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	<title>Handelsblog</title>
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	<description>Zur Unterwanderung des wirtschaftlichen Sachverstands</description>
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		<title>Pekings gefälschtes Ikea-Möbelhaus</title>
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		<pubDate>Tue, 21 May 2013 10:55:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Finn Mayer-Kuckuk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ökonomie]]></category>
		<category><![CDATA[Verbraucher]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Ikea]]></category>
		<category><![CDATA[Nachahmer]]></category>

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		<description><![CDATA[Am meisten haben es mir die blau-gelben Polohemden der Möbelberaterinnen angetan. Der Schriftzug links auf der Brust lautet zwar „Joyme“, nicht „Ikea“, doch ansonsten wirken sie so schweden-mäßig, wie das überhaupt nur sein kann. Doch eigentlich sind natürlich die Möbel &#8230; <a href="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/2013/05/21/pekings-gefalschtes-ikea-mobelhaus/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Am meisten haben es mir die blau-gelben Polohemden der Möbelberaterinnen angetan. Der Schriftzug links auf der Brust lautet zwar „Joyme“, nicht „Ikea“, doch ansonsten wirken sie so schweden-mäßig, wie das überhaupt nur sein kann. Doch eigentlich sind natürlich die Möbel viel beeindruckender. Da stehen sie, wie beim Original liebevoll in komplett eingerichtete Wohn- und Schlafzimmer zusammengestellt. Viele alte Bekannte sind dabei: Hemnes beispielsweise, Pax, Ivar und natürlich Billy.<br />
Willkommen beim gefälschten Ikea in Peking. <br />
<div id="attachment_640441" class="wp-caption aligncenter" style="width: 400px"><a href="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/05/20130520_163825-001.jpg"><img class="size-full wp-image-640441" alt="Eine vertraute Folge von fensterlosen Beispielzimmern: falsches Ikea in Peking." src="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/05/20130520_163825-001.jpg" width="390" height="293" /></a><p class="wp-caption-text">Eine vertraute Folge von fensterlosen Beispielzimmern: falsches Ikea in Peking.</p></div></p>
<p>Konkurrenz ist das wichtigste Prinzip der Marktwirtschaft – und wer mit seiner Idee nach China geht, muss sich auf reichlich Wettbewerb gefasst machen. Anders als in Mitteleuropa machen die Angreifer jedoch nicht brav am Gartenzaun halt. Genau genommen machen sie vor so ziemlich gar nichts halt.<br />
<span id="more-640433"></span><br />
Auch vor der Ikone des skandinavischen Möbelverkaufs nicht. Während das echte Ikea in Peking an der nördlichen vierten Ringstraße liegt, macht die Fälschung in diesen Tagen an der südlichen dritten Ringstraße auf. „Es gibt nur ein Ikea in Peking!“, stellt die PR der Schweden bereits verzweifelt klar.</p>
<p>Dabei ist die Verwechslungsgefahr gering. Denn Joyme befindet sich auf zwei Stockwerken in einem gigantischen Möbelkomplex, der noch andere Läden beherbergt. Es gibt kein Restaurant, keinen Kleinkram und keine Markthalle. Stattdessen sind Internetterminals aufgestellt. Der Kunde soll online bestellen.</p>
<p>Das Geschäftsmodell kommt aus dem Internet. Im vergangenen Jahr haben sich 15 Schreinereien zusammengetan, die vorher Ikea beliefert haben. Sie kennen die Baupläne natürlich perfekt – und haben die gleichen Möbel einfach in <a href="http://jiayimei.tmall.com/?spm=a1z10.1.w3-18402338975.1.pRLmic&amp;scene=taobao_shop" target="_blank">ihren Shop</a> auf der Einkaufswebsite T-Mall angeboten. Der Laden in Peking ist nur ein Ausstellungsraum, damit die Kunden sich die Stücke in der Realität ansehen können.</p>
<p>Ein bisschen bewundere ich den Geschäftssinn der Leute hinter Joyme. Ganz unbefangen sehen sie eine Chance, mit beliebten Produkten Geld zu verdienen. Doch ich finde sie auch reichlich dreist. Für ihren Shop in der T-Mall benutzen sie Originalfotos von Ikea:</p>
<div id="attachment_640437" class="wp-caption aligncenter" style="width: 430px"><a href="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/05/IKEA-Original-und-chinesische-Falschung.jpg"><img class="size-medium wp-image-640437" alt="Zum Vergleich nebeneinander gestellt: Das professionell aufgenommene Bild eines Schlafzimmers auf der echten Ikea-Website und seine dreiste Nutzung durch ein falsches Ikea in China. Quellen: Ikea.de / Tmall.com" src="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/05/IKEA-Original-und-chinesische-Falschung-420x488.jpg" width="420" height="488" /></a><p class="wp-caption-text">Zum Vergleich untereinander gestellt: Das professionell aufgenommene Bild eines Schlafzimmers auf der echten Ikea-Website und seine dreiste Nutzung durch ein falsches Ikea in China. Quellen: Ikea.de / Tmall.com</p></div>
<p>(Dies sind die Links zum <a href="http://www.ikea.com/de/de/catalog/categories/departments/bedroom/choice?cid=de%3Eot%3Etwitter%3Eikea_share" target="_blank">Original </a>und zur <a href="http://detail.tmall.com/item.htm?spm=a1z10.1.w3-17942410962.11.pRLmic&amp;id=17689754605&amp;scene=taobao_shop" target="_blank">Fälschung</a>, doch ich weiß nicht, wie lange sie jeweils funktionieren.)</p>
<p>Der Missbrauch der Ikea-Fotos treibt den Diebstahl geistigen Eigentums auf die Spitze: Nicht nur die Designs der Möbel werden geklaut, sondern auch das Marketing-Material. Seine Erstellung ist teuer, aufwendig und erfordert ein Heer von Profis. Man schaue nur, wie malerisch das Licht durch die Blumen durchs Fenster fällt und wie fluffig das Kissen eingedrückt ist.</p>
<p>Außerdem täuschen die Fotos die chinesischen Kunden. Denn abgebildet ist ja eben nicht die Ware von Joyme, sondern die von Ikea. Ganz so schön wie auf dem Foto wird’s also nicht werden.</p>
<p>Doch der Ideenklau schreckt die Kunden nicht ab. Auf TMall.com ist Joyme bereits der dritttgrößte Möbelanbieter. An Wochenende soll auch der Ausstellungsraum im Süden Peking sehr voll sein, wie die Verkäuferin im blau-gelben Poloshirt versichert.</p>
<p>Als wir vom Handelsblatt uns dem Filialleiter gegenüber als Journalisten zu erkennen geben, wird der zuvor so redegewandte Verkäufer ziemlich vorsichtig und einsilbig. Seinen Namen möchte er nicht nennen, und: „Wir machen hier ja nicht einfach platt Ikea nach!“ Nein? „An jedem Stück haben wir etwas geändert, und andere sind sogar ganz eigene Kreationen.“ Aha.</p>
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		<title>Bringt die Bürokraten in Erklärungsnot!</title>
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		<pubDate>Thu, 16 May 2013 09:33:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Florian Kolf</dc:creator>
				<category><![CDATA[Konjunktur]]></category>
		<category><![CDATA[Bürokratieabbau; Öffentliche Verwaltung; Gesetzgebung]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Regierung feiert sich. Mal wieder. Das Bundeskabinett hat den Bericht des Normenkontrollrates verabschiedet. Klingt abstrakt? Hat aber ganz praktische Bedeutung, denn es geht dabei um den von allen geforderten Abbau von Bürokratie. Die deutsche Wirtschaft sei um 1,2 Milliarden &#8230; <a href="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/2013/05/16/bringt-die-burokraten-in-erklarungsnot/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_640420" class="wp-caption aligncenter" style="width: 430px"><a href="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/05/Akten.jpg"><img class="size-medium wp-image-640420 " alt="Kraftfahrt-Bundesamt legt Jahresbilanz vor" src="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/05/Akten-420x266.jpg" width="420" height="266" /></a><p class="wp-caption-text">Endlose Aktenschränke: Die Bürokratiekosten nicht im Griff. Bild: dpa</p></div>
<p style="text-align: left">Die Regierung feiert sich. Mal wieder. Das Bundeskabinett hat den <a href="http://www.handelsblatt-shop.com/downloads/buerokratie-abbau-aktenzeichen-ungeloest-p4951.html" target="_blank">Bericht des Normenkontrollrates</a> verabschiedet. Klingt abstrakt? Hat aber ganz praktische Bedeutung, denn es geht dabei um den von allen geforderten Abbau von Bürokratie. Die deutsche Wirtschaft sei um 1,2 Milliarden Euro an Bürokratiekosten entlastet worden, heißt es dort. Das Ziel, diese Belastungen um 25 Prozent zu senken, sei erreicht. Im Vorwort des Berichts spricht Staatssekretär Eckart von Klaeden von  einer „positiven Entwicklung“, für die zahlreiche Initiativen der Bundesministerien verantwortlich seien.</p>
<p style="text-align: left"><span id="more-640415"></span>Ich hab mir diese Initiativen mal genauer angeschaut – und war sprachlos, mit welcher Chuzpe und Kreativität dort Erfolge konstruiert werden. Als einer der großen Posten für Bürokratieabbau taucht die Abschaffung der Praxisgebühr auf. Sie erinnern sich? In einer Nachtsitzung mit den Koalitionspartnern hatte dies die FDP für sich als Wahlkampfgeschenk herausgehandelt. Das jetzt als Bürokratieabbau zu verkaufen &#8211; Ökonomen würden so etwas als „windfall profits“ bezeichnen. Ich nenne es Frechheit.</p>
<p>Doch es kommt noch besser. Nach Angaben der Regierung werden durch die Abschaffung der Praxisgebühr jährlich 336 Millionen Euro an Kosten bei den betroffenen Unternehmen eingespart. Das bedeutet ja im Umkehrschluss, dass die Regierung durch die Einführung der letztlich völlig wirkungslosen Praxisgebühr einen Schaden von mindestens 336 Millionen Euro pro Jahr angerichtet hat. Warum wir diese Zahl erst jetzt zu lesen bekommen? Weil es sonst wohl viel schwieriger gewesen wäre, diese Gebühr einzuführen.</p>
<p>Wie wichtig es ist, dass diese versteckten Kosten staatlicher Maßnahmen viel offensiver öffentlich diskutiert werden sollten, zeigt der <a href="https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/Indikatoren/Buerokratiekosten/Ergebnisse/Buerokratiekostenindex/Buerokratiekostenindex.html" target="_blank">Bürokratiekostenindex</a>, den das statistische Bundesamt seit Anfang 2012 jeden Monat erhebt. Der erfasst allein die Belastungen, die in Unternehmen entstehen, wenn diese aufgrund rechtlicher Regelungen Daten oder sonstige Informationen beschaffen, übermitteln oder verfügbar halten müssen. Seit Anfang 2012 ist dieser Index nicht etwa gesunken, sondern sogar um einen Viertelprozentpunkt gestiegen.</p>
<p>Der Soziologe und Publizist Sir Ralph Dahrendorf  hat das Dilemma wunderbar auf den Punkt gebracht: „Wir brauchen Bürokratien, um unsere Probleme zu lösen. Aber wenn wir sie erst haben, hindern sie uns, das zu tun, wofür wir sie brauchen.“ Jahr für Jahr verursacht die Bürokratie bei den deutschen Betrieben Kosten in Höhe von schätzungsweise 37 Milliarden Euro. Zurecht fordern die <a href="http://www.bdi.eu/163_13579.htm" target="_blank">Wirtschaftsverbände</a> von der Regierung größere Anstrengungen.  Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft hat eine ganze<a href="http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/buerokratie-wahnsinn-das-sind-deutschlands-ueberfluessigste-behoerden/3543186.html" target="_blank"> Liste von Behörden</a> zusammengestellt, die niemand wirklich braucht. Die Wirtschaft braucht keine neue Partei, die den Euro abschaffen will. Sie braucht eine, die ernsthaft den Abbau der Bürokratie angeht.</p>
<p>Es gibt in der Finanzwissenschaft das intelligente Konzept der „Sunset Legislation“. Das bedeutet, dass neu eingeführte Gesetze und Verordnungen ein Verfallsdatum bekommen und nach einer bestimmten Zeit automatisch auslaufen. In Deutschland wird dieses Verfahren erst zögerlich eingesetzt. Doch erst wenn die Beweislast umgedreht wird und die Bürokraten immer neu belegen müssen, dass sie mehr Nutzen als Schaden anrichten, nehmen wir den Bürokratieabbau wirklich ernst.</p>
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		<title>Das Übel beim Immobilienfonds und Rinderfond</title>
		<link>http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/2013/05/13/die-traurige-gemeinsamkeit-von-immobilienfonds-und-rinderfond/</link>
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		<pubDate>Mon, 13 May 2013 09:14:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Katharina Schneider</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geldanlage]]></category>
		<category><![CDATA[Verbraucher]]></category>
		<category><![CDATA[Fleischskandal]]></category>
		<category><![CDATA[Immobilienfonds]]></category>
		<category><![CDATA[Pferdefleisch]]></category>

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		<description><![CDATA[Heute schon betrogen worden? Wer am Wirtschaftsleben teilnimmt, dem drohen Übervorteilung und Abzocke. Mal werden Kunden in vermeintlich sichere Anlageprodukten gelockt, mit denen sie am Ende alles verlieren. Mal werden ihnen Versicherungen verkauft, die im Schadensfall doch nicht zahlen oder &#8230; <a href="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/2013/05/13/die-traurige-gemeinsamkeit-von-immobilienfonds-und-rinderfond/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div class="wp-caption aligncenter" style="width: 402px"><img alt="" src="http://www.handelsblatt.com/images/pferdefleisch-skandal/8002394/2-format3.jpg" width="392" height="251" /><p class="wp-caption-text">Nicht immer hält der Inhalt, was die Verpackung verspricht. Bild: dpa</p></div>
<p>Heute schon betrogen worden? Wer am Wirtschaftsleben teilnimmt, dem drohen Übervorteilung und Abzocke. Mal werden Kunden in vermeintlich sichere Anlageprodukten gelockt, mit denen sie am Ende alles verlieren. Mal werden ihnen Versicherungen verkauft, die im Schadensfall doch nicht zahlen oder sie kaufen einen Immobilienfonds, der tatsächlich gar nicht in Immobilien investiert.<br />
<span id="more-640394"></span></p>
<p>In der Finanzwelt bekommen Kunden am Ende nicht immer das, wofür am Anfang geworben wurde. Doch solche Mogelpackungen finden sich in allen Lebensbereichen. Bei den Lebensmitteln sorgte gerade erst das Pferdefleisch in der Rinderlasagne für Furore. Wie so oft bei Skandalen rund um Lebensmittel ist nach einigen Wochen der Empörung inzwischen wieder Ruhe eingekehrt.</p>
<p>Das gilt zumindest für Deutschland. In anderen Teilen der Welt kommt das Thema gerade erst in Gang. So führten Fleischanalysen in Namibia zu noch erstaunlicheren Ergebnissen als hierzulande: <a title="Fleischanalysen in Namibia" href="http://az.com.na/lokales/k-nguru-der-wurst.409254http://" target="_blank">Bei einer Untersuchung der örtlichen Verbraucherorganisation</a> wurden beispielsweise im Wildfleisch Spuren von Rindfleisch gefunden. Wo nur Rind drin sein sollte, war zugleich Schweine-, Geflügel- und Schaffleisch zu finden – und einmal wurde neben Rindfleisch sogar Kängurufleisch entdeckt.</p>
<p>„Glücklicherweise scheint die Angst vor fremden Zutaten in verarbeiteten Fleischprodukten beim Verbraucher nicht all zu groß zu sein“,<a title="Unerschrockene Verbraucher in Nambia" href="http://az.com.na/lokales/gewerbe-verurteilt-etikettenschwindel.409341" target="_blank"> schreibt die örtliche Zeitung</a>. Die Produkte würden weiterhin gekauft. Klar, denn tonnenweise Lebensmittel zu vernichten, kann sich ein Land wie Namibia nicht leisten, zumal die Fleischbeimischungen nicht gesundheitsschädlich sein sollen. Und dennoch, wer Rindfleisch will, der sollte auch Rindfleisch bekommen.</p>
<p>Unternehmen und Behörden sind in der Pflicht, solche Betrügereien durch bessere Kontrollen zu verhindern. So wie Behörden wie die Bafin Finanzprodukte besser kontrollieren müssen, müssen entsprechende Stellen auch Lebensmittel besser kontrollieren. Bisher jedenfalls scheint Betrügen einfach zu sein. Ein niederländischer Großhändler etwa soll schon seit mehr als zwei Jahren Fleisch falsch deklariert haben. Und das wurde auch nach Deutschland geliefert.</p>
<p>Die deutsche Politik hat das Thema inzwischen für ihren Wahlkampf entdeckt. Eine europäische Lebensmittelpolizei müsse her, <a title="Europäische Lebensmittelpolizei" href="http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/spd-chef-gabriel-fordert-neue-eu-behoerde-wegen-pferdefleischskandal/8058214.html" target="_blank">forderte SPD-Chef Sigmar Gabriel</a>. Wahlkampf hin oder her, die Idee klingt plausibel. Doch diese Behörde muss in der Praxis auch mit den nötigen finanziellen Mitteln ausgestattet werden, um nicht nur auf Skandale zu reagieren, sondern auch präventiv Lebensmittel zu prüfen.</p>
<p>Verbraucher haben ein Recht darauf zu erfahren, wie genau ihr Geld investiert wird und was in ihrem Essen steckt. Egal, ob es um einen Immobilienfonds oder einen Rinderfond geht, der Inhalt muss halten, was die Verpackung verspricht.</p>
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		</item>
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		<title>Verschwörung zur Energiewende</title>
		<link>http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/2013/05/09/verschworung-zur-energiewende/</link>
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		<pubDate>Thu, 09 May 2013 09:53:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Finn Mayer-Kuckuk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Konjunktur]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Energiewende]]></category>

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		<description><![CDATA[Was hat ein kleiner Ort in einer chinesischen Wüste mit dem deutschen Solarunternehmer Frank Asbeck zu tun? Die Gemeinde Golmud zeigt, warum der Feldzug des schillernden Geschäftsmannes gegen Chinas Solarhersteller fehlgeleitet und egoistisch ist. Dass die EU jetzt offenbar zumindest &#8230; <a href="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/2013/05/09/verschworung-zur-energiewende/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_640379" class="wp-caption aligncenter" style="width: 410px"><a href="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/05/P1050066.jpg"><img class="size-full wp-image-640379" alt="Solarzellen in der Wüste von Qinghai." src="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/05/P1050066.jpg" width="400" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Solarzellen in der Wüste von Qinghai.</p></div>
<p>Was hat ein kleiner Ort in einer chinesischen Wüste mit dem deutschen Solarunternehmer Frank Asbeck zu tun? Die Gemeinde Golmud zeigt, warum der Feldzug des schillernden Geschäftsmannes gegen Chinas Solarhersteller fehlgeleitet und egoistisch ist.<span id="more-640378"></span></p>
<p>Dass die EU jetzt offenbar zumindest für die kommenden Monate einen Strafzoll auf Solarzellen aus China verhängt, geht zu einem guten Teil auf die Aktivitäten Asbecks zurück. Er hat darauf gedrängt, die Chinesen an den Pranger zu stellen.</p>
<p>Dazu ließe sich bereits einiges sagen. Zum Beispiel, dass Deutschland als erfolgreiche Exportnation am selbst von offenen Märkten profitiert. Strafzölle von rund 50 Prozent gehen da in die falsche Richtung. Oder dass Deutschland – wenn auch über andere Mechanismen – die eigene Solarwirtschaft ebenfalls enorm gepäppelt hat. Davon hat auch Asbeck profitiert.</p>
<p>Doch hier soll es darum gehen, was China eigentlich wollte. Und das zeigt sich unter anderem in der Mitte der abgelegenen Provinz Qinghai. Die kleine Stadt Golmud ist urpsrünglich um eine Oase herum entstanden. Früher haben hier Karawanen gerastet. Die nächste größere Stadt ist 750 Kilometer entfernt, dazwischen erstreckt sich nur gewellter Sand unter sengender Sonne. Dieser Teil Chinas liegt bereits näher an Europa als an der Hauptstadt Peking.</p>
<div id="attachment_640380" class="wp-caption aligncenter" style="width: 410px"><a href="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/05/P1050089.jpg"><img class="size-medium wp-image-640380" title="Handelsblatt-Blogger Finn Mayer-Kuckuk am weltgrößten Photovoltaikkraftwerk." alt="Handelsblatt-Blogger Finn Mayer-Kuckuk am weltgrößten Photovoltaikkraftwerk." src="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/05/P1050089.jpg" width="400" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Handelsblatt-Blogger Finn Mayer-Kuckuk am weltgrößten Photovoltaikkraftwerk.</p></div>
<p>Hier scheint immer die Sonne, und hier liegt der Stolz der chinesischen Energiepolitik: Von den Sanddünen aus betrachtet erstrecken sich Solarzellen von Horizont zu Horizont. Die Kapazität des umweltfreundlichen Kraftwerks hat längst 600 Megawatt überschritten, geplant sind 1000 Megawatt. Die Sonne bringt hier bereits so viel Strom wie ein Atomreaktor.</p>
<p>Der örtliche Verkaufsleiter der Solarzellenanbieters Yingli ist sichtbar stolz auf das, was hier in einer Gemeinschaftsanstrengung entsteht. Der 31-jährige Wang Fei arbeitet derzeit fern von seiner schwangeren Frau hier in der Wüste am Aufbau des Rekordkraftwerks mit. „Es lohnt sich“, sagt Wang. „Es lohnt sich geschäftlich, aber es lohnt sich auch persönlich.“ Er habe das Gefühl, Vorreiter einer neuen Zeit der Stromversorgung zu sein.</p>
<div id="attachment_640381" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><a href="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/05/P1050101.jpg"><img class="size-medium wp-image-640381" title="Yingli-Verkaufsmanager Wang Wei am Standort Golmud." alt="Yingli-Verkaufsmanager Wang Wei am Standort Golmud." src="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/05/P1050101.jpg" width="300" height="400" /></a><p class="wp-caption-text">Yingli-Verkaufsmanager Wang Wei am Standort Golmud.</p></div>
<p>Für China ist die Ausbau der Solarenergie bittere Notwendigkeit. Die Großstädte versinken im Smog, weil sie durch schmutzige Kohlekräftwerke mit Strom versorgt werden. China ist bereits der weltgrößte Energieverbraucher und hat eine gigantische Ölrechnung zu bezahlen. Das Land baut bereits mehr Kernkraftwerke, als angesichts der Risiken gut sein kann – und leidet trotzdem unter Stromausfällen. Außerdem hat es sich ehrgeizige Klimaziele gesetzt. Ohne Solar geht eines Tages das Licht aus.</p>
<p>Klar subventioniert China da den Ausbau der emissionsfreien Stromversorgung. (Von alleine baut sich die Energiewirtschaft bekanntlich nicht um.) In den kommenden fünf Jahren will das Schwellenland knapp 400 Milliarden Euro für und Strom aus Sonne, Wasser und Wind ausgeben.</p>
<p>Es sind staatliche Firmen, die hier in Golmud den Solarpark errichten. Mitarbeiter vor Ort bestätigen, dass das Projekt sich nicht rechnet, sondern vor allem politisch gewollt ist – genau wie die deutsche Energiewende, die der Kunde über den höheren Strompreis bezahlt.</p>
<div id="attachment_640382" class="wp-caption aligncenter" style="width: 410px"><a href="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/05/P1050113.jpg"><img class="size-medium wp-image-640382" title="In Golmud erstrecken sich die Solarparks über viele Kilometer." alt="In Golmud erstrecken sich die Solarparks über viele Kilometer." src="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/05/P1050113.jpg" width="400" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">In Golmud erstrecken sich die Solarparks über viele Kilometer.</p></div>
<p>In seinen langfristigen Wirtschaftsplänen hat China die Sonnenenergie als strategische Schlüsselbranche definiert. Solche Erklärungen haben in dem kommunistischen Land spektakuläre Auswirkungen. Ein gutes Dutzend der 37 Provinzen des Landes wollten bei der Party dabei sein und haben Photovoltaikhersteller gegründet. Seinerzeit kam zu dem hohen Bedarf aus Europa noch der Beginn von Projekten wie Golmud.</p>
<p>Individuell gesehen hatten diese Investmententscheidungen Sinn, doch anscheinend hatte trotz aller Planungsabteilungen keiner das Gesamtbild im Blick. Es sind gewaltige Überkapazitäten entstanden. Die Branche ist in einen ruinösen Preiskrieg geraten. Darunter leiden jetzt auch die chinesischen Anbieter. Der einstige Marktführer Suntech ist bereits pleite.</p>
<div id="attachment_640383" class="wp-caption aligncenter" style="width: 410px"><a href="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/05/P1050158.jpg"><img class="size-medium wp-image-640383" title="Besondere Hochspannungsleitungen bringen den Wüstenstrom in die Zentren." alt="Besondere Hochspannungsleitungen bringen den Wüstenstrom in die Zentren." src="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/05/P1050158.jpg" width="400" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Besondere Hochspannungsleitungen bringen den Wüstenstrom in die Zentren.</p></div>
<p>China hat bereits reagiert und den Ausbau von Solarprojekten wie dem in Golmud beschleunigt, um von staatlicher Seite Nachfrage zu schaffen – nachdem Europa wegen der Krise die Luft ausgegangen ist.</p>
<p>Tatsächlich fällt auf, dass sämtliche Zellen in Golmud aus einheimischer Produktion stammen. Der große Anbieter Yingli allein hat 40 Prozent der Panels geliefert, die hier verbaut sind. Ausländische Anbieter haben keine Chance. Es gibt nicht einmal eine Ausschreibung. Allen ist von Anfang an klar, dass die Betreiber ihr Material von chinesischen Firmen beziehen. Deutschland und Spanien waren hier großzügiger und haben den Markt weit für Hersteller außerhalb der EU geöffnet.</p>
<p>Doch zugleich ist klar, dass ein europäischer Anbieter wohl kaum mit den Inlandspreisen der chinesischen Konkurrenz mithalten kann. Solarzellen sind heute ein Massenprodukt wie Flüssigkristallbildschirme oder Mikrochips. Das können die Asiaten besser und billiger. So ist die Realität.</p>
<div id="attachment_640384" class="wp-caption aligncenter" style="width: 410px"><a href="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/05/P1050305.jpg"><img class="size-medium wp-image-640384" title="Früher verlief die Seidenstraße durch die Dünen von Golmud." alt="Früher verlief die Seidenstraße durch die Dünen von Golmud." src="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/05/P1050305.jpg" width="400" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Früher verlief die Seidenstraße durch die Dünen von Golmud.</p></div>
<p>Was die Sprachrohre der europäischen Solarindustrie wie Asbeck vermutlich wissen, aber unterschlagen: China hat die Überkapazitäten nicht mit dem Ziel aufgebaut, um andere Länder aus dem Markt zu drängen. Sondern durch den gleichen Mechanismus, der in Deutschland einst zum Solarboom geführt hat. Das Land wollte etwas für die Umwelt tun und zugleich Arbeitsplätze schaffen. Wie so oft, ist das bevökerungsreichste Land der Welt dabei übers Ziel herausgeschossen.</p>
<p>(China wirkt auf mich immer mehr wie das Riesenbaby der Weltwirschaft. Wo es hinpatscht, wächst kein Gras mehr.)</p>
<p>Doch ein Effekt ist durchaus positiv: Der Preisverfall für Solarzellen ermöglicht nun erst den wirtschaftlichen Aufbau hoher Kapazitäten. Die Energiewende lebt von Masse.</p>
<p>Es ist traurig, dass der Traum von der Photovoltaik als umweltfreundlicher Zukunftsindustrie in Deutschland ausgegträumt ist. Auch wenn die Aktienkurse der verbliebenen Anbieter heute steigen: Die Zölle werden die Arbeitsplätze nicht zurückholen.</p>
<p>Vielleicht ist das gut so. Der Erhalt von Arbeitsplätze in einer Branche, die nicht wettbewerbsfähig ist, gleicht einem endlosen Trauerspiel. Das hat auch China erkannt – und arbeitet an der Konsolidierung der Anbieter, bis wenige wettbewerbsfähige Firmen übrigbleiben.</p>
<p><a href="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/05/P1050323.jpg"><img class="aligncenter size-medium wp-image-640385" alt="Solarkraftwerk von Huaneng Electric Power in Golmud" src="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/05/P1050323.jpg" width="300" height="400" /></a></p>
<p>Der Prozess wird vermutlich dem ähneln, was einst die Halbleiterindustrie durchgemacht hat. Heute ist es eine Handvoll Unternehmen, die den Weltmarkt mit allen Chips für Handys, Computer und alle anderen Elektrogeräte versorgt. Fast alle sitzen in Asien, doch auch Europa und die USA haben noch einige spezialisierte Spieler. Ein Beispiel ist die deutsche Firmen Infineon. Analog zur Chipbranche kann Deutschland vermutlich genau einen hocheffizienten Hersteller von Solarpanels tragen.</p>
<p>Deutschland profitiert trotzdem. Die billigen Zellen helfen bei der Energiewende. So wie deutsche Maschinenbauer ihre Mikrochips aus Asien beziehen, können deutsche Anbieter von Solaranlagen günstigere Preise anbieten, wenn sie die Massenware aus Fernost kaufen.</p>
<div id="attachment_640386" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><a href="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/05/P1050364.jpg"><img class="size-medium wp-image-640386" title="In Golmud scheint an 355 Tagen im Jahr die Sonne." alt="In Golmud scheint an 355 Tagen im Jahr die Sonne." src="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/05/P1050364.jpg" width="300" height="400" /></a><p class="wp-caption-text">In Golmud scheint an 355 Tagen im Jahr die Sonne.</p></div>
<p>Auch in der Wüste von Qinghai winken Aufträge. Die Kraftwerke müssen an die energiehungrigen Großstädte des Landes angebunden werden. Dafür sind besonders effektive Hochspannungsleitungen nötig – und deren größter Anbieter ist Siemens.</p>
<p>Das alles zeigt, wie sinnlos die Strafzölle sind, die Frank Asbeck nun durchgesetzt hat. Sie riskieren nur einen Handelskrieg, unter dem die wirklich starken Wirtschaftszweige wie Auto und Maschinenbau leiden könnten.</p>
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		<title>Obama als Chinas weiser Richter</title>
		<link>http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/2013/05/08/obama-als-chinas-weiser-richter/</link>
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		<pubDate>Wed, 08 May 2013 11:04:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Finn Mayer-Kuckuk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Konjunktur]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Rechtssicherheit]]></category>

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		<description><![CDATA[Was tut ein findiges Volk, das zwar keine Pressefreiheit, dafür aber Internetzugang hat? Es beschwert sich erst einmal im Netz. Aufmüpfige Chinesen haben dafür nun eine neue, wunderbare Plattform gefunden: Die Vorschlagswebseite des Weißen Hauses in Washington.  Die Petitions-Seite von &#8230; <a href="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/2013/05/08/obama-als-chinas-weiser-richter/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_640361" class="wp-caption aligncenter" style="width: 346px"><a href="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/05/Obama-als-Bao-Zheng.jpg"><img class="size-medium wp-image-640361" title="Obama als Bao Zheng" alt="Obama als Bao Zheng" src="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/05/Obama-als-Bao-Zheng.jpg" width="336" height="400" /></a><p class="wp-caption-text">Mit Photoshop haben chinesische Blogger dem historischen Richter Bao Zheng das Gesicht des US-Präsidenten verpasst. Quelle: weibo.com</p></div>
<p>Was tut ein findiges Volk, das zwar keine Pressefreiheit, dafür aber Internetzugang hat? Es beschwert sich erst einmal im Netz. Aufmüpfige Chinesen haben dafür nun eine neue, wunderbare Plattform gefunden: Die Vorschlagswebseite des Weißen Hauses in Washington. <span id="more-640359"></span></p>
<p>Die <a href="https://petitions.whitehouse.gov/petitions" target="_blank">Petitions-Seite von Präsident Obama</a> ist für alle offen zugänglich. Besser noch: Ein Beitrag ist hier prominent platziert und kann auch von China aus gelesen werden. Während ich das schreibe (8. Mai 2013 gegen Mittag deutscher Zeit) kommen fünf von sechs Petitionen aus China.</p>
<p>Die Forderungen sind divers. &#8220;Schicke Truppen, um China zu befreien&#8221;, ist ebenso eindeutig wie extrem. Andere sind einfach Blödsinn, wie die Aufforderung, das Rezept für ein Tofu-Gericht offiziell anzuerkennen.</p>
<div id="attachment_640363" class="wp-caption aligncenter" style="width: 410px"><a href="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/05/Petitionswebsite-des-Weißen-Hauses-08-Mai-13.jpg"><img class="size-full wp-image-640363" alt="Von den obersten sechs Petitionen an den US-Präsidenten kommen fünf aus China." src="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/05/Petitionswebsite-des-Weißen-Hauses-08-Mai-13.jpg" width="400" height="238" /></a><p class="wp-caption-text">Von den obersten sechs Petitionen an den US-Präsidenten kommen fünf aus China.</p></div>
<p>Das muntere Treiben auf der US-Petitionswebsite weist auf ein politisches Problem der Volksrepublik hin: In dem Milliardenvolk ist ein enormer Druck angewachsen. Politisch interessierte Bürger fühlen sich  unzufrieden und hilflos. Die offiziellen Medien genießen kaum noch Vertrauen, weil sie die Lage im Auftrag des Staates schönreden.</p>
<p>Das führt zu der bangen Frage, wie die chinesische Bevölkerung auf zunehmende soziale Probleme reagiert, die mit einem absehbaren Nachlassen des Wachstums einhergehen könnten. Was, wenn die Unzufriedenheit mit der kommunistischen Regierung überhand nimmt?</p>
<p>Bisher dominiert jedoch der Humor. Deshalb haben sich das kreative Netzvolk auch gleich aufgemacht, um sich über den Missbrauch der Webseite des Weißen Hauses lustig zu machen. Mit Photoshop hat ein Scherzkeks das Gesicht Obamas auf den Körper des weisen Richters <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bao_Zheng" target="_blank">Bao Zheng</a> gesetzt.</p>
<p>Das Originalbild stammt aus einer Fernsehserie. Die Schriftzeichen über dem Kopf des Richters lauten: &#8220;Klarer Spiegel &#8211; eindeutige Reflektion&#8221;. Gemeint ist damit, dass der Richter klar und unvoreingenommen entscheiden soll. Zheng Bao hat im 11. Jahrhundert gelebt und ist eine legendäre Figur in China.</p>
<div id="attachment_640360" class="wp-caption aligncenter" style="width: 410px"><a href="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/05/Das-Weiße-Haus-als-Petitionsbüro.jpg"><img class="size-full wp-image-640360" alt="Per Bildbearbeitung haben chinesische Blogger das Oval Office auf fernöstlich getrimmt." src="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/05/Das-Weiße-Haus-als-Petitionsbüro.jpg" width="400" height="247" /></a><p class="wp-caption-text">Per Bildbearbeitung haben chinesische Blogger das Oval Office auf fernöstlich getrimmt. Quelle: weibo.com</p></div>
<p>Ein anderer Nutzer hat sich die Mühe gemacht und das Büro des US-Präsidenten zum chinesischen Petitionsbüro umgestaltet. Tatsächlich hat das Petitionswesen in China Tradition &#8211; es soll den fehlenden politischen Einfluss des Volkes ersetzen. &#8220;Sei mitfühlend mit den Antragsstellern und behandele die Petition zivilisiert&#8221;, steht über Obama. Der Raum mit den roten Vorhängen sieht tatsächlich ziemlich so aus wie ein repräsentatives Regierungsbüro. </p>
<p>Trotz aller Scherze: Das Bedürfnis, gehört zu werden, ist enorm. Das Internet hat in China einen Raum geschaffen, in dem die Leute mit inoffiziellen Nachrichten und Gerüchten überschwemmt sind. Das Volk hat zwar keine echten politischen Hebel in der Hand, doch die Partei fürchtet die Entwicklung von Massenbewegungen im Internet &#8211; deshalb zensiert sie immer wieder Themen, an denen sich die Geister entzünden. </p>
<p>Heute ist es der Fall einer jungen Frau aus Anhui, die im Süden Pekings Selbstmord begangen haben soll, der zum Aufregerthema wurde. Die Polizei hat die Akte geschlossen, doch Bekannte der Verstorbenen pochen darauf, dass sie von Männern aus ihrem Bekanntenkreis umgebracht worden sein soll.</p>
<p>Da die Leute den offiziellen Medien und den Verlautbarungen der Behörden nicht trauen, hat sich jetzt im Netz die Überzeugung festgesetzt, ein Mord werde vertuscht. Erste Unzufriedene versammeln sich vor dem Haus, von dem sie gesprungen sein soll. Zur Stunde ist von Polizeihubschraubern in der betreffenden Gegend die Rede.</p>
<p>Kann eine Umgebung politisch stabil bleiben, in der die Bürger der Regierungswebsite einer fremdem Macht mehr trauen als den eigenen Behörden? Vermutlich ja &#8211; wenn die Regierung klug ist und mehr Meinungsfreiheit im eigenen Land zulässt. Das, was tatsächlich passiert, weist dagegen nicht in die richtige Richtung: Suchanfragen zu dem Selbstmord/Kriminalfall sind seit heute blockiert.</p>
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		<title>Ein deutscher Euro-Austritt wäre brutal teuer</title>
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		<pubDate>Thu, 11 Apr 2013 13:41:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jan Mallien</dc:creator>
				<category><![CDATA[Konjunktur]]></category>

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		<description><![CDATA[Bei George Soros kann man sicher sein, dass  er provoziert. Deshalb war ich am Dienstag bei seiner Rede in Frankfurt. Er hat geliefert. Seine Botschaft an das deutsche Publikum hatte es in sich: „Nehmt Euro-Bonds oder tretet aus.“ Die Logik &#8230; <a href="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/2013/04/11/ein-deutscher-euro-austritt-hatte-brutale-kosten/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_640339" class="wp-caption aligncenter" style="width: 410px"><a href="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/04/SorosfürBlog.jpg"><img class="size-full wp-image-640339" alt="SorosfürBlog" src="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/04/SorosfürBlog.jpg" width="400" height="267" /></a><p class="wp-caption-text">Soros an der Frankfuter Goethe-Universität</p></div>
<p>Bei George Soros kann man sicher sein, dass  er provoziert. Deshalb war ich am Dienstag bei seiner Rede in Frankfurt. Er hat geliefert. Seine Botschaft an das deutsche Publikum hatte es in sich:<a href="http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/nachrichten/george-soros-nehmt-euro-bonds-oder-tretet-aus-/8043396.html"> „Nehmt Euro-Bonds oder tretet aus.“</a></p>
<p>Die Logik dahinter lässt sich knapp zusammenfassen. Der Euro hatte einen entscheidenden Konstruktionsfehler: Er machte Staatspleiten der Mitgliedsländer möglich.</p>
<p>Eigentlich gibt es dieses Risiko nur in Dritte-Welt-Ländern, die sich in fremder Währung verschulden. Industrieländer wie die USA oder Japan haben eine eigenständige Notenbank, die im Notfall immer genug Geld drucken kann, um die Staatsschulden zu zahlen.</p>
<p><span id="more-640338"></span></p>
<p>Die Euro-Länder haben ihre eigenständigen Zentralbanken jedoch durch die Währungsunion aufgegeben. Investoren preisen deshalb bei ihnen – zumindest seit der Finanzkrise – ein Insolvenzrisiko ein. Nur eine gemeinschaftliche Haftung in Form von Euro-Bonds könnte dieses Risiko beseitigen, sagt Soros.</p>
<p>Was ist die Alternative? Häufig schlagen Euro-Kritiker vor: Die Krisenländer sollen die Währungsunion verlassen. Das jedoch ist aus Soros Sicht unmöglich.  Italien hat zwei Billionen Euro Staatsschulden. Wenn es aus dem Euro austräte, würde seine neue Währung dramatisch abwerten. Das Ergebnis wäre: Italien könnte seine Staatsschulden nicht mehr zahlen und Banken auf der ganzen Welt gerieten in Schieflage. Der Weltwirtschaft würde dann ein Desaster drohen, gegen das die Finanzkrise ein Kinderspiel war. Selbst bei kleineren Schuldenländern wären die Folgen dramatisch, wie Zypern zeigt.</p>
<p>Deshalb sagt Soros: Nur Gläubigerländer können den Euro verlassen. Ein Austritt Deutschlands wäre für die Weltwirtschaft weniger dramatisch. Die unmittelbare Folge wäre: Der Euro würde abwerten – und die verbleibenden Euro-Länder wären wieder wettbewerbsfähig.</p>
<p>Doch was wären die Kosten für Deutschland?</p>
<p>Die in Euro notierenden deutschen Forderungen gegenüber den anderen Euro-Ländern verlören auf einen Schlag an Wert. Das träfe vor allem Banken und Pensionsfonds, die gerettet werden müssten. Auch die Industrie geriete in Schieflage. Da die neue deutsche Währung massiv aufwerten würde,  wäre der deutsche Exportsektor nicht mehr wettbewerbsfähig.</p>
<p>Kritiker mögen einwenden, dass auch die D-Mark früher ständig aufwertete. Sie tat das aber in einigermaßen geordneten Bahnen. Bei einem Euro-Austritt müsste die deutsche Industrie auf einen Schlag eine Aufwertung von 30 bis 40 Prozent verdauen.  Abgesehen davon wäre der politische Preis immens. Europa wäre ein Scherbenhaufen und Deutschland isoliert.</p>
<p>Muss es also Euro-Bonds geben?</p>
<p>Ich hoffe nicht. Die EZB ist bereit, im Notfall unbegrenzt Anleihen der Krisenländer zu kaufen. Dadurch hat sie das Pleite-Risiko für einzelne Staaten erheblich gesenkt. Euro-Bonds würden noch weiter gehen. Der Unterschied liegt darin, dass im ersten Fall die deutsche Politik zumindest theoretisch ein Vetorecht hat. Die EZB will nur dann Anleihen kaufen, wenn sich das betroffene Land mit allen anderen Euro-Staaten auf ein Rettungspaket einigt.</p>
<p>Dieses Vetorecht entfiele bei Euro-Bonds ganz. Die Folge wäre eine noch viel weiter gehende  Zentralisierung. Wenn Deutschland für Griechenland haften soll, dann dürfen die Griechen auch nicht früher in Rente gehen – und umgekehrt. Das gleiche gilt für Steuersätze, Sozial- und Umweltstandards und wo weiter. Doch die Präferenzen und Bedürfnisse sind einfach sehr verschieden. Die Vielfalt war immer Europas Stärke. Euro-Bonds würden diese Vielfalt weiter zerstören.</p>
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		<title>Finger weg vom schmutzigen Bargeld!</title>
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		<pubDate>Wed, 27 Mar 2013 07:54:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Katharina Schneider</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ökonomie]]></category>
		<category><![CDATA[Steuern]]></category>
		<category><![CDATA[Bargeld]]></category>
		<category><![CDATA[Hygiene]]></category>
		<category><![CDATA[Kreditkate]]></category>

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		<description><![CDATA[Geld stinkt nicht, sagt der Volksmund. Geld ist schmutzig, sagt das Kreditkartenunternehmen Mastercard. Dabei stützt es sich auf die Zustimmung von mindestens 51 Prozent der Deutschen. So viele seien laut einer Untersuchung davon überzeugt, dass „kein Alltagsgegenstand so unhygienisch ist &#8230; <a href="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/2013/03/27/finger-weg-vom-schmutzigen-bargeld/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_640319" class="wp-caption aligncenter" style="width: 430px"><a href="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/03/bargeld.jpg"><img class="size-medium wp-image-640319" alt="Selbst auf druckfrischen Scheinen sollen sich Bakterien tummeln. Bild: dpa" src="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/03/bargeld-420x279.jpg" width="420" height="279" /></a><p class="wp-caption-text">Selbst auf druckfrischen Scheinen sollen sich Bakterien tummeln. Bild: dpa</p></div>
<p>Geld stinkt nicht, sagt der Volksmund. Geld ist schmutzig, sagt das Kreditkartenunternehmen Mastercard. Dabei stützt es sich auf die Zustimmung von mindestens 51 Prozent der Deutschen. So viele seien laut einer Untersuchung davon überzeugt, dass „kein Alltagsgegenstand so unhygienisch ist wie Banknoten und Münzen“. Nicht einmal den Kontakt mit Rolltreppenhandläufen scheuen sie mehr, so Mastercard.</p>
<p><span id="more-640316"></span>Bargeld sei abgenutzt, schmutzig und voller Bakterien –<a title="Mastercard-Studie" href="http://bit.ly/13jvBkG" target="_blank"> und das sagen nicht nur die Deutschen, das haben sogar Wissenschaftler der Oxford University untersucht</a>. Das Ergebnis: Auf deutschen Banknoten sollen sich im Schnitt mehr als 11.000 Bakterien tummeln. In anderen europäischen Ländern sind es sogar noch mehr und selbst eine vermeintlich saubere druckfrische Banknote enthalte 2.400 Bakterien.</p>
<p>Die Zahlen allein klingen schon übel, doch es wird noch bedrohlicher: „Bei früheren Untersuchungen von Banknoten wurden potenziell schädliche Bakterien wie beispielsweise die Gattungen Klebsiella und Enterobacter gefunden, die beim Menschen Krankheiten verursachen können“, wird Ian Thompson, Professor für Ingenieurwissenschaft in Oxford, von Mastercard zitiert.</p>
<p>Klebsiella und Enterobacter? Nie gehört? Allen Nicht-Bakteriologen hilft Mastercard auf die Sprünge: „Klebsiella ist ein Bakterium, das Infektionen der Atem- und Harnwege sowie Wundinfektionen hervorruft.  Enterobacter ist ein natürliches Bakterium, das im Darm von Mensch und Tier vorkommt, aber auch Krankheiten verursachen kann.“</p>
<p>Igitt! Und gut, dass uns Bürger endlich mal jemand aufklärt! Wie können wir nur so wahnsinnig sein und noch immer 53 Prozent unserer Einkäufe mit Bargeld bezahlen? (Diese Zahl hatte zuletzt die Deutsche Bundesbank ermittelt.) <a title="Bundesbank-Studie" href="http://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Downloads/Veroeffentlichungen/Bericht_Studie/zahlungsverhalten_in_deutschland_2011.pdf?__blob=publicationFile" target="_blank">Gerade mal 28 Prozent der Umsätze entfallen auf die Girocard und bloß etwas mehr als sieben Prozent auf Kreditkarten.</a></p>
<p>Und welches Fazit soll der geneigte Einkäufer jetzt aus diesen Studien ziehen? Sind die Karten etwa hygienischer? Aber natürlich! „Viele wird es interessieren, dass die Mehrheit der Europäer lieber per Karte zahlt, weil sie diese Bezahlmethode einfacher und unkomplizierter findet“, zitiert Mastercard Gaetano Carboni, der ist „Global Products &amp; Solutions Lead von Mastercard Europe“. Und er geht noch weiter: „Darüber hinaus lässt sich nun feststellen, dass die Mehrheit dies auch als hygienischer bewertet.“</p>
<p><a href="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/03/2013-03-26-MasterCard_Dirty-Cash_DE.jpg"><img class="aligncenter size-medium wp-image-640321" alt="Mastercard-Grafik &quot;Dirty Cash&quot;. Quelle: Mastercard" src="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/03/2013-03-26-MasterCard_Dirty-Cash_DE-420x336.jpg" width="343" height="276" /></a>Na also, geht doch: Es gibt ein gesellschaftlich hoch brisantes Problem und schon ist da ein verantwortungsvolles Unternehmen, das sich anschickt, es zu lösen. Dann mal los, ihr bargeldliebenden Deutschen, besorgt euch schnell eine Kreditkarte – der Gesundheit wegen! Mastercard hat bestimmt noch ein paar übrig.</p>
<p>Doch Moment mal, noch nicht losrennen! Schauen wir noch einmal genau hin: Ob sich auf den Karten tatsächlich weniger Bakterien tummeln, wurde ja gar nicht untersucht. Es soll lediglich eine Mehrheit von Befragten geben, die Kartenzahlung für hygienischer hält. An harten Fakten fehlt es hier.</p>
<p>Am Ende braucht es also keine wissenschaftliche Analyse, um festzustellen, worum es in der Meldung von Mastercard wirklich geht. Gerade mal jeder dritte Deutsche hat eine Kreditkarte. Bargeld dagegen ist noch immer Zahlungsmittel Nummer eins. Kein Wunder also, dass Kreditkartenunternehmen gerne jede Gelegenheit nutzen, um mögliche Nachteile der Konkurrenz zu betonen.</p>
<p>Interessengeleitet war übrigens auch schon der Spruch „Geld stinkt nicht“. „Pecunia non olet“ heißt das auf Lateinisch und wird dem römischen Kaiser Vespasian zugeschrieben. Der wollte viel Geld verdienen und erhob dafür Steuern – auch für den Gang auf die Latrine, den Vorgänger der Toilette. In einem Streit über die Richtigkeit einer solchen Steuer soll er gefragt haben, ob das eingenommene Geld denn durch die Latrinensteuer stinke. Natürlich nicht – lautete die Antwort.</p>
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		<title>Chinas Anti-Apple-Show</title>
		<link>http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/2013/03/19/chinas-anti-apple-show/</link>
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		<pubDate>Tue, 19 Mar 2013 08:50:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Finn Mayer-Kuckuk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Konjunktur]]></category>
		<category><![CDATA[Apple]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[VW]]></category>

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		<description><![CDATA[Zwei der bekanntesten Weltkonzerne haben in China gerade ziemlichen Ärger. Das Staatsfernsehen hat sowohl Volkswagen als auch Apple am Freitag schlechten Kundendienst vorgeworfen – zur besten Sendezeit. Der Image-Schaden ist noch nicht abzusehen, auf jeden Fall aber sehr groß.  Die &#8230; <a href="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/2013/03/19/chinas-anti-apple-show/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_640297" class="wp-caption aligncenter" style="width: 410px"><a href="http://jingji.cntv.cn/2013/03/15/VIDE1363359599964585.shtml"><img class="size-full wp-image-640297" src="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/03/Vollbildaufzeichnung-20130319-134641.jpg" alt="Der Staatssender CCTV stellt die Kulanz von Apple infrage." width="400" height="250" /></a><p class="wp-caption-text">Der Staatssender CCTV stellt die Kulanz von Apple infrage.</p></div>
<p>Zwei der bekanntesten Weltkonzerne haben in China gerade ziemlichen Ärger. Das Staatsfernsehen hat sowohl Volkswagen als auch Apple am Freitag schlechten Kundendienst vorgeworfen – zur besten Sendezeit. Der Image-Schaden ist noch nicht abzusehen, auf jeden Fall aber sehr groß. <span id="more-640296"></span></p>
<p>Die<a href="http://jingji.cntv.cn/2013/03/15/VIDE1363359599964585.shtml" target="_blank"> betreffende TV-Sendung</a> nennt sich „3.15-Gala“. Der Name bezieht sich auf das Ausstrahlungsdatum am 15. März, dem <a href="http://www.consumersinternational.org/our-work/wcrd" target="_blank">weltweiten</a> Tag des Verbraucherschutzes. In der Sendung vom Freitag ging es übrigens nicht nur um VW und Apple, sondern auch um einen unehrlichen Juwelier und eine staatliche chinesische Automarke mit einem Durchrostproblem.</p>
<p>Ermittler der Sendung tarnen sich mitunter als Kunden oder Mitarbeiter von Unternehmen, um deren Praktiken aufzudecken. Der Hauptvorwurf gegen Apple und VW ist nun beim näheren Hinsehen nicht so sehr deren schlechter Kundendienst. Es geht vielmehr darum, dass sie ihre Kunden im Westen besser behandeln als die in Fernost. Das trifft emotional ins Schwarze.</p>
<p>CCTV spielt hier mit einem speziell chinesischen Gefühl: „Die entwickelten Länder blicken auf uns herab.“ Die Wurzel dafür liegt wohl in der Kolonialzeit. Die Briten und andere Mächte haben sich auch in China <a href="http://german.cri.cn/other/chinageschichte/91.htm" target="_blank">ziemlich</a> daneben <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hunnenrede" target="_blank">benommen</a>. Die Europäer haben sich dem alten Kulturvolk gegenüber arrogant, chauvinistisch und brutal verhalten.</p>
<p>Die Folgen wirken bis heute nach. Das moderne China ist stark und souverän, doch die Leute reagieren immer noch sehr dünnhäutig auf den Verdacht, dass westliche Kräfte sie als minderwertig hinstellen. In der modernen Welt stehen nun vor allem die Markenhersteller im Verdacht, die Chinesen nur als Zahlvieh zu sehen.</p>
<p>Eigentlich liebt China westliche Marken und ist längst unheilbar süchtig nach dem guten Design, der Qualität und vor allem dem Prestige, für das sie stehen. Auf der anderen Seite wächst das Misstrauen. Tatsächlich fällt auf, dass viele Markenprodukte in China teurer angeboten werden als in westlichen Ländern, vom Mont-Blanc- Füller über Weine aus Bordeaux bis zum Ferrari.</p>
<p>Es geht den chinesischen Journalisten-Kollegen nun natürlich genauso wie uns bei den westlichen Medien: Die bekanntesten und erfolgreichsten Unternehmen bieten die größte Zielscheibe.</p>
<p>Als erstes hat sich die Sendung am Freitag daher den Elektroriesen Apple vorgenommen. Die Reporter der Sendung spüren mit versteckter Kamera dem Kundendienst einer Vertragswerkstatt hinterher. Eine Schlüssellochperspektive mit unscharfen Rändern suggeriert die Aufdeckung eines riesigen Skandals. Doch was werfen die Fernsehjournalisten Apple konkret vor?</p>
<p>In Amerika, sagt die Reporterin, erhalten die Kunden im Garantiefall ein neues iPhone. In China bekommen sie meist nur eine Reparatur. Und selbst wenn das iPhone ersetzt wird, erhalten sie wieder ihre alte Rückabdeckung draufgeschraubt. Wer eine neue Hinterseite ohne Kratzer haben will, muss dazuzahlen. Viel mehr als das Recycling eines funktionstüchtigen Ersatzteils können die Reporter der Technikfirma also nicht vorwerfen.</p>
<p>Der Fall Volkswagen liegt dagegen ernster. Hier gründen die Klagen auf einer echten technischen Schwäche: Ein <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Doppelkupplungsgetriebe" target="_blank">Doppelkupplungsgetriebe</a> hat sich als fehleranfällig erwiesen.</p>
<p>Die „3.15-Gala“ hat sich damit eines Problems angenommen, dass schon länger existiert. Wir hier im HB-Blog haben schon <a href="http://blog.handelsblatt.com/boom-blog/2012/04/24/blogger-beschimpfen-vw-in-china/" target="_blank">vor einem knappen Jahr</a> darüber geschrieben. Seitdem wurden im Internet die Klagerufe verzweifelter Kunden eher noch lauter. (Bekannte vor mir haben ihren Passat schon seit Wochen nicht wiedergesehen, weil er wegen Ersatzteilengpasses in der Werkstatt versauert.) Kein Wunder also, dass nach der Sendung <a href="http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/angriff-von-zwei-seiten-china-setzt-vw-unter-druck/7940780.html" target="_blank">prompt</a> die Ankündigung eines Rückrufs kam.</p>
<div id="attachment_640303" class="wp-caption aligncenter" style="width: 410px"><a href="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/2013/03/19/chinas-anti-apple-show/vollbildaufzeichnung-20130319-145036/" rel="attachment wp-att-640303"><img class="size-full wp-image-640303" src="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/03/Vollbildaufzeichnung-20130319-145036.jpg" alt="Die Sendung &quot;3.15&quot; weist VW nach, ein Getriebeproblem nicht in den Griff zu bekommen." width="400" height="250" /></a><p class="wp-caption-text">Die Sendung &#8220;3.15&#8243; weist VW nach, ein Getriebeproblem nicht in den Griff zu bekommen.</p></div>
<p>Die „3.15“-Show unterstellt nun auch VW vor allem, Autos mit ähnlichen Problemen in anderen Märkten zurückgerufen habe und nur die Chinesen mit defekten Wagen herumfahren zu lassen. Im Kern steckt also wieder die Idee einer Ungleichbehandlung der Kunden – die vermutlich schlimmste Sünde eines Unternehmens auf dem chinesischen Markt.</p>
<p>Die Hersteller müssen die Sendung bitter ernst nehmen. CCTV hat eine enorme Reichweite. Zu guten Sendezeiten schalten landesweit Dutzende von Millionen von Zuschauern ein, selbst Werte gegen eine Milliarde sind möglich.</p>
<p>Die Sendung ist zudem durch und durch populär aufgemacht. Sie beginnt mit einem flotten Lied, zu dem die Volksmassen zusammenströmen, um für „das gute Recht des Kleinen Mannes“ aufzustehen.</p>
<p>Ob Apple und VW hier fair behandelt werden, sei dahingestellt. Aus Konsumentensicht ist auf jeden Fall erfreulich: Es wirkt.</p>
<p>Viele Firmen bieten aus lauter Angst vor der „3.15“-Sendung an jenem Tag allerlei Rabatte und Geschenke an. Bei McDonald’s gab es diesmal ein kostenloses Frühstück – die Burgerkette war im vergangenen Jahr das Objekt der Aufdeckung.</p>
<p>Schon damals fragten chinesische Netizens, warum sich CCTV eigentlich meistens ausländische Marken vornimmt, statt den chronisch schlechten Service einheimischer Firmen anzuprangern. Ich würde sagen, das ist als Lob aufzufassen. &#8220;Von ausländischen Firmen erwarten die Kunden eben nicht so viel&#8221;, schrieb damals ein Blogger.</p>

<a href='http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/2013/03/19/chinas-anti-apple-show/vollbildaufzeichnung-20130319-134641/' title='Der Staatssender CCTV stellt die Kulanz von Apple infrage.'><img width="168" height="105" src="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/03/Vollbildaufzeichnung-20130319-134641-168x105.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="Der Staatssender CCTV stellt die Kulanz von Apple infrage." /></a>
<a href='http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/2013/03/19/chinas-anti-apple-show/vollbildaufzeichnung-20130319-134649/' title='Beim Vertragshändler reichen die CCTV-Lockvögel ihre defektes iPhone ein.'><img width="168" height="105" src="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/03/Vollbildaufzeichnung-20130319-134649-168x105.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="Beim Vertragshändler reichen die CCTV-Lockvögel ihre defektes iPhone ein." /></a>
<a href='http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/2013/03/19/chinas-anti-apple-show/vollbildaufzeichnung-20130319-134652/' title='Die Verbraucherschau &quot;3.15&quot; filmt mit versteckter Kamera.'><img width="168" height="105" src="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/03/Vollbildaufzeichnung-20130319-134652-168x105.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="Die Verbraucherschau &quot;3.15&quot; filmt mit versteckter Kamera." /></a>
<a href='http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/2013/03/19/chinas-anti-apple-show/vollbildaufzeichnung-20130319-135254/' title='Statt in einen der Apple-Stores gehen die Lockvögel zu einem Vertragshändler.'><img width="168" height="105" src="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/03/Vollbildaufzeichnung-20130319-135254-168x105.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="Statt in einen der Apple-Stores gehen die Lockvögel zu einem Vertragshändler." /></a>
<a href='http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/2013/03/19/chinas-anti-apple-show/vollbildaufzeichnung-20130319-144549/' title='Die Ermittler nähern sich mit versteckter Kamera einem VW-Kundendienst in China.'><img width="168" height="105" src="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/03/Vollbildaufzeichnung-20130319-144549-168x105.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="Die Ermittler nähern sich mit versteckter Kamera einem VW-Kundendienst in China." /></a>
<a href='http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/2013/03/19/chinas-anti-apple-show/vollbildaufzeichnung-20130319-145036/' title='Die Sendung &quot;3.15&quot; weist VW nach, ein Getriebeproblem nicht in den Griff zu bekommen.'><img width="168" height="105" src="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/03/Vollbildaufzeichnung-20130319-145036-168x105.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="Die Sendung &quot;3.15&quot; weist VW nach, ein Getriebeproblem nicht in den Griff zu bekommen." /></a>
<a href='http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/2013/03/19/chinas-anti-apple-show/vollbildaufzeichnung-20130319-145218/' title='&quot;3.15&quot; hat das Format einer großen Abendgala.'><img width="168" height="105" src="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/03/Vollbildaufzeichnung-20130319-145218-168x105.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="&quot;3.15&quot; hat das Format einer großen Abendgala." /></a>

<p>&nbsp;</p>
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		<title>Schlagt die Abzocker mit ihren eigenen Waffen!</title>
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		<pubDate>Fri, 15 Mar 2013 14:00:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jan Mallien</dc:creator>
				<category><![CDATA[Konjunktur]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Schweizer Initiative gegen Abzocke hat auch in Deutschland eine Debatte um überzogene Gehälter losgetreten. Nirgendwo sind die Exzesse so krass wie bei den Banken. 80 Millionen Euro Bonus zahlte die Deutsche Bank ihrem Händler Christian Bittar, der unter Manipulationsverdacht &#8230; <a href="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/2013/03/15/schlagt-die-abzocker-mit-ihren-eigenen-waffen/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/2013/03/15/schlagt-die-abzocker-mit-ihren-eigenen-waffen/schweizer-entscheiden-uber-manager-millionen/" rel="attachment wp-att-640284"><img class="aligncenter size-medium wp-image-640284" src="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/03/Boni-Bild-420x292.jpg" alt="" width="420" height="292" /></a>Die Schweizer Initiative gegen Abzocke hat auch in Deutschland eine Debatte um überzogene Gehälter losgetreten. Nirgendwo sind die Exzesse so krass wie bei den Banken. 80 Millionen Euro Bonus zahlte die Deutsche Bank ihrem Händler Christian Bittar, der unter Manipulationsverdacht steht.</p>
<p>Die Schweizer Regelung setzt bei den Vorstands-Gehältern an. Sie müssen künftig jedes Jahr von den Aktionären abgesegnet werden. Wie viel das bringt, bleibt abzuwarten. Bei den Banken verdienen einzelne Händler zum Teil deutlich mehr als ihre Vorgesetzten in der Chefetage.</p>
<p>Deshalb ist noch etwas anderes nötig, um Gehalts-Exzesse wirksam einzudämmen: Die staatlichen Regulierer sollten einige der besten Köpfe aus den Banken mit Millionen-Gehältern abwerben.<span id="more-640283"></span></p>
<p>Millionen-Gehälter lassen sich am besten mit Millionen-Gehältern bekämpfen. Das klingt erst mal absurd. Aber: Die Bankenregulierer brauchen Leute, die die Banken von innen kennen und genau wissen, wo sie hinschauen müssen.</p>
<p>Viele Banken stecken in einem Teufelskreis. Selbst wenn sie einen Kulturwandel wollen, ist dieser kaum durchsetzbar. Denn Mitarbeiter, die krumme Geschäfte gemacht haben, sitzen am längeren Hebel: Sie können jederzeit gegenüber den Kunden auspacken oder zur Konkurrenz wechseln. Das erklärt, warum manch Skandalbanker mit astronomischen Summen abgefunden wird.</p>
<p>Um die Spirale zu durchbrechen reicht es nicht, auf die Selbstheilungskräfte des Marktes und strengere Gesetze zu hoffen. Der Staat muss an der richtigen Stelle Geld in die Hand nehmen und  seinen Bankenregulierern deutlich mehr zahlen. Langfristig ist das die beste Medizin gegen Gehalts-Exzesse im Finanzsektor.</p>
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		<title>Der Ausstieg aus dem Euro</title>
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		<pubDate>Mon, 11 Mar 2013 19:11:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Frank Wiebe</dc:creator>
				<category><![CDATA[Konjunktur]]></category>
		<category><![CDATA[Euro-Krise]]></category>

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		<description><![CDATA[Trotz des Chaos in der italienischen Politik scheinen die Märkte sich im Moment nicht allzu sehr zu sorgen, dass die Euro-Zone auseinanderbricht. Ich halte die Wahrscheinlichkeit, dass das passiert, auch für gering. Trotzdem stelle ich mir manchmal die Frage: Was &#8230; <a href="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/2013/03/11/der-ausstieg-aus-dem-euro/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Trotz des Chaos in der italienischen Politik scheinen die Märkte sich im Moment nicht allzu sehr zu sorgen, dass die Euro-Zone auseinanderbricht. Ich halte die Wahrscheinlichkeit, dass das passiert, auch für gering. Trotzdem stelle ich mir manchmal die Frage: Was wäre denn ein realistisches Ausstiegsszenario?</p>
<p><span id="more-640278"></span></p>
<p>Das ist ein erster Linie eine politische Frage. Und aus politischer Sicht, glaube ich, gibt es nur ein realistisches Szenario: dass die anderen Euro-Staaten Deutschland aus dem Euro herausdrängen.</p>
<p>Gehen wir mal die verschiedenen Möglichkeiten durch. Der Ausstieg eines schwachen Euro-Staates hätte zwar theorisch für die Wirtschaft dort positive Effekte: Die neue Währung wäre schwach, die Wettbewerbsfähigkeit somit schneller wieder hergestellt als über eine sparsame Lohnpolitik. Das Problem ist aber: Würde das Land X, um hier kein Beispiel zu nennen, wieder die gewohnte X-Währung einführen, dann würde die auf Euro lautende Staatsschuld im Vergleich zum Bruttoinlandsprodukts sprunghaft ansteigen, weil die X-Währung ja im Wert deutlich fallen dürfte; die private Verschuldung lassen wir hier mal außen vor. Die Politik wäre also hinterher schlechter dran als vorher. Sinnvoll wäre ein solcher Schritt daher nur, wenn X die Euro-Schulden durch einseitige Erklärung auch auf die X-Währung umstellt. Das käme aber praktisch einer Zahlungsunfähigkeit, einem Staatsbankrott gleich. Es ist nicht auszuschließen, dass so etwas passiert. Doch die meisten Regierungen dürften damit vielleicht drohen, um ein Entgegenkommen der Kreditgeber zu erzwingen, aber vor dem Ernstfall zurückschrecken.</p>
<p>Umgekehrt wäre natürlich auch denkbar, dass eine deutsche Regierung sich von sich aus zum Ausstieg aus dem Euro entschließt. Wahrscheinlich gäbe es dafür eine Menge Beifall aus der Bevölkerung und von einem Teil der Professoren, vielleicht auch aus dem Kreis kleinerer Unternehmen. Das hätte positive und negative Effekte. Positiv wäre eine Verringerung der realen Schuldenlast, wenn Deutschland seine Staatsschulden in Euro belassen würde. Das gäbe allerdings, wenn es sich um inländische Anleger handelt, eine Menge Probleme und würde zu einem Aufschrei der Empörung führen, weil die Leute dann plötzlich den neuen enthärteten Euro auf dem Konto hätten statt der harten, neuen Mark. Fragt sich also, ob das überhaupt realistisch ist. Negativ wäre, dass, in neuer Mark gerechnet, Deutschland wahrscheinlich einiges an Forderungen ans Ausland abschreiben müsste. Immerhin: Danach wäre die Rechnung bereinigt, es gibt sicher Euro-Gegner, die das in Kauf nehmen würden; jedenfalls so lange sie nicht selbst betroffen sind.</p>
<p>Das Problem ist nur: Wahrscheinlich würde Deutschland in Europa bei einem Alleingang als extrem unsolidarisch empfunden. Es müsste schon zu sehr starken Spannungen kommen, bis eine deutsche Regierungen sich gegen den Willen der anderen zu so einem Schritt entschließt, der ja auch ein Stück europäischer Integration und damit deutscher Nachkriegsgeschichte rückgängig machen würde.</p>
<p>Was aber, wenn andere Euro-Länder, vielleicht unter Führung der Franzosen, den Deutschen sagen: &#8220;Ihr habt eine andere Vorstellung von Geldpolitik, und wir kommen damit nicht klar und wir lassen uns das auch nicht auf Dauer aufzwingen. Also bitte: Verlasst den Euro. Nehmt meinetwegen ein paar kleine Länder, die eine ähnliche Stabilitätskultur haben, mit. Und lasst uns den Euro so zurechtbiegen, dass wir &#8211; ganz ähnlich wie Briten und Amerikaner &#8211; wieder aus der Krise herausfinden.&#8221;</p>
<p>Was dann? Könnte eine deutsche Regierung sich diesem Ansinnen verweigern? Ich glaube nicht &#8211; mit welchem Argument denn?</p>
<p>Wie gesagt: Das ist alles sehr hypothetisch. Aber erstens machen Gedankenspiele Spaß, und zweitens ist es manchmal gut, wenn man auch unwahrscheinliche Szenarien mal durchdacht hat.</p>
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