Dr. Elga Bartsch
Elga Bartsch ist Chefvolkwirtin Europa bei Morgan Stanley. Schwerpunkte ihrer Arbeit sind unter anderem die Politik der Europäischen Zentralbank. Zusätzlich ist sie für die Länderanalysen, vor allem für die Eurozone und Deutschland aber auch Schweden, verantwortlich.

Beiträge von Dr. Elga Bartsch:

Erste Warnsignale?

Erste Warnsignale?

In diese Woche sind die Auftragseingänge, Umsatzzahlen und Produktionsmengen in der deutschen Industrie für den Monat Oktober deutlich schwächer als erwartet ausgefallen. Entgegen der ursprünglichen Markterwartung einer weiteren Zunahme, zeigten die veröffentlichten Daten merkliche Rückgänge. Diese Rückschläge sind m. E. ein wichtiges Warnsignal, dass die wirtschaftliche Erholung in Deutschland derzeit noch nicht nachhaltig, noch nicht selbsttragend ist. Nach wie vor ist die wirtschaftliche Dynamik im Wesentlichen von einem Wendepunkt im Lagererhaltungszyklus und einer Normalisierung des Welthandels geprägt. Eine nachhaltige Erholung der Inlandsnachfrage zeigt sich derzeit noch nicht in den Daten. Das gilt sowohl für Unternehmensinvestitionen als auch für die Konsumausgaben. Daher können wir Rückschläge wie die im Monat Oktober verzeichneten auch in Zukunft nicht ausschließen. Dennoch gehen wir davon aus, dass der Industriesektor in den nächsten Monaten wieder auf einen klaren Wachstumskurs einschwenkt. Dafür sprechen vor allem die immer noch sehr viel optimistierischen Unternehmensumfragen, wie etwa das Ifo Geschäftsklima, die einen weiteren Anstieg der Produktionspläne und der Nachfrage nach Industrieprodukten zeigen. Insgesamt gehen wir daher davon aus, dass sich die wirtschaftliche Dynamik im laufenden Quartal leicht gegenüber der noch im dritten Quartal verzeichneten Wachstumsraten abschwächen wird. Derzeit gehen wir von einer Zuwachsrate des Bruttoinlandsproduktes von 0.5% aus. Das würde im Vergleich zum dritten Quartal, wo noch ein Zuwachs von 0.7% verzeichnet wurde, eine leichte Abkühlung bedeuten.

Kavalierstart

Die deutsche Wirtschaft scheint im dritten Quartal Jahres einen echten Kavaliersstart hingelegt zu haben. Die heute veröffentlichten Zahlen zur Industrieproduktion im September, die einen deutlich höher als erwarteten Zuwachs vom 2.7% gegenüber dem Vormonat zeigen, legen nahe, dass am Freitag die Schnellschätzung des Bruttoinlandsproduktes den derzeitigen Marktkonsensus deutlich übertreffen könnte. (weiterlesen …)