zwischen dem Risiko von Inflation und dem von Deflation. Eine Entscheidung zu Gunsten eines Inflationsrisikos würde ich nicht als Indiz für eine Abkehr vom Ziel der Preisstabilität deuten.

Allerdings wäre es im Zusammenhang mit der Allokation der Finanzaufsicht oder einer Vergabe einer Banklizenz an den ESM sehr problematisch, wenn der EZB per Vertrag oder faktisch weitere Aufgaben zuwachsen. Im Fall der Banklizenz weiß die EZB, was die Aufgabe des ESM ist, an den sie Geld verleiht. Je mehr konkurrierende Aufgaben die EZB faktisch hat, desto weniger glaubhaft ist es, von einem Vorrang der Preisstabilität zu sprechen. Deshalb sehe ich eine Banklizenz für den ESM und die Übertragung von Aufsichtsaufgaben kritisch.

Am interessantesten finde ich die Frage, was der Bundesbank nach einem einseitigen deutschen Euro-Austritt gelingen kann. Spielen wir den Austritt also einmal durch.

• Mit Blick auf die Risiken in der Bilanz der EZB, die Höhe der Target Salden der Bundesbank von inzwischen über 1000 Milliarden Euro und unter Berufung auf Artikel 88 des Grundgesetzes kündigt die Bundesregierung die sofortige Umstellung aller deutschen Sichtguthaben, Termineinlagen, Forderungen und Verbindlichkeiten in D-Mark zum Kurs 1:1 an.

• Noch am selben Tag erklären Frankreich, Italien und Spanien den Austritt Deutschlands als vertragswidrig und schädlich für ganz Europa. Deshalb machen sie deutlich, dass Target-Forderungen austretender Länder nur teilweise beglichen werden. Diese Salden seien schließlich alleine durch den deutschen Austritt zu einer relevanten Größe geworden. Sie verweisen in diesem Zusammenhang auch auf die Stellungnahmen der Bundesbank zu diesem Thema.

• In der Eröffnungsbilanz der neuen Bundesbank finden sich nun zweifelhafte Forderungen an die europäische Zentralbank in Höhe von etwa 1000 Milliarden Euro. Auf der anderen Seite der Bilanz stehen Verbindlichkeiten gegenüber den deutschen Geschäftsbanken. Deren Einleger fragen sich, was die Bundesbank tun wird, wenn sie versuchen, an ihr Geld zu kommen. Vor diesem Hintergrund fordert die Bundesbank die Bundesrepublik zu einer raschen Rekapitalisierung auf.

• Die Kanzlerin überschlägt, dass sie diese Rekapitalisierung über einen Schuldenstand von 100 Prozent des BIP bringt. Da das Bundesbankgesetz wegen des Austritts ohnehin neu geschrieben werden muss, wird dort die Entscheidung über eine Rekapitalisierung der Bundesregierung zugewiesen. Die Mehrheit im Bundesrat erreicht, dass die Aufgaben der Zentralbank im Bundesbankgesetz erweitert werden. Nach einer nur mäßigen Kapitalerhöhung begleicht die Bundesbank Verbindlichkeiten gegenüber den deutschen Banken über die „Notenpresse“.

• In Italien und Spanien kaufen die nationalen Zentralbanken im ESZB von den Geschäftsbanken des Südens Staatsanleihen der beiden Länder. Damit verschwinden große Teile der Schulden der Geschäftsbanken bei den nationalen Zentralbanken. Die Staatsanleihen werden von den nationalen Zentralbanken an die EZB weitergegeben. Damit verschwinden die Target Salden. Die EZB erklärt, dass sie diese Anleihen nicht einlösen wird. Damit sinken die Schuldenstände Italiens und Spaniens auf ein vertretbares Niveau.

Bei der Anwendung von Artikel 88 sollte man die Alternativen genau vergleichen. Die Eröffnungsbilanz der Bundesbank würde den Start in eine neue Währung erheblich erschweren.