BWL-Forscher rufen zum Boykott des Handelsblatt-Rankings auf – mit Update

In knapp zwei Wochen – am 10. September – veröffentlicht das Handelsblatt die Neuauflage des BWL-Rankings. Wir bieten Forschern, die nicht mitmachen wollen, eine Opt-Out-Möglichkeit aus den Personenrankings (für das  Hochschul-Ranking werden die Personen trotzdem mitgezählt).

Einige Betriebswirte um Margit Osterloh (Uni Zürich) und Alfred Kieser (Zeppelin Universität, Friedrichshafen) haben jetzt einen Boykott-Aufruf initiiert und einen offenen Brief verfasst, der dem Handelsblatt vorliegt. Darin heißt es:

Warum wir aus dem Handelsblatt BWL-Ranking ausgestiegen sind

Am 9. September [Anmerkung: tatsächlich ist es der  10. September] dieses Jahres wird das Handelsblatt in seinem zweiten BWL-Ranking wieder verschiedene Ranglisten veröffentlichen: die der besten 250 deutschsprachigen Betriebswirte nach den Forschungsergebnissen ihres Lebenswerkes, die der 100 Besten nach den Forschungsergebnissen der letzten 5 Jahre und die der 100 Besten unter 40 Jahren. Ermittelt werden diese Ranglisten auf der Basis der in Zeitschriften veröffentlichten Aufsätze. Buchveröffentlichungen werden nicht berücksichtigt. Die Aufsätze werden nach einem vom Handelsblatt ermittelten Maßstab gewichtet, welcher die Qualität der jeweiligen Zeitschrift und der darin veröffentlichten Arbeiten zum Ausdruck bringen soll. » weiterlesen

Schwere Vorwürfe gegen Mannheimer BWL-Professor Ulrich Lichtenthaler

Als erstes haben zwei englischsprachige Wissenschaftsblogs  vor einigen Tagen über den Fall berichtet: Zwei Fachzeitschriften haben seit Anfang Juli drei Aufsätze des Mannheimer BWL-Professors Ulrich Lichtenthaler zurückgezogen. Zwei waren in “Research Policy” erschienen, einer in “Strategic Organization”.

Ich habe heute im Handelsblatt – und, noch ausführlicher, in meinem englischen Blog – über die Vorwürfe berichtet.

Die Herausgeber von “Research Policy” haben auf ihrer Webseite eine ausführliche Begründung ihrer Entscheidung veröffentlicht. Demnach gab es drei unterschiedliche Probleme:

  1.  Eigenplagiate: Querverweise zu sehr ähnlichen Arbeiten fehlten. Hätte es diese Verweise gegeben, wären die Artikel wohl nicht zur Veröffentlichtung akzeptiert worden, weil nicht originell genug. Dieser Aspekt des Vorgangs erinnert an die Bruno-Frey-Affäre des vergangenen Jahres.
  2. Ungereimtheiten beim Umgang mit Variablen: Die Argumentation in den jeweilgen “Schwesterpublikation” ist nicht stimmig, sondern widersprüchlich. Variablen, die in einer Arbeit als wichtig erklärt werden, werden in der anderen igoniert und umgekehrt. Das stellt nicht nur die Ergebnisse der beiden Reseach-Policy-Paper in Frage, sondern auch vier weitere Arbeiten, die in “R&D Management”, dem “Journal of Product Innovation Management”, “Strategic Organization” und in “Organization Science” erschienen sind.
  3. Fehler in der Statistik: Ergebnisse, die nicht statistisch signifikant waren, wurden dennoch als solche ausgegeben. Auf dieses Problem, das nur bei einem der beiden Research-Policy-Paper besteht,  hat Lichtenthaler die Herausgeber selbst hingewiesen. Der gleiche Fehler führte dazu, dass das Paper in “Strategic Organizsation” zurückgezogen wurde.

Von mehreren Leuten, die mit den Details der Vorwürfe gegen Lichtenthaler vertraut sind, habe ich gehört, dass all das nur die Spitze es Eisbergs sei. Eine Reihe von weiteren Journalen stehe kurz davor, Aufsätz von ihm zu widerrufen, unter anderem wohl  “Industrial and Corporate Change” und  “Strategic Management Journal” .

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Bruno Freys publizistischer Amoklauf gegen die Uni Zürich

Es ist ein in der Geschichte der deutschsprachigen Volkswirtschaftslehre wahrscheinlich einmaliger Vorgang: Der Züricher Ökonomie-Professor Bruno Frey hat die öffentliche Hand in der Schweiz indirekt aufgefordert, seiner eigenen Fakultät den Geldhahn abzudrehen – weil die Forschung seiner Kollegen irrelevant sei.

Die Volkswirte der Universität Zürich hätten den Bezug zur Wirklichkeit verloren und lebten in einer abstrakten Modellwelt. Seine Kollegen würden unter Ausschluss der Öffentlichkeit forschen.

„Wann rebellieren die Steuerzahler?“, fragt Bruno Frey in einem vor wenigen Tagen in einem Gastbeitrag für den Schweizer „Tages-Anzeiger“. Die Forschung seiner Züricher Kollegen beeinflusse die Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik “sicherlich nicht”, schreibt er:

“Irgendwann dürfte dies auch den Steuerzahlenden auffallen, welche die Universität finanzieren.”

Der  Gastbeitrag ist nicht nur eine Generalabrechnung mit der modernen Volkswirtschaftslehre, Frey kritisiert explizit die Arbeit seiner Züricher Fakultätskollegen:

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Eigenplagiate von Bruno Frey: Uni Zürich drückt ein Auge zu

Fast ein dreiviertel Jahr hat die Universität Zürich gebraucht, um die Eigenplagiats-Vorwürfe gegen den VWL-Professor Bruno Frey untersuchen zu lassen.

Jetzt liegt der Bericht der externen Kommission vor – die drei Gutachter Richard Layard, Christopher Pissarides (beide: London School of Economics) und Georg Winckler (Uni Wien) haben mindestens ein Auge zugedrückt.

Sie haben offenbar nur den ersten bekanntgewordenen Fall – die fehlenden Querverweise in vier sehr ähnlichen Papieren zum Untergang der Titanic analysiert, nicht aber die zahlreichen anderen Fälle.

Sie kommen zu folgendem Schluss: Diese fehlenden Zitate seien “unangemessen” und die Autoren sollten dafür gerügt werden. Weitere Maßnahmen seien aber nicht nötig, da zu erwarten sei, dass die fehlenden Querverweise zu den anderen Arbeiten ein “einmaliges Ereignis” blieben.

Das ist eine – um es vorsichtig auszurücken – sehr erstaunliche Einschätzung. Die Uni Zürich ist ihr dennoch gefolgt und betrachtet den Fall als erledigt.

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Eigenplagiate von Bruno Frey – weitere Fälle entdeckt

In der heutigen Printausgabe des Handelsblatts (inzwischen auch online verfügbar) berichte ich über eine ganze Reihe weiterer Eigenplagiatsfälle beim Züricher VWL-Professors Bruno Frey.

Frey war vor einigen Monaten innerhalb des Fachs in die Kritik geraten, weil er zusammen mit zwei Koautoren vier sehr ähnliche Arbeiten in Fachzeitschriften veröffentlichte, ohne auf die anderen Papiere zum gleichen Thema querzuverweisen.

Bislang hat Frey die fehlenden Zitate als bedauerlichen Lapsus dargestellt. Offenbar waren sie aber kein Einzelfall, wie die Berichte auf der Internet-Plattform “FreyPlag Wiki” nahelegen.

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Das Bruno-Frey-Plag-Projekt

Die Debatte um angebliche weitere Eigenplagiate des Schweizer Professors Bruno Frey gewinnt an Fahrt. Im “Economic Job Market Rumour”-Forum werden etliche weitere mutmaßliche Fälle aufgelistet, zum Teil sind die “Abstracts” wortwörtlich identisch.

Ich habe selbst im Moment leider nicht die Zeit, mich da im  Detail mit zu beschäftigen, aber es gibt ein Projet namens “Frey Plag”, das Erstaunliches zu Tage fördert.

Mehr Informationen dazu in meinem englischen Blogpost.
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Besuchen Sie mein englisches Weblog “Economics Intelligence” und meine Facebook-Seite – ich freue mich über jedes “like”!

Bruno-Frey-Affäre: Das JEP nimmt kein Blatt vor den Mund

Bruno Frey (Foto: Hannes Röst, Bild via Wikipedia)

Der Schweizer Top-Ökonom Bruno Frey (Universität Zürich), der die Lebenswerk-Wertung des Handelsblatt-Ökonomenrankings anführt, ist innerhalb der Volkswirtschaftslehre massiv in die Kritik geraten – wegen Eigenplagiaten. (Eine Zusammenfassung der Vorwürfe hier, alle Handelsblog-Beiträge dazu gibt es hier.)

Zusammen mit seinen Ko-Autoren Benno Torgler und David Savage (Queensland University of Technology) hat Frey vier mal sehr ähnliche Studien in verschiedenen Fachzeitschriften veröffentlicht, ohne auf die anderen Arbeiten zu verweisen.

Gestern abend ist die Sommer-Ausgabe des “Journal of Economic Perspectives” erschienen, das eine der betroffenen Zeitschriften war.

Darin werden zwei bemerkenswerte Briefe abgedruckt – das Schreiben des JEP-Herausgebers David Autor an Bruno Frey und Freys Antwort.

Autor nimmt kein Blatt vor den Mund.

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“Der Journalist des Handelsblatts schreibt viel Falsches”

Die Deutschen sind doch nur neidisch auf einen erfolgreichen Schweizer, meint Bruno Frey. (Bild via Wikipedia)

Das hat Bruno Frey in einem Interview der Schweizer Gratiszeitung “20 Minuten” (“Ich habe mich zu wenig selbst zitiert”) gesagt.

(Vielen Dank an Marco Hafner alias “RBK_31″, der mich über Twitter auf das Interview hingewiesen hat!).

Die Kollegen von 20 Minuten haben Frey unter anderem gefragt, ob er die Aufregung übertrieben finde. Seine Antwort:

“Ja. Der Journalist des deutschen Handelsblatts, der gestern breit darüber berichtete, schreibt viel Falsches. Und er bauscht mich zum Star-Ökonomen auf, damit er die nötige Fallhöhe für einen reisserischen Artikel hinkriegt.”

Mir sind keine Fehler bekannt, und Bruno Frey hat sich diesbezüglich auch noch nicht gemeldet. Daher rufe ich alle Leser zum Fact Checking meiner Artikel auf – wer einen Faktenfehler im Zusammenhang mit Bruno Freys Titanic-Texten findet, darf mit mir “auf Schalke”.

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Bruno Frey – jetzt ermittelt die Uni Zürich

Die Leitung der Universität Zürich hat heute ein offizielles Verfahren gegen Bruno Frey eingeleitet – wegen des “Verdacht der Unlauterkeit in der Wissenschaft”, teilte mir soeben die Pressestelle mit. “Um die Unabhängigkeit des Verfahrens zu garantieren, werden externe Gutachter eingesetzt”, schrieb mit der Pressesprecher der Hochschule.

(Hintergründe zu den Vorwürfen gegen Frey hier und – ausführlicher, aber auf Englisch,  hier und hier.)

Das Einschalten externer Gutachter ist insofern bemerkenswert, weil es sich dabei offenbar um eine Ermessensentscheidung der Hochschulleitung handelt  – ich interpretiere das als ein Indiz dafür, dass man die Vorwürfe in Zürich ernst nimmt.

Joseph Falkinger, Dekan der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Uni Zürich, schrieb mir dazu gestern: “Wird ein Verfahren eingeleitet, beauftragt sie Vertrauenspersonen mit der Ermittlung und setzt bei Bedarf externe Gutachter ein. Dies stellt die Unabhängigkeit des Verfahrens sicher.”

Die Debatte um die Eigenplagiate von Bruno Frey wird seit Ende April in der angelsächischen Ökonomenzunft geführt – die Hochschulleitung wurde aber erst darauf aufmerksam, weil Dekan Falkinger sie gestern nach einer Handelsblatt-Anfrage informierte. (Mehr dazu auch hier: “University of Zurich takes a look at Frey’s conduct”)

Weitere Neuigkeiten in Sachen Bruno Frey:

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“Journal of Economic Perspectives” tadelt Bruno Frey öffentlich

Die Titanic verlässt Southampton - Freys umstrittene Arbeiten beschäftigten sich mit ihrem Untergang (Foto via Wikipedia)

Das “Journal of Economic Perspectives” (JEP) hat Bruno Frey und seine Koautoren Benno Torgler und David Savage wegen der Mehrfach-Veröffentlichung nahezu identischer Beiträge getadelt, Bruno Frey hat sich im Namen aller Beteiligten entschuldigt, schrieb mir JEP-Herausgeber David Autor soeben. Den Schriftwechsel mit Frey wird das JEP in seiner nächsten Ausgabe abdrucken,

“which is a very stern and public rebuke to an academic. “

Mit dem JEP distanziert sich das zweite VWL-Journal von den Praktiken von Bruno Frey und seinen Ko-Autoren – der Herausgeber des “Journal of Economic Behaviour und Organization” hat das Autoren-Trio offenbar auf die schwarze Liste gesetzt und ihnen mitgeteilt, dass er in Zukunft keine Arbeiten von ihnen mehr akzeptieren werde.

Das 1986er-Paper von Hall (“Social class and survival on the S.S. Titanic”), das ich bei Repec gefunden habe (5. Treffer, wenn man nach “Titanic” sucht)  kannten die JEP-Herausgeber noch nicht, obwohl sie sich mehrere Monate mit dem Thema beschäftigt haben.

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