Die Banker, ihre Boni und das Gefängnis

Banker sollen bei ihren Boni nicht mehr aus dem Vollen schöpfen. Bild: dpa

Banker-Boni auf der einen Seite, Verlustgeschäfte auf der anderen. Schon lange ist klar, dass die Anreize bei der Vergütung von Bankern völlig falsch gesetzt werden. Kurzfristige Erfolge werden belohnt, langfristige Fehlentscheidungen und Verluste aber nicht bestraft. Aus der Politik und von den Instituten selbst kommen nun interessante Vorschläge, um die Finanzjongleure an die Leine zu nehmen.

Wenn sich Banker verzocken, trifft das nicht nur die Anleger, sondern kann ganze Institute in den Ruin stürzen. Dann ist das Geschrei groß und meistens richtet sich das Rufen an den Staat. Doch der hat aus der Immobilien- und Finanzkrise gelernt und will nicht mehr für die Zocker-Manager einspringen. Bleibt nur noch die Frage, wie Vater Staat den Schwarzen Peter wieder los wird.

Die Bundesregierung will es mit der Androhung von Gefängnisstrafen probieren. Im Visier sind Top-Manager von Banken oder Versicherungen. Wenn sie bei Risikogeschäften grob gegen ihre Sorgfaltspflichten verstoßen und damit ihrem Unternehmen schaden, sollen ihnen Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren drohen. Noch ist es nur ein Gesetzesentwurf, den das Bundeskabinett am Mittwoch  auf den Weg gebracht hat. Ob die Oppositionsparteien kooperieren und die Regelungen wie geplant im Januar 2014 in Kraft treten werden, ist fraglich.

Doch die Idee hat durchaus Charme. Wenn die Verantwortung derart groß ist, dann muss auf Fehlverhalten auch eine wirklich empfindliche Strafe folgen. Die Kürzung des Gehalts oder eine Kündigung wären kaum ausreichend. Wer jahrelang als Bank-Manager tätig war, hat wohl ohnehin genug Geld auf der hohen Kante. Auch nach ein paar Jahren ganz ohne Gehalt dürften diese Menschen noch kein Fall für Hartz IV sein. Die einzige abschreckende Strafe ist deshalb ein längerer Aufenthalt hinter Gittern.

Deutlich milder fällt dagegen der Vorschlag des britischen Finanzministers George Osborne aus, er brachte zu Wochenbeginn ein Berufsverbot für Banker von Pleite-Instituten ins Spiel. Aber auch dem muss man entgegenhalten, dass die meisten Top-Banker wohl über finanzielle Reserven verfügen dürften und vermutlich auch einen anderen Job fänden. Ein politisches Signal wäre eine solche Strafe aber allemal.

Die Banken selbst warnen schon vor Überregulierung. Doch auch in ihren eigenen Reihen gibt es Bemühungen, die Bank-Manager besser zu kontrollieren und Anreize für verantwortungsvolles Verhalten zu setzen. Einen interssanten Weg geht jetzt die UBS: Einen Teil ihrer Boni sollen die obersten Banker in Form von Anleihen erhalten. Gezahlt wird aber nur, wenn das Kapital des Schweizer Instituts nicht einbricht. Wenn dieses Modell Schule macht, wäre im Bankensektor schon viel gewonnen.

Dass Banker auch dann Bonuszahlungen bekommen, wenn die Gewinne ihrer Institute einbrechen, ist eigentlich ein Unding. An den Grundfesten dieses Konzepts ändert leider auch die UBS nichts. Die Großbank schreibt rote Zahlen, doch der Bonus-Topf schrumpft gerade mal um sieben Prozent. Dennoch schlägt die Bank mit ihrem neuen Vergütungssystem einen sinnvollen Weg ein.

Die 6.500 höchsten Angestellten sollen ihren Bonus nicht mehr komplett in bar bekommen. Einen Teil gibt es künftig in Anleihen mit sogenannter bail-in-Option. Dadurch kann die Bank die Papiere ins eigene Kapital zurückziehen. Das soll aber nur dann passieren, wenn der Finanzpuffer der Bank zu klein wird. Kurzum: In der Not werden die Angestellten zur Zwangshilfe verpflichtet und verlieren einen Teil ihrer Boni.

Wie wichtig das Eigenkapital ist, hat unter anderem die Lehman-Pleite gezeigt. Ohne einen finanziellen Puffer können Banken Verluste nicht selbst auffangen. Dann geht das Institut Pleite oder der Staat muss mal wieder einspringen. Dass Top-Banker einen persönlichen Anreiz für eine höhere Kapitalquote bekommen, dürfte sich positiv auf die Banken auswirken – und auf das Finanzsystem.

Ganz alleine ist die UBS mit ihren Boni-Strafkürzungen aber nicht. Die Royal Bank of Scotland (RBS) muss etwa 455 Millionen Euro Strafe zahlen, weil Händler der Bank gemeinsam mit Kollegen aus anderen Banken den wichtigen Zinssatz Libor manipuliert haben. Jetzt nimmt nicht nur der Chef der Handelssparte seinen Hut. Knapp 350 Millionen Euro für die Zahlung der Strafe sollen aus einem Bonustopf der Handelssparte kommen – und das obwohl die Verantwortlichen nicht mehr für die Bank tätig sind.

Der Druck ist groß, doch wenn die Angestellten am langfristigen Wohl ihrer Bank beteiligt sind, scheuen sie auch das schnelle Geld und damit allzu hohe Risiken. Von der Stabilität der Institute profitieren dann nicht nur die Banker, sondern auch Vater Staat und damit letzlich jeder einzelne Steuerzahler.

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Alle Kommentare [8]

  1. Koennen wir die Haftstrafe und bail-in Regelung bitte auch fuer Politiker einfuehren? Politiker wuerden es sich dann wenigstens zweimal ueberlegen, ob sie ein weiteres Bail-Out Paket fuer Griechenland und Co absegnen. Oder gar nicht Euro Laender retten, wie gerade diskutiert wird.

    Und was ist mit anderen Wirtschaftszweigen? Muesste man nicht mit den Schikedanz’s, Schlecker’s und Opel-Managern aehnlich verfahren? Schliesslich ist die Politik da ja auch sehr schnell dabei, Steuergelder zur Rettung bereit zu stellen.

    Eine Haftstrafe ist ok, die Anleihe-Idee der UBS ist aber sinnvoller. Mich stoeren hauptsaechlich die Motive der Politk, welche rein populistisch argumentiert und keine neuen Rahmenbedingungen schafft. Es ist gerade Hip sich in der Politik entweder als Retter aufzuspielen (Europa, Opel, Schlecker) oder mit dem Zeigefinger zu wedeln (Banker, Hedgefonds).

  2. Boni Zahlungen werden heutzutage überall gezahlt. Erst sollen Optionsgeschäfte verboten werden, dann will man Banken an Staatskosten beteiligen und letzlich soll der Knast die Sache regeln. Fragen wir doch mal einfach, woher kriegen Banken ihr Geld? Wenn es Menschen gibt die 25% Rendite wollen, dann wird es auch immer Bänker geben, welche versuchen es zu realiseren. Deutschland oder die EU kann Gesetze machen wie es will, Spekulationsgeschäfte wird es trotzdem geben. England hat ja schon angekündigt bei einer Überregulierung nicht mitzuspielen. Die cayman Inseln werden wohl immer ein interessanter Ort für Banken bleiben. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich halte auch nichts von Lotto-Spekulationen, aber die Anleger sollten das Handeln der Bänker einschränken. Ich finde es sollte mehr aufgeklärt werden. Der Sparer muss ganz genau über das Risiko bescheid wissen.

  3. Eine ordentliche europäische Bankenaufsicht ist dringend nötig, denn wie die Vergangenheit gezeigt hat, haben alle Banken leichtsinnig spekuliert und viel Geld der Anleger verspekuliert. Politiker die auf Parteispenden hoffen und deshalb dagegen sind, sollten abgesetzt werden. Denn Sie sind dem Volk und nicht den Spekulanten verantwortlich. Wenn man den Banken mehr Geld zur Verfügung stellt, ist das verlorene Geld, weil damit nichts produziert wird, kein Arbeiter hat Arbeit und kann damit eine Familie ernähren. Es kommt kein Geld in die Sozialversicherungen. Es entsteht kein Wohlstand, oder ist dies gar nicht gewollt? Alle Angestellten und Manager bekommen umso mehr Boni, je mehr sie die Anleger sie um Ihr Geld bringen, selbst wenn die Bank nichts davon hat, weil es verspekuliert ist, wird trotzdem eine hohe Boni ausgezahlt. Und der Staat soll dann mit dem Schutzschirm das ganze wieder retten. Die Anleger müssen also beides bezahlen, die Boni, weil Sie deswegen betrogen wurden und dann den Rettungsschirm.

  4. Es ist schon erschreckend, wenn man sieht wie Banker teilweise mit den Millionen/Milliaren-Beträgen jongliert haben. Das Risiko trägt am Ende die Bank. Kann die Bank den enormen Verlust durch die Fehlspekulationen nicht tragen, kommen wir alle mit unseren Steuergeldern auf. Wirklich erschreckend. Da ist der Gedanke an eine härtere Strafe für Banker durchaus interessant.

    Viele Grüße,
    Klaus

  5. Glücklicherweise muß unterhalb des deutschen H(artz)IV/ALG2-Stazes niemand arreiten gehen weil man ja als in der SPD-engangierter Ausländer nicht abgeschoben werden kann wenn man keinen Job mehr hat!

    Insofern ist der Sozailhilfesatz in Bulgarien oder auf den Philippinen das Midnetsgehalt der Putzfrau in Deustchland!

    Mich hat schon immer gewundert warum wenn einer an der Tankstelle die Preise erhöht in Bottropp die Löhne der Pfelegkräftein den Altenheimen steigen müssen wegen der Leute die von EU-Rumänien aus täglich ins Ruhrgebiet pendeln und daher auf das auto und somit bezin angewiesen siodn.

  6. Diese Wettmanipulationen sidn ja auch sowas von übel. Ein glück daß solche Zockerei nicht bei ebay stattfidnet wo sich zwischen einen Anbieter und einen Käufer ein Freund des Anbieters eisnchaltet der den Preis über nicht wirklich ernstgemeinte Gebot hochtreibt.

    Mans stelle sich mal vor sowas (bezahlter Spaßbieter der den Preis hochtreibt) würde auf dem Mietmarkt egschehen.

    Wie erzeuge ich eigentlich zusätzliche Nachfrage nach für einen Single (allein schon wegen der Heizkosten) viel zu teurem Wohnraum den dieser als Alleinstehender niemals in nüchternem Zustande auf eine feste vertragslaufzeit mieten oder gar kaufen würde?

  7. Sie sind sehr belesen, aber in der Sache scheinen Sie nach allen Seiten offen zu sein.

    Es ist in Ordnung, dass Sie das Thema aufgreifen, aber von den Problemen, die dahinter stecken, internas, wissen Sie nichts.