Frank Wiebe
Frank Wiebe ist ein Finanz-Allrounder. Er kennt Banken und Versicherungen von innen und begleitet die Börsen seit Jahren. In seinen Kommentaren ordnet er kurzfristige Entwicklungen ein und analysiert die langfristigen Trends und den Zeitgeist an den Märkten.

Beiträge von Frank Wiebe:

Euro-Staaten als Aktien-Gesellschaften?

Das Bruegel-Institut (bruegel.org) hat einen interessanten Beitrag von Ashoka Mody zur Euro-Krise verfasst. Dabei vertritt der Autor die These, dass Staaten künftig Papiere ausgeben sollten, die mehr Aktien gleichen als herkömmlichen Staatspapieren.

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Geographie als Schicksal

Beim erneuten Aufflackern der Euro-Krise fällt besonders ins Auge: Geographie spielt eine große Rolle. Portugal ist eines der entlegensten Länder Europas. Es hat nicht einmal eine gute Verbindung zum Mittelmeer-Raum, wobei der wirtschaftlich besehen ohnehin zweitrangig ist. Es hat gute Verbindung zum Atlantik, liegt aber weitab von den üblichen Routen über den großen Teich.

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Deutschland führt Europa

Der “Economist” befasst sich ausführlich mit Europa. Insgesamt recht wohlwollend. Aber mit der generellen These: Deutschland muss mehr Führungsstärke zeigen. Ich halte diese These für falsch.

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Bernanke, der Fuchs

Wenn Ben Bernanke, der Chef der US-Notenbank, hinauffährt zum Capitol Hill und mit Abgeordneten und Senatoren diskutiert, werden immer wieder dieselben Argumente ausgetauscht. Und dabei zeigt sich meist, dass der Notenbank-Chef seinen Fragern und Kritikern im Denken ein Schritt voraus ist. Außerdem ist er sehr geschickt darin, Kritik so auszweichen, dass sie auf den Kritiker selbst zurückfällt. Bernanke ist ein Fuchs, der sich nicht fangen lässt. (weiterlesen …)

Der Ausstieg aus dem Euro

Trotz des Chaos in der italienischen Politik scheinen die Märkte sich im Moment nicht allzu sehr zu sorgen, dass die Euro-Zone auseinanderbricht. Ich halte die Wahrscheinlichkeit, dass das passiert, auch für gering. Trotzdem stelle ich mir manchmal die Frage: Was wäre denn ein realistisches Ausstiegsszenario?

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Homo oeconomicus – das unverstandene Wesen

Und wieder brandet die Diskussion um den “homo oeconomicus” auf, bei der sich mir die Fingernägel aufrollen. Da wird ein abstraktes Konzept als anthropologisches Modell des Menschen als eines allein eigennützigen Wesens missverstanden, um dann zu versuchen, diese angeblichen Mängel mit Versatzstücken aus der Psychologie irgendwie aufzupeppen. Besonders grausam ist es, den so konstruierten einseitigen Menschen dann auch noch Adam Smith zu unterschieben, der einer der bedeutendsten Moralphilosophen der Neuzeit war und in seiner “Theory of Moral Sentinments” ein sehr feines Bild des Mensch gezeichnet und die Moral letztlich auf unsere Fähigkeit zur Empathie zurückgeführt hat.

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Berühmt werden oder richtig liegen

Habe gerade den Bestseller “The signal and the noise” von Nate Silver gelesen und möchte nur auf eine seiner Thesen aufmerksam machen, die Ökonomen betrifft. Danach haben Leute dieses Berufsstands, überspitzt gesagt, die Wahl, entweder berühmt zu werden oder richtig zu liegen. Beides zugleich scheint sehr schwierig zu sein.

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Schwarzfahrer in Washington, Frankfurt und Berlin

Dollarscheine: Schwarzfahrer bringen ökonomische Probleme – auch in der Politik. Bild: dpa

Man spricht gerne von Trittbrettfahrern. Aber heute gibt es ebenso wenig noch Trittbretter, auf denen man außen mitfahren kann, wie Schaffner im Nahverkehr. Man sollte daher die Leute beim Namen nennen: Schwarzfahrer. Sie stellen ein ökonomisches Problem dar, denn sie maximieren den eigenen Nutzen auf Kosten der anderen, ähnlich wie Steuer- oder Versicherungsbetrüger. Und es gibt sie auch in der Politik. Zum Beipiel in Washington. Aber möglicherweise auch in Berlin und Frankfurt. Insofern brauchen wir eine kleine politische Ökonomie des Schwarzfahrens.

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Die Ökonomie des Schenkens

Weihnachtsgeschenke. Bild: dpa

Zu Weihnachten geht es nicht ums Tauschen, sondern ums Schenken. Bild: dpa

Wir haben uns angewöhnt, Ökonomie als eine Lehre vom Tauschen zu verstehen. Bis weit in Grenzgebiete hinein: Die politische Ökonomie untersucht, wie man Politik als Tauschgeschäft auffassen kann. Alternative Auffassungen kommen eher aus anderen Disziplinen, von Soziologen, Philosophen oder Anthropologen, von Franzosen wie Marcel Mauss, Jacques Derrida und Michel Serres oder dem Franzosenfreund Peter Sloterdijk, von David Graeber, einem Initiatior der Bewegung “Occupy Wall Street”: häufig Leute, die selbst in ihrer eigenen Wissenschaft oder politisch besehen eher Außenseiter sind.

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Das deutsche Risiko

Deutschland, so scheint es immer noch, kann vor Kraft kaum laufen. Der deutsche Staat bekommt de facto Geld von den Investoren geschenkt, deutsche Konzerne leihen sich ihr Fremdkapital billiger als manche Staaten und drücken vor allem in Europa ihre Konkurrenten an die Wand. Alle Versuche angeschlagener Euro-Staaten, ihre Wettbewerbsfähigkeit wieder zu erlangen, sind in Gefahr, unter der Übermacht der deutschen Wirtschaftskraft zu zerbröseln. Deutsche Ingenieure, so scheint es, sind unschlagbar, und deutsche Manager immerhin gut genug, die Technik ihrer Ingenieure weltweit zu verkaufen.
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