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	<title>Handelsblog &#187; Konjunktur</title>
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	<description>Zur Unterwanderung des wirtschaftlichen Sachverstands</description>
	<lastBuildDate>Thu, 16 May 2013 09:57:55 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Bringt die Bürokraten in Erklärungsnot!</title>
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		<pubDate>Thu, 16 May 2013 09:33:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Florian Kolf</dc:creator>
				<category><![CDATA[Konjunktur]]></category>
		<category><![CDATA[Bürokratieabbau; Öffentliche Verwaltung; Gesetzgebung]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Regierung feiert sich. Mal wieder. Das Bundeskabinett hat den Bericht des Normenkontrollrates verabschiedet. Klingt abstrakt? Hat aber ganz praktische Bedeutung, denn es geht dabei um den von allen geforderten Abbau von Bürokratie. Die deutsche Wirtschaft sei um 1,2 Milliarden &#8230; <a href="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/2013/05/16/bringt-die-burokraten-in-erklarungsnot/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_640420" class="wp-caption aligncenter" style="width: 430px"><a href="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/05/Akten.jpg"><img class="size-medium wp-image-640420 " alt="Kraftfahrt-Bundesamt legt Jahresbilanz vor" src="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/05/Akten-420x266.jpg" width="420" height="266" /></a><p class="wp-caption-text">Endlose Aktenschränke: Die Bürokratiekosten nicht im Griff. Bild: dpa</p></div>
<p style="text-align: left">Die Regierung feiert sich. Mal wieder. Das Bundeskabinett hat den <a href="http://www.handelsblatt-shop.com/downloads/buerokratie-abbau-aktenzeichen-ungeloest-p4951.html" target="_blank">Bericht des Normenkontrollrates</a> verabschiedet. Klingt abstrakt? Hat aber ganz praktische Bedeutung, denn es geht dabei um den von allen geforderten Abbau von Bürokratie. Die deutsche Wirtschaft sei um 1,2 Milliarden Euro an Bürokratiekosten entlastet worden, heißt es dort. Das Ziel, diese Belastungen um 25 Prozent zu senken, sei erreicht. Im Vorwort des Berichts spricht Staatssekretär Eckart von Klaeden von  einer „positiven Entwicklung“, für die zahlreiche Initiativen der Bundesministerien verantwortlich seien.</p>
<p style="text-align: left"><span id="more-640415"></span>Ich hab mir diese Initiativen mal genauer angeschaut – und war sprachlos, mit welcher Chuzpe und Kreativität dort Erfolge konstruiert werden. Als einer der großen Posten für Bürokratieabbau taucht die Abschaffung der Praxisgebühr auf. Sie erinnern sich? In einer Nachtsitzung mit den Koalitionspartnern hatte dies die FDP für sich als Wahlkampfgeschenk herausgehandelt. Das jetzt als Bürokratieabbau zu verkaufen &#8211; Ökonomen würden so etwas als „windfall profits“ bezeichnen. Ich nenne es Frechheit.</p>
<p>Doch es kommt noch besser. Nach Angaben der Regierung werden durch die Abschaffung der Praxisgebühr jährlich 336 Millionen Euro an Kosten bei den betroffenen Unternehmen eingespart. Das bedeutet ja im Umkehrschluss, dass die Regierung durch die Einführung der letztlich völlig wirkungslosen Praxisgebühr einen Schaden von mindestens 336 Millionen Euro pro Jahr angerichtet hat. Warum wir diese Zahl erst jetzt zu lesen bekommen? Weil es sonst wohl viel schwieriger gewesen wäre, diese Gebühr einzuführen.</p>
<p>Wie wichtig es ist, dass diese versteckten Kosten staatlicher Maßnahmen viel offensiver öffentlich diskutiert werden sollten, zeigt der <a href="https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/Indikatoren/Buerokratiekosten/Ergebnisse/Buerokratiekostenindex/Buerokratiekostenindex.html" target="_blank">Bürokratiekostenindex</a>, den das statistische Bundesamt seit Anfang 2012 jeden Monat erhebt. Der erfasst allein die Belastungen, die in Unternehmen entstehen, wenn diese aufgrund rechtlicher Regelungen Daten oder sonstige Informationen beschaffen, übermitteln oder verfügbar halten müssen. Seit Anfang 2012 ist dieser Index nicht etwa gesunken, sondern sogar um einen Viertelprozentpunkt gestiegen.</p>
<p>Der Soziologe und Publizist Sir Ralph Dahrendorf  hat das Dilemma wunderbar auf den Punkt gebracht: „Wir brauchen Bürokratien, um unsere Probleme zu lösen. Aber wenn wir sie erst haben, hindern sie uns, das zu tun, wofür wir sie brauchen.“ Jahr für Jahr verursacht die Bürokratie bei den deutschen Betrieben Kosten in Höhe von schätzungsweise 37 Milliarden Euro. Zurecht fordern die <a href="http://www.bdi.eu/163_13579.htm" target="_blank">Wirtschaftsverbände</a> von der Regierung größere Anstrengungen.  Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft hat eine ganze<a href="http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/buerokratie-wahnsinn-das-sind-deutschlands-ueberfluessigste-behoerden/3543186.html" target="_blank"> Liste von Behörden</a> zusammengestellt, die niemand wirklich braucht. Die Wirtschaft braucht keine neue Partei, die den Euro abschaffen will. Sie braucht eine, die ernsthaft den Abbau der Bürokratie angeht.</p>
<p>Es gibt in der Finanzwissenschaft das intelligente Konzept der „Sunset Legislation“. Das bedeutet, dass neu eingeführte Gesetze und Verordnungen ein Verfallsdatum bekommen und nach einer bestimmten Zeit automatisch auslaufen. In Deutschland wird dieses Verfahren erst zögerlich eingesetzt. Doch erst wenn die Beweislast umgedreht wird und die Bürokraten immer neu belegen müssen, dass sie mehr Nutzen als Schaden anrichten, nehmen wir den Bürokratieabbau wirklich ernst.</p>
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		<title>Verschwörung zur Energiewende</title>
		<link>http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/2013/05/09/verschworung-zur-energiewende/</link>
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		<pubDate>Thu, 09 May 2013 09:53:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Finn Mayer-Kuckuk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Konjunktur]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Energiewende]]></category>

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		<description><![CDATA[Was hat ein kleiner Ort in einer chinesischen Wüste mit dem deutschen Solarunternehmer Frank Asbeck zu tun? Die Gemeinde Golmud zeigt, warum der Feldzug des schillernden Geschäftsmannes gegen Chinas Solarhersteller fehlgeleitet und egoistisch ist. Dass die EU jetzt offenbar zumindest &#8230; <a href="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/2013/05/09/verschworung-zur-energiewende/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_640379" class="wp-caption aligncenter" style="width: 410px"><a href="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/05/P1050066.jpg"><img class="size-full wp-image-640379" alt="Solarzellen in der Wüste von Qinghai." src="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/05/P1050066.jpg" width="400" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Solarzellen in der Wüste von Qinghai.</p></div>
<p>Was hat ein kleiner Ort in einer chinesischen Wüste mit dem deutschen Solarunternehmer Frank Asbeck zu tun? Die Gemeinde Golmud zeigt, warum der Feldzug des schillernden Geschäftsmannes gegen Chinas Solarhersteller fehlgeleitet und egoistisch ist.<span id="more-640378"></span></p>
<p>Dass die EU jetzt offenbar zumindest für die kommenden Monate einen Strafzoll auf Solarzellen aus China verhängt, geht zu einem guten Teil auf die Aktivitäten Asbecks zurück. Er hat darauf gedrängt, die Chinesen an den Pranger zu stellen.</p>
<p>Dazu ließe sich bereits einiges sagen. Zum Beispiel, dass Deutschland als erfolgreiche Exportnation am selbst von offenen Märkten profitiert. Strafzölle von rund 50 Prozent gehen da in die falsche Richtung. Oder dass Deutschland – wenn auch über andere Mechanismen – die eigene Solarwirtschaft ebenfalls enorm gepäppelt hat. Davon hat auch Asbeck profitiert.</p>
<p>Doch hier soll es darum gehen, was China eigentlich wollte. Und das zeigt sich unter anderem in der Mitte der abgelegenen Provinz Qinghai. Die kleine Stadt Golmud ist urpsrünglich um eine Oase herum entstanden. Früher haben hier Karawanen gerastet. Die nächste größere Stadt ist 750 Kilometer entfernt, dazwischen erstreckt sich nur gewellter Sand unter sengender Sonne. Dieser Teil Chinas liegt bereits näher an Europa als an der Hauptstadt Peking.</p>
<div id="attachment_640380" class="wp-caption aligncenter" style="width: 410px"><a href="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/05/P1050089.jpg"><img class="size-medium wp-image-640380" title="Handelsblatt-Blogger Finn Mayer-Kuckuk am weltgrößten Photovoltaikkraftwerk." alt="Handelsblatt-Blogger Finn Mayer-Kuckuk am weltgrößten Photovoltaikkraftwerk." src="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/05/P1050089.jpg" width="400" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Handelsblatt-Blogger Finn Mayer-Kuckuk am weltgrößten Photovoltaikkraftwerk.</p></div>
<p>Hier scheint immer die Sonne, und hier liegt der Stolz der chinesischen Energiepolitik: Von den Sanddünen aus betrachtet erstrecken sich Solarzellen von Horizont zu Horizont. Die Kapazität des umweltfreundlichen Kraftwerks hat längst 600 Megawatt überschritten, geplant sind 1000 Megawatt. Die Sonne bringt hier bereits so viel Strom wie ein Atomreaktor.</p>
<p>Der örtliche Verkaufsleiter der Solarzellenanbieters Yingli ist sichtbar stolz auf das, was hier in einer Gemeinschaftsanstrengung entsteht. Der 31-jährige Wang Fei arbeitet derzeit fern von seiner schwangeren Frau hier in der Wüste am Aufbau des Rekordkraftwerks mit. „Es lohnt sich“, sagt Wang. „Es lohnt sich geschäftlich, aber es lohnt sich auch persönlich.“ Er habe das Gefühl, Vorreiter einer neuen Zeit der Stromversorgung zu sein.</p>
<div id="attachment_640381" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><a href="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/05/P1050101.jpg"><img class="size-medium wp-image-640381" title="Yingli-Verkaufsmanager Wang Wei am Standort Golmud." alt="Yingli-Verkaufsmanager Wang Wei am Standort Golmud." src="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/05/P1050101.jpg" width="300" height="400" /></a><p class="wp-caption-text">Yingli-Verkaufsmanager Wang Wei am Standort Golmud.</p></div>
<p>Für China ist die Ausbau der Solarenergie bittere Notwendigkeit. Die Großstädte versinken im Smog, weil sie durch schmutzige Kohlekräftwerke mit Strom versorgt werden. China ist bereits der weltgrößte Energieverbraucher und hat eine gigantische Ölrechnung zu bezahlen. Das Land baut bereits mehr Kernkraftwerke, als angesichts der Risiken gut sein kann – und leidet trotzdem unter Stromausfällen. Außerdem hat es sich ehrgeizige Klimaziele gesetzt. Ohne Solar geht eines Tages das Licht aus.</p>
<p>Klar subventioniert China da den Ausbau der emissionsfreien Stromversorgung. (Von alleine baut sich die Energiewirtschaft bekanntlich nicht um.) In den kommenden fünf Jahren will das Schwellenland knapp 400 Milliarden Euro für und Strom aus Sonne, Wasser und Wind ausgeben.</p>
<p>Es sind staatliche Firmen, die hier in Golmud den Solarpark errichten. Mitarbeiter vor Ort bestätigen, dass das Projekt sich nicht rechnet, sondern vor allem politisch gewollt ist – genau wie die deutsche Energiewende, die der Kunde über den höheren Strompreis bezahlt.</p>
<div id="attachment_640382" class="wp-caption aligncenter" style="width: 410px"><a href="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/05/P1050113.jpg"><img class="size-medium wp-image-640382" title="In Golmud erstrecken sich die Solarparks über viele Kilometer." alt="In Golmud erstrecken sich die Solarparks über viele Kilometer." src="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/05/P1050113.jpg" width="400" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">In Golmud erstrecken sich die Solarparks über viele Kilometer.</p></div>
<p>In seinen langfristigen Wirtschaftsplänen hat China die Sonnenenergie als strategische Schlüsselbranche definiert. Solche Erklärungen haben in dem kommunistischen Land spektakuläre Auswirkungen. Ein gutes Dutzend der 37 Provinzen des Landes wollten bei der Party dabei sein und haben Photovoltaikhersteller gegründet. Seinerzeit kam zu dem hohen Bedarf aus Europa noch der Beginn von Projekten wie Golmud.</p>
<p>Individuell gesehen hatten diese Investmententscheidungen Sinn, doch anscheinend hatte trotz aller Planungsabteilungen keiner das Gesamtbild im Blick. Es sind gewaltige Überkapazitäten entstanden. Die Branche ist in einen ruinösen Preiskrieg geraten. Darunter leiden jetzt auch die chinesischen Anbieter. Der einstige Marktführer Suntech ist bereits pleite.</p>
<div id="attachment_640383" class="wp-caption aligncenter" style="width: 410px"><a href="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/05/P1050158.jpg"><img class="size-medium wp-image-640383" title="Besondere Hochspannungsleitungen bringen den Wüstenstrom in die Zentren." alt="Besondere Hochspannungsleitungen bringen den Wüstenstrom in die Zentren." src="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/05/P1050158.jpg" width="400" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Besondere Hochspannungsleitungen bringen den Wüstenstrom in die Zentren.</p></div>
<p>China hat bereits reagiert und den Ausbau von Solarprojekten wie dem in Golmud beschleunigt, um von staatlicher Seite Nachfrage zu schaffen – nachdem Europa wegen der Krise die Luft ausgegangen ist.</p>
<p>Tatsächlich fällt auf, dass sämtliche Zellen in Golmud aus einheimischer Produktion stammen. Der große Anbieter Yingli allein hat 40 Prozent der Panels geliefert, die hier verbaut sind. Ausländische Anbieter haben keine Chance. Es gibt nicht einmal eine Ausschreibung. Allen ist von Anfang an klar, dass die Betreiber ihr Material von chinesischen Firmen beziehen. Deutschland und Spanien waren hier großzügiger und haben den Markt weit für Hersteller außerhalb der EU geöffnet.</p>
<p>Doch zugleich ist klar, dass ein europäischer Anbieter wohl kaum mit den Inlandspreisen der chinesischen Konkurrenz mithalten kann. Solarzellen sind heute ein Massenprodukt wie Flüssigkristallbildschirme oder Mikrochips. Das können die Asiaten besser und billiger. So ist die Realität.</p>
<div id="attachment_640384" class="wp-caption aligncenter" style="width: 410px"><a href="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/05/P1050305.jpg"><img class="size-medium wp-image-640384" title="Früher verlief die Seidenstraße durch die Dünen von Golmud." alt="Früher verlief die Seidenstraße durch die Dünen von Golmud." src="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/05/P1050305.jpg" width="400" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Früher verlief die Seidenstraße durch die Dünen von Golmud.</p></div>
<p>Was die Sprachrohre der europäischen Solarindustrie wie Asbeck vermutlich wissen, aber unterschlagen: China hat die Überkapazitäten nicht mit dem Ziel aufgebaut, um andere Länder aus dem Markt zu drängen. Sondern durch den gleichen Mechanismus, der in Deutschland einst zum Solarboom geführt hat. Das Land wollte etwas für die Umwelt tun und zugleich Arbeitsplätze schaffen. Wie so oft, ist das bevökerungsreichste Land der Welt dabei übers Ziel herausgeschossen.</p>
<p>(China wirkt auf mich immer mehr wie das Riesenbaby der Weltwirschaft. Wo es hinpatscht, wächst kein Gras mehr.)</p>
<p>Doch ein Effekt ist durchaus positiv: Der Preisverfall für Solarzellen ermöglicht nun erst den wirtschaftlichen Aufbau hoher Kapazitäten. Die Energiewende lebt von Masse.</p>
<p>Es ist traurig, dass der Traum von der Photovoltaik als umweltfreundlicher Zukunftsindustrie in Deutschland ausgegträumt ist. Auch wenn die Aktienkurse der verbliebenen Anbieter heute steigen: Die Zölle werden die Arbeitsplätze nicht zurückholen.</p>
<p>Vielleicht ist das gut so. Der Erhalt von Arbeitsplätze in einer Branche, die nicht wettbewerbsfähig ist, gleicht einem endlosen Trauerspiel. Das hat auch China erkannt – und arbeitet an der Konsolidierung der Anbieter, bis wenige wettbewerbsfähige Firmen übrigbleiben.</p>
<p><a href="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/05/P1050323.jpg"><img class="aligncenter size-medium wp-image-640385" alt="Solarkraftwerk von Huaneng Electric Power in Golmud" src="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/05/P1050323.jpg" width="300" height="400" /></a></p>
<p>Der Prozess wird vermutlich dem ähneln, was einst die Halbleiterindustrie durchgemacht hat. Heute ist es eine Handvoll Unternehmen, die den Weltmarkt mit allen Chips für Handys, Computer und alle anderen Elektrogeräte versorgt. Fast alle sitzen in Asien, doch auch Europa und die USA haben noch einige spezialisierte Spieler. Ein Beispiel ist die deutsche Firmen Infineon. Analog zur Chipbranche kann Deutschland vermutlich genau einen hocheffizienten Hersteller von Solarpanels tragen.</p>
<p>Deutschland profitiert trotzdem. Die billigen Zellen helfen bei der Energiewende. So wie deutsche Maschinenbauer ihre Mikrochips aus Asien beziehen, können deutsche Anbieter von Solaranlagen günstigere Preise anbieten, wenn sie die Massenware aus Fernost kaufen.</p>
<div id="attachment_640386" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><a href="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/05/P1050364.jpg"><img class="size-medium wp-image-640386" title="In Golmud scheint an 355 Tagen im Jahr die Sonne." alt="In Golmud scheint an 355 Tagen im Jahr die Sonne." src="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/05/P1050364.jpg" width="300" height="400" /></a><p class="wp-caption-text">In Golmud scheint an 355 Tagen im Jahr die Sonne.</p></div>
<p>Auch in der Wüste von Qinghai winken Aufträge. Die Kraftwerke müssen an die energiehungrigen Großstädte des Landes angebunden werden. Dafür sind besonders effektive Hochspannungsleitungen nötig – und deren größter Anbieter ist Siemens.</p>
<p>Das alles zeigt, wie sinnlos die Strafzölle sind, die Frank Asbeck nun durchgesetzt hat. Sie riskieren nur einen Handelskrieg, unter dem die wirklich starken Wirtschaftszweige wie Auto und Maschinenbau leiden könnten.</p>
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		<title>Obama als Chinas weiser Richter</title>
		<link>http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/2013/05/08/obama-als-chinas-weiser-richter/</link>
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		<pubDate>Wed, 08 May 2013 11:04:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Finn Mayer-Kuckuk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Konjunktur]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Rechtssicherheit]]></category>

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		<description><![CDATA[Was tut ein findiges Volk, das zwar keine Pressefreiheit, dafür aber Internetzugang hat? Es beschwert sich erst einmal im Netz. Aufmüpfige Chinesen haben dafür nun eine neue, wunderbare Plattform gefunden: Die Vorschlagswebseite des Weißen Hauses in Washington.  Die Petitions-Seite von &#8230; <a href="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/2013/05/08/obama-als-chinas-weiser-richter/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_640361" class="wp-caption aligncenter" style="width: 346px"><a href="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/05/Obama-als-Bao-Zheng.jpg"><img class="size-medium wp-image-640361" title="Obama als Bao Zheng" alt="Obama als Bao Zheng" src="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/05/Obama-als-Bao-Zheng.jpg" width="336" height="400" /></a><p class="wp-caption-text">Mit Photoshop haben chinesische Blogger dem historischen Richter Bao Zheng das Gesicht des US-Präsidenten verpasst. Quelle: weibo.com</p></div>
<p>Was tut ein findiges Volk, das zwar keine Pressefreiheit, dafür aber Internetzugang hat? Es beschwert sich erst einmal im Netz. Aufmüpfige Chinesen haben dafür nun eine neue, wunderbare Plattform gefunden: Die Vorschlagswebseite des Weißen Hauses in Washington. <span id="more-640359"></span></p>
<p>Die <a href="https://petitions.whitehouse.gov/petitions" target="_blank">Petitions-Seite von Präsident Obama</a> ist für alle offen zugänglich. Besser noch: Ein Beitrag ist hier prominent platziert und kann auch von China aus gelesen werden. Während ich das schreibe (8. Mai 2013 gegen Mittag deutscher Zeit) kommen fünf von sechs Petitionen aus China.</p>
<p>Die Forderungen sind divers. &#8220;Schicke Truppen, um China zu befreien&#8221;, ist ebenso eindeutig wie extrem. Andere sind einfach Blödsinn, wie die Aufforderung, das Rezept für ein Tofu-Gericht offiziell anzuerkennen.</p>
<div id="attachment_640363" class="wp-caption aligncenter" style="width: 410px"><a href="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/05/Petitionswebsite-des-Weißen-Hauses-08-Mai-13.jpg"><img class="size-full wp-image-640363" alt="Von den obersten sechs Petitionen an den US-Präsidenten kommen fünf aus China." src="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/05/Petitionswebsite-des-Weißen-Hauses-08-Mai-13.jpg" width="400" height="238" /></a><p class="wp-caption-text">Von den obersten sechs Petitionen an den US-Präsidenten kommen fünf aus China.</p></div>
<p>Das muntere Treiben auf der US-Petitionswebsite weist auf ein politisches Problem der Volksrepublik hin: In dem Milliardenvolk ist ein enormer Druck angewachsen. Politisch interessierte Bürger fühlen sich  unzufrieden und hilflos. Die offiziellen Medien genießen kaum noch Vertrauen, weil sie die Lage im Auftrag des Staates schönreden.</p>
<p>Das führt zu der bangen Frage, wie die chinesische Bevölkerung auf zunehmende soziale Probleme reagiert, die mit einem absehbaren Nachlassen des Wachstums einhergehen könnten. Was, wenn die Unzufriedenheit mit der kommunistischen Regierung überhand nimmt?</p>
<p>Bisher dominiert jedoch der Humor. Deshalb haben sich das kreative Netzvolk auch gleich aufgemacht, um sich über den Missbrauch der Webseite des Weißen Hauses lustig zu machen. Mit Photoshop hat ein Scherzkeks das Gesicht Obamas auf den Körper des weisen Richters <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bao_Zheng" target="_blank">Bao Zheng</a> gesetzt.</p>
<p>Das Originalbild stammt aus einer Fernsehserie. Die Schriftzeichen über dem Kopf des Richters lauten: &#8220;Klarer Spiegel &#8211; eindeutige Reflektion&#8221;. Gemeint ist damit, dass der Richter klar und unvoreingenommen entscheiden soll. Zheng Bao hat im 11. Jahrhundert gelebt und ist eine legendäre Figur in China.</p>
<div id="attachment_640360" class="wp-caption aligncenter" style="width: 410px"><a href="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/05/Das-Weiße-Haus-als-Petitionsbüro.jpg"><img class="size-full wp-image-640360" alt="Per Bildbearbeitung haben chinesische Blogger das Oval Office auf fernöstlich getrimmt." src="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/05/Das-Weiße-Haus-als-Petitionsbüro.jpg" width="400" height="247" /></a><p class="wp-caption-text">Per Bildbearbeitung haben chinesische Blogger das Oval Office auf fernöstlich getrimmt. Quelle: weibo.com</p></div>
<p>Ein anderer Nutzer hat sich die Mühe gemacht und das Büro des US-Präsidenten zum chinesischen Petitionsbüro umgestaltet. Tatsächlich hat das Petitionswesen in China Tradition &#8211; es soll den fehlenden politischen Einfluss des Volkes ersetzen. &#8220;Sei mitfühlend mit den Antragsstellern und behandele die Petition zivilisiert&#8221;, steht über Obama. Der Raum mit den roten Vorhängen sieht tatsächlich ziemlich so aus wie ein repräsentatives Regierungsbüro. </p>
<p>Trotz aller Scherze: Das Bedürfnis, gehört zu werden, ist enorm. Das Internet hat in China einen Raum geschaffen, in dem die Leute mit inoffiziellen Nachrichten und Gerüchten überschwemmt sind. Das Volk hat zwar keine echten politischen Hebel in der Hand, doch die Partei fürchtet die Entwicklung von Massenbewegungen im Internet &#8211; deshalb zensiert sie immer wieder Themen, an denen sich die Geister entzünden. </p>
<p>Heute ist es der Fall einer jungen Frau aus Anhui, die im Süden Pekings Selbstmord begangen haben soll, der zum Aufregerthema wurde. Die Polizei hat die Akte geschlossen, doch Bekannte der Verstorbenen pochen darauf, dass sie von Männern aus ihrem Bekanntenkreis umgebracht worden sein soll.</p>
<p>Da die Leute den offiziellen Medien und den Verlautbarungen der Behörden nicht trauen, hat sich jetzt im Netz die Überzeugung festgesetzt, ein Mord werde vertuscht. Erste Unzufriedene versammeln sich vor dem Haus, von dem sie gesprungen sein soll. Zur Stunde ist von Polizeihubschraubern in der betreffenden Gegend die Rede.</p>
<p>Kann eine Umgebung politisch stabil bleiben, in der die Bürger der Regierungswebsite einer fremdem Macht mehr trauen als den eigenen Behörden? Vermutlich ja &#8211; wenn die Regierung klug ist und mehr Meinungsfreiheit im eigenen Land zulässt. Das, was tatsächlich passiert, weist dagegen nicht in die richtige Richtung: Suchanfragen zu dem Selbstmord/Kriminalfall sind seit heute blockiert.</p>
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		<title>Ein deutscher Euro-Austritt wäre brutal teuer</title>
		<link>http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/2013/04/11/ein-deutscher-euro-austritt-hatte-brutale-kosten/</link>
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		<pubDate>Thu, 11 Apr 2013 13:41:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jan Mallien</dc:creator>
				<category><![CDATA[Konjunktur]]></category>

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		<description><![CDATA[Bei George Soros kann man sicher sein, dass  er provoziert. Deshalb war ich am Dienstag bei seiner Rede in Frankfurt. Er hat geliefert. Seine Botschaft an das deutsche Publikum hatte es in sich: „Nehmt Euro-Bonds oder tretet aus.“ Die Logik &#8230; <a href="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/2013/04/11/ein-deutscher-euro-austritt-hatte-brutale-kosten/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_640339" class="wp-caption aligncenter" style="width: 410px"><a href="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/04/SorosfürBlog.jpg"><img class="size-full wp-image-640339" alt="SorosfürBlog" src="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/04/SorosfürBlog.jpg" width="400" height="267" /></a><p class="wp-caption-text">Soros an der Frankfuter Goethe-Universität</p></div>
<p>Bei George Soros kann man sicher sein, dass  er provoziert. Deshalb war ich am Dienstag bei seiner Rede in Frankfurt. Er hat geliefert. Seine Botschaft an das deutsche Publikum hatte es in sich:<a href="http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/nachrichten/george-soros-nehmt-euro-bonds-oder-tretet-aus-/8043396.html"> „Nehmt Euro-Bonds oder tretet aus.“</a></p>
<p>Die Logik dahinter lässt sich knapp zusammenfassen. Der Euro hatte einen entscheidenden Konstruktionsfehler: Er machte Staatspleiten der Mitgliedsländer möglich.</p>
<p>Eigentlich gibt es dieses Risiko nur in Dritte-Welt-Ländern, die sich in fremder Währung verschulden. Industrieländer wie die USA oder Japan haben eine eigenständige Notenbank, die im Notfall immer genug Geld drucken kann, um die Staatsschulden zu zahlen.</p>
<p><span id="more-640338"></span></p>
<p>Die Euro-Länder haben ihre eigenständigen Zentralbanken jedoch durch die Währungsunion aufgegeben. Investoren preisen deshalb bei ihnen – zumindest seit der Finanzkrise – ein Insolvenzrisiko ein. Nur eine gemeinschaftliche Haftung in Form von Euro-Bonds könnte dieses Risiko beseitigen, sagt Soros.</p>
<p>Was ist die Alternative? Häufig schlagen Euro-Kritiker vor: Die Krisenländer sollen die Währungsunion verlassen. Das jedoch ist aus Soros Sicht unmöglich.  Italien hat zwei Billionen Euro Staatsschulden. Wenn es aus dem Euro austräte, würde seine neue Währung dramatisch abwerten. Das Ergebnis wäre: Italien könnte seine Staatsschulden nicht mehr zahlen und Banken auf der ganzen Welt gerieten in Schieflage. Der Weltwirtschaft würde dann ein Desaster drohen, gegen das die Finanzkrise ein Kinderspiel war. Selbst bei kleineren Schuldenländern wären die Folgen dramatisch, wie Zypern zeigt.</p>
<p>Deshalb sagt Soros: Nur Gläubigerländer können den Euro verlassen. Ein Austritt Deutschlands wäre für die Weltwirtschaft weniger dramatisch. Die unmittelbare Folge wäre: Der Euro würde abwerten – und die verbleibenden Euro-Länder wären wieder wettbewerbsfähig.</p>
<p>Doch was wären die Kosten für Deutschland?</p>
<p>Die in Euro notierenden deutschen Forderungen gegenüber den anderen Euro-Ländern verlören auf einen Schlag an Wert. Das träfe vor allem Banken und Pensionsfonds, die gerettet werden müssten. Auch die Industrie geriete in Schieflage. Da die neue deutsche Währung massiv aufwerten würde,  wäre der deutsche Exportsektor nicht mehr wettbewerbsfähig.</p>
<p>Kritiker mögen einwenden, dass auch die D-Mark früher ständig aufwertete. Sie tat das aber in einigermaßen geordneten Bahnen. Bei einem Euro-Austritt müsste die deutsche Industrie auf einen Schlag eine Aufwertung von 30 bis 40 Prozent verdauen.  Abgesehen davon wäre der politische Preis immens. Europa wäre ein Scherbenhaufen und Deutschland isoliert.</p>
<p>Muss es also Euro-Bonds geben?</p>
<p>Ich hoffe nicht. Die EZB ist bereit, im Notfall unbegrenzt Anleihen der Krisenländer zu kaufen. Dadurch hat sie das Pleite-Risiko für einzelne Staaten erheblich gesenkt. Euro-Bonds würden noch weiter gehen. Der Unterschied liegt darin, dass im ersten Fall die deutsche Politik zumindest theoretisch ein Vetorecht hat. Die EZB will nur dann Anleihen kaufen, wenn sich das betroffene Land mit allen anderen Euro-Staaten auf ein Rettungspaket einigt.</p>
<p>Dieses Vetorecht entfiele bei Euro-Bonds ganz. Die Folge wäre eine noch viel weiter gehende  Zentralisierung. Wenn Deutschland für Griechenland haften soll, dann dürfen die Griechen auch nicht früher in Rente gehen – und umgekehrt. Das gleiche gilt für Steuersätze, Sozial- und Umweltstandards und wo weiter. Doch die Präferenzen und Bedürfnisse sind einfach sehr verschieden. Die Vielfalt war immer Europas Stärke. Euro-Bonds würden diese Vielfalt weiter zerstören.</p>
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		<title>Chinas Anti-Apple-Show</title>
		<link>http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/2013/03/19/chinas-anti-apple-show/</link>
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		<pubDate>Tue, 19 Mar 2013 08:50:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Finn Mayer-Kuckuk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Konjunktur]]></category>
		<category><![CDATA[Apple]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[VW]]></category>

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		<description><![CDATA[Zwei der bekanntesten Weltkonzerne haben in China gerade ziemlichen Ärger. Das Staatsfernsehen hat sowohl Volkswagen als auch Apple am Freitag schlechten Kundendienst vorgeworfen – zur besten Sendezeit. Der Image-Schaden ist noch nicht abzusehen, auf jeden Fall aber sehr groß.  Die &#8230; <a href="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/2013/03/19/chinas-anti-apple-show/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_640297" class="wp-caption aligncenter" style="width: 410px"><a href="http://jingji.cntv.cn/2013/03/15/VIDE1363359599964585.shtml"><img class="size-full wp-image-640297" src="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/03/Vollbildaufzeichnung-20130319-134641.jpg" alt="Der Staatssender CCTV stellt die Kulanz von Apple infrage." width="400" height="250" /></a><p class="wp-caption-text">Der Staatssender CCTV stellt die Kulanz von Apple infrage.</p></div>
<p>Zwei der bekanntesten Weltkonzerne haben in China gerade ziemlichen Ärger. Das Staatsfernsehen hat sowohl Volkswagen als auch Apple am Freitag schlechten Kundendienst vorgeworfen – zur besten Sendezeit. Der Image-Schaden ist noch nicht abzusehen, auf jeden Fall aber sehr groß. <span id="more-640296"></span></p>
<p>Die<a href="http://jingji.cntv.cn/2013/03/15/VIDE1363359599964585.shtml" target="_blank"> betreffende TV-Sendung</a> nennt sich „3.15-Gala“. Der Name bezieht sich auf das Ausstrahlungsdatum am 15. März, dem <a href="http://www.consumersinternational.org/our-work/wcrd" target="_blank">weltweiten</a> Tag des Verbraucherschutzes. In der Sendung vom Freitag ging es übrigens nicht nur um VW und Apple, sondern auch um einen unehrlichen Juwelier und eine staatliche chinesische Automarke mit einem Durchrostproblem.</p>
<p>Ermittler der Sendung tarnen sich mitunter als Kunden oder Mitarbeiter von Unternehmen, um deren Praktiken aufzudecken. Der Hauptvorwurf gegen Apple und VW ist nun beim näheren Hinsehen nicht so sehr deren schlechter Kundendienst. Es geht vielmehr darum, dass sie ihre Kunden im Westen besser behandeln als die in Fernost. Das trifft emotional ins Schwarze.</p>
<p>CCTV spielt hier mit einem speziell chinesischen Gefühl: „Die entwickelten Länder blicken auf uns herab.“ Die Wurzel dafür liegt wohl in der Kolonialzeit. Die Briten und andere Mächte haben sich auch in China <a href="http://german.cri.cn/other/chinageschichte/91.htm" target="_blank">ziemlich</a> daneben <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hunnenrede" target="_blank">benommen</a>. Die Europäer haben sich dem alten Kulturvolk gegenüber arrogant, chauvinistisch und brutal verhalten.</p>
<p>Die Folgen wirken bis heute nach. Das moderne China ist stark und souverän, doch die Leute reagieren immer noch sehr dünnhäutig auf den Verdacht, dass westliche Kräfte sie als minderwertig hinstellen. In der modernen Welt stehen nun vor allem die Markenhersteller im Verdacht, die Chinesen nur als Zahlvieh zu sehen.</p>
<p>Eigentlich liebt China westliche Marken und ist längst unheilbar süchtig nach dem guten Design, der Qualität und vor allem dem Prestige, für das sie stehen. Auf der anderen Seite wächst das Misstrauen. Tatsächlich fällt auf, dass viele Markenprodukte in China teurer angeboten werden als in westlichen Ländern, vom Mont-Blanc- Füller über Weine aus Bordeaux bis zum Ferrari.</p>
<p>Es geht den chinesischen Journalisten-Kollegen nun natürlich genauso wie uns bei den westlichen Medien: Die bekanntesten und erfolgreichsten Unternehmen bieten die größte Zielscheibe.</p>
<p>Als erstes hat sich die Sendung am Freitag daher den Elektroriesen Apple vorgenommen. Die Reporter der Sendung spüren mit versteckter Kamera dem Kundendienst einer Vertragswerkstatt hinterher. Eine Schlüssellochperspektive mit unscharfen Rändern suggeriert die Aufdeckung eines riesigen Skandals. Doch was werfen die Fernsehjournalisten Apple konkret vor?</p>
<p>In Amerika, sagt die Reporterin, erhalten die Kunden im Garantiefall ein neues iPhone. In China bekommen sie meist nur eine Reparatur. Und selbst wenn das iPhone ersetzt wird, erhalten sie wieder ihre alte Rückabdeckung draufgeschraubt. Wer eine neue Hinterseite ohne Kratzer haben will, muss dazuzahlen. Viel mehr als das Recycling eines funktionstüchtigen Ersatzteils können die Reporter der Technikfirma also nicht vorwerfen.</p>
<p>Der Fall Volkswagen liegt dagegen ernster. Hier gründen die Klagen auf einer echten technischen Schwäche: Ein <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Doppelkupplungsgetriebe" target="_blank">Doppelkupplungsgetriebe</a> hat sich als fehleranfällig erwiesen.</p>
<p>Die „3.15-Gala“ hat sich damit eines Problems angenommen, dass schon länger existiert. Wir hier im HB-Blog haben schon <a href="http://blog.handelsblatt.com/boom-blog/2012/04/24/blogger-beschimpfen-vw-in-china/" target="_blank">vor einem knappen Jahr</a> darüber geschrieben. Seitdem wurden im Internet die Klagerufe verzweifelter Kunden eher noch lauter. (Bekannte vor mir haben ihren Passat schon seit Wochen nicht wiedergesehen, weil er wegen Ersatzteilengpasses in der Werkstatt versauert.) Kein Wunder also, dass nach der Sendung <a href="http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/angriff-von-zwei-seiten-china-setzt-vw-unter-druck/7940780.html" target="_blank">prompt</a> die Ankündigung eines Rückrufs kam.</p>
<div id="attachment_640303" class="wp-caption aligncenter" style="width: 410px"><a href="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/2013/03/19/chinas-anti-apple-show/vollbildaufzeichnung-20130319-145036/" rel="attachment wp-att-640303"><img class="size-full wp-image-640303" src="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/03/Vollbildaufzeichnung-20130319-145036.jpg" alt="Die Sendung &quot;3.15&quot; weist VW nach, ein Getriebeproblem nicht in den Griff zu bekommen." width="400" height="250" /></a><p class="wp-caption-text">Die Sendung &#8220;3.15&#8243; weist VW nach, ein Getriebeproblem nicht in den Griff zu bekommen.</p></div>
<p>Die „3.15“-Show unterstellt nun auch VW vor allem, Autos mit ähnlichen Problemen in anderen Märkten zurückgerufen habe und nur die Chinesen mit defekten Wagen herumfahren zu lassen. Im Kern steckt also wieder die Idee einer Ungleichbehandlung der Kunden – die vermutlich schlimmste Sünde eines Unternehmens auf dem chinesischen Markt.</p>
<p>Die Hersteller müssen die Sendung bitter ernst nehmen. CCTV hat eine enorme Reichweite. Zu guten Sendezeiten schalten landesweit Dutzende von Millionen von Zuschauern ein, selbst Werte gegen eine Milliarde sind möglich.</p>
<p>Die Sendung ist zudem durch und durch populär aufgemacht. Sie beginnt mit einem flotten Lied, zu dem die Volksmassen zusammenströmen, um für „das gute Recht des Kleinen Mannes“ aufzustehen.</p>
<p>Ob Apple und VW hier fair behandelt werden, sei dahingestellt. Aus Konsumentensicht ist auf jeden Fall erfreulich: Es wirkt.</p>
<p>Viele Firmen bieten aus lauter Angst vor der „3.15“-Sendung an jenem Tag allerlei Rabatte und Geschenke an. Bei McDonald’s gab es diesmal ein kostenloses Frühstück – die Burgerkette war im vergangenen Jahr das Objekt der Aufdeckung.</p>
<p>Schon damals fragten chinesische Netizens, warum sich CCTV eigentlich meistens ausländische Marken vornimmt, statt den chronisch schlechten Service einheimischer Firmen anzuprangern. Ich würde sagen, das ist als Lob aufzufassen. &#8220;Von ausländischen Firmen erwarten die Kunden eben nicht so viel&#8221;, schrieb damals ein Blogger.</p>

<a href='http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/2013/03/19/chinas-anti-apple-show/vollbildaufzeichnung-20130319-134641/' title='Der Staatssender CCTV stellt die Kulanz von Apple infrage.'><img width="168" height="105" src="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/03/Vollbildaufzeichnung-20130319-134641-168x105.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="Der Staatssender CCTV stellt die Kulanz von Apple infrage." /></a>
<a href='http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/2013/03/19/chinas-anti-apple-show/vollbildaufzeichnung-20130319-134649/' title='Beim Vertragshändler reichen die CCTV-Lockvögel ihre defektes iPhone ein.'><img width="168" height="105" src="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/03/Vollbildaufzeichnung-20130319-134649-168x105.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="Beim Vertragshändler reichen die CCTV-Lockvögel ihre defektes iPhone ein." /></a>
<a href='http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/2013/03/19/chinas-anti-apple-show/vollbildaufzeichnung-20130319-134652/' title='Die Verbraucherschau &quot;3.15&quot; filmt mit versteckter Kamera.'><img width="168" height="105" src="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/03/Vollbildaufzeichnung-20130319-134652-168x105.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="Die Verbraucherschau &quot;3.15&quot; filmt mit versteckter Kamera." /></a>
<a href='http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/2013/03/19/chinas-anti-apple-show/vollbildaufzeichnung-20130319-135254/' title='Statt in einen der Apple-Stores gehen die Lockvögel zu einem Vertragshändler.'><img width="168" height="105" src="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/03/Vollbildaufzeichnung-20130319-135254-168x105.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="Statt in einen der Apple-Stores gehen die Lockvögel zu einem Vertragshändler." /></a>
<a href='http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/2013/03/19/chinas-anti-apple-show/vollbildaufzeichnung-20130319-144549/' title='Die Ermittler nähern sich mit versteckter Kamera einem VW-Kundendienst in China.'><img width="168" height="105" src="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/03/Vollbildaufzeichnung-20130319-144549-168x105.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="Die Ermittler nähern sich mit versteckter Kamera einem VW-Kundendienst in China." /></a>
<a href='http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/2013/03/19/chinas-anti-apple-show/vollbildaufzeichnung-20130319-145036/' title='Die Sendung &quot;3.15&quot; weist VW nach, ein Getriebeproblem nicht in den Griff zu bekommen.'><img width="168" height="105" src="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/03/Vollbildaufzeichnung-20130319-145036-168x105.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="Die Sendung &quot;3.15&quot; weist VW nach, ein Getriebeproblem nicht in den Griff zu bekommen." /></a>
<a href='http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/2013/03/19/chinas-anti-apple-show/vollbildaufzeichnung-20130319-145218/' title='&quot;3.15&quot; hat das Format einer großen Abendgala.'><img width="168" height="105" src="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/03/Vollbildaufzeichnung-20130319-145218-168x105.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="&quot;3.15&quot; hat das Format einer großen Abendgala." /></a>

<p>&nbsp;</p>
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		<title>Schlagt die Abzocker mit ihren eigenen Waffen!</title>
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		<pubDate>Fri, 15 Mar 2013 14:00:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jan Mallien</dc:creator>
				<category><![CDATA[Konjunktur]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Schweizer Initiative gegen Abzocke hat auch in Deutschland eine Debatte um überzogene Gehälter losgetreten. Nirgendwo sind die Exzesse so krass wie bei den Banken. 80 Millionen Euro Bonus zahlte die Deutsche Bank ihrem Händler Christian Bittar, der unter Manipulationsverdacht &#8230; <a href="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/2013/03/15/schlagt-die-abzocker-mit-ihren-eigenen-waffen/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/2013/03/15/schlagt-die-abzocker-mit-ihren-eigenen-waffen/schweizer-entscheiden-uber-manager-millionen/" rel="attachment wp-att-640284"><img class="aligncenter size-medium wp-image-640284" src="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/03/Boni-Bild-420x292.jpg" alt="" width="420" height="292" /></a>Die Schweizer Initiative gegen Abzocke hat auch in Deutschland eine Debatte um überzogene Gehälter losgetreten. Nirgendwo sind die Exzesse so krass wie bei den Banken. 80 Millionen Euro Bonus zahlte die Deutsche Bank ihrem Händler Christian Bittar, der unter Manipulationsverdacht steht.</p>
<p>Die Schweizer Regelung setzt bei den Vorstands-Gehältern an. Sie müssen künftig jedes Jahr von den Aktionären abgesegnet werden. Wie viel das bringt, bleibt abzuwarten. Bei den Banken verdienen einzelne Händler zum Teil deutlich mehr als ihre Vorgesetzten in der Chefetage.</p>
<p>Deshalb ist noch etwas anderes nötig, um Gehalts-Exzesse wirksam einzudämmen: Die staatlichen Regulierer sollten einige der besten Köpfe aus den Banken mit Millionen-Gehältern abwerben.<span id="more-640283"></span></p>
<p>Millionen-Gehälter lassen sich am besten mit Millionen-Gehältern bekämpfen. Das klingt erst mal absurd. Aber: Die Bankenregulierer brauchen Leute, die die Banken von innen kennen und genau wissen, wo sie hinschauen müssen.</p>
<p>Viele Banken stecken in einem Teufelskreis. Selbst wenn sie einen Kulturwandel wollen, ist dieser kaum durchsetzbar. Denn Mitarbeiter, die krumme Geschäfte gemacht haben, sitzen am längeren Hebel: Sie können jederzeit gegenüber den Kunden auspacken oder zur Konkurrenz wechseln. Das erklärt, warum manch Skandalbanker mit astronomischen Summen abgefunden wird.</p>
<p>Um die Spirale zu durchbrechen reicht es nicht, auf die Selbstheilungskräfte des Marktes und strengere Gesetze zu hoffen. Der Staat muss an der richtigen Stelle Geld in die Hand nehmen und  seinen Bankenregulierern deutlich mehr zahlen. Langfristig ist das die beste Medizin gegen Gehalts-Exzesse im Finanzsektor.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Der Ausstieg aus dem Euro</title>
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		<pubDate>Mon, 11 Mar 2013 19:11:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Frank Wiebe</dc:creator>
				<category><![CDATA[Konjunktur]]></category>
		<category><![CDATA[Euro-Krise]]></category>

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		<description><![CDATA[Trotz des Chaos in der italienischen Politik scheinen die Märkte sich im Moment nicht allzu sehr zu sorgen, dass die Euro-Zone auseinanderbricht. Ich halte die Wahrscheinlichkeit, dass das passiert, auch für gering. Trotzdem stelle ich mir manchmal die Frage: Was &#8230; <a href="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/2013/03/11/der-ausstieg-aus-dem-euro/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Trotz des Chaos in der italienischen Politik scheinen die Märkte sich im Moment nicht allzu sehr zu sorgen, dass die Euro-Zone auseinanderbricht. Ich halte die Wahrscheinlichkeit, dass das passiert, auch für gering. Trotzdem stelle ich mir manchmal die Frage: Was wäre denn ein realistisches Ausstiegsszenario?</p>
<p><span id="more-640278"></span></p>
<p>Das ist ein erster Linie eine politische Frage. Und aus politischer Sicht, glaube ich, gibt es nur ein realistisches Szenario: dass die anderen Euro-Staaten Deutschland aus dem Euro herausdrängen.</p>
<p>Gehen wir mal die verschiedenen Möglichkeiten durch. Der Ausstieg eines schwachen Euro-Staates hätte zwar theorisch für die Wirtschaft dort positive Effekte: Die neue Währung wäre schwach, die Wettbewerbsfähigkeit somit schneller wieder hergestellt als über eine sparsame Lohnpolitik. Das Problem ist aber: Würde das Land X, um hier kein Beispiel zu nennen, wieder die gewohnte X-Währung einführen, dann würde die auf Euro lautende Staatsschuld im Vergleich zum Bruttoinlandsprodukts sprunghaft ansteigen, weil die X-Währung ja im Wert deutlich fallen dürfte; die private Verschuldung lassen wir hier mal außen vor. Die Politik wäre also hinterher schlechter dran als vorher. Sinnvoll wäre ein solcher Schritt daher nur, wenn X die Euro-Schulden durch einseitige Erklärung auch auf die X-Währung umstellt. Das käme aber praktisch einer Zahlungsunfähigkeit, einem Staatsbankrott gleich. Es ist nicht auszuschließen, dass so etwas passiert. Doch die meisten Regierungen dürften damit vielleicht drohen, um ein Entgegenkommen der Kreditgeber zu erzwingen, aber vor dem Ernstfall zurückschrecken.</p>
<p>Umgekehrt wäre natürlich auch denkbar, dass eine deutsche Regierung sich von sich aus zum Ausstieg aus dem Euro entschließt. Wahrscheinlich gäbe es dafür eine Menge Beifall aus der Bevölkerung und von einem Teil der Professoren, vielleicht auch aus dem Kreis kleinerer Unternehmen. Das hätte positive und negative Effekte. Positiv wäre eine Verringerung der realen Schuldenlast, wenn Deutschland seine Staatsschulden in Euro belassen würde. Das gäbe allerdings, wenn es sich um inländische Anleger handelt, eine Menge Probleme und würde zu einem Aufschrei der Empörung führen, weil die Leute dann plötzlich den neuen enthärteten Euro auf dem Konto hätten statt der harten, neuen Mark. Fragt sich also, ob das überhaupt realistisch ist. Negativ wäre, dass, in neuer Mark gerechnet, Deutschland wahrscheinlich einiges an Forderungen ans Ausland abschreiben müsste. Immerhin: Danach wäre die Rechnung bereinigt, es gibt sicher Euro-Gegner, die das in Kauf nehmen würden; jedenfalls so lange sie nicht selbst betroffen sind.</p>
<p>Das Problem ist nur: Wahrscheinlich würde Deutschland in Europa bei einem Alleingang als extrem unsolidarisch empfunden. Es müsste schon zu sehr starken Spannungen kommen, bis eine deutsche Regierungen sich gegen den Willen der anderen zu so einem Schritt entschließt, der ja auch ein Stück europäischer Integration und damit deutscher Nachkriegsgeschichte rückgängig machen würde.</p>
<p>Was aber, wenn andere Euro-Länder, vielleicht unter Führung der Franzosen, den Deutschen sagen: &#8220;Ihr habt eine andere Vorstellung von Geldpolitik, und wir kommen damit nicht klar und wir lassen uns das auch nicht auf Dauer aufzwingen. Also bitte: Verlasst den Euro. Nehmt meinetwegen ein paar kleine Länder, die eine ähnliche Stabilitätskultur haben, mit. Und lasst uns den Euro so zurechtbiegen, dass wir &#8211; ganz ähnlich wie Briten und Amerikaner &#8211; wieder aus der Krise herausfinden.&#8221;</p>
<p>Was dann? Könnte eine deutsche Regierung sich diesem Ansinnen verweigern? Ich glaube nicht &#8211; mit welchem Argument denn?</p>
<p>Wie gesagt: Das ist alles sehr hypothetisch. Aber erstens machen Gedankenspiele Spaß, und zweitens ist es manchmal gut, wenn man auch unwahrscheinliche Szenarien mal durchdacht hat.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Homo oeconomicus &#8211; das unverstandene Wesen</title>
		<link>http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/2013/02/22/homo-oeconomicus-das-unverstandene-wesen/</link>
		<comments>http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/2013/02/22/homo-oeconomicus-das-unverstandene-wesen/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 22 Feb 2013 15:05:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Frank Wiebe</dc:creator>
				<category><![CDATA[Konjunktur]]></category>
		<category><![CDATA[Adam Smith]]></category>
		<category><![CDATA[Finanzkrise]]></category>
		<category><![CDATA[homo oeconomicus]]></category>
		<category><![CDATA[Ökonomie]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/?p=640237</guid>
		<description><![CDATA[Und wieder brandet die Diskussion um den &#8220;homo oeconomicus&#8221; auf, bei der sich mir die Fingernägel aufrollen. Da wird ein abstraktes Konzept als anthropologisches Modell des Menschen als eines allein eigennützigen Wesens missverstanden, um dann zu versuchen, diese angeblichen Mängel &#8230; <a href="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/2013/02/22/homo-oeconomicus-das-unverstandene-wesen/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Und wieder brandet die Diskussion um den &#8220;homo oeconomicus&#8221; auf, bei der sich mir die Fingernägel aufrollen. Da wird ein abstraktes Konzept als anthropologisches Modell des Menschen als eines allein eigennützigen Wesens missverstanden, um dann zu versuchen, diese angeblichen Mängel mit Versatzstücken aus der Psychologie irgendwie aufzupeppen. Besonders grausam ist es, den so konstruierten einseitigen Menschen dann auch noch Adam Smith zu unterschieben, der einer der bedeutendsten Moralphilosophen der Neuzeit war und in seiner &#8220;Theory of Moral Sentinments&#8221; ein sehr feines Bild des Mensch gezeichnet und die Moral letztlich auf unsere Fähigkeit zur Empathie zurückgeführt hat.</p>
<p><span id="more-640237"></span>Tatsächlich war der &#8220;homo oeconomicus&#8221; immer nur ein theoretisches Konstrukt, um bestimme ökonomische Probleme zu analysieren. Natürlich haben alle Menschen die unterschiedlichsten Motive, und die sind auch nicht alle egoistisch; das gilt auch für Unternehmen, damit setze ich mich in meinem neuen Buch<strong> &#8220;Wie fair sind Apple &amp; Co?&#8221;</strong> auseinander). Aber wir sind eben alle AUCH Egoisten, sonst würden wir gar nicht überleben. Wer also überlegt, wie man in der verwirrenden Komplexität menschlichen Handelns ein paar simple Gemeinsamkeiten finden kann, um so Hypothesen über das DURCHSCHNITTLICHE Verhalten von Menschen aufzustellen, der versucht es eben mit der Grundannahme, dass die meisten Menschen auch an sich selber denken &#8211; und da sind wir beim &#8220;homo oeconomicus&#8221;. Sicher gibt es Leute, die dieses Konstrukt mit einer umfassenden Beschreibung des Menschen oder gar mit einem Vorbild oder einer Rechtfertigung für menschliches Handeln verwechselt haben. Wer aber darüber lamentiert, der Mensch sei doch gar nicht so wie der homo oeconomicus, der begeht den genau denselben Fehler.</p>
<p>Der zweite Fehler, der meist in dem Zusammenhang auftaucht, ist die Grundannahme, Menschen seien gar keine rationalen Wesen, und deswegen komme es an den Märkten auch immer wieder zu irrationalen Erscheinungen. Wenn das stimmt, dann sind Computer auch irrationale Wesen. Denn ein guter Teil des Handels wird inzwischen von Maschinen gesteuert, was aber an der grundsätzlichen Funktionsweise der Märkte nichts geändert hat.</p>
<p>Tatsächlich handeln die meisten Leute an den Finanzmärkten rational: Wenn die Kurse steigen kaufen sie um zu gewinnen, und wenn sie verlieren verkaufen sie um zu verlieren. Irrational wäre es dagegen häufig eher, den Empfehlungen von Analysten zu folgen, die bestimmte Kursbewegungen für übertrieben halten, damit aber doch nicht verhindern können. Rational als Anleger handeln (und das gilt für Menschen wir für Maschinen) heißt sich so zu verhalten, dass die Kasse stimmt, und nicht so, dass man theoretisch Recht behält.</p>
<p>Was viele Leute nicht verstehen: Wenn Millionen Menschen aus ihrem eigenen Interesse heraus rational handeln, kann sich als Gesamtergebnis daraus ein völlig irrational anmutendes Bild ergeben. Man muss eben die Rationalität auf verschiedenen Ebenen auseinander halten. Bei Märkten, vor allem bei Finanzmärkten, können einzelne rationale Entscheidungen zu einem irrationalen Gesamtbild führen (in der Planwirtschaft führt dagegen meist der rationale Plan zu Chaos im Detail). Wer die verschiedenen Ebenen der Rationalität nicht auseinander hält, hat keine Chance, die komplizierten Zusammenhänge unserer Wirtschaft, oder unserer Gesellschaft, auch nur annähernd zu verstehen. Heute weit verbreitet ist aber der Irrglaube, das irrationale Ergebnis, das das Finanzsystem manchmal hervorbringt, müsse auf irrationalem Verhalten einzelner beruhen, und dieses müsse man dann mit aufwendiger psychologischer Forschung erklären. Besser wäre es sich vor Augen zu führen, wie Märkte tatsächlich funktionieren.</p>
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		<title>Die Börse im Griff der Schlange</title>
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		<pubDate>Wed, 13 Feb 2013 14:54:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Finn Mayer-Kuckuk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Konjunktur]]></category>
		<category><![CDATA[Aktien]]></category>

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		<description><![CDATA[Am Wochenende hat in China das Jahr der Schlange begonnen. Die Nachrichtenmedien im chinesischen Raum überbieten sich nun mit Vorhersagen, was das Kriechtier für die Börsenkurse bringen wird. Auch seriöse Medien machen mit. Das Schlangenjahr werde ein Horrorjahr für die &#8230; <a href="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/2013/02/13/die-borse-im-griff-der-schlange/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_640197" class="wp-caption aligncenter" style="width: 380px"><a href="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/2013/02/13/die-borse-im-griff-der-schlange/sam_0078-001/" rel="attachment wp-att-640197"><img class="size-full wp-image-640197" src="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/02/SAM_0078-001.jpg" alt="Peking im Zeichen der Schlange: Neujahrsdeko am Adidas-Laden. " width="370" height="225" /></a><p class="wp-caption-text">Peking im Zeichen der Schlange: Neujahrsdeko am Adidas-Laden.</p></div>
<p>Am Wochenende hat in China das Jahr der Schlange begonnen. Die Nachrichtenmedien im chinesischen Raum überbieten sich nun mit Vorhersagen, was das Kriechtier für die Börsenkurse bringen wird. Auch seriöse Medien <a href="http://www.afp.com/en/news/topstories/asian-astrologers-warn-stormy-year-snake" target="_blank">machen mit</a>. Das Schlangenjahr werde ein Horrorjahr für die Märkte, so die einfach zu erfassende Geschichte.<span id="more-640192"></span></p>
<p>Doch so gerne wir alle mühelos reich werden möchten: Keiner weiß, wie es an den Märkten weitergeht, und ein Feng-Shui-Meister weiß es erst recht nicht. Selbst die Profis in den Analyseabteilungen der Banken und Wertpapierhäuser können die Kurse für die kommenden zwölf Monate nicht annähernd zuverlässig vorhersagen. Hedge-Fonds-Manager können es nicht. Charttechniker können es nicht und Astrologen können es auch nicht.</p>
<p>(Nur Warren Buffet kann es, hätte ich hier fast scherzhaft angefügt. Aber der interessiert sich bekanntlich eher für Haltezeiten von Jahrzehnten als von Monaten. Das bügelt die hässlichen Falten und Kanten aus der Kurslinie.)</p>
<p>Der Markt ist ein sehr großes, sehr komplexes System, von dem sich immer nur ein kleiner Ausschnitt in Modellen, Simulationen oder dem eigenen Kopf erfassen lässt. Die Kurse sind vom Verhalten zahlloser Trader genauso beeinflusst wie von technischen Fortschritten, Terroranschlägen oder Katastrophen: Es schwimmen immer wieder <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Black_swan_theory" target="_blank">schwarze Schwäne</a> vorbei. Statistiker, Psychologen und Ökonomen haben einen ganzen Zoo von Effekten ausgemacht. Sie treiben die Kurse <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Kurtosis_risk" target="_blank">unvorhersehbar</a> in die <a href="http://www.amazon.com/Misbehavior-Markets-Fractal-Financial-Turbulence/dp/0465043577" target="_blank">eine</a> oder <a href="http://www.scientificamerican.com/article.cfm?id=multifractals-explain-wall-street" target="_blank">andere</a> Richtung. Der zuverlässigste Einfluss kommt vermutlich immer noch vom Herdentrieb.</p>
<p>Der Herdentrieb ist hier ein wichtiges Stichwort. Wir sollten uns an dieser Stelle anschauen, was es mit der Schlange eigentlich auf sich hat. Es ist schließlich nicht auszuschließen, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Marktgeschehen und dem chinesischen Horoskop gibt. Schließlich beeinflusst dieses Horoskop das Verhalten der Menschen in der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft. Dazu kommen Südkorea, Japan, Taiwan, Singapur und zahlreiche Auslandschinesen in anderen Ländern. Zusammen ist das eine ordentliche Scheibe der weltweiten Wirtschaftskraft.</p>
<p>Der chinesische Kulturraum teilt die Jahre in einen Zwölfjahreszyklus ein. (Es handelt sich um die Jahre nach dem alten Mondkalender, deshalb liegt Neujahr meist im Februar.) Jedes Jahr ist mit einem Tier verbunden. Der Kreis geht von Ratte bis Eber. Er kommt auf dem Weg auch an einem Fabeltier vorbei, dem Drachen.</p>
<p>Jetzt geht der abergläubische Unsinn los: Alle Leute, die im gleichen Jahr geboren sind, sollen bestimmte Eigenschaften teilen. Wer im Jahr der Schlange geboren ist, soll introvertiert, intelligent, gutaussehend, aber auch etwas hinterhältig sein. Diese Behauptung ist natürlich genauso absurd wie die westlicher Astrologen, dass die Sternzeichen etwas über den Charakter sagen.</p>
<p>Doch nicht nur das &#8211; die Tiere sollen auch anzeigen, was sich in dem betreffenden Jahr tut. Das vergangene Jahr war beispielsweise ein Jahr des Drachen. Es hätte große Ereignisse und Katastrophen  bringen sollen &#8211; und einen Machtwechsel. Nun, die Kommunistische Partei hat zugegebenermaßen einen neuen Vorsitzenden gewählt. Der Prozess lief aber hoch geordnet ab. Er vor allem von einem Bekenntnis zum &#8220;weiter so!&#8221; geprägt. Das Drachenjahr verlief also im Wesentlichen wie immer.</p>
<p>Aber halt, es gab tatsächlich einen Zusammenhang mit Wirtschaft und Markt. Drachenkinder sollen besonders grandiose Eigenschaften mitbringen &#8211; und das weitgehend ohne Nebenwirkungen wie die Hinterhältigkeit der Schlage oder der Feigheit des Hasen. Also haben viele chinesische Eltern für ihr geplantes Kind auf einen Geburtstermin im Drachenjahr gezielt. So lautete zumindest die <a href="http://www.bloomberg.com/news/2011-11-20/china-sees-baby-care-boom-for-year-of-dragon.html" target="_blank">Legende</a> der Analysten vor zwölf Monaten. Der Markt für Babyartikel werde um 22 Prozent wachsen, hieß es.</p>
<p>Nun, die Wahrheit sah ernüchternd aus. Der<a href="http://www.stats.gov.cn/english/pressrelease/t20130118_402867147.htm" target="_blank"> offiziellen chinesischen Statistik</a> zufolge war die Geburtenrate praktisch unverändert. Es wurden zwar rund 300 000 Kinder mehr geboren als im Vorjahr, doch das liegt nur einen runden Prozentpunkt über der <a href="http://news.xinhuanet.com/english2010/china/2011-04/28/c_13849850.htm" target="_blank">durchschnittlichen Steigerung</a> seit dem Jahr 2000. Das ist keine Rechtfertigung dafür, Windelaktien zu kaufen. Ein EU-Kommuniqué zur Eurokrise hat wesentlich mehr Auswirkungen. Anders gesagt: der schwarze Schwan ist im Tierreich der Börse viel realer als die Astro-Schlange.</p>
<p>Vor Beginn des Drachenjahres hieß es, der Milchproduktehersteller Yili werde besonders profitieren. Der Jahreschart zeigt jedoch eine schwache Entwicklung im Drachenjahr und einen plötzlichen Anstieg kurz vor Beginn des Schlangenjahres, das doch angeblich schlecht sein soll.</p>
<p>Die damals ebenfalls heiß empfohlenen Kinderartikel-Kette Boshiwa ist im Laufe des vergangenen Jahres sogar nach einem Skandal<a href="http://www.reuters.com/article/2012/03/15/boshiwa-suspension-idUSL4E8EF1YP20120315" target="_blank"> aus dem Markt gegangen</a>. Zuvor war der Wirtschaftsprüfer des Unternehmens ausgestiegen, weil er keine verlässlichen Zahlen bekommen konnte. Soviel zu den Drachen-Anlegern.</p>
<div id="attachment_640198" class="wp-caption aligncenter" style="width: 380px"><a href="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/2013/02/13/die-borse-im-griff-der-schlange/sam_0087/" rel="attachment wp-att-640198"><img class="size-full wp-image-640198" src="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/02/SAM_0087.jpg" alt="Auch das Einkaufszentrum &quot;3.3&quot; schmückt sich in diesen Tagen mit Schlagen-Motiven" width="370" height="219" /></a><p class="wp-caption-text">Auch das Einkaufszentrum &#8220;3.3&#8243; schmückt sich in diesen Tagen mit Schlagen-Motiven</p></div>
<p>Zurück zur Schlange. Im Fall des gerade angebrochenen Jahres gibt es nicht einmal Behauptungen, die auf Massenphänomene als Kurstreiber zielen. Die Berichte beziehen sich ausschließlich auf Astrologie:</p>
<ul>
<li>Die seriöse Website Business Insider sowie das offizielle China-Blog des Wall Street Journal verfolgen beide die Theorie, dass sich aus den Ergebnissen vergangener Schlangenjahre etwas für den Aktienmarkt dieses Jahres ableiten lasse:<br />
<a href="http://www.businessinsider.com/year-of-the-snake-stocks-2013-2" target="_blank">http://www.businessinsider.com/year-of-the-snake-stocks-2013-2</a><br />
<a href="http://blogs.wsj.com/chinarealtime/2013/02/12/year-of-the-snake-aint-good-for-stocks/" target="_blank">http://blogs.wsj.com/chinarealtime/2013/02/12/year-of-the-snake-aint-good-for-stocks/</a></li>
<li>Bierernst-astrologisch geht eine Website namens Digital Journal an die Frage heran &#8211; und warnt ebenfalls vor einem schlechten Aktienjahr: <a href="http://www.digitaljournal.com/article/343156" target="_blank">http://www.digitaljournal.com/article/343156</a></li>
<li>&#8220;Market Oracle&#8221; (Der Name ist das Omen) fragt bereits besorgt: &#8220;Bringt das Jahr der Schlange einen weiteren Crash an den Märkten?&#8221; <a href="http://www.marketoracle.co.uk/Article38964.html" target="_blank">http://www.marketoracle.co.uk/Article38964.html</a></li>
<li>Die respektable South China Morning Post dreht den Gedanken eins weiter. Ihre Wirtschaftsredaktion hält Schlangenjahre dementsprechend für eine gute Gelegenheit, in Gold einzusteigen. <a href="http://www.scmp.com/business/article/1148181/year-snake-year-buy-gold" target="_blank">http://www.scmp.com/business/article/1148181/year-snake-year-buy-gold</a></li>
</ul>
<p>Wer mehr davon haben will, braucht nur zu googeln.</p>
<p>Geradezu befreiend wirkt da ein Scherz, den sich die Analysten des renommierten Brokerhauses CLSA jedes Jahr machen. Sie nehmen ihre eigene Zunft &#8211; und das Bedürfnis nach astrologischer Wahrheit &#8211; auf die Schippe und veröffentlichen einen <a href="https://www.clsa.com/pdf.cfm?link=/assets/files/reports/CLSA-FengShuiIndex2013(YearOfTheBlackWaterSnake).pdf" target="_blank">rein ironisch gemeinten Feng-Shui-Index</a>.</p>
<p>Einen beunruhigenden Gedanken werde ich nun jedoch nicht los. Was, wenn die Marktvorhersagen der Tierkreisdeuter, Astrologen und Feng-Shui-Meister am Ende doch die gleiche Qualität haben wie die der Analysten und Ökonomen?</p>
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		<title>Im Paradies für Keynesianer</title>
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		<pubDate>Mon, 28 Jan 2013 08:31:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jan Mallien</dc:creator>
				<category><![CDATA[Konjunktur]]></category>
		<category><![CDATA[Ökonomie]]></category>
		<category><![CDATA[Volkswirtschaftslehre]]></category>
		<category><![CDATA[Angra dos Reis]]></category>
		<category><![CDATA[Brasilien]]></category>
		<category><![CDATA[Export]]></category>
		<category><![CDATA[Holländische Krankheit]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich reise gerade mit einer Journalistengruppe durch Brasilien. Vorgestern haben wir das einzige Atomkraftwerk des Landes in Angra dos Reis, in der Nähe von Rio, besucht. Es liegt wirklich sehr idyllisch &#8211; umgeben von Palmen, Strand und Bergen. Zwei Reaktoren &#8230; <a href="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/2013/01/28/im-paradies-fur-keynesianer/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_640266" class="wp-caption aligncenter" style="width: 430px"><a href="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/2013/01/28/im-paradies-fur-keynesianer/sao-paulo2-2/" rel="attachment wp-att-640266"><img class="size-medium wp-image-640266" src="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/01/Sao-Paulo21-420x236.jpg" alt="" width="420" height="236" /></a><p class="wp-caption-text">Brasiliens Megacity Sao Paulo.</p></div>
<p>Ich reise gerade mit einer Journalistengruppe durch Brasilien. Vorgestern haben wir das einzige Atomkraftwerk des Landes in Angra dos Reis, in der Nähe von Rio, besucht. Es liegt wirklich sehr idyllisch &#8211; umgeben von Palmen, Strand und Bergen. Zwei Reaktoren liefern Strom nach Rio. Interessant ist die Geschichte des noch nicht fertigen dritten Reaktors.</p>
<p><span id="more-640054"></span>Siemens lieferte Anfang der achtziger Jahre die Teile für den Reaktor &#8211; dann jedoch ging Brasilien das Geld aus. Seither lagern die Teile über Jahrzehnte in einer großen Halle. Wir konnten uns alles aus der Nähe anschauen (siehe Fotos unten). Seit neuestem arbeiten vor der Halle wieder die Kräne und Betonmischer. Die brasilianische Regierung will den Reaktor bis 2016 ans Netz bringen.</p>

<a href='http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/2013/01/28/im-paradies-fur-keynesianer/sao-paulo2/' title='Sao Paulo2'><img width="168" height="94" src="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/01/Sao-Paulo2-168x94.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="Sao Paulo2" /></a>
<a href='http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/2013/01/28/im-paradies-fur-keynesianer/attachment/29/' title='29'><img width="168" height="126" src="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/01/29-168x126.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="Das AKW in Angrar" /></a>
<a href='http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/2013/01/28/im-paradies-fur-keynesianer/atomkisten/' title='Hier lagern die Teile für einen weiteren Reaktor - seit Jahrzehnten'><img width="168" height="126" src="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/01/Atomkisten-168x126.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="Hier lagern die Teile für einen weiteren Reaktor - seit Jahrzehnten" /></a>
<a href='http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/2013/01/28/im-paradies-fur-keynesianer/brasilien-rio-de-janeiro-eingelagertes-atomkraftwerk-jan-mallien-1-2013/' title='Der Inhalt einer Kiste'><img width="168" height="125" src="http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/files/2013/01/Atomkiste4-168x125.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="Der Inhalt einer Kiste" /></a>

<p>Soviel zum Thema Atomkraft. Wir haben auch Unternehmer und Ökonomen getroffen. Ihr Fazit für Brasilien ist ziemlich optimistisch. In den vergangenen zehn Jahren ist die Wirtschaft dort pro Jahr im Schnitt um etwa vier Prozent gewachsen.</p>
<p>Was steckt hinter dem Aufschwung? Jeder Gesprächspartner kommt irgendwann auf den brasilianischen Binnenmarkt zu sprechen. Seit der Sozialist Lula 2002 neuer Präsident wurde, hat seine Regierung alles getan, um die Nachfrage zu stärken. Sie hat Sozialprogramme aufgelegt und den Mindestlohn zwischen 2002 und 2012 mehr als verdreifacht. Die Konsequenz: Arme Leute haben mehr Geld in der Tasche und geben es aus.</p>
<p>Auch das Kreditvolumen ist kräftig gestiegen: Anfang 2008 lagen die Kredite an den Privatsektor bei etwa 30 Prozent der Wirtschaftsleistung &#8211; inzwischen sind es 50 Prozent. Fast jeder kommt inzwischen an einen Konsumkredit. Wer eine Klimaanlage oder ein Radio kaufen will, kann bequem auf Raten zahlen. Außerdem sind die Immobilienpreise stark gestiegen. In guten Vierteln Sao Paulos sind die Mieten so hoch wie in München.</p>
<p>Ein bisschen erinnert das an Spanien und Griechenland. Dort hat die Konsum-Bonanza irgendwann ins Verderben geführt. In Brasilien sind die Vorrausetzungen aber anders: Dank des Rohstoffreichtums (Eisenerz, Öl, agrarisch: Rindfleisch, Zuckerrohr) gibt es einen Überschuss in der Leistungsbilanz. Auch die Staatsverschuldung ist im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung eher gering und tendenziell gesunken.</p>
<p>Das brasilianische Geschäftsmodell hat dennoch eine Kehrseite: Es funktioniert auf Dauer wohl nur dann, wenn man die Exportindustrie opfert. Zum einen sorgen die Rohstoffexporte dafür, dass die Landeswährung aufwertet. Wenn ein deutscher Stahlkonzern brasilianisches Erz haben will, muss er dafür Euro in brasilianische Reais tauschen. Der Wechselkurs der Währung steigt, wodurch brasilianische Exportgüter im Ausland teurer werden.</p>
<p>Zum anderen steigen durch den Rohstoffsektor die Löhne in der gesamten Volkswirtschaft. Minenarbeiter werden besser bezahlt. Außerdem kann der Staat wegen der Einkünfte aus dem Rohstoffsektor mehr Leute einstellen und sie besser bezahlen. Das führt zu einem höheren Lohnniveau. Mehr Löhne und ein höherer Wechselkurs schwächen die Wettbewerbsfähigkeit der Exportindustrie.</p>
<p>Brasilien kann dies vielleicht verkraften, weil es über einen so großen Rohstoffreichtum verfügt. Für Spanien oder Italien gilt das nicht. Sie haben schlichtweg kaum Rohstoffe. Selbst in Brasilien steuert die Regierung nun um. Die Nachfolgerin von Lula, Dilma Rousseff, will jetzt die Unternehmen entlasten, um sie wettbewerbsfähiger zu machen.</p>
<p>Update 1: Der Artikel zum Atomkraftwerk aus der Kiste ist inzwischen <a href="http://www.handelsblatt.com/politik/international/energiepolitik-in-brasilien-ein-atomkraftwerk-aus-der-kiste/7724030.html">hier</a> erschienen.</p>
<p>&nbsp;</p>
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