Chinas Kommunisten zocken Anleger ab

Frankenstein-Firmen: Der Gebäudekomplex von China Mobile in der Financial Street in Peking.

Frankenstein-Firmen: Der Gebäudekomplex von China Mobile in der Financial Street in Peking.

Die Aktienmärkte in Shanghai und Hongkong zeigen derzeit eine leichte Erholung – doch damit schaffen sie nur die Grundlage für die nächste Enttäuschung. Denn bisher konnten Anleger sich bei China-Investments nur auf eines verlassen: Ihr Geld kommt den Zielen der Kommunistischen Partei zugute. Nicht denen des Investors. 

In den vergangenen Tagen sind chinesische Werte nach einer längeren Abwärtsstrecke wieder gestiegen. Das macht Hoffnung darauf, dass Schwellenland-Anleger in Fernost endlich von ihrer Geduld profitieren können. Doch die Chancen für eine echte China-Hausse sind in Wirklichkeit minimal.

Während Chinas Wirtschaft in den vergangenen Jahren jährlich um zehn runde Prozent gewachsen ist, ging es an den Märkten vom Trend her nur abwärts. Der führende Aktienindex Shanghai Composite stand kürzlich sogar unter seinem Stand vom Sommer 2000.

Unterdessen haben die Kommunisten laufend frische Aktien an gutläubige Anleger verkauft. In den Jahren 2006 und 2010 hat China die zwei bisher größten Börsengänge der Welt durchgezogen. Zuerst hatte die Großbank ICBC die erstaunliche Summe von 22 Milliarden Dollar eingenommen, als sie an den Markt gegangen ist. Vor drei Jahren hat die Agricultural Bank den Wert sogar noch getoppt.

Im vergangenen Jahrzehnt spielte sich die Hälfte der weltweiten Top-Börsengänge in China ab. Einheimische und internationale Anleger haben jedes Mal brav gezahlt, wenn die Regierung wieder ein Staatsunternehmen an die Börse gebracht haben. Insgesamt haben sie rund 750 Milliarden Dollar aufgebracht, um die Kassen zu füllen, über die Chinas kommunistische Wirtschaftschaftsfürsten verfügen.

Doch um was für Firmen handelt es sich hier? Mehrheitlich waren es Staatsfirmen, die vorher den Ruf hatten, träge, ineffizient oder sogar bankrott zu sein. Andres gesagt, China hat mehrere dutzend Mal die Deutsche Telekom an die Börse gebracht. Die Aktienkurse haben sich entsprechend verhalten. Nach anfänglicher Euphorie haben sie sich auf einem deutlich niedrigeren Niveau eingependelt.

Kommunistische Prachtbauten: an der Börse Spielgeld für die Kader eingesammelt. Foto: fmk

Kommunistische Prachtbauten: an der Börse Spielgeld für die Kader eingesammelt. Foto: fmk

Die Story klingt ja erst einmal toll: Ein aus Staatsmonopolisten neu geschaffenes Unternehmen versorgt wichtigen Markt mit zukunftsträchtigen Diensten. Doch aus Anlegersicht sind China Mobile, der Ölkonzern Petrochina oder der Versicherer China Life (und so weiter) ähnliche Enttäuschungen wie in Deutschland die Telekom.

Nach einiger Zeit stellte sich stets heraus, was da wirklich an der Börse gehandelt wurde. Staatsfirmen. Denn Peking hat nie wirklich die Kontrolle über die Unternehmen abgegeben. Die Investoren fragen sich zunehmend, was denn Anteilsscheine für einen Sinn haben, die nicht wirklich den Besitz einer Firma repräsentieren.

Kein Wunder also, dass die Aktien heute im Keller hängen. Während andere Weltbörsen seit der Krise eine tolle Erholung geschafft haben, bewegten sich Hongkong und Shanghai allenfalls seitwärts.

Das Trauerspiel ist staatlich gelenkt. Fernost-Anleger sind die Geldesel der Kommunistischen Partei Chinas. Sie haben den großen teilstaatlichen Unternehmen des Landes bei den spektakulären Börsengängen zu einer gigantischen Kapitalbasis verholfen. „Die Börse in China basiert nicht auf der Idee des Privateigentums“, schreibt der Investmentbanker und Buchautor Carl Walter. „Sie dienen nur den Interessen der Partei.“

Die Interessen der Kommunistischen Partei waren dabei folgende:

  •  die Schaffung einer „Nationalmannschaft“ aus gut kapitalisierten Großkonzernen, die international mitspielen können und
  •  die Beschaffung von Spielgeld und lukrativen Posten, um Genossen, Verwandte und gute Freunde zu versorgen.

Die Interessen der Anleger (der eigentlichen Besitzer) tauchen hier nicht auf. Auch für das Management sind sie irrelevant – die Vorstandsvorsitzenden der großen Firmen sind durchweg zuverlässige KP-Mitglieder. Die meisten von ihnen sitzen sogar im erweiterten Zentralkomitee, also an der Schaltzentrale der politischen Macht.

Mit im Boot bei der Schaffung dieses sozialistischen Aktienmarktes saßen die großen Investmentbanken wie Goldman Sachs. Sie haben die Börsenkandidaten häufig erst erschaffen. Dabei haben sie oft kranke Firmenbestandteile zum wirtschaftlichen Gegenstück von Frankensteins Monster zusammengenäht und dann durch einen Stromstoß beim Börsengang zu gruseligem Leben erweckt.

China Mobile beispielsweise bestand anfangs aus einem Sammelsurium örtlicher Telefon- und Telegrafenämter. Die Agricultural Bank of China, der Top-IPO des Jahres 2010, hatte sich kurz zuvor noch mit 30 Prozent uneinbringlichen Krediten herumgeschleppt. Trotzdem vertrauten die Anleger dem Institut 22 Milliarden Dollar an!

Bullen-Statue in Peking: falsche Hoffnungen geschürt. Bild: fmk

Bullen-Statue in Peking: falsche Hoffnungen geschürt. Bild: fmk

Dieser „Erfolg“ ist zumeist der Verdienst geschickter Finanzingenieure. Da die ausgebenden Investmentbanken haben im Allgemeinen selbst große Pakete der Frankenstein-Aktien erworben und waren durch Haltfristen am Erfolg der Projekte interessiert. Die internationale Finanzfirmen haben daher intensiv Imagepflege betrieben, damit die vernarbten Fleischlappen der untoten Monster nicht direkt auffiel.

Die Forschungsabteilungen der Großbanken und ihr ganzes Verhalten waren darauf getrimmt, den Anschein zu erwecken, dass sie die staatliche-privaten Riesen-Zombies an Chinas Börsen als Investment und als Unternehmen ernst nehmen. Dieser Eindruck hat sich schließlich auch in der Öffentlichkeit festgesetzt.

Kurz gesagt, Chinas Aktienmarkt ist ein einziges großes Täuschungsmanöver, zu dem sich die Kommunisten in Peking mit internationalen Bankern zusagemmengetan haben.

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Alle Kommentare [12]

  1. In der chinesischen Form des Kommunismus werden eben nicht nur die Wanderarbeiter, sondern auch die internationalen Investoren ausgebeutet.

    Im Ernst, die Aktienkursentwicklung in China über eine Dekade hin hat sich wirklich vom realen Wirtschaftsverlauf abgekoppelt. Es gab zwar immer wieder ein paar Unternehmen, die gut gelaufen sind, aber – wie ein Blick auf den Index zeigt – ist der Durchschnitt nur seitwärts gelaufen. Schade!

  2. Nun ist es ein harter Schlag für den sowieso angeschlagenen Dollar, dass sogar Japan mit China am Dollar sägt. Die nun drittgrößte Wirtschaftsmacht Japan will mit der zweitgrößten ebenfalls direkt in den Landeswährungen Handel betreiben und nicht mehr den Umweg über den Dollar gehen, teilte die japanische Regierung mit.

  3. Ein wirklich sehr interessanter Artikel. Auch wenn ich nicht der Fachmann in diesem Bereich bin, bin ich doch immer wieder über mache Machenschafften schockiert

  4. Ihre Überlegungen zu den chinesische Aktienmärkten trifft mindestens im gleichen Maße auf die Beteiligungsangebote an chinesischen Immobilien zu.
    Diese werden seit einiger Zeit verstärkt angeboten, meist in Form geschlossener Fonds.
    Einem Anleger kann man wohl kaum raten in einen praktisch rechtsfreien Raum, zumindest nach unseren Maßstäben, zu investieren.
    Das nächste Fiasko für die Anleger, Ostimmobilien, Dubai-Fonds und Schiffsbeteiligungen ist vorprogrammiert.

  5. Lebensmittel sind sogar um fünf Prozent teurer geworden. Das ist vor allem für die arme Landbevölkerung in China ein Problem, da die Menschen nahezu ihr gesamtes Einkommen für Nahrung aufwenden müssen. Damit steigt das Risiko politischer Unruhen .

  6. Schön, dass es einer mal klar sagt. Es fehlt nur die Erwähnung der großen westlichen Banken, die sich nur allzu bereitwillig zu Komplizen machen, um die IPO Gebühren abzugreifen. Aber manche lernen es eben nie.

  7. „Kurz gesagt, Chinas Aktienmarkt ist ein einziges großes Täuschungsmanöver, zu dem sich die Kommunisten in Peking mit internationalen Bankern zusammengetan haben.“

    Und wie stehts mit dem Taeuschungsmanoever in Europo und den USA, wo sich die Banker mit den Zentralbanken und der Politik arrangierten? Oh, sind wir nicht alle viel besser …. bis zum naechsten Crash.

  8. Wen wundert es eigentlich? Die Aktie ist eine Nebelkerze! Das Geld wurde bereits damit verdient sie herauszugeben. Ohne Dividende ist eine Aktie damit defacto wertlos, es sei denn man hat genug davon, um die Firma mehrheitlich zu steuern.

  9. Sehr schöner Artikel! Nicht nur in der Analyse, sondern auch deshalb weil der „die Brücke“ zur Telekom schlägt. So zeigt sich schön, dass wir alle nur mit Wasser kochen und zu den selben Fehlern neigen.

    Was bleibt ist die Korrektur, wie die bei kommunistischen Systemen aussieht wissen wir auch noch. Naja viele haben es vergessen oder eben nicht mehr bewußt erlebt.