Das chinesische Datenwunder

Nun liegt Chinas Wachstum im Gesamtjahr 2012 also bei 7,8 Prozent. Mal wieder genau auf dem Zielwert – das sind wir von China gewöhnt. Trotzdem, oder eigentlich gerade deshalb, wurde ich stutzig, als Statistiker Ma Jiantang heute auf der großen BIP-Pressekonferenz die Zahl nannte.

Denn im Oktober hatte sich ein bekannter, bestens vernetzter Ökonom von einer führenden staatlichen Uni in meinem Beisein verquasselt. „Ich denke, das Wachstum in diesem Jahr liegt eher bei 7,5 Prozent“, hat der grauhaarige Wissenschafts-Veteran gesagt. „Das sollte am Jahresende auch draufstehen. Außer, die drehen mal wieder dran.“

Hat China nun an der Statistik gedreht?  » weiterlesen

The Smog – Nebel des Grauens

Ein Land voller Dreckschleudern: Kohlekraftwerk in Hebei

Ein Land voller Dreckschleudern: Kohlekraftwerk in Hebei

Die Schwaden, die am Samstagnachmittag im Pekinger Stadtteil Chaoyang auf mich zukamen, erinnerten mich an den Film „Der Nebel des Grauens“. Nur dass darin keine toten Seeleute lauerten, sondern Feinstaubpartikel.

Der plötzliche Rekord-Smog kommt für mich etwas überraschend, weil der Trend eine Weile lang in Richtung besserer Luft ging. Gerade zu Jahresbeginn hatten wir wunderbar klares Wetter. Peking selbst tut zudem einiges, um die Luft zu verbessern – gerade haben zwei neue U-Bahnlinien eröffnet. Doch der Nebel des Grauens wabert flächendeckend über den Industrieregionen Nordchinas.  » weiterlesen

Chinesische Vendetta

Das sonst rote Logo der "Südliches Wochenende" in Trauer-Grau.

Das sonst rote Logo der “Südliches Wochenende” in Trauer-Grau.

Die Journalisten in der chinesischen Südprovinz Guangdong fordern derzeit den Rücktritt des örtlichen Propagandachefs. Anders gesagt: Sie fordern einen neuen Zensor. Zur Stunde findet dazu sogar ein kleine Demo statt – hier findet sich ein Live-Ticker.

Das Ziel des Protests klingt bisschen so, als forderten die Mäuse vom Bauern eine neue Katze. Diese Entwicklung spricht für erstaunliches Selbstbewusstsein der Journalisten – es zeigt aber auch, wie sehr sich die Gesellschaft mit dem System arrangiert hat. » weiterlesen

Chinas rekordschnelle Überinvestition

Chinesischer Hochgeschwindigkeitszug bei der Jungfernfahrt

Chinesischer Hochgeschwindigkeitszug bei der Jungfernfahrt (Foto: fmk)

China hat in diesen Tagen die weltweit längste Strecke für Hochgeschwindigkeitszüge eröffnet. Der vermeintliche Triumph der Technik zeigt jedoch zugleich den großen Hinkefuß des chinesischen Wirtschaftswunders: Es beruht auf Überinvestitionen, die nie eine angemessene Rendite bringen werden.  » weiterlesen

Schwarzfahrer in Washington, Frankfurt und Berlin

Dollarscheine: Schwarzfahrer bringen ökonomische Probleme – auch in der Politik. Bild: dpa

Man spricht gerne von Trittbrettfahrern. Aber heute gibt es ebenso wenig noch Trittbretter, auf denen man außen mitfahren kann, wie Schaffner im Nahverkehr. Man sollte daher die Leute beim Namen nennen: Schwarzfahrer. Sie stellen ein ökonomisches Problem dar, denn sie maximieren den eigenen Nutzen auf Kosten der anderen, ähnlich wie Steuer- oder Versicherungsbetrüger. Und es gibt sie auch in der Politik. Zum Beipiel in Washington. Aber möglicherweise auch in Berlin und Frankfurt. Insofern brauchen wir eine kleine politische Ökonomie des Schwarzfahrens.

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Der Baby-Diktator muss bloß China folgen

Ein frohes neues Jahr! – auch für Nordkorea? Als vorhin die ersten Agenturmeldungen von Kim Jong-Uns überraschenden Neujahresgrüßen aus Nordkorea liefen, fragten sich die Beobachter sofort, wie  der Junior-Machthaber das anstellen will: in der vergammelten Volkswirtschaft seines Landes einen “radikalen Anstieg der Produktion” (Zitat von Yonhap) in Landwirtschaft und Industrie zu bewirken. Doch tatsächlich wäre es für Kim vergleichweise leicht, hohes Wachstum zu erzeugen – wenn er sich denn gegen die Betonköpfe in der eigenen Partei durchsetzen kann.  » weiterlesen

Die Ökonomie des Schenkens

Weihnachtsgeschenke. Bild: dpa

Zu Weihnachten geht es nicht ums Tauschen, sondern ums Schenken. Bild: dpa

Wir haben uns angewöhnt, Ökonomie als eine Lehre vom Tauschen zu verstehen. Bis weit in Grenzgebiete hinein: Die politische Ökonomie untersucht, wie man Politik als Tauschgeschäft auffassen kann. Alternative Auffassungen kommen eher aus anderen Disziplinen, von Soziologen, Philosophen oder Anthropologen, von Franzosen wie Marcel Mauss, Jacques Derrida und Michel Serres oder dem Franzosenfreund Peter Sloterdijk, von David Graeber, einem Initiatior der Bewegung “Occupy Wall Street”: häufig Leute, die selbst in ihrer eigenen Wissenschaft oder politisch besehen eher Außenseiter sind.

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Das deutsche Risiko

Deutschland, so scheint es immer noch, kann vor Kraft kaum laufen. Der deutsche Staat bekommt de facto Geld von den Investoren geschenkt, deutsche Konzerne leihen sich ihr Fremdkapital billiger als manche Staaten und drücken vor allem in Europa ihre Konkurrenten an die Wand. Alle Versuche angeschlagener Euro-Staaten, ihre Wettbewerbsfähigkeit wieder zu erlangen, sind in Gefahr, unter der Übermacht der deutschen Wirtschaftskraft zu zerbröseln. Deutsche Ingenieure, so scheint es, sind unschlagbar, und deutsche Manager immerhin gut genug, die Technik ihrer Ingenieure weltweit zu verkaufen.
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China – das Schlachtfeld für Nokia und Apple

Allgegenwärtig für 700 Millionen Kunden: China-Mobile-Bude

Allgegenwärtig für 700 Millionen Kunden: China-Mobile-Bude

Nokia ist noch nicht abgeschrieben. Das ist spätestens seit der Vorstellung des konkurrenzfähigen Windows-Smartphones Lumia 920 klar. Doch gelingt es den Finnen, gegenüber Apple wieder Boden gutzumachen?

China könnte das Schlachtfeld sein, auf dem Nokia der Gegenschlag gelingt. Der Apple-Anteil am hiesigen Markt für schlaue Handys (dem größten der Welt) ist im Sommer bereits deutlich gesunken, wie gerade herausgekommen ist.

Zugleich wurde bekannt, dass Nokia mit China Mobile einig geworden ist, das Lumia 920 im großen Stil in den Markt zu drücken. Das ist einei wichtige Nachricht. Denn China Mobile hat 700 Millionen zahlende Kunden – mehr als jeder andere Mobilfunkanbieter in China.  » weiterlesen

Lug und Trug in der City

Wer derzeit versucht das International Centre for Financial Regulation anzurufen, der erreicht nur einen Anrufbeantworter, wer eine Mail schickt, der bekommt prompt eine Fehlermeldung zurück. Der angesehene Londoner Think Tank für die Reform der Finanzmärkte ist scheinbar nicht mehr zu erreichen, und das liegt daran, dass das ICFR mit seinem ganz eigenen Regulierungsproblem zu kämpfen hat.
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