Homo oeconomicus – das unverstandene Wesen

Und wieder brandet die Diskussion um den “homo oeconomicus” auf, bei der sich mir die Fingernägel aufrollen. Da wird ein abstraktes Konzept als anthropologisches Modell des Menschen als eines allein eigennützigen Wesens missverstanden, um dann zu versuchen, diese angeblichen Mängel mit Versatzstücken aus der Psychologie irgendwie aufzupeppen. Besonders grausam ist es, den so konstruierten einseitigen Menschen dann auch noch Adam Smith zu unterschieben, der einer der bedeutendsten Moralphilosophen der Neuzeit war und in seiner “Theory of Moral Sentinments” ein sehr feines Bild des Mensch gezeichnet und die Moral letztlich auf unsere Fähigkeit zur Empathie zurückgeführt hat.

Tatsächlich war der “homo oeconomicus” immer nur ein theoretisches Konstrukt, um bestimme ökonomische Probleme zu analysieren. Natürlich haben alle Menschen die unterschiedlichsten Motive, und die sind auch nicht alle egoistisch; das gilt auch für Unternehmen, damit setze ich mich in meinem neuen Buch “Wie fair sind Apple & Co?” auseinander). Aber wir sind eben alle AUCH Egoisten, sonst würden wir gar nicht überleben. Wer also überlegt, wie man in der verwirrenden Komplexität menschlichen Handelns ein paar simple Gemeinsamkeiten finden kann, um so Hypothesen über das DURCHSCHNITTLICHE Verhalten von Menschen aufzustellen, der versucht es eben mit der Grundannahme, dass die meisten Menschen auch an sich selber denken – und da sind wir beim “homo oeconomicus”. Sicher gibt es Leute, die dieses Konstrukt mit einer umfassenden Beschreibung des Menschen oder gar mit einem Vorbild oder einer Rechtfertigung für menschliches Handeln verwechselt haben. Wer aber darüber lamentiert, der Mensch sei doch gar nicht so wie der homo oeconomicus, der begeht den genau denselben Fehler.

Der zweite Fehler, der meist in dem Zusammenhang auftaucht, ist die Grundannahme, Menschen seien gar keine rationalen Wesen, und deswegen komme es an den Märkten auch immer wieder zu irrationalen Erscheinungen. Wenn das stimmt, dann sind Computer auch irrationale Wesen. Denn ein guter Teil des Handels wird inzwischen von Maschinen gesteuert, was aber an der grundsätzlichen Funktionsweise der Märkte nichts geändert hat.

Tatsächlich handeln die meisten Leute an den Finanzmärkten rational: Wenn die Kurse steigen kaufen sie um zu gewinnen, und wenn sie verlieren verkaufen sie um zu verlieren. Irrational wäre es dagegen häufig eher, den Empfehlungen von Analysten zu folgen, die bestimmte Kursbewegungen für übertrieben halten, damit aber doch nicht verhindern können. Rational als Anleger handeln (und das gilt für Menschen wir für Maschinen) heißt sich so zu verhalten, dass die Kasse stimmt, und nicht so, dass man theoretisch Recht behält.

Was viele Leute nicht verstehen: Wenn Millionen Menschen aus ihrem eigenen Interesse heraus rational handeln, kann sich als Gesamtergebnis daraus ein völlig irrational anmutendes Bild ergeben. Man muss eben die Rationalität auf verschiedenen Ebenen auseinander halten. Bei Märkten, vor allem bei Finanzmärkten, können einzelne rationale Entscheidungen zu einem irrationalen Gesamtbild führen (in der Planwirtschaft führt dagegen meist der rationale Plan zu Chaos im Detail). Wer die verschiedenen Ebenen der Rationalität nicht auseinander hält, hat keine Chance, die komplizierten Zusammenhänge unserer Wirtschaft, oder unserer Gesellschaft, auch nur annähernd zu verstehen. Heute weit verbreitet ist aber der Irrglaube, das irrationale Ergebnis, das das Finanzsystem manchmal hervorbringt, müsse auf irrationalem Verhalten einzelner beruhen, und dieses müsse man dann mit aufwendiger psychologischer Forschung erklären. Besser wäre es sich vor Augen zu führen, wie Märkte tatsächlich funktionieren.

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Alle Kommentare [37]

  1. Ich würde gern einen Begriff im Zusammenhang mit der neueren volkswirtschaftlichen Entwicklung lesen. Das ist die sogenannte “Kumulation”. Am Tatbestand der Kumulation lassen sich die gegenwärtigen Entwicklungen von volkswirtschaftlicher Dynamik und Staatsschuldenkrise besser erklären. Der Begriff nimmt die Tragweite der gegenwärtigen Entwicklung recht gut auf.

    Ich habe in meinen Vorschriften einen Rechenfehler bemerkt. Ich habe zwar folgerichtig weiter gerechnet, aber das will ich ihnen nicht antun. Ich muss jetzt alles überarbeiten, was ungefähr 2 – 6 Monate dauert. Die Systematik bleibt hingegen bestehen.

    -Andreas-

  2. Der zweite Fehler, der meist in dem Zusammenhang auftaucht, ist die Grundannahme, Menschen seien gar keine rationalen Wesen, und deswegen komme es an den Märkten auch immer wieder zu irrationalen Erscheinungen.
    http://ntomail.de

  3. @chris: Sehr schöne Analyse!
    Eine Korrektur: Wiebes Räsonieren über den homo ökonomicus ist nicht in den 80zigern sondern in den 20zigern steckengeblieben, kurz vor dem schwarzen Freitag.

  4. Wo schon von Fehlern geschrieben wird:
    “…Der zweite Fehler, der meist in dem Zusammenhang auftaucht, ist die Grundannahme, Menschen seien gar keine rationalen Wesen, und deswegen komme es an den Märkten auch immer wieder zu irrationalen Erscheinungen. Wenn das stimmt, dann sind Computer auch irrationale Wesen. Denn ein guter Teil des Handels wird inzwischen von Maschinen gesteuert, was aber an der grundsätzlichen Funktionsweise der Märkte nichts geändert hat.”
    Zwar ist ein Löffel sicher Besteck, aber doch nicht jedes Besteck ein Löffel.
    Daher lieber Herr Wiebe: Bemühen Sie ruhig einmal Wikipedia unter dem Stichwort ” Modus tollendo tollens”.

  5. Sehr geehrter Herr Wiebe,

    Sie verkennen die Tatsache, dass aus dem theoretischen Modell des “homo oeconomicus” direkt Konzequenzen für praktisches Handeln in der realen Welt gezogen wurden. Das Modell des “homo oeconomicus” musste (unter Anderem) als Rechtfertigung dafür dienen, dass die Maximierung des “return on investment” zum einzigen Geschäftszweck erhoben wurde. Somit wurde dem Modell des “homo oeconomicus” eine hinreichend genaue Abbildung realen menschlichen Verhaltens zugeschrieben, die dieses Modell nachgewiesenermaßen nicht hat.

    Sie sitzen demselben Grundsatzirrtum auf, wie schon so mancher vor Ihnen. Wie würde die Welt aussehen, wenn alle Menschen nach dem Modell des “homo oeconomicus” handeln würden?

    Siehe: http://hinnerk.ruemenapf.de/stext/homo_oeconomicus/index.html

    Mit freundlichen Grüßen,
    Hinnerk Rümenapf

  6. Sie wissen überhaupt nicht, worauf ich hinaus will. Oder ist ihnen die Fortsetzung noch nicht zugegangen. Wenn sie die vorliegenden Grundannahmen als ganze Wahrheit nehmen, dann müssen sie sich nicht wundern, dass sie nur Fehler entdecken. Sie sind selbst schuld, wenn jetzt alles durcheinander geraten ist. Sie torpedieren mein Informationsmanagement.

    …es gibt immer nur ein ganze Wahrheit, und keine unausgereifte halbe…

    • … und natürlich hat der Wichtigste und Beste Vorrang vor allen anderen!
      Sehr verehrter “Andreas”: Schreiben Sie ein Buch, wenn es Sie danach dürstet.
      Aber: Entweder Sie fassen sich kurz – so wie alle hier im Forum, die mit Sicherheit auch sehr viel mehr zu schreiben hätten – oder sie fassen sich mal ganz kurz an den Kopf, um festzustellen, dass Sie zwar noch das sind, aber der Rest davon gelaufen ist! Ein Forum ist keine ONE-MAN-SHOW! Kapito?
      LG Traumschau

      • @Traumschau

        Manchmal ist das Leben eben doch eine one-man-show. Gab wohl eher technische Probleme. Übrigens ist ein BLOG dafür da, länger und ausführlicher zu diskutieren. Da kann man auch schon mal einen Bogen spannen.

        Ein Buch zu schreiben, darüber hatte ich bereits im Jahr 2006 nachgedacht. Hielt den interaktiven Austausch von Wissen dann aber doch für effizient weil effektiv.

        Ich bin mir sicher, dass der BLOG noch nicht gelaufen ist. Auch wenn ich erst mal nicht schreiben kann…,

        leider.

        LG ANdreas

  7. kann man eigentlich irrational handeln?

    handeln bedeutet das wählen aus verschiedenen alternativen möglichkeiten. und sich dessen bewußt zu sein (d.h.ziele zu verfolgen)

    das grundproblem liegt darin zu erkennen, daß es einen erheblichen unterschied macht, ob ich die welt falsch darstelle (homo ecomomicus) oder bestimmte dinge nicht beschreibe (wenige grundannahmen, diese müssen jedoch der realität entsprechen, z.b.die annahme, daß menschen handeln)
    die heutige wirtschaftswissenschaft ist deshalb so desolat, weil sie die methodologie m.friedmans in den 50er jahren übernommen hat (positivismus). dieser vertrat die auffassung, daß noch so weltfremde grundannahmen gerechtfertigt sind, wenn die schlußfolgerungen daraus positiv in der wirklichkeit getestet werden können. deshalb haben wir heute so einen aufgeblasenen apperat an forschern, die jede noch so absurde behauptung hin und her verifizieren/falsifizieren.

  8. Wenn ich das richtig “überflogen” habe, schrieb einer der Foristen sinngemäß, dass Ökonomie nur Möglichkeiten innerhalb einer Theorie darstellt und die Soziologie für die entsprechenden Verhaltensweisen “zuständig” sei.
    Okay, aber die Realität sieht doch wohl etwas anders aus, nicht wahr?
    Da werden ökonomische Modelle, z.B. die Neoklassik, in realiter angewendet, ohne den zu beratenden Politikern das “Kleingedruckte” vor zu lesen. Die Bedingungen nämlich, unter denen diese Theorie funktioniert! Diese sind absolut weltfremd (perfekte Information, etc.).
    Ich habe ja nichts gegen solche Theorien, aber diese als Gewissheiten zu verkaufen und damit ganze Kontinente in den Abgrund zu führen – das ist nicht nur extrem eitel, das ist m.E. schon kriminell!
    Die Gleichgewichtstheorie ist Unsinn! So etwas wie Gleichgewichte gibt es nicht auf freien Märkten, weil diese niemals frei sein können – völlig unmöglich! Das ist schon ein logischer Fehler!
    Aber wahrscheinlich muss man diesen Fehler erst “körperlich” erfahren bevor “man” ihn korrigiert … wie die Griechen, die Spanier und Portugiesen …
    Die Korrektur kommt zwangsläufig, da sollte sich niemand einer Illusion hingeben!

  9. Wenn’s doch nur so einfach wäre…! Was Adam Smith betrifft und den theoret. Zweck von HO-Modellen, so haben Sie natürlich recht. Zum Rest ein paar Klarstellungen:
    - Die Eigennutzannahme bedeutet, dass Individuen auf Basis ihrer eigenen Präferenzen (Nutzenfunktionen) entscheiden, was nicht notwendigerweise Egoismus impliziert.
    - Bei der Kritik am HO geht es folglich in erster Linie um die absurden Annahmen zur Rationalität von Marktteilnehmern. Natürlich funktionierten Märkte auch gut, wenn sich alle Akteure völlig irrational im Sinne von arbiträr verhielten (Becker, JPE 1962). Aber der Verhaltensökonomik geht es nicht darum, sondern um den Nachweis von systematischen (also theoriefähigen) “biases”!
    - Was diese biases betrifft: Es hat sich herausgestellt, dass Abweichungen vom HO- Verhalten profitabel sein können: “Irrationalität” kann sich für Anleger auszahlen (z.B. Berg/ Gigerenzer, SC&W 2007). Ihre Privatdefinition von Rationalität (“…dass die Kasse stimmt”) hat nichts mit der Rationalität im VWL-Lehrbuch zu tun – offenbar ist nicht alles “vernünftig”, was “rational” ist ;-) Einsichten wie diese sind wichtig, um zu einer intelligenten Reform der “Spielregeln” der Finanzmärkte zu kommen.

  10. Der homo oeconomics ist keinesfalls per so egoistisch! Es wird lediglich angenommen, dass er seinen Nutzen maximiert. Offen ist dabei aus welchen Komponenten die Nutzenfunktion besteht. Natürlich kann diese aus rein materiellen Komponenten bestehen. Genauso gut ist es allerdings möglich, eine Art “Fairnesskomponente” in die Nutzenfunktion zu integrieren – neben materiellen Nutzen entsteht einem Individuum dadurch auch ein Disnutzen durch Ungleichheit (siehe z. B. Fehr/Schmidt, 1999 und Bolton/Ockenfels, 2000).
    Mit der pauschalen Unterstellung, der homo oeconomics sei egoistisch wäre ich daher vorsichtig.

  11. Leider ein Artikel, der in puncto Oberflächlichkeit bei der Diskussion des Menschenbildes in der Ökonomie in den achtziger Jahren stecken geblieben ist.

    Zunächst einmal ist das erste Argument nicht konsistent: dass Menschen AUCH egoistisch handeln, rechtfertigt nicht dass die Mehrzahl der Modelle sie AUSSCHLIESSLICH als Egoisten karikiert. (Auch nennenswert in diesem Zusammenhang, die wachsende Anzahl von Studien die belegt dass in wirtschaftswissenschaftlichen Studiengängen der homo oeconomicus nicht nur als Denkmodell, sondern tatsächlich als Orientierung / Rechtfertigung dient – ist das wünschenswert?)

    Auch das zweite Argument ist mangelhaft: Nur weil Menschen irrational sind, müssen Computer noch lange nicht irrational sein. Wo wir uns im Eifer des Marktgeschehens, konfrontiert nicht nur mit Risiko sondern auch mit Unsicherheit (=unkalkulierbar), instinktiv der Herde anschließen, ist der Computer immun da er nicht über eigene Emotionen und Instinkte verfügt, sondern strikt basierend auf großen Mengen historischer Daten eine rein objektive, statistisch motivierte Entscheidung treffen kann.

    Zum Punkt die meisten Menschen handeln rational: Die Lücke in diesem Argument besteht hauptsächlich darin, dass der Autor den Unterschied zwischen Absicht und Handeln ignoriert. Die meisten Menschen haben die Absicht Gewinne zu machen, denn sonst würden sie nicht handeln. Dies impliziert aber in keinster Weise das die Methode, die sie für Anlageentscheidungen einsetzen, in irgendeiner Form nachweisbar ihre erwarteten oder sogar risikogewichteten Gewinne maximiert. Und die akademische Literatur hält eine Vielzahl von empirisch belegten Stolperfallen bereit, vom “hot hand bias” über das “home bias” hin zu Risikoverhalten das inzwischen teilweise durch die Prospect Theory abgedeckt ist (Referenzpunkte, Risiko suchen bei Verlusten).

    Zu guter Letzt gelingt dem Autor dann doch noch ein wichtiger Punkt: BEGRENZT rationales Verhalten einzelner Akteure kann im Aggregat dennoch irrational anmuten. Wegbereiter dieser Schule stammen dann aber vor allem aus dem Bereich der agentenbasierten Modellierung. Und Rationalität kommt in diesen Modellen wenn dann nur in abgewandelter Form vor: Akteure wählen aus einer endlichen Zahl von Heuristiken.

    Zusammefassend bleibt festzuhalten dass der Artikel leider wenig zur tatsächlich relevanten Debatte beiträgt. Weder in Bezug auf die Frage nach einem Modell das menschliches Entscheidungsverhalten realitätsnäher abbildet als es der homo oeconomicus tut (und das wäre aus wissenschaftlicher, in einem zweiten Schritt dann auch aus politischer und Regulierungssicht äußerst wertvoll), noch in Bezug auf die Frage wie Märkte letztendlich funktionieren. Denn der große Vorteil des homo oeconomicus aus analytischer Sicht bleibt unbestritten die fast schon triviale Ableitung aggregierter Ergebnisse aus individuellen Entscheidungen. Wie der Autor richtig bemerkt hat, führen abweichende Entscheidungsmodelle leicht zu emergenten Phänomenen im Aggregat, die sich meist nicht mehr direkt auf individuelles Entscheidungsverhalten zurückführen lassen, sondern aus Interaktionseffekten resultieren.

  12. müssen diese ganzen Rechtschreib- und Ausdrucksfehler hier eigentlich immer sein? kann ein journalist, einen artikel, der gleich online gestellt werden soll, nicht ein mal korrektur lesen??? langsam wirds echt peinlich!

    und jetzt zur sache: guter artikel. kann an dieser stelle “die ökonomie von gut und böse” von tomas sedlacek nur empfehlen; dort wird wunderbar über den homo oeconomicus philosophiert…

    • Hallo Flasgordan, Ich hab mal Deinen Beitrag Korrektur gelesen.
      Richtiger denke ich wird es, wenn man es so schreibt:
      Müssen diese ganzen Rechtschreib- und Ausdrucksfehler hier eigentlich immer sein? Kann ein Journalist einen Artikel, der gleich online gestellt werden soll, nicht einmal Korrektur lesen??? langsam wird‘s echt peinlich!
      Und jetzt zur Sache: Guter Artikel. Kann an dieser Stelle “Die Ökonomie von Gut und Böse” von Tomas Sedlacek nur empfehlen; dort wird wunderbar über den homo oeconomicus philosophiert…

  13. Wenn Sie den Text von letzter Nacht nicht freischalten, dann kann ich nicht an diesen anknüpfen.

    ….vielleicht wissen Sie gar nicht, was ich meine….

  14. In der vorliegenden theoretischen Auseinandersetzung über das ökonomische Handeln des Menschen fällt mir ein Punkt besonders auf: das dualistische bzw. bipolare Denken. Rational oder irrational, “ist er oder ist er nicht”. Dafür kann der Autor sicherlich nichts, er will lediglich einen Denkanstoß geben. Der Begriff “Komplex” fällt zwar, er setzt von der kognitionswissentschaftlichen Bedeutung her betrachtet sowohl die Anerkennung eindimensionalen Denkens als auch zweidimensionales ( dual, binär, bipolar, ambivalent, alterativ,) Denkens voraus. Was also ist dran, am schönen und so wissenschafts-modisch gebrauchten Begriff “Komplex” oder am der das Komplexe in seiner Bedeutung noch einmal facettenreich ausschmückenden Begriff “Komplexität”? ( Ginge es jetzt nach Goethe, so hätte ich im letzten Satz noch Semikolon, Klammer, Doppelpunkt und Ausrufungszeichen einsetzen müssen, um die Dramatik des Sachverhalts besser hervorzuheben. Goethe war aber nur Jurist, und könnte hier sicherlich nicht weiterhelfen.)

    Weiterhin fehlt der Ausgangspunkt des ökonomischen Denkens. Wo beginnt eigentlich die analysierende Tätigkeit des Wirtschaftswissenschaftlers? Setzt er an der “Zahl” an, mit der das Handeln des Menschen berechenbar wird, oder zieht er die Bedürfnisse des Menschen heran, die immer erst dann entstehen, wenn Hungersnot und Krankheit überstanden sind? Mit der deduzierenden Variante innerhalb der Komplexität, hier das Verhalten des Menschen auf rational oder irrational zu beschränken, wird der Wirtschaftsphilosoph jedenfalls nicht besonders weit kommen.

    Die Finanzkrise ist nur der Gipfel eines gut 1000 Jahre alten Eisberges. Der Autor hat vollkommen recht, wenn er darauf verweist, dass der Mensch verwirrend Komplex sei. Nur wer unter den Menschen verhält sich verwirrend Komplex? Nehmen wir die Krise als Beispiel. Die Finanzmärkte sollten mithilfe von Zahlen, die eine Verschuldung und damit eine negative Wertentstehung bedeutet hätten, gerettet werden. Die Zahlen aber, waren eher diejenigen Zahlen, die wir so wie nichts sonst herunter zählen, und die wie in einem Mathematikprogramm zur Verifikation eines geschlossenen Zyklus führen sollten. Das Geld, war kein Geld mehr, es war lediglich da, um die Finanzmärkte mathematisch zu stützen. Wir müssen hier ein Divergenz in der Betrachtung des Umgangs mit Geld beobachten. Einerseits besteht eine negative Wertentstehung durch Staatsverschuldung und andererseits ein positiver Werterzerfall des Geldes, weil das Mathematikprogramm “Finanzmarkt” keinen Gegenwert hat. Thematisiert wurde dieser Fakt mit der Entfremdung (Alination) der Finanzmärkte von der Realwirtschaft (Lination). Ausgangspunkt war also, dass der Finanzsektor aus der Realwirtschaft als Sekundärsystem hervorgegangen ist. Der Finanzsektor sollte die Realwirtschaft ordnen und den Zahlungsverkehr sicherstellen. Was aber ist mit dem Primärsystem, der Realwirtschaft?

    Die Realwirtschaft hat das Problem, dass sie immer hatte, seitdem das Geld als Kommunikat zur Steuerung des Handels eingeführt wurde. Mal hat sie es mit der Inflation zu tun ( Fehler im Sekundärsystem) und mal sind es Probleme wie Krankheiten, Ernteausfälle oder neuerdings auch Gammelfleisch (das ist mein ernst); ( Fehler im Primärsystem).

    Will die Ökonomie die Frage beantworten, wie der Mensch sich den Handel mit seinen Waren vorstelle, so muss sie zwangsläufig einen Blick auf genetisch bedingte Mechanismen im menschlichen Körper werfen: der Handel muss so funktionieren, dass der Mensch gesättigt ist, nicht mehr durstet, vor Nässe, Kälte und Veränderungen im Klima geschützt ist, die die Ernte ausfallen lassen( letzteres hätte denn auch zu der Lagerhaltung und Haltbarmachung von Lebensmitteln geführt, die nunmehr so schändlich entartet ist).

    Der Handel ( mit Lebensmitteln, Baustoffenusf. usf.) soll also die Vorsorgeleistung übernehmen, menschliche Schützbedürfnisse zu stillen. Ausgangspunkt für die Betrachtung, ob der Mensch rational oder irrational handele, ist die Not, aus der heraus die moderne oder sagen wir post- industrielle Gesellschaft hervor gegangen ist. Die Not kann hier nicht dazu beigetragen haben, dass der Mensch rational überlegt hatte, mal eben die Not zu “bekämpfen”. Denn die Not ist ein Tatbestand, gegen den der Mensch sich nicht wehren kann, er kann die Not nur eindämmen,lindern. Wir konnten das Klima in früheren Zeiten nicht beeinflussen. Wir wurden also durch äußere Zwänge in die heutige Welt gedrängt. Insofern ist der Mensch, nimmt man diesen autochthonen Zustand als Ausgangspunkt( welchen anderen auch sonst), zur Erklärung, wie denn der Mensch denkt, so müssen wir sagen, er denkt gar nicht: er wird von äußeren Faktoren bestimmt, die sein Handeln in eine bestimmte Richtung drängen. – Heute, hat der Mensch derart viele gesellschaftliche Aufgaben selbst verursacht, dass er in einer Gesellschaft lebt, die ihn quasi dazu drängt sein Verhalten zu ändern( Hyperkomlexität; N.Luhmann): aber! -es sind wieder äußere Umstände, die das Verhalten des Menschen in eine andere Richtung drängen. In jeder Hinsicht aber immer noch weg von der Not.

    Um den Handel zu organisieren bedurfte es eines Mediums, dass in seiner Beschaffenheit dazu genutzt werden kann, alle die Waren und Dienstleistungen zu benutzen, die eine menschliche Gesellschaft so aufwirft: Waschmaschine, Rechtsanwalt, Internet, Straßenbahn usf. usf. . Dieses Medium heißt : Zahl. Zahlen sind variabel, sie können dazu angedient werden Prozesse in Zyklen und Intervalle zu unterteilen. Um diese Zahlen in ihrer in der Gesellschaft auftretenden Erscheinung unterscheiden zu können, wurde ihnen eine Bedeutung zugewiesen: für Gewicht, Geschwindigkeit, Dichte usf., und natürlich Geld. Geld ist also keine Werteinheit aber der Pfennig und die Mark, der Euro- Cent und der Euro. Die Zahl auf dem Geldschein weist der Zahl auf dem Geldschein innerhalb des Gesellschaftsprozess oder sagen wir des Kulturprozesses eine bestimmte Bedeutung zu: die Zahl wird als Geld der Funktion “Kauf” angedient.

    [ Ich bin noch nicht fertig mit dem Text. Ich schreibe morgen weiter]

    • Grundsätzlich muss festgestellt werden, dass der Mensch aus eher utilitaristischen Gründen eine Gesellschaft formt, die ihn vor der Not schützt. [Die Arbeit haben die Menschen untereinander aufgeteilt, weil der einzelne Mensch mit der Wiederholung eine bestimmte Aufgabe zu erledigen, eine Übung hat, als der Mensch, der eine Aufgabe zum ersten Mal erledigen muss.] So entsteht dann nach und nach eine Spezialisierung innerhalb eines Aufgabenbereiches, der Beruf entsteht. Die Berufe, die aus diesem Prozess hervorgegangen sind, haben mit der Zeit dazu geführt, dass die Ergebnisse aus der erledigten Arbeit auch an diejenigen weitergereicht werden müssen, die mit etwas anderem beschäftigt waren, aber eben auch mit einer Aufgabe beschäftigt waren, die zum Erhalt der anderen Menschen führt. An dieser Stelle wurde das Geld eingefügt, mit dem Waren und die dahinter stehende Arbeitsleistungen in einen ständigen Austauschprozess treten konnten.

      Stellen wir uns eine Gruppe von zehn Personen vor. In dieser Gruppe stellt jede Person etwas her, das jede andere Person in der Gruppe braucht. Aus einer fiktiven Mitte heraus erhält jede Person soviel Geld, dass der Austausch mit den anderen Gruppenmitgliedern auch gelingt. Jede Person erhielte zehn Geldeinheiten, neun Geldeinheiten für die Waren der anderen Personen und eine Geldeinheit für sich selbst. Insgesamt ist ein Markt mit einhundert Geldeinheiten entstanden.Beträgt der Herstellungszeitraum und der Verkaufszeitraum immer ein Jahr, so ist das Bruttoinlandsprodukt 100 GE (Geldeineinheiten) .

      Die Gruppe vergrößert sich, weitere Personen gesellen sich zu ihr, sie wächst auch aus ihrer Mitte heraus. Die Gruppe ist auf einhundert Personen angewachsen: alle sind produktiv. Immer noch stellt jede Person etwas her, das von jedem anderen benötigt wird. Jede Person erhält 100 GE, 99 GE für die Erzeugnisse der anderen und eine GE für sich. Einhundert Personen multipliziert mit 100 GE ergibt 10.000 GE. Obwohl sich die Gruppe von nur zehn Personen auf einhundert Personen verzehnfacht hat, hat sich das Bruttoinlandsprodukt verhundertfacht.
      Steigt die Anzahl der Personen proportional mit dem an, was die Gruppe an Personen herstellt, so potenziert sich die Menge an benötigten Geldeinheiten.

      Stellen wir fest was in den letzten Jahren wirklich in unserer Gesellschaft passiert ist: Die Löhne sind stabil geblieben, obwohl die Anzahl der Angebote gestiegen ist, die Wirtschaft ist gewachsen, die Bevölkerung auch. Aber: die zehn Personen haben noch immer nur 10 GE, sie könnten von dem, was die anderen 90 Personen herstellen, nichts haben. Dazu fehlen 90 GE. Die Wirtschaft ist gewachsen, aber wie? Nun, vielleicht haben sich die zehn Personen Geld aus der Staatskasse genommen, so jeder 90 GE, dass sind dann 180 GE insgesamt. Pro Jahr sind das dann in etwa 1,8% Verschuldung. Die Gruppe hat es verpasst, die zehn Personen höher zu bezahlen. Stattdessen hat sie sich nachträglich entschieden, den zehn Personen mit einer Selbstverschuldung auf Kosten der gesamten Gruppe zu bezahlen.

      Ein weiteres Beispiel. Die Herstellung von Waren ist in der Gruppe wesentlich schwieriger geworden. Sie besteht aus einhundert Personen, bestand aber aus zehn Personen. Die einhundert Personen stellen zunächst 20 verschiedene Waren her, jede Ware bedarf der Mitwirkung von fünf Personen. Fünf Personen stellen immer die Ware für die übrigen fünfundneunzig Personen her. Damit jede Person etwas von der Ware der anderen hat, braucht sie Geld. Da es sich um zwanzig Waren handelt, braucht jede Person lediglich 20 GE. Das sind dann bei einhundert Personen 2000 GE. -Nimmt die Anzahl der hergestellten Waren bei gleicher Gruppengröße ab, so nimmt auch die erforderliche Geldmenge ab, die den Geldkreislauf schließt. – Mit dem Beispiel bin ich allerdings noch nicht fertig, wo im Zuge der Diversifikation der Industrie doch das Gegenteil geschehen ist.
      Zunächst beobachtet man die Entwicklung der Waren im Verhältnis zur Gruppengröße und die steigende Geldmenge. Von zehn Personen stellt jede Person etwas her, was jede andere Person braucht. Die Gruppe verzehnfacht sich auf einhundert Personen, die Anzahl herzustellender Waren verdoppelt sich aber nur auf zwanzig. Die Geldmenge nimmt von 100 GE auf 2000 GE zu. Das Einkommen pro Person nimmt von zehn GE auf zwanzig GE zu. Eine Inflation liegt übrigens nicht vor, weil Gegenwerte vorliegen. Plötzlich setzt eine Revolution ein, eine, die Herstellungsverfahren verbessert. Ja, sagen wir eine Revolution, die völlig neuartige Waren entstehen lässt (Emergenz, sie wissen schon). Die einhundert Personen können jetzt die 100 Waren herstellen. Hier entsteht dann die Gruppengröße, die pro Jahr 10.000 GE einschließt. Da jeder an dem, was der andere herstellt teilhaben soll ( …und nicht lediglich “will”), muss die Geldmenge jeder einzelnen Person mitsteigen, von 20 GE auf nunmehr 100 GE.

      Das Einkommen sollte in den letzten Jahren sinken, die Inflation muss unter zwei Prozent bleiben. Offenbar muss sich die Inflationsrate am Bevölkerungswachstum und am Grad der Diversifikation bemessen. Und nicht an einer Schwellenmarke von 2%. Ich habe keine Ahnung, wie man in Brüssel auf ausgerechnet (?) zwei Prozent gekommen ist.

      Ein letztes Beispiel für heute. Sicherlich spiegelt die oben angegebene Finanzstruktur noch nicht den Wettbewerb ab oder die Qualität der Waren. Ich will auch das noch nachweisen.

      • Nun werden die einhundert Personen in zwei Gruppen untereilt. Beide Gruppe sind mit fünfzig Personen gleich groß. Die einhundert Personen stellen insgesamt zwanzig verschiedene Waren her. Um eine Austausch sicher zu stellen, muss jede Person über 20 GE verfügen. Damit sind insgesamt 2000 GE am Ende des Jahres erwirtschaftet worden. Stellen beide Gruppen aber dieselben Waren her, so gibt es zwei Anbieter ein und derselben Ware. Die Personen entscheiden sich immer für eine Variante der Ware, damit stellen die einhundert Personen nur noch 10 verschiedene Waren mit je zwei Varianten her.

        Man kann die Diversifikation an dieser Stelle noch weiter denken, bei vierzig Millionen Menschen, die produktiv sind, lässt sich das leicht vorstellen.

        Da nur noch zehn anstatt zwanzig verschiedene Waren angeboten werden, bedarf es lediglich an 10 GE für jede Person. Nun stehen Variante 1 und Variante 2 ein und derselben Ware auf dem Markt. Da der Bedarf mit 10 Waren abgedeckt ist, brauchen die 100 Personen jeweils nur noch 10 GE. Am Ende des Jahres sind dann 1000 GE erwirtschaftet worden. Nimmt der Wettbewerb nun mit weiteren Varianten zu, muss die Geldmenge weiter abnehmen. Zum Vergleich: zwanzig verschiedene Waren hatten ein Bruttoinlandsprodukt von 2000 GE verursacht. Zehn verschiedene Waren mit je zwei Varianten hingegen nur 1000 GE. Denkt man weiter in diese Richtung, so brauchen 100 Personen nur jeweils 1 GE, wenn nur eine Ware in wie vielen Varianten auch immer auf dem Markt steht. Das BIP verringert sich auf 100 GE für ein Jahr.

        Die Diversifikation muss nunmehr in zwei Richtungen gedacht werden: zum einen in Richtung der steigenden Anzahl verschiedener Waren, und zum anderen in Richtung der Anzahl von Varianten von Waren. Klar dürfte sein, dass die 100 Personen zugleich als 100 % einer Gruppe, oder Bevölkerung gedacht werden muss.

        Ein weiteres Kriterium der Volkswirtschaftslehre ist die sogenannte Qualität. Nimmt man eine Gruppe mit zehn Personen, die untereinander zehn Waren mäßiger Qualität herstellen, so sollen hier die einzelnen Waren jeweils 1 GE kosten. Eine zweite Gruppe mit ebenfalls zehn Personen stellt Waren mit mittlerer Qualität her, eine Ware kostet hier 2 GE. Beide Gruppen arbeiten nur für sich. So erwirtschaftet eine Gruppe innerhalb eines Jahres 100 GE, die andere Gruppe erwirtschaftet 200 GE. Hieran wird zunächst ersichtlich, dass sich die eine Gruppe mit mäßiger Qualität die Waren der anderen Gruppe mit mittlerer Qualität nicht besorgen kann, ohne:
        1. den Zyklus der eigenen Gruppe zu unterbrechen
        2. sollte der Zyklus doch unterbrochen werden, so fehlt
        (a) in der zweiten Gruppe entweder die Ware
        (b) oder in der ersten Gruppe der geschlossene Geldkreislauf, sie kollabiert.

        Liegen unterschiedlich Qualitätstufen mit entsprechend aufsteigenden Werten der jeweiligen GE vor, so entsteht kein Wettbewerb mehr aufgrund eines vorliegenden Qualitätsunterschiedes. In den Wirtschaftswissenschaften spricht man von Stagnation.

        Schaut man in die vergangenen Jahre zurück, so lässt sich einerseits feststellen, dass die Löhne stagnieren, und andererseits kein Wettbewerb aufgrund bestehender qualitativer Unterschiede der verschiedenen Waren entstanden ist. Warum die Qualität eher aufgrund eines Preiskampfes zurück gegangen sind, das schreibe ich in den kommenden Tagen auf.

        …..ich bin hier mit irgend etwas durcheinander gekommen,,,,

  15. Der Homo Oeconomicus ist das hypothetische Fundament einer wirtschaftlichen Entscheidungslehre. Unbestritten ist, dass sich Menschen in der Wirklichkeit durchaus anders verhalten (entscheiden). Genauso unbestritten ist, dass die hier entwickelten Entscheidungsregeln nicht immer und überall Anwendung finden können.
    Es gilt z.B. dass “innerhalb der Familie die Regeln der Ökonomie keine Anwendung finden” Die aufgeführten Einschränkungen des Entscheidungsverhaltens sind für die Menschen durchaus nicht immer vorteilhaft. Man betrachte nur die täglich geschilderte Gewalt in der Presse!
    Glaubenskrieger und Hooligans stehen für die unglaubliche Borniertheit, die ein Verhalten nach anderen Entscheidungsregeln ergeben

  16. Genau mit dem Satz “Wenn die Kurse steigen kaufen sie um zu gewinnen, und wenn sie verlieren verkaufen sie um zu verlieren.” bin ich nicht ganz einverstanden. Genau hier liegt die Krux. Das fehlverhalten wird hier auch schön von der Behvioral Finance beschrieben. Meine Erfahrung hier kommt jedoch in erster Linie aus der Praxis im Handel und der Vermögensverwaltung. Es ist eben genau so, dass viel Investoren und auch erfahrene Kundenberater, sich scheuen Verluste mitzunehmen bzw. dieselben zu realisieren. Position Talk wie man so schön sagt. Ich habe unzhählige Kunden und eben auch deren Berater gesehen. Die Positionen mit unrealisierten Gewinnen verkauft haben obwohl die Anlage nach wie vor interessant war, Die Verlustpoitionen haben sie behalten nach dem Prinzip, nicht realisierter Verlust ist kein Verlust.

  17. Rationales Handeln ist ein Teil der menschlichen Komplexität, der homo oeconomicus nur ein partialanalytisches Modell sein.. Und eher dem Taylorismus zuzuordnen als A. Smith.
    Ein Anleger handelt rational, wenn er in der Baisse kauft; und dann Gewinne realisiert, wenn sich die Kurse den Höchstständen nähern .Insofern handeln die meisten Privatanleger irrational, gleichwohl Gruppendynamik, Gier und Trend zu rationalen Ergebnissen führen können..

  18. Tja so ist das mit der Rationalität.
    Ich halte die Subventionierung der Solardächer von Anfang an für ökonomischen Unsinn, der auch noch eine gesellschaftliche Umverteilung zur Folge hat.
    Trotzdem habe ich eine Solaranlage auf dem Dach, weil der ordnungspolitische Unsinn mich nicht dazu verführt irrational gegen die Realitäten anzukämpfen, die die Solaranlage für mich lukrativ gemacht haben.
    Ich habe nur die Wahl mich aus Prinzipientreue über das EEG schröpfen zu lassen oder eben nicht. Das ändert nichts an meiner Meinung, das das ordnungspolitischer Unsinn ist.
    Und so ist es auch bei den Banken gewesen, die hatten letztlich auch kaum eine Wahl, nachdem durch die Politik der Ordnungsrahmen geändert wurde.
    Diejenigen, die wie ich hinter vorgehaltener Hand oder offen das kritisierten blieben ungehört, weil es nicht in die politischen Wunschvorstellungen passte.

    Und dem Wähler sei gesagt, die Kritik wurde tatsächlich geäußert, nur ist sie ungehört verhallt, weil komplexe Vorgänge selten ein öffentliches Publikum finden, außer es sit schief gegangen.

    h.

  19. Der homo oeconomicus ist ein aus wissenschaftsimmanenten Gründen notwendiges Konstrukt der Ökonomik, um die Vorteilhaftigkeit von Entscheidungen theoretisch begründen zu können. Er ist Ausdruck einer bestimmten Methodologie, nicht Annahme über einen, viele oder alle realen Menschen. Sinn und Unsinn des homo oeconomicus erschließen sich deshalb nur und ausschließlich unter Bezugnahme auf die Wissenschaftstheorie.
    Und so irrt der Verfasser wenn er schreibt, der homo oeconomicus diene dazu, Hypothese über das „DURCHSCHNITTLICHE Verhalten von Menschen aufzustellen“. Denn für empirische Aussagen über Aggregate von Menschen ist genau die Soziologie zuständig, die für die empirische Ermittlung menschlichen Verhaltens (z.B. bei Wahlen) keine Grundannahmen über das menschliche Wesen benötigt. Die Ökonomik ihrerseits empfiehlt die (sofern ermittelbar) am Rationalitätskriterium gemessen beste Lösung und überlässt es den realen Individuen, sich daran zu halten. Oder auch nicht.

  20. Was die Rationalität so an Entscheidungen liefert hängt zu 100 % von den Informationen ab, mit denen man sie vorher ausgestattet hat. Und die können falsch sein, unvollständig, undurchschaubar, …

    Man sollte viel mehr Augenmerk auf die Informationsflüsse legen. Damit lassen sich Finanzkrisen, Spekulationsblasen, Pferdefleisch-Hypes und noch manches andere einwandfrei erklären.

  21. Alle Systeme und die zugrunde liegenden Strategien führen aus der Sicht des Menschen zwangsläufig immer zu Risiken und Nebenwirkungen.
    Nicht nur den Todsünden wie Gier folgen unangenehme Konsequenzen, sondern eben auch allen Versuchen mit dem täglichen Unbill des Lebens zurecht zu kommen, angefangen von Ackerbau und Viehzucht mit den Folgen von Landraub, Übervölkerung, kriegerischen Auseiandersetzungen usw.

    Doch was bedeuten denn die Mißstände und unerwünschten Folgen? Es handelt sich um menschliche Bewertungen und Definitionen. Jeder Versuch einer Verbesserung folgt eine Vermehrung von Risiken, das ist für Menschen eine Verschlimmerung. Nach der Reform ist vor der Reform! Das “Böse” existiert ausschließlich in der Phantasie des Menschen.

  22. Zitat: “Der zweite Fehler, der meist in dem Zusammenhang auftaucht, ist die Grundannahme, Menschen seien gar keine rationalen Wesen, und deswegen komme es an den Märkten auch immer wieder zu irrationalen Erscheinungen. Wenn das stimmt, dann sind Computer auch irrationale Wesen. Denn ein guter Teil des Handels wird inzwischen von Maschinen gesteuert, was aber an der grundsätzlichen Funktionsweise der Märkte nichts geändert hat.”
    Was ist denn das für eine Logik? Computer haben doch keine eigene Rationalität. Ein Computer ist so rational wie der Programmierer, nach dessen Algorithmen er handelt.

  23. Haetten sie “Thinking, Fast and Slow. ” von Daniel Kahneman (Nobelpreis fuer Oekonomie 2002) gelesen, dann wuerden sie so etwas vermutlich nicht schreiben.

  24. Der Denkfehler ist nicht, ob der homo oeconomicus rational oder irrational entscheidet. Das spielt eine untergeordnete Rolle.

    Das Problem beim derzeitigen homo oeconomicus ist seine angenommene Allwissenheit und die darausfolgende faktische Unfehlbarkeit. Wir gehen beim neoklassischen Modell davon aus, dass der Mensch alle Optionen auf ihren heutigen und zukünftigen(!) Folgen/Nutzen kennt und die beste Entscheidung nehmen wird, um die Gleichgewichtstheorie zu retten.

    Aber gibt es nur einen einzigen Menschen, der in die Zukunft sehen kann? Die Prämisse ist doch so fernab der Realität und passt nicht einmal näherungsweise. Natürlich kann man argumentieren, dass dies nur ein Modell ist, jedoch

    - Man muß die Dinge so einfach wie möglich machen. Aber nicht einfacher.
    - In den Naturwisschenschaften verwirft oder erweitert man Modelle, wenn sie nicht mit den Ergebnissen aus der Realität zusammenpassen. Naturwisschaftler erstellen mit den falschen Modellen aus Bequemlichkeit keine weiteren Prognosen.
    - “Lassen Sie uns die Sache vereinfachen: Angenommen die Erde wäre eine Scheibe, dann…”

  25. Tja, Rationalität und Irrationalität liegen dicht beieinander. Ein Beispiel:
    Wenn Anleger Aktien kaufen, dann aufgrund einer rationalen Entscheidung. Sie halten die Anlage für sinnvoll und denken, dass ein Mehrwert erwirtschaftet wird. Oft ist es dann aber so, dass derselbe Anleger genau diese Aktien verkauft, wenn diese durch Übertreibung mal nach unten fällt. Anstatt dann rational zu entscheiden und das “durch zu stehen”, wird die Aktie dann verkauft. Da ist der Herdentrieb stärker, die Angst vor Verlust größer. Das ist m.E. eine irrationale Entscheidung! Meistens gibt es keinen Grund, warum eine Aktie von einem auf den anderen Tag steigt oder fällt. In dem betreffenden Unternehmen hat sich ja in dieser Zeit nichts verändert, oder? Nein, diese Kursbewegungen sind m.E. rein spekulationsgetrieben.
    Insofern bilden die Kurse schon lange nicht mehr den “richtigen” Preis ab. Das sieht man beim Ölpreis bzw. bei Agrarrohstoffen. Da läuft etwas ganz fundamental falsch. Deshalb muss man überlegen, wie wieder vernünftige Marktmechanismen etabliert werden können. LG Traumschau

  26. Der Mensch ist ganz eindeutig ein ökonomisch handelndes Wesen. Selbst Tiere handeln ökonomisch im Rahmen ihrer kognitiven Fähigkeiten. Man braucht nur einen Hund oder eine Katze beobachten beim Überqueren einer verkehrsreichen Straße, oder einen Vogel beim Nestbau, oder eine Maus auf offenem Feld, um dies zu begreifen.
    Allerdings sind die Zusammenhänge sehr komplex und meist nur individuell verständlich. Herrn Wiebe ist daher zuzustimmen.
    Selbst der vielgerühmte Altruismus gründet auf ökonomischen Überlegungen, die allerdings meist unterbewußt und zeitversetzt ablaufen. Man gibt, um seine soziale Stellung zu festigen oder um sich sozialen Kredit für die Zukunft zu sichern. Auch die Versprechungen der Religionen für das Seelenheil im nächsten Leben führen über meist unbewußte ökonomische Reaktionen zu Wohlverhalten und Wohltätigkeit in diesem Leben.
    Die Gemengelage dieser ökonomischen Motive variiert je nach kulturellem, familiären oder sozialen Hintergrund in sehr weiten Grenzen, von Erziehung gar nicht zu reden.
    Wirtschaft ist nur ein Teilaspekt des Lebens, jedoch der, in welchem ökonomisches Verhalten am leichtesten greifbar wird, da die Güterabwägung unmittelbar quantifizierbar ist durch den Geldwert. Das sagt aber noch lange nicht, daß eine einheitliche Bewertung durch alle Individuen am Markt stattfindet, da immer persönliche, dem Betrachter verborgene, weitere Motive mitspielen.
    Wirtschaft ist eben keine Wissenschaft, zumindest keine reine Wissenschaft. Sonst würden ja auch nicht Analphabeten zu Milliardären.
    Man kann sogar im Umkehrschluß behaupten, daß heute der Computerhandel destabilisierend wirkt, gerade weil der Computer keine persönlichen Nebenmotive kennt, die eine Streuung der Entscheidungen bewirken würden.

    • Vielleicht liegt die Antwort ja dazwischen: Menschen handeln nicht rein rational und auch nicht rein irrational. Gerade weil der Mensch ein emotional gesteuertes Wesen ist, werden sich Handlungen immer auf semi-rationaler Ebene abspielen. Sie machen Prognosen, entwickeln Strategie Pläne, Lebenspläne und am Ende kommt dann alles anders und zweitens als man denkt. Pläne entwickelt man aber natürlich aufgrund eines Nutzen Kalküls, respektive dem Ziel das beste Ergebnis, für sich oder die Gruppe heraus zu holen. Aber es sind Emotionen, meinetwegen kognitive Dissonanz (vgl. Kahnemann), die uns im letzten Moment anders handeln lassen. Wie heißt es doch so schön, in der Realität bedeutet jede Entscheidung, Konsequenzen tragen zu müssen. Die Frage ist wohl auch eher, wie begründet man das theoretische Konstrukt des “homo oeconomicus”? es sind die klassischen Lehrbücher in der VWL, die einem sagen dass die Neoklassik (und somit oftmals auf Smith zurück geführt (obwohl dieser streng genommen als Nationalökonom gelten muss) und sein Werk “Wealth of Nations”), davon ausgeht das vor allem auf dem Finanzmarkt vollkommene Information herrscht. Wenn Jeder die gleichen Informationen hat und somit wir alle auf einer gemeinsamen Datenbasis entscheiden und dann im besten Sinne unseres eigenen Interesses. Und in der Annahme der vollkommenen Information liegt doch der Hund begraben. Letztlich trifft man meistens Entscheidungen bei Unsicherheit. Aber wenn ich gegen einen Anderen oft genug Schach spiele, werde ich seine Strategien kennen lernen und mich auf sein Handeln einstellen können, somit nimmt Unsicherheit idealerweise ab. Aber auf den Finanzmärkten kommen immer neue Spieler hinzu. Und das Argument Computer führt nicht zur Lösung des Problems, schließlich werden Computer von Menschen immer noch programmiert (oder?), somit wird ein Algorithmus vorgegeben, der auf Grundlage der Meinung eines Analysten, Broker (who ever) basiert. Emotion lässt sich nicht weg denken, selbst die härtesten Profis die sich versuchen komplett los zu sprechen und ohne Emotionen und Kopf zu handeln, gestehen oftmals ein, dass sie es nie schaffen, sich komplett von der Emotion zu lösen. Somit würde ich schließen, der Autor des obigen blogs hat recht, Rationalität existiert aber nicht allein nicht als eigene Wahrheit. Die Lösung liegt dazwischen und “semi-rationalität” dürfte die Antwort sein.