Das Handy des Diktators

 

Links neben dem Papierstapel ist das Smartphone von Kim Jong-Un zu entdecken. Bild: afp

Wenn ein bekanntes Staatsoberhaupt ein bestimmtes Produkt bevorzugt, kann das gute Werbung sein. Ich denke da beispielsweise die Ironman-Digitaluhren von Timex, die seinerzeit oft an Bill Clintons Handgelenk zu sehen waren. Doch derzeit tut Samsung alles, um nicht mit einem bestimmten Handy in Verbindung gebracht zu werden: dem von Kim Jong-Un. 

Auf einem aktuellen Propagandafoto des nordkoreanischen Nachwuchs-Diktators ist deutlich ein Smartphone zu erkennen, das neben seinen Unterlagen liegt. Das Detail weckt derzeit in Südkorea enorme Aufmerksamkeit – zum Teil mehr als ein bevorstehender Atomtest. Man stellt sich Nordkorea gemeinhin als Technik-Wüste vor, stehen geblieben auf dem Niveau der frühen Industrialisierung. Da wirkt ein Internethandy unpassend modern.

Die Phantasie entzündet sich nun an der Frage, welches Modell Kim da benutzt. Das ist gar nicht einfach zu sagen – denn schließlich sehen moderne Handys heute alle gleich aus.

Die Spekulationen machen auch nicht vor der Idee halt, Kim benutze ausgerechnet ein iPhone aus dem Land seins Erzfeindes Amerika, dem er regelmäßig die totale Vernichtung androht. Ein Blick auf das Foto reicht jedoch, um die Apple-Hypothese weitgehend auszuschließen. Was da liegt, hat eine andere Form als die iPhones 4 und 5. Und ein älteres Modell wird der Alleinherrscher wohl kaum akzeptieren.

Ein Nokia Lumia könnte es durchaus sein. Finnland wäre ein hinreichend neutraler Herkunftsort, um der nordkoreanischen Regierung genehm zu sein. Diese Logik macht andererseits eine Herkunft von Samsung politisch unwahrscheinlich. Nordkorea behauptet, dem Süden vom System her überlegen zu sein. Da würde es kaum passen, ein Produkt der dortigen Vorzeigefirma zu benutzen.

Die politische Arithmetik würde am ehesten auf ein Handy aus dem verbündeten China erlauben. Kommt das schwarz glänzende Objekt vielleicht von Huawei, Haier oder Lenovo?

Telefonologen im Internet haben sich nach genauem Hinschauen und Vergleichen unterdessen auf die taiwanesische Marke HTC eingeschossen. Das ist auch politisch realistisch: Taiwan ist zwar aus chinesischer Sicht eine abtrünnige Insel, doch das dürfte den Nordkoreanern egal sein.

Der Streit um das mysteriöse Telefon ist nun vermutlich erst der Anfang. Kim ist jung und interessiert sich sichtlich für Technik. Kürzlich erst hat er Besuchern aus den USA stolz die Informatikausbildung an der Uni Pjöngjang zeigen lassen. Es ist anzunehmen, dass er noch eine ganze Reihe anderer interessanter Produkte benutzt.

Da ist noch viel Raum für weitere Spekulationen. Welchen Tablettcomputer verwendet der Diktator? Hat er ein Hybridauto? Bluetooth-Lautsprecher? Eine Digitalkamera mit drahtlosem Internet? Eine Spielkonsole?

Eines ist dabei sicher: Er wird sich nie mit einem japanischen Produkt zeigen. Die Japaner sind der empfundene Feind Nummer eins des Landes. Zumindest Sony muss also keine negative PR von einem der letzten echten Diktatoren fürchten.

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Alle Kommentare [2]

  1. Ich finde es schon interessant, wie wichtig doch manche Persönlichkeiten sind, was die Technik angeht. Wenn sich bestimmte Personen in der Öffentlichkeit mit technischen Gadgets sehen lassen, bedeutet das gleich ein großes Interesse der Öffentlichkeit.