Die seltsame Geheimniskrämerei der ESMT und Stefan Reichelsteins

Es war eine ziemlich peinliche Nachricht, die die private Berliner Business School ESMT gestern bekanntgeben musste: Der Stanford-Professor Stefan Reichelstein, der eigentlich in weniger als drei Wochen die Führung der Hochschule übernehmen sollte,  kommt doch nicht. Ende Januar hatte Reichelstein seinen Vertrag unterschrieben, im März hatte er sich in Berlin den Mitarbeitern vorstellt.

Auf die  Frage nach den Gründen für diesen Schritt schwieg sich die ESMT gestern hartnäckig aus. Gebetsmühlenartig wurde der Satz wiederholt, Reichelstein  habe “nach Abwägung aller Faktoren dafür entschieden, weiterhin für die Stanford Graduate School of Business tätig zu sein”. Für alles weitere verwies man mich mehrfach in Berlin ausdrücklich direkt an Reichelstein: “Das kann er ihnen nur selbst erklären.”

Und was macht Stefan Reichelstein? Er schrieb mir heute morgen folgende E-Mail:

“Ich habe mit den ESMT-Verantwortlichen abgesprochen, dass alle externen Anfragen hinsichtlich der Gründe für meinen Nichtantritt an die Abteilung für Presse-und Öffentlichkeitsarbeit der Schule verwiesen werden.

Sie werden insofern hoffentlich Verständnis dafür haben, dass ich Ihnen in dieser Angelegenheit nicht weiterhelfen kann.”

Ehrlich gesagt hält sich mein Verständnis in Grenzen – das habe ich allen Beteiligten heute auch schon mitgeteilt.

Ich fühle mich, ganz ehrlich gesagt, ziemlich auf den Arm genommen. » weiterlesen

Vor dem Champions-League-Finale in München: Wirtschaftswunder Bundesliga?

Wer mir bei Twitter folgt, konnte es live miterleben:  Als eingefleischter Schalke-Fan habe ich das DFB-Pokalfinale am Samstag in Berlin mit sehr gemischten Gefühlen gesehen, zumal ich vor einem Jahr beim Schalker Pokalgewinn selbst in der Kurve stand.

Aber ich muss gestehen: Es war ein tolles Fußballspiel, und am Ende siegte bei mir die Schadenfreude über die Blamage Bayern Münchens über den Missgunst eines weiteren Erfolgs für die Mannschaft unserer Lokalrivalen aus Lüdenscheid-Nord.

Nächsten Samstag findet in München das nächste Spitzenspiel statt, Bayern tritt im Champions-League-Finale im eigenen Stadion gegen Chelsea an. Die wirklich  schwierige und immens wichtige Frage, wen ich als Schalke- und Arsenal-Fan an dem Abend unterstütze, will ich hier nicht weiter diskutieren. Sondern die Frage, ob die Begegnung auch ein Aufeinandertreffen von zwei verschiedenen Geschäftsmodellen des Profifußballs ist.

Auf der seinen Seite stehen die vergleichsweise solide wirtschaftenden Bundesliga-Vereine, in denen dank der “50 plus 1-Regel” Investoren nicht die Mehrheit übernehmen können – auf der anderen Seite die Premier-League-Clubs, die das Hobby- und Prestigeprojekt gelangweilter Oligarchen (Chelsea) und Ölscheichs (Man City) sind. » weiterlesen

Ein Blick durch die Wirtschaftsblogs

Vor ein paar Wochen habe ich ausführlich mit Florian Semle geskypt – er recherchierte in Sachen Wirtschaftsblogs und interviewte mich dazu.

Sein erster Text ist jetzt online – und sehr lesenswert: Die deutschen Wirtschaftsblogs (Teil 1): Wie Blogs die ökonomische Debatte beeinflussen

Sein Fazit lautet:

Was heute noch in einer Nische diskutiert wird, könnte in naher Zukunft zu einem wesentlichen Bestandteil der ökonomischen Debatte und Agenda werden, wie es in angelsächsischen Ländern heute schon der Fall ist.

Wollen wir es hoffen.

Update: Die anderen beiden Teile der Artikel-Serie sind jetzt auch online.

Ein Zukunfts- und Gegenwartsszenario

Die Blogliste zur Ökonomiedebatte

Die Top-10 der deutschen Ökonomen auf Twitter

Wie die Zeit vergeht – schon wieder wird  eine Neuauflage meiner Liste der wichtigsten deutschen Ökonomen bei Twitter fällig, die ich in  Anlehung an die englische Liste meines FT-Kollegen  Tim Harford im April gestartet und im Juli erstmals aktualisiert habe.

Die wichtigsten Veränderungen

Neu in der Liste sind @rkeuper, der es direkt in die Top-10 schaffte,  @schuldensuehner, @iw_koeln und @teraeuro. Verschwunden ist Thomas Strobl, der leider sein eigenes Account und auch das von Weissgarnix zugemacht hat (Zu den Hintergründen habe ich Thomas hier interviewt.) Außerdem habe ich @KeynesMakro gestrichen -  weil der letzte Tweet  aus  April 2010 stammt.

@littlewisehen hat in den vergangenen drei Monaten als erster deutscher Wirtschaftsblogger die Schallmauer von 3000 Followern überschritten. @PatrickBernau und @egghat legen weiter kräftig zu, und auch ich bin sehr zufrieden – vor allem mit meinem englischen Account, das sich der Schwelle von 2000 Followern nähert.

Andere Übersichten

Patrick Bernau hat eine schöne Übersicht über Ökonomen bei Google Plus zusammengestellt. Wer sich für die Euro-Krise interessiert, sei noch auf den “PIIGS Plus Club” bei Twitter hingewiesen – eine Liste mit Twitterern aus allen möglichen EU-Ländern, die auf Englisch über die Misere tweeten. (Hier ein bisschen was zu den Hintergründen des PIIGS-Plus-Clubs.)

Wer fehlt noch? Hinterlasst mir einen Kommentar im Blog oder schreibt an @olaf_storbeck.

Hier die komplette Liste:

» weiterlesen

Wer Straßen sät, wird Staus ernten

Stau

(Bild: Osvaldo Gago via Wikipedia)

Gerade schaue ich das Inhaltsverzeichnis der aktuellen Ausgabe des “American Economic Review” durch – und stelle mit Freude fest, dass es der Aufsatz “The Fundamental Law of Road Congestion: Evidence from US Cities” der kanadischen Forscher Gilles Duranton und Matthew Turner in die Zeitschrift geschafft hat.

Es ist eine wirklich bemerkenswerte Studie: Die Ökonomen haben den Zusammenhang zwischen Straßenbau und Verkehrsaufkommen am Beispiel der Vereinigten Staaten empirisch untersucht. Mehr Straßen, so das Ergebnis der Studie, sind kein  Mittel zur Bekämpfung des Staus. Das Kernergebnis lautet:

“Eine Verdoppelung der Straßen verdoppelt den Verkehr.”

» weiterlesen

Wegweiser durch den VWL-Blog-Dschungel

In der vergangenen Woche habe ich im Handelsblatt über eine Weltbank-Studie (“The Impact of Economics Blogs”) berichtet, die erstmals versucht, den Einfluss von Ökonomie-Blogs zu messen: ‘”Übermäßig aktive Blogger” treiben Ökonomen an”.

Dazu gab es noch ein Interview mit dem ehemaligen Weissgarnix-Macher Thomas Strobl und eine Liste von interessanten deutschsprachigen Ökonomie-Blogs.

Heute hat Kantoos einen sehr guten Blogguide für Bachelor-Studenten veröffentlicht, und auch Dirk Elsner vom Blicklog hat sich Gedanken über den Einfluss von Ökonomie-Blogs gemacht. Dirk ist es auch, der die wirklich geniale Mindmap zu Wirtschaftsblogs “Made in Germany” pflegt.

Mit großer Freude habe ich außerdem gesehen, dass einer meiner Lieblings-Ex-Kollegen soeben ein neues Blog gestartet hat:  Marcello Berni bloggt seit letzter Woche aus Mailand unter Berni’s View. Marcello war 15 Jahre beim Handelsblatt, zuletzt Ressortleiter Unternehmen.

Von  2007 bis 2011 war er  Kommunikationschef bei der italienischen Großbank UniCredit, derzeit ist er – um es mit Thomas Strobl zu sagen – “in between jobs”.

Marcello ist einer der nettesten und zugleich kompetentesten Kollegen, der mir in meinen inzwischen fast elf Jahren beim Handelsblatt begegnet ist. Sein Blog ist – wen wundert es – stark banken-und krisenorientiert.

Und dass Marcello ein exzellenter Italienkenner ist, kann in der derzeitigen Lage auch nicht wirklich schaden…

Also: Starke Leseempfehlung für “Berni’s View”

.
Besuchen Sie mein englisches Weblog “Economics Intelligence” und meine Facebook-Seite – ich freue mich über jedes “like”!

Hilfe, ich bin ein Geek! (sagt “Wired”)

Wired Deutschland - das Erstlingswerk

Ich bin mir nicht ganz sicher, was es über einen selbst aussagt, wenn ein früherer Chef einen für einen “Geek” hält.

Als mich Thomas Knüwer,  der  vor zehn Jahren in der Netzwert-Redaktion beim Handelsblatt mein erster Boss war, mich vor einigen Monaten fragte, ob ich als ein Fallbeispiel für eine Geschichte über “Geeks” in der ersten deutschen Ausgabe von “Wired” zur Verfügung stünde,  habe ich schon einen Moment lang  gezögert. (Mein spontaner Gedanke war, dass das auf ihn vielleicht eher zutrifft als auf mich….)

Aber gut, ich habe mich drauf eingelassen (sind wir nicht alle ein bisschen eitel?) » weiterlesen

Handelsblatt VWL-Ranking 2011

Es ist 1.07 Uhr, ich sitze in einem Frankfurter Hinterhof in einem lausigen Hotel und versuche, die Ergebnisse des Handelsblatt-Volkswirte-Rankings 2011 online zu stellen. Ins W-Lan komme ich nicht, weil das Hotelpersonal schon Feierabend hat (bin froh, dass ich überhaupt mein Zimmer gefunden habe) und die Tethering-Verbindung übers iPhone ist zu instabil für unser Redaktionssystem.

(Und zu allem Überfluss bombardiert mich Vodafone auch noch mit Textnachrichten mit der Aussage, dass ich meine Data-Roaming-Allowance schon lange überschritten habe…)

Kurzum: Technik, die begeistert.

Deshalb vorerst auf diesem Weg die Ergebnis-Tabellen:

Top-25 Fakultäten

Lebenswerk-Ranking – die Top-250 Forscher, gemessen an Publikationen seit Karrierebeginn

Aktuelle Forschungsleistung - die Top-100 Forscher, gemessen an ihren Publikationen seit 2007

Unter-40-Ranking - die Top-100 der Volkswirte, die jünger sind als 40

Auslandsökonomen – die Top-100 der deutschsprachigen Volkswirte im nicht deutschsprachigen Ausland

Top-Emeriti

Alles weitere folgt morgen.

Nachtrag: Halleluja, es hat doch noch geklappt. Die Links zu den Tabellen sind jetzt auch auf Handelsblatt.com verfügbar, mein Text über die Ranking-Ergebnisse taucht hier gleich hoffentlich ebenfalls auf. Ich geh jetzt schlafen.
.
Besuchen Sie mein englisches Weblog “Economics Intelligence” und meine Facebook-Seite – ich freue mich über jedes “like”!

“Das ABC der Wirtschaftskrisen” – gleich im Radio

Heute mach ich mal etwas eher Feierabend… In ein paar Minuten setze ich mich auf mein Brompton und radel quer durch London ins Western House der BBC – dort haben die Kollegen von DRadio Wissen ein Studio für mich gemietet.

Ab 18 Uhr deutscher Zeit bin ich dann zu Gast in der “Redaktionskonferenz” des mit dem Grimme Online-Award ausgezeichneten Senders.

Eineinhalb Stunden reden wir über das “ABC der Wirtschaftskrisen”.

Fragen und Feedback könnt ihr über die Facebook-Seite von DRadio wissen stellen, oder auch über Twitter an mich (Daumen drücken, dass ich im Studio auch  Internet-Zugang habe)  oder die DRadio-Kollegen tweeten.

Übrigens kriegt ihr in der Sendung auch einen Einblick in meinen Musikgeschmack – ich durfte nämlich die Songs auswählen…

Bis gleich.

Update: Ich war im “Western House” der BBC offenbar der erste Nutzer des Gäste-WLANs ever. Zumindest das hat geklappt. Oder der Rest auch gelungen ist, kann man auf der Webseite der Kollegen von DRadio Wissen auch nachhören.

.
Besuchen Sie mein englisches Weblog “Economics Intelligence” und meine Facebook-Seite – ich freue mich über jedes “like”!

Weissgarnix macht dicht – schade!

Ich lese gerade beim “Wirtschaftswurm” (ja, das Blog heisst wirklich so), dass Thomas Strobl sein sehr erfolgreiches Blog “Weissgarnix” zumachen will.

Auf Nachfrage bei Twitter schickten mir “wuschelig” und Stephan Dörner den Link zum entsprechenden Post: es stimmt, am 9. September verschwindet “weissgarnix”.

Ist mir ja glatt entgangen, das ist ja echt ein Ding.

Thomas schrieb vor über einem Monat dazu:

“Wenn es am besten ist, soll man bekanntlich aufhören – eine Maxime, deren Einhaltung nicht ganz gelungen scheint, denn für mich persönlich liegen die besten Zeiten dieses Blogs bereits einige Monate zurück. Aber besser spät als nie, daher werde ich Weissgarnix in Kürze beenden, genauer gesagt: am 9. September, zu diesem Termin habe ich zumindest den Hostingvertrag gekündigt.

Statt einem langen warum und wieso: Ich sehe einfach nichts mehr, für das sich der Aufwand lohnen würde. Die Diskussionen drehen sich im Kreis, alte Themen erscheinen lediglich im neuen Gewand, alles was gesagt werden musste, wurde gesagt.

Wer einzelne Inhalte des Blogs aufheben will, soll sie sich bis zum 9.9. runterladen. Ob und wie lange sie danach noch verfügbar sein werden, kann ich nicht sagen.

Ich bedanke mich bei allen Lesern und Kommentatoren für die Aufmerksamkeit und die Treue während der letzten dreieinhalb Jahre.”

Wir waren zwar oft nicht der gleichen Meinung, und in der Target2-Debatte habe ich mich auch mal richtig über Thomas geärgert, aber deswegen muss er doch nicht gleich komplet in den Sack hauen. :-)

Schade, Schade!

Was passiert mit den ganzen Co-Autoren, die bei Weissgarnix schreibe? Wenn ihr eine neue Heimat sucht, hier seid ihr willkommen!

Der Wirtschaftswurm macht nur seine Blogroll zu- und gibt dabei eine nette Übersicht über die restlichen deutschen Wirtschaftsblogs.
.
Besuchen Sie mein englisches Weblog “Economics Intelligence” und meine Facebook-Seite – ich freue mich über jedes “like”!