Investoren sind keine Zocker!

Ständig die Aktienkurse beobachten: Wer langfristig investiert, muss das nicht tun. Bild: dpa

Es gibt viele gute Gründe, warum Anleger – und ganz besonders unerfahrene Privatanleger – in diesen Tagen nicht ihre kompletten Ersparnisse in Aktien investieren sollten. Momentan geht es aufwärts, unbestritten. Die Frage ist nur: Wie lange noch? Wer jetzt Aktien kauft, kauft sie zu einem hohen Preis. Falls die Kurse in naher Zukunft einbrechen, kann es lange dauern, bis sie das aktuelle Niveau wieder erreichen oder sogar darüber hinausgehen.

Solche Warnungen lassen sich beispielsweise mit Prognosen zum Wirtschaftswachstum untermauern oder auch durch Charttechnik – also dem Vergleich des aktuellen Kursverlaufs mit Entwicklungen in der Vergangenheit. Auch Optimisten können teils plausible Argumente vorbringen, warum es doch noch weiter nach oben geht. Völlig unverständlich sind jedoch Wortmeldungen jener Menschen, die Aktieninvestments per se als „Zockerei“ bezeichnen und die Börse als „Kasino“. Zu lesen sind solche Kommentare immer wieder auch zu Artikeln auf Handelsblatt Online.

Eigentlich ist der Unterschied zwischen sogenannten Zockern und Investoren ganz einfach: Die einen sind aufs schnelle Geld aus, die anderen haben eine langfristige Perspektive. Tatsächlich tummeln sich an der Börse beide Typen. Die einen halten Aktien manchmal nur weinige Minuten, die anderen bleiben jahrelang investiert.

In ihrem Ursprung  war die Börse so gedacht: Unternehmen brauchen neues Kapital und suchen nach Investoren, die es ihnen geben. An der Börse finden die beiden Gruppen zusammen. Im Gegenzug für sein Geld bekommt der Investor einen Anteil des Unternehmens, eine Aktie. Damit wird er zum Aktionär und hat ein Stimmrecht auf der Hauptversammlung. Mit dem eingenommen Geld kann das Unternehmen beispielsweise neue Maschinen kaufen, Forschung betreiben oder neue Filialen eröffnen. Erzielt die Firma Gewinne, lässt sie häufig auch die Aktionäre daran teilhaben und zahlt ihnen eine Dividende.

Nun ist die Zahl der verfügbaren Aktien allerdings begrenzt, denn Unternehmen vergeben üblicherweise nicht ständig neue Aktien. Wollen viele Investoren einen Unternehmensanteil haben, kann die Firma dafür einen höheren Preis verlangen. Ist die Nachfrage gering, sind die Anteile günstiger. Angebot und Nachfrage regeln den Preis – das ist das Grundprinzip der Marktwirtschaft. Sind nun alle Aktien vergeben und ein Interessent möchte dennoch Unternehmensanteile haben, muss er diese einem anderen Aktionär abkaufen – und ihm dafür in der Regel einen höheren Preis zahlen.

Der aktuelle Preis für die Aktie lässt sich wiederum am Aktienkurs ablesen. Die spannende Frage ist nun: Warum möchte jemand überhaupt eine Aktie kaufen? Der kurzfristig orientierte Käufer – auch Trader genannt – hält sie eine Weile und stößt sie wieder ab, sobald er einen Gewinn erzielen kann, mit dem er zufrieden ist. Der langfristig orientierte Investor dagegen kauft die Aktie, weil er auf das Unternehmen vertraut. Er glaubt, dass dieses Unternehmen auch in Zukunft mit seinen Waren oder Dienstleistungen Erfolg haben wird, und möchte an diesem Erfolg beteiligt sein.

Schon bei der Auswahl der Aktien gehen kurzfristig orientierte Käufer und Investoren vollkommen unterschiedlich vor. Für Trader spielen etwa die Bilanz eines Unternehmens und die Fundamentaldaten wie Kurs-Gewinn-Verhältnis oder Eigenkapitalquote keine Rolle. Sie interessieren sich häufig nur für technische Signale, arbeiten mit Charts und Indikatoren. Investoren dagegen suchen nach Werten, an denen sie sich beteiligen können.

Mit Zockerei hat Investieren nicht viel zu tun. Zwar geht auch der Investor in gewisser Weise eine Wette ein. Doch die lautet „ich setze darauf, dass der Wert dieses Unternehmens steigt, weil ich an sein Geschäftsmodell glaube“. Und sie heißt nicht „ich setze auf die Aktie, weil ich glaube, dass der Kurs kurzfristig steigt.“ Auch das Investment in kleine und unbekannte Unternehmen kann nicht unbedingt als Zockerei bezeichnet werden. Es ist vielmehr Ausdruck der Risikobereitschaft und auch dieser Entscheidung liegt üblicherweise eine Analyse des Unternehmensziel und der Erfolgsaussichten zugrunde.

Langfristig und kurzfristig orientierte Aktienkäufer unterscheiden sich aber nicht nur bei der Auswahl und Haltedauer der Aktien. Auch der Zeitpunkt für den Kauf oder Verkauf hat bei den Strategien eine unterschiedliche Bedeutung. Wer sehr, sehr langfristig orientiert ist, der kann quasi zu jedem Zeitpunkt ins Aktieninvestment einsteigen. Grund dafür ist die langfristige Wachstumstendenz der Wirtschaft und der Unternehmen.

Auf und Ab – das ist das typische Muster der Börsenkurse. In wellenförmigen Bewegungen geht es nach oben, irgendwann erreicht der Kurs seinen Höhepunkt und dann geht es in wellenförmigen Bewegungen wieder nach unten. Und wenn der Tiefpunkt erreicht ist? Dann geht das Spiel von vorne los. Auf lange Sicht jedoch geht es immer aufwärts. Wer sein Geld also beispielsweise erst in 20 Jahren wieder braucht, der kann auch dieser Tage ein breit diversifiziertes Depot eröffnen, mit Unternehmen, an die er glaubt.

Wer das Geld dagegen schon in ein bis drei Jahren flüssig haben muss, der sollte jetzt eher vorsichtig sein. Denn wenn sich die Stimmung an den Märkten insgesamt stark verschlechtert, dann knicken auch die Kurse der solidesten Unternehmen mit ein. Ein sehr langfristig orientierter Investor kann das aussitzen. Wer jedoch schnell frei verfügbares Geld braucht, läuft Gefahr, seine Aktien zwischenzeitlich mit Verlust verkaufen zu müssen.

Ergo: An der Börse gibt es unterschiedliche Handelsstrategien. Wer mit Aktien zocken möchte, kann das tun. Ein langfristiges Investment ist aber genauso möglich. Aufgrund von Vorurteilen allein auf das Sparbuch zu setzen, ist langfristig keine Lösung.

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Alle Kommentare [14]

  1. liebe Frau Schneider, das haben sie wunderschön abgeschrieben, bei der Maus oder im Enführungsbuch in die Wirtschaft meines 15 jährigen Sohnes. Dieser Blog ist nicht für Minderjährige und Sparbuchfetischisten gedacht – oder?

  2. ich wart noch darauf dass ich ich mir als Jude von orthodoxen Juden erklären lassen muß ich sei Antisemit.

    Aber dann: ist echt Schicht im Schacht !

  3. Und es geht immer weiter mit der „Zockernummer“:

    Kunst mir mal nen Kunstwerk restituieren?
    Ja klar.
    Wenn Ihr die Kohle dafür habt.

    Graumann is einfach nur ein ganz einfacher Idiot.

  4. Investoren sind nicht dafür da, um Menscheheitsprobleme abzuarbeiten.
    Von hier aus gesehen zwei Fehler: zu glauben Investoren seien der liebe Gott;
    zum anderen abzunehmen man sei der liebe Gott um Investoren abzustrafen.
    Mal ganz abgesehen von dem Rattengesocks, dass sich einbildet von Investitionen irgendwas verstehen zu wollen.

  5. Ein Investor ist kein Zocker?
    Natürlich ist ein Investor kein Zocker:
    Nur, es scheint stets mehr Zocker als Investoren zu geben.
    Berggruen „kauft“ den Karstadt Konzern für 1 Euro und andere verkaufen ihm den Karstadt Konzern für 1 Euro.

    Eine Investition gilt als Engagement seitens eines Investors.

    Und da, wo ein Investor sich engagiert funktioniert es auch.

  6. Woher soll man denn diese 20 Jahresplanung vorhersehen?
    „Wer das Geld erst in 20 Jahren braucht…“
    Genau das ist doch zocken.
    Das sind keine Aussagen, die auf Fakten beruhen
    oder beruhen können, reine Spekulationen.

    mfg
    http://www.shenky.de

  7. Die meisten Anleger investieren nur deswegen an der Börse, weil dort Sie Ihre 10% bekommen. D.h. man bekommt an der Börse meist mehr Geld als bei Bank und sonst wo, obwohl es hochspekulativ ist.

  8. Auch ein langfristig orientierter Investor sollte auf den Einstiegszeitpunkt achtgeben.
    Der Dax-Index ist ein Performance-Index – d. h. alle Dividenden der Gesellschaften sind eingearbetet – und zeigt sehr deutlich dass sich das Vermögen eines langfristigen Investors, der Anfang 2000 zu einem Dax-Stand von 8000 eingestiegen ist, jetzt nach fast 14 Jahren bei einem Dax-Stand von 9000 (12,5% Plus) immer noch im Kaufkraftverlust tummelt.
    Der Ausgleich einer durchschnittliche jährliche Inflation von 2 % erfordert/e:
    bis Anfang 2001 2,00%,
    bis Anfang 2002 4,04%
    bis Anfang 2003 6,12%
    bis Anfang 2004 8,24%
    bis Anfang 2005 10,41%,
    bis Anfang 2006 12,62%,
    bis Anfang 2007 14,87%,
    bis Anfang 2008 17,17%,
    bis Anfang 2009 19,51%,
    bis Anfang 2010 21,90%,
    bis Anfang 2011 24,34%,
    bis Anfang 2012 26,82%,
    bis Anfang 2013 29,36%,
    bis Anfang 2014 31,95%;
    unter Steuerberücksichtigung (25%+5,5% Soli, somit 26,375 %) für heute investierende und 2027 realisierende 43,40% (!).
    43,40% sind nur mit der Wahl des richtigen Einstiegszeitpunkt und eines günstigen Ausstiegszeitpunkts möglich. Und dann sehen wir erst nur den Erhalt der Kaufkraft des investierten Vermögens.
    Ein Gewinn ist nur durch Springen von sich günstig entwickelnden Unternehmen und nach deren Entwicklungsberuhigung zu neuen sich günstig entwickelnden Unternehmen und so weiter und so fort erzielbar. Das bezeichnen nun wieder andere als „Zocken“. Das ist es aber nicht.

    MfG

    Patrick

  9. „Es gibt viele gute Gründe, warum Anleger – und ganz besonders unerfahrene Privatanleger – in diesen Tagen nicht ihre kompletten Ersparnisse in Aktien investieren sollten.“

    Really? „In diesen Tagen“? War es denn jemals ratsam, seine kompletten Ersparnisse in Aktien anzulegen?

  10. @Kronecker
    Es gibt keine effizienten Märkte. Wenn das so wäre, dann gäbe es weder Über- noch Untertreibungen. Beispiel gefällig? Jede Bildung einer Blase und jedes Platzen einer Blase.
    Dass Fama den Nobelpreis nicht verdient hat, muss man wohl nicht mehr großartig erklären (- ich nehme an, dass sie Fama gemeint haben). Seine Theorien gelten definitiv als widerlegt…
    Weiter: Wie erklären Sie die Erwirtschaftung von Überrenditen auf die Marktperformance? Vermutlich gar nicht, weil wenn die Märkte effizient wären, dann gäbe es kein Alpha.

    Zum Artikel:
    Deutsche Aktien sind aktuell „fair“ bewertet und im internationalen Vergleich noch zu günstig…
    Noch was: Die Fristigkeit wird nicht vom HB festgelegt.

    Beste Grüße

  11. Schön wär’s. Der kurzfristige Investor ist also ein Spekulant, der langfristige ein Investor? Und über kurz und lang entscheidet das HB? Dazu möchte ich anmerken: Was ist mit dem Investor, der sich in einem Zockermarkt langfristig einkauft? Siehe Immobilienmarkt der USA vor 2008. Was ist der jetzt? Nein, ihre Definition ist möglich, aber zu einfach; naiv, vielleicht. Da sind mir die diesjährigen Nobelpreisträger schon lieber, die sagen: Was zählt ist die Effizienz eines Marktes, die ist objektiv berechenbar. Wer in einem effizienten Markt tätig ist, ist Investor, wer in einem nicht-effizienten Markt tätig ist, ist Spekulant. Bleibt nur die Frage, wie stellt man die Effizienz eines Marktes fest: Über die Menge der Informationen, die dem Investor zur Verfügung steht im Vergleich zur Menge der Informationen, die im Markt verarbeitet und gespeichert wird. Dass das möglich ist, haben andere gezeigt. Allerdings etwas komplizierter ist das schon, als kurz-lang. Wem das zu kompliziert ist, muss eben zuschauen, darf schimpfen, während andere das Geld verdienen.

    • Zocker sind ja schon begabt, phantasiebegabt. Jetzt sind Zocker schon effizient.
      Lustig ist auch „kurzfristige Investoren“. Am Ende sind sogar Zocker, die Algorithmen zum Einsatz bringen um im Mikrosekundentakt minimalste Preisdifferenzen auszunutzen, ehrbare Anleger, oder wie?

      • jau @heine, das ist in der Tat eine ganz besondere Spezies, die das „Geld mit Geld verdienen“ mit dem Messer zwischen den Zähnen verteidigt auch wenn um sie herum alles zusammenbricht. Sie werden es wohl auch dann noch tun, wenn die reale Wirtschaft komplett zusammen bricht und mit Geld kein Geld mehr zu verdienen sein wird…