Jörg Krämer
Jörg Krämer ist Chefvolkswirt der Commerzbank. Er studierte Volkswirtschaftslehre an den Universitäten Bonn und Münster und promovierte 1995 am Institut für Weltwirtschaft (IfW) beim ehemaligen Institutspräsidenten Prof. Dr. Horst Siebert.

Beiträge von Jörg Krämer:

Ifo-Geschäftsklima so hoch wie zuletzt 1969!

Das Ifo-Geschäftsklima für die gewerbliche Wirtschaft Deutschlands ist im Februar von 110,3 auf 111,2 Punkte gestiegen und hat die Erwartungen der Volkswirte wieder einmal übertroffen (Commerzbank: 110,5; Konsens: 110,3). Das Ifo-Geschäftsklima befindet sich auf dem höchsten Stand seit Dezember 1969! Die Unternehmen haben vor allem ihre gegenwärtige Lage deutlich besser eingeschätzt, die Erwartungen für die kommenden sechs Monate konnten sich auf dem sehr hohen Niveau halten. Ebenfalls stark zugelegt hat der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe Deutschlands (62,6 nach 60,5 im Januar), der entsprechende Index für den Euroraum legte von 57,3 auf 59,0 zu. (weiterlesen …)

Inflation: Erhöht die EZB die Zinsen?

Im Dezember ist die Inflationsrate im Euroraum überraschend auf 2,2% gestiegen – vor allem wegen höherer Energiepreise. Nun befürchtet die EZB, dass die Inflation in den kommenden Monaten weiter zulegen könnte, bevor sie gegen Ende des Jahres wieder sinkt. Diese kurzfristige Aufwärtsrisiken hätten aber noch nicht die Einschätzung der EZB geändert, dass mittel- bis langfristig Preisstabilität gegeben sei. (weiterlesen …)

Ifo: Höchster Wert seit Wiedervereinigung

Die positiven Konjunkturüberraschungen in Deutschland reißen nicht ab. Das Ifo-Geschäftsklima für die gewerbliche Wirtschaft Deutschlands ist im November unerwartet kräftig von 107,7 auf 109,3 Punkte gestiegen – das ist der höchste Wert seit der Wiedervereinigung. Die befragten Unternehmen haben sowohl die aktuelle als auch die erwartete Geschäftslage besser beurteilt. (weiterlesen …)

Deutschland legt mal wieder gute Zahlen vor

Bereinigt um Saison- und Kalendereinflüsse ist das deutsche Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal gegenüber dem zweiten Quartal um 0,7% gestiegen. Das entspricht mehr oder weniger den Erwartungen (Konsens: 0,8%; Commerzbank: 0,6%). Das Statistische Bundesamt wird die Details zum dritten Quartal erst am 23. November bekanntgeben. Aber es deutete bereits an, dass es vor allem die Exporte, die Investitionen und der privaten Verbrauch waren, die das Wachstum getrieben haben.
Die Statistiker haben das erste und zweite Quartal jeweils nur um
0,1 Prozentpunkte nach oben revidiert. Die Basis für die Prognose des gesamten Jahres 2010 hat sich dadurch um 0,2 Prozentpunkte nach oben verschoben. Ich erhöhe deshalb meine 2010er Prognose von 3,3 auf 3,5%.
Verglichen mit dem dritten Quartal des Vorjahres hat die deutsche Wirtschaft bereinigt um die unterschiedliche Anzahl der Arbeitstage um 3,9% zugelegt. Solch hohe Zuwachsraten erreicht die deutsche Wirtschaft selten. Aber sie ist keine Teflon-Wirtschaft, an der alles abprallt. Die Unternehmen haben ihre Lagerbestände in den zurückliegenden Quartalen wieder aufgestockt, dieser Konjunkturtreiber lässt nach. Die ersten Frühindikatoren haben im Euroraum bereits nach unten gedreht. Die deutsche Wirtschaft wird in den kommenden Quartalen nicht mehr ganz so kräftig wachsen. Für das kommende Jahr erwarte ich ein Plus von gerundet 2%. Aber verglichen mit dem Rest des Euroraums (Prognose 2011: 1,3%) wäre das nach wie vor ordentlich. Deutschland dürfte sich auch in den Jahren danach überdurchschnittlich entwickeln. Denn es leidet nicht an übertrieben stark gestiegenen Häuserpreisen und Konsumentenschulden. Vor allem dürfte Deutschland noch lange von seiner hohen preislichen Wettbewerbsfähigkeit profitieren. Dank maßvoller Lohnabschlüsse und kräftiger Produktivitätssteigerungen sind die Lohnstückkosten anders als in den meisten anderen Ländern kaum gestiegen. Außerdem ist Deutschland stark vertreten in den schnell wachsenden asiatischen Volkswirtschaften.

Dr. Jörg Krämer, Chefvolkswirt, Commerzbank AG

Was ist mit dem Ifo-Geschätsklima los?

Das Ifo-Geschäftsklima für die gewerbliche Wirtschaft Deutschlands ist im Oktober anders als vom Durchschnitt der Volkswirte erwartet (106,5) von 106,8 auf 107,6 gestiegen, es hat damit sogar meine optimistische Prognose von 107,0 übertroffen.
Das Ifo-Geschäftsklima wurde im Oktober vor allem von der Erwartungskomponente (siehe Tabelle) getrieben, die trotz des bereits erreichten hohen Niveaus noch einmal kräftig zulegte. Die aktuelle Geschäftslage, die andere Komponente des Geschäftsklimas, haben die befragten Unternehmen dagegen kaum positiver beurteilt als im September.
Die meisten Frühindikatoren weisen mittlerweile nach unten – auch für die erfolgsverwöhnte deutsche Wirtschaft. Warum erklimmt dann das Ifo-Geschäftsklima immer neue Höhen? Das Ifo-Geschäftsklima wird nicht nur von den Konjunkturerwartungen beeinflußt. Meine Berechnungen zeigen, dass auch die Gewinne der deutschen Unternehmen eine wichtige Rolle spielen. Mittlerweile machen die Gewinne wieder 17% des Bruttoinlandsprodukts aus. Anders als das Bruttoinlandsprodukt haben sie bald das Vorkrisenniveau erreicht. Es ist also das ungewöhnlich hohe Niveau der Gewinne, das das hohe Niveau und die Widerstandsfähigkeit des Ifo-Geschäftsklimas erklärt.
Dennoch zeigen die meisten Frühindikatoren nach unten, auch der Auftragseingang des deutschen verarbeitenden Gewerbes hat zuletzt an Schwung verloren. Deutschland ist keine Teflon-Wirtschaft und wird in den kommenden Monaten nicht mehr so stark wachsen wie im ersten Halbjahr. Aber das gute Ifo-Geschäftsklima legt zumindest nahe, dass sich die deutsche Wirtschaft besser halten wird als der Rest des Euroraums. Nach geschätzten 3,3% für dieses Jahr rechne ich für die deutsche Wirtschaft für 2011 mit einem Plus von 2,0%.

Dr. Jörg Krämer, Chefvolkswirt, Commerzbank AG

Deutsche Auftragseingänge: Aufwärts mit nachlassendem Tempo

Die deutschen Unternehmen haben im August 3,4% mehr Aufträge erhalten als im Juli. Aber dieses beeindruckende Plus muß man relativieren:
1. Ohne das mächtige Plus in der Kategorie „Sonstiger Fahrzeugbau“ hätten die Orders nicht um 3,4%, sondern nur um 0,9% zugelegt. Offensichtlich haben Großaufträge für Flugzeuge die August-Zahlen nach oben getrieben.
2. Wegen des frühen Beginns der Sommerferien sind mehr Menschen als üblich bereits im August an ihre Arbeitsplätze zurückgekehrt. Diesen Effekt kann das Saisonbereinigungsfahren der Statistiker nicht ausschalten.

Geht man weg von den schwankungsanfälligen Monatsdaten und betrachtet den unterliegenden Trend, dann wird klar, dass die Auftragseingänge weiter nach oben weisen. Allerdings hat das Tempo der Aufwärtsbewegung nachgelassen. Das deckt sich damit, dass immer mehr Stimmungsindikatoren begonnen haben zu fallen. Die Industrie befindet sich weltweit in einem Zwischenabschwung. Die während der Rezession geleerten Lagerbestände sind mittlerweile wieder aufgefüllt und die anderen konjunkturellen Treiber wie Ausrüstungsinvestitonen sind noch nicht stark genug, um das hohe Aufwärtstempo des ersten Halbjahrs 2010 zu halten. Eine solche Zwischenabschwächung ist normal, sie dürfte nicht in einer erneuten Rezession münden. Für das komende Jahr erwarten wir für die deutsche Wirtschaft ein Plus 2,0% nach geschätzten 3,3% für dieses Jahr.

Dr. Jörg Krämer, Chefvolkswirt, Commerzbank AG

Deutsches Bruttoinlandsprodukt: Ein Sommermärchen

Im zweiten Quartal hat die deutsche Wirtschaft gegenüber dem ersten Quartal um phänomenale 2,2% zugelegt. Außerdem haben die Statistiker die Quartale davor massiv nach oben revidiert. Wir erhöhen unsere 2010er Deutschland-Prognose von 2,5% auf 3¼%.

Die Daten: Das um Saison- und Kalendereinflüsse bereinigte Bruttoinlandsprodukt Deutschlands hat gegenüber dem ersten Quartal um 2,2% zugelegt, deutlich mehr als der Durchschnitt der Volkswirte (Konsens: 1,3%) und wir (Commerzbank: 1,5%) erwartet hatten. Seit der Wiedervereinigung hat das Bruttoinlandsprodukt noch nie so stark zugelegt. Rechnet man das Quartalswachstum wie in den USA üblich auf Jahresrate hoch, dann ergibt sich ein sagenhaftes Plus von 8,8%. Natürlich hat das zweite Quartal davon profitiert, dass sich die Bauwirtschaft nach dem ungewöhnlich harten Winterwetter im zweiten Quartal erholt hat. Rechnet man diesen Effekt heraus, ergibt sich für das zweite Quartal immer noch ein äußerst kräftiges Plus von 1,5%. Das dürfte vor allem an den Ausrüstungsinvestitionen und dem Außenhandel liegen, die Details veröffentlicht das Statistische Bundesamt am 24. August.

Beträchtliche Revisionen: Die Statistiker haben die zurückliegenden Zahlen kräftig nach oben revidiert. So weisen sie für das erste Quartal jetzt ein Plus von 0,5% nach den ursprünglich gemeldeten 0,2%. Durch die Revisionen und das überraschend starke Plus im zweiten Quartal verbessert sich die Ausgangslage für unsere Gesamtjahresprognose um knapp einen Prozentpunkt.

Höhere Prognose für 2010: Wir haben deshalb unsere Konjunkturprognose für das gesamte Jahr 2010 von 2,5% auf 3¼% angehoben. Dabei haben wir bereits unterstellt, dass die Wirtschaft nach dem phänomenalen Wachstum im zweiten Quartal im dritten Quartal um weniger zunimmt als wir bisher unterstellt hatten (0,3% statt 0,6%). Auch in den Quartalen danach wird es verhaltener bergauf gehen. Das liegt auch daran, dass die Frühindikatoren in den USA und in China nach unten weisen. Eine solche Delle in der Aufwärtsbewegung ist üblich, wir rechnen für die USA nicht mit einem Rückfall in die Rezession.
Konsequenzen für die EZB: Man sollte Deutschland nicht mit dem Euroraum gleichsetzen. Ohne Deutschland dürfte der Euroraum in diesem Jahr nur um 0,8% zulegen, für den Euroraum als ganzes erwarten wir jetzt ein Plus von 1½%. Das entspricht nicht einmal dem Zuwachs des Produktionspotentials, das wir auf knapp 2% veranschlagen. Die EZB dürfte ihren Leitzins noch lange bei 1,0% belassen, wir sehen keine hohen Risiken, dass sie ihn früher anhebt als wir bisher unterstellt hatten (viertes Quartal 2011)

Dr. Jörg Krämer, Chefvolkswirt, Commerzbank AG

Auftragseingänge Deutschland: Treiben nur noch Großaufträge?

Die deutsche Industrie hat im Juni nur deshalb 3,2% mehr Aufträge als im Mai erhalten, weil es einen Großauftrag im Flugzeugbau gegeben hat. Ohne diesen Effekt sind die Aufträge gegenüber Mai um 0,6% gefallen.

Double-Dip jetzt auch in Deutschland? Mitnichten. Denn in den Monaten zuvor waren die um Flugzeug-Großaufträge bereinigten Auftragseingänge stark gestiegen, im jetzt vollständig vorliegenden zweiten Quartal lagen sie 8,1% höher als im ersten Quartal. Das spricht zusammen mit dem zuletzt starken Ifo-Geschäftsklima dafür, dass die deutsche Wirtschaft auch im dritten Quartal ordentlich wachsen sollte. Danach dürfte das Wachstum allerdings etwas nachlassen – schließlich zeigen die Konjunkturindikatoren in den USA und in China nach Süden. Eine solche Delle inmitten eines Aufschwungs ist normal, wenn die Unternehmen ihre während der Rezession geleerten Lager wieder aufgefüllt haben. Einen Rückfall in die Rezession sehe ich nicht.

Dr. Jörg Krämer, Chefvolkswirt, Commerzbank AG

Ist Deutschland eine Teflon-Wirtschaft?

Wieder eine überraschend gute Konjunkturzahl aus Deutschland: Das Ifo-Geschäftsklima ist im Juli unterwartet kräftig von 101,8 auf 106,2 gestiegen. Sowohl die Beurteilung der aktuellen Wirtschaftslage als auch die Geschäftserwartungen für die kommenden Monate haben einen deutlichen Sprung nach oben gemacht
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Aufwärtsrisiken: Im zweiten Quartal dürfte das deutsche Bruttoinlandsprodukt gegenüber dem ersten Quartal kräftig um 1,4% gewachsen sein. Nach dem unerwartet starken Juli-Ifo ist die Chance gestiegen, dass die deutsche Wirtschaft auch noch im dritten Quartal positiv überrascht. Unsere Anfang des Monats auf 2,5% angehobene 2010-Wachstumsprognose ist keinesfalls aggressiv.

Deutschland als Teflon-Wirtschaft? In den USA weist der Fünf-Monatsdurchschnitt des ISM-Einkaufsmanagerindex bereits nach unten, wir haben heute unsere 2010er US-Konjunkturprognose von 3,3% auf 2,8% gesenkt. Auch in China haben die Risiken zugenommen. Auf Dauer werden solche schlechten Nachrichten nicht an Deutschland abperlen, es gibt keine Teflon-Wirtschaft. Das deutet sich auch beim Erwartungsindex des Mannheimer ZEW-Instituts ab. Er weist schon seit Monaten nach unten. In der Vergangenheit folgten die Ifo-Erwartungen meist nach unten. Auch in Deutschland wird das Wachstum früher oder später nachlassen. Allerdings dürfte sich die deutsche Wirtschaft noch viele Quartale besser entwickeln als der Rest des Euroraums. Denn Deutschland hat in den letzten Jahren gemessen an den Lohnstückkosten seine Wettbewerbsfähigkeit massiv gesteigert, das trägt lange. Außerdem werden sich viele Mitgliedsländer des Euroraums noch lange mit den Folgen ihrer geplatzten Immobilienblasen herumschlagen müssen.

Dr. Jörg Krämer, Chefvolkswirt, Commerzbank AG

Warum Deutschland an den anderen vorbei zieht

Heute haben die deutschen Konjunkturzahlen richtig positiv überrascht. Am Morgen gaben die Wiesbadener Statistiker bekannt, dass die deutsche Wirtschaft im Mai 9,2% mehr exportiert hat als im April. Heute Mittag meldeten sie dann, dass die Industrie im Mai 2,6% mehr produziert hat als im Vormonat. Es zeichnet sich immer klarer ab, dass die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal kräftig gewachsen ist, wir rechnen gegenüber dem ersten Vierteljahr mit einem Plus von 1,5%. Für das gesamte Jahr erwarten wir ein Wachstum von 2,5%, wir hatten unsere 2010er Prognose vergangene Woche nach oben gesetzt. (weiterlesen …)