Wer traut noch dem britischen Pfund?

Das britische Pfund ist heimlich, still und leise in eine Vertrauenskrise gerutscht. Grund: Das Königreich hat seinen Nimbus als sicherer Hafen verloren.

George Soros hatte 1992 mit einer großangelegten Spekulationskampagne das britische Pfund aus dem damaligen Europäischen Währungssystem gedrängt und damit die Basis für seinen Ruhm als Hedge-Fonds-Manager gelegt. Sein Coup brachte ihm den etwas dubiosen Ehrentitel, „der Mann, der die Bank von England knackte“ ein. Vor kurzem wurde Soros gefragt, ob er heute wieder gegen das Pfund wetten würde. Seine Antwort: „Das tun die Märkte bereits“.

Soros hat recht. Die britische Währung hat im Moment wenig Freunde, und einige große Hedge-Fonds haben Wetten gegen das Pfund abgeschlossen. Tatsächlich braucht man wenig Phantasie, um die vielen ökonomischen Schwächen des Königreichs aufzudecken. Die Wirtschaft dümpelt seit rund zwei Jahren quasi bewegungslos vor sich hin. Im vierten Quartal 2012 fiel das Bruttoinlandsprodukt um 0,3 Prozent. Damit schrumpfte die Wirtschaft in vier der vergangenen fünf Quartale. Dadurch wächst die Gefahr, dass die großen Ratingagenturen Großbritannien die Bonitätsbestnote AAA entziehen. An den Märkten ist eine Herabstufung noch in diesem Jahr fast schon eine ausgemachte Sache.

Diese Probleme sind nicht erst seit gestern bekannt. Aber lange Zeit profitierten die Briten von ihrem Status als sicherer Hafen vor den Stürmen der Euro-Krise. Aber dieser Sturm scheint sich langsam zu legen und damit fällt der Blick der Investoren wieder stärker auf die fundamentalen Daten der britischen Wirtschaft, und die sehen eben nicht wirklich ermutigend aus.

Kein Wunder, dass die britische Währung seit Jahresbeginn gegenüber dem Euro 6,3 Prozent und zum Dollar 4,7 Prozent verloren hat. So billig war das Sterling seit dem vergangenen Sommer nicht mehr, und viele Analysten rechnen mit einer Fortsetzung des Abwärtstrends.

Von der britischen Zentralbank sollten die Investoren keine Hilfe für das schwächlende Pfund erwarten. Der designierte neue Chef der Bank of England, Mark Carney, hat bereits kaum verhüllte Andeutungen gemacht, dass er bereit ist, höhere Inflationsraten in Kauf zu nehmen, um die lahmende Wirtschaft in Schwung zu bringen. Sein Vorgänger Mervyn King hat bei der Vorstellung des jüngsten Inflationsberichts der Notenbank bereits einen ähnlichen Kurs eingeschlagen. Eigentlich verfolgt die Bank of England auf Geheiß der Regierung ein Stabilitätsziel von zwei Prozent Inflation. Doch die Teuerung liegt bereits seit Ende 2009 über dieser Marke, und inzwischen gehen King und seine Kollegen davon aus, dass die Inflationsrate erst Anfang 2016 wieder unter zwei Prozent fällt.

Das schwache Pfund ist nicht gut für die Inflation, weil die Abwertung der heimischen Währung Importe teurer macht. Aber das scheint die Notenbanker im Moment nicht anzufechten. Im Gegenteil: Vor wenigen Tagen gab der Zentralbanker Martin Weale seiner Meinung Ausdruck, dass das Pfund möglicherweise noch schwächer werden müsse, um die britische Exportwirtschaft international wettbewerbsfähiger zu machen.

„Mit ihren Bemerkungen über eine wünschenswerte Abwertung des Pfundes zur Konjunkturbelebung droht die Notenbank in ein Hornissennest zu stechen“, warnen die Währungsexperten der Standard Bank. Wie kritisch viele Investoren das Pfund inzwischen sehen, zeigt das Beispiel von Stewart Cowley von Old Global Mutual Investors. Cowley zählt zu den prominenteren Bond-Investoren in der Londoner City. Im vergangenen Herbst war sein globaler Anleihefonds noch zu 90 Prozent in britischen Staatspapieren investiert. Ende 2012 waren es nach Informationen britischer Medien weniger als  50 Prozent.

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Alle Kommentare [4]

  1. Auch wenn die erste Ratingagentur das tripel A entzogen hat sehe ich kein Grund zur Panik. Alles hat seine Vor- und Nachteile. England hat für seine Verhältnisse eine hohe Arbeitslosenquote (8,4%). Wenn die Notenbank den Pfund abwertet, steigen die Exporte und das würde als positiver Nebeneffekt die Arbeitslosigkeit reduzieren. Wenn Deutschland seinen Regulierungsdrang im Bankensektor fortsetzt, würden weitere positive Effekte für England entstehen. Ungedeckte Leerverkäufe war der erste Schritt, ich bin gespannt ob Deutschland OTC-Derivate in Zukunft einschränkt. Wenn die EU Spekulationsgeschäfte weiter beschneidet und England aussteigt, werden sich die Spekulanten überegen ob sie weiter gegen England wetten. Da kein Abwertungswettlauf zu erwarten ist, wird sich das Pfund wieder erholen. Insgesamt: kein Grund zur Panik..

  2. @ Vorstehende Kommentatoren:
    Schon mal was von Prof. Ludwig Erhard gehört und dessen Aussage: “Noch nie in der Geschichte ist ein Volk durch Abwertung reicher geworden.”
    Falls diese Binsenwahrheit nicht bei Ihnen angekommen ist, RIP!

  3. Ich seh das auch nicht als Problem. Pfundanleihen kauft dann eben die BoE und Investoren für Exportgüter werden von sinkenden Wechselkursen angezogen.
    Probleme hat nur der, der sich in Auslandswährung verschuldet und nur Einnahmen in Pfund hat.

  4. Wo ist der Stress?
    Wenn das Pfund abwertet, wird es wieder interessanter, in GB fertigen zu lassen, was das Land bitter nötig hat.
    Die Verteuerung der Importe ist halt der Mechanismus dafür.