Schwellenänder: China zu Unrecht mitgefangen

Chinesische Shopper: wirtschaftliche Fundamentaldaten weiterhin sehr gut

Chinesische Shopper: wirtschaftliche Fundamentaldaten weiterhin sehr gut

Ausverkauf von Schwellenländer-Aktien! Auch China ist betroffen. Der Index der wichtigsten chinesischen Werte in Hongkong ist seit Anfang Dezember um 16 Prozent gefallen. Doch die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ist vermutlich nur in den Strudel Verkaufsorders geraten, weil sie dem Namen nach zu den Schwellenländern gehört. In Wirklichkeit sehen die Zahlen gar nicht schlecht aus.

Die Firmen in China erwarten ordentliche Gewinne, das Wachstum liegt bei 7,7 Prozent und die Regierung schiebt energisch Reformen an. Die Auslandsverschuldung ist sehr niedrig.

China ist zudem vergleichsweise immun gegen die Stürme an den Weltmärkten. Die eigene Währung, der Yuan, ist nicht frei handelbar und daher von den horrenden Kursverlusten anderer Schwellenland-Währungen ausgenommen. Ihr Wert steigt derzeit sogar langsam weiter.

Aufgrund von Kapitalkontrollen könnte Anlegergeld zudem selbst dann nicht fliehen, wenn es wollte. „China ist eines der Schwellenländer, das am wenigsten von der Rückführung der Geldschwemme in den USA betroffen ist“, schreibt Ökonom Ma Jun von der Deutschen Bank in einer Analyse.

Aufgrund der Kapitalkontrollen betrachten wir daher hier auch nicht den führenden chinesischen Aktienmarkt in Shanghai, sondern die Börse Hongkong. Die Finanzmetropole gehört zwar zum Staatsgebiet der Volksrepublik, hat aber eine eigene Währung und einen offenen Markt. Die wichtigsten chinesischen Firmen gehen hier parallel an die Börse. Internationale Investoren kaufen meist diese Hongkong-Version der Aktien.

Diese H-Shares haben nun seit Anfang Dezember fast so viel verloren wie der Leitindex in Argentinien. Noch schlechter als diese beiden hat nur die Türkei abgeschnitten mit einem Minus von 22 Prozent. Zum Wertverlust der Währung und schwachem Wachstum kommt in der Türkei noch politisches Chaos hinzu, genauso wie in Thailand.

Doch thailändische oder südafrikanische Aktien haben nur halb so viel an Wert verloren wie chinesische Werte. Ohne hier eine Empfehlung zum Kauf geben zu wollen (Schwellenländer bleiben höllisch riskant): Der China-Ausverkauf sieht wie eine Übertreibung nach unten aus.

Die Verunsicherung der Anleger dürfte von zahlreichen Berichten geschürt sein, die China am Rande des finanziellen Kollaps sehen. Diese Website hat für den 31. Januar bereits eine Kettenreaktion erwartet, die die Welt in den Abgrund ziehen könnte.

Tatsächlich ist vor dem 31. Januar etwas anderes passiert, das typisch chinesisch ist: Die örtliche Regierung hat das gefährdete Finanzprodukt gerettet. Das führt zu einer anderen Gefahr: Kuschelige Bequemlichkeit und steigende Sorglosigkeit, weil Vater Staat schon alles richten wird.

Eine kurzfristige Katastrophe ist in China dagegen keinesfalls zu erwarten. Das Land hat üppigste Reserven und volle Souveränität über die eigene Währung – es gibt kein Problem, das die kommunistische Regierung nicht lösen könnte. Das unterscheidet es von Krisenländern wie Spanien und gefährdeten Schwellenländern wie der Türkei oder Argentinien, die erheblich vom Ausland abhängig sind.

In diesem Zusammenhang ist ein Lob auf Kapitalkontrollen angebracht, zumindest im Zusammenhang mit Schwellenländern. Freie Geldflüsse haben schon 1997 die Volkswirtschaften von Thailand, Indonesien, Südkorea und anderen Tigerländern ruiniert. Auch derzeit schaffen sie allerlei Probleme, die nicht allein auf die Fundamentaldaten zurückgehen.

Das Reich der Mitte dagegen hat hinter seiner chinesischen Finanzmauer selbst die Stürme von 2009 vergleichsweise behaglich überstanden. Stabilität ist für die ohnehin turbulenten Schwellenländer wichtiger als das Geld ausländischer Finanzinvestoren – das diese schließlich auch nach Laune wieder abziehen können, wie das derzeitige Debakel zeigt.

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