Das chinesische Datenwunder

Nun liegt Chinas Wachstum im Gesamtjahr 2012 also bei 7,8 Prozent. Mal wieder genau auf dem Zielwert – das sind wir von China gewöhnt. Trotzdem, oder eigentlich gerade deshalb, wurde ich stutzig, als Statistiker Ma Jiantang heute auf der großen BIP-Pressekonferenz die Zahl nannte.

Denn im Oktober hatte sich ein bekannter, bestens vernetzter Ökonom von einer führenden staatlichen Uni in meinem Beisein verquasselt. „Ich denke, das Wachstum in diesem Jahr liegt eher bei 7,5 Prozent“, hat der grauhaarige Wissenschafts-Veteran gesagt. „Das sollte am Jahresende auch draufstehen. Außer, die drehen mal wieder dran.“

Hat China nun an der Statistik gedreht?  » weiterlesen

EU startet Casting – aber ohne TV-Show

Auf diesem Foto ist eigentlich alles falsch: Beim EU-Casting gibt es keinen Dieter Bohlen und der Daumen muss runter zeigen. Bild: dpa

„Deutschland sucht den Superstar“ war gestern, jetzt mischt sich die Europäische Union (EU) in die Suche nach dem Ultimativen ein. Eigentlich werden in solchen Shows immer die besten Sänger, die größten Talente und schönsten Frauen gesucht. Bei „Deutschland sucht den Superstar“ treten Tausende Gesangstalente an. Manche mehr und viele weniger begnadet – doch alle vereint in der Hoffnung, dass Dieter Bohlen ihnen keinen allzu fiesen Spruch reindrückt und das Publikum sie immer weiter wählt – bis zum Superstar. » weiterlesen

Wenn aus Bären Bullen werden

An jeden Jahresanfang knüpft sich die Hoffnung eines Neubeginns, und bislang fühlt sich 2013 gar nicht so schlecht an, zumindest an den Börsen. Zwar hatte auch 2012 mit frischem Optimismus begonnen, bevor die Euro-Krise dann nach wenigen Monaten wieder die Stimmung verdarb. Aber in diesem Jahr gibt es doch einige bemerkenswerte Signale, die Hoffnung machen. » weiterlesen

The Smog – Nebel des Grauens

Ein Land voller Dreckschleudern: Kohlekraftwerk in Hebei

Ein Land voller Dreckschleudern: Kohlekraftwerk in Hebei

Die Schwaden, die am Samstagnachmittag im Pekinger Stadtteil Chaoyang auf mich zukamen, erinnerten mich an den Film „Der Nebel des Grauens“. Nur dass darin keine toten Seeleute lauerten, sondern Feinstaubpartikel.

Der plötzliche Rekord-Smog kommt für mich etwas überraschend, weil der Trend eine Weile lang in Richtung besserer Luft ging. Gerade zu Jahresbeginn hatten wir wunderbar klares Wetter. Peking selbst tut zudem einiges, um die Luft zu verbessern – gerade haben zwei neue U-Bahnlinien eröffnet. Doch der Nebel des Grauens wabert flächendeckend über den Industrieregionen Nordchinas.  » weiterlesen

Berühmt werden oder richtig liegen

Habe gerade den Bestseller “The signal and the noise” von Nate Silver gelesen und möchte nur auf eine seiner Thesen aufmerksam machen, die Ökonomen betrifft. Danach haben Leute dieses Berufsstands, überspitzt gesagt, die Wahl, entweder berühmt zu werden oder richtig zu liegen. Beides zugleich scheint sehr schwierig zu sein.

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Chinesische Vendetta

Das sonst rote Logo der "Südliches Wochenende" in Trauer-Grau.

Das sonst rote Logo der “Südliches Wochenende” in Trauer-Grau.

Die Journalisten in der chinesischen Südprovinz Guangdong fordern derzeit den Rücktritt des örtlichen Propagandachefs. Anders gesagt: Sie fordern einen neuen Zensor. Zur Stunde findet dazu sogar ein kleine Demo statt – hier findet sich ein Live-Ticker.

Das Ziel des Protests klingt bisschen so, als forderten die Mäuse vom Bauern eine neue Katze. Diese Entwicklung spricht für erstaunliches Selbstbewusstsein der Journalisten – es zeigt aber auch, wie sehr sich die Gesellschaft mit dem System arrangiert hat. » weiterlesen

Chinas rekordschnelle Überinvestition

Chinesischer Hochgeschwindigkeitszug bei der Jungfernfahrt

Chinesischer Hochgeschwindigkeitszug bei der Jungfernfahrt (Foto: fmk)

China hat in diesen Tagen die weltweit längste Strecke für Hochgeschwindigkeitszüge eröffnet. Der vermeintliche Triumph der Technik zeigt jedoch zugleich den großen Hinkefuß des chinesischen Wirtschaftswunders: Es beruht auf Überinvestitionen, die nie eine angemessene Rendite bringen werden.  » weiterlesen

Schwarzfahrer in Washington, Frankfurt und Berlin

Dollarscheine: Schwarzfahrer bringen ökonomische Probleme – auch in der Politik. Bild: dpa

Man spricht gerne von Trittbrettfahrern. Aber heute gibt es ebenso wenig noch Trittbretter, auf denen man außen mitfahren kann, wie Schaffner im Nahverkehr. Man sollte daher die Leute beim Namen nennen: Schwarzfahrer. Sie stellen ein ökonomisches Problem dar, denn sie maximieren den eigenen Nutzen auf Kosten der anderen, ähnlich wie Steuer- oder Versicherungsbetrüger. Und es gibt sie auch in der Politik. Zum Beipiel in Washington. Aber möglicherweise auch in Berlin und Frankfurt. Insofern brauchen wir eine kleine politische Ökonomie des Schwarzfahrens.

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Der Baby-Diktator muss bloß China folgen

Ein frohes neues Jahr! – auch für Nordkorea? Als vorhin die ersten Agenturmeldungen von Kim Jong-Uns überraschenden Neujahresgrüßen aus Nordkorea liefen, fragten sich die Beobachter sofort, wie  der Junior-Machthaber das anstellen will: in der vergammelten Volkswirtschaft seines Landes einen “radikalen Anstieg der Produktion” (Zitat von Yonhap) in Landwirtschaft und Industrie zu bewirken. Doch tatsächlich wäre es für Kim vergleichweise leicht, hohes Wachstum zu erzeugen – wenn er sich denn gegen die Betonköpfe in der eigenen Partei durchsetzen kann.  » weiterlesen

Die Ökonomie des Schenkens

Weihnachtsgeschenke. Bild: dpa

Zu Weihnachten geht es nicht ums Tauschen, sondern ums Schenken. Bild: dpa

Wir haben uns angewöhnt, Ökonomie als eine Lehre vom Tauschen zu verstehen. Bis weit in Grenzgebiete hinein: Die politische Ökonomie untersucht, wie man Politik als Tauschgeschäft auffassen kann. Alternative Auffassungen kommen eher aus anderen Disziplinen, von Soziologen, Philosophen oder Anthropologen, von Franzosen wie Marcel Mauss, Jacques Derrida und Michel Serres oder dem Franzosenfreund Peter Sloterdijk, von David Graeber, einem Initiatior der Bewegung “Occupy Wall Street”: häufig Leute, die selbst in ihrer eigenen Wissenschaft oder politisch besehen eher Außenseiter sind.

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