Dispo-Geschenk mit fadem Beigeschmack

Der Dispo-Kredit kann teuer werden.

Der Dispo-Kredit kann teuer werden. Bild: dpa

Ja, ist denn heute schon …? Nein, noch ist nicht Weihnachten und mit Geschenken hat die Meldung auch wenig zu tun: „Viele Banken senken die Dispozinsen“. Welch feiner Zug – gerade in diesen Wochen, wo so mancher Verbraucher beim Geschenkekauf auch mal Fünfe gerade sein lässt und mehr Geld ausgibt als das Konto eigentlich hergibt. Doch für Bankkunden ist die Meldung kein Grund zur Dankbarkeit. Hier wird nur nachgeholt, was längst überfällig war.

Schon lange stehen Banken in der Kritik, weil sie übermäßig hohe Dispozinsen verlangen – und das in einer Zeit, in der sie sich dank eines extrem niedrigen Leitzinses selbst besonders günstig refinanzieren können. Zuletzt im September hatte die Zeitschrift „Finanztest“ die Dispozinsen von knapp 1.600 Banken in Deutschland abgefragt. Mehr als zwei Drittel wollten gar nicht erst antworten, unter den Restlichen ergab sich ein durschnittlicher Zinssatz von 11,76 Prozent – in der Spitze mussten sogar mehr als 15 Prozent gezahlt werden.

Auf den Tadel folgte nun die Reaktion. Die 350 Institute mit den höchsten Zinsen wurden erneut befragt, immerhin 150 haben die Dispozinsen inzwischen gesenkt. Das ist ein Erfolg für die Verbraucherschützer. Ein paar Banken haben den Zins sogar gleich um mehr als drei Prozentpunkte reduziert. Aber das sind Ausnahmen. Ein großer Teil der Bankkunden wird immer noch zu sehr geschröpft, wenn sie ihr Bankkonto überziehen.

Doch Dispozinsen sind längst nicht das einzige Gebührenrädchen, an dem die Banken drehen. Wachsender Beliebtheit erfreuen sich auch wieder Entgelte für die Kontoführung. Der Kreativität scheinen keine Grenzen gesetzt: So gibt es etwa Gebühren für die Bearbeitung eines Darlehens oder Entgelte für das Erstellern spezieller Kontoauszüge oder den Versand eines Erinnerungsschreibens, das gar keine Rechtswirkung hat.

Um dem zu entgehen, sollten Kunden bei der Auswahl ihres Kontos die Angebote genau vergleichen und Gebühren für Leistungen, die sie häufig nutzen, notfalls explizit erfragen.

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Alle Kommentare [2]

  1. Es gibt doch günstige Angebote im Internet. Die wollen die Leute nicht, weil Ihnen die Filiale vor Ort wichtig ist. Die muss aber irgendwie bezahlt werden. Und selbverständlich zahlen die Kunden, die diese Infrastruktur ja auch erst nachfragen. Glaubt ernsthaft einer, Banken können all ihre Dienstleistungen “für lau” erbringen?

    Mündigen Bürgern ist vielleicht bewusst, dass man bei 1000 Euro Kredit für zwei Wochen zu 15% p.a. gerade mal 6 Euro zahlt. Das alles ohne irgendwelche Anträge und Wartezeiten vor der Inanspruchnahme. Wer zu dumm ist, die Zinskosten mit seinem Nutzen abzuwägen und wer zu lange den Dispo statt Ratenkredite nutzt, ist halt selber schuld.

    Wo herrscht so ein hoher Wettbewerb um Privatkunden als zwischen den deutschen Banken? Diese tun aus meiner Beobachtung reichlich, um den anderen die Klientel abzuwerben. Dass die Gewinne im (Filial-)Privatkundengeschäft so riesig sind, dass für neue Wettbewerber ein Einstieg zu günstigeren Konditionen attraktiv ist, das sehe ich nicht.

    Von Handelsblättlern hätte ich mehr erwartet als sinnfreies Banken-Bashing.

  2. “Was ist der Überfall auf eine Bank gegen die Gründung einer Bank?”
    1. Haben wir Guthaben – die Bank verdient an Gebühren und Ertrag des von ihr angelegten (weiterverliehenen) Geldes.
    2. Haben wir Schulden – die Bank verdient an unverschämt hohen Zinsen.
    Solch eine eier-legende-Wollmilchsau hätte jeder gern. Folge: Unsere Regierung diskutiert das Recht auf Rendite wenigstens für unsere “armen” Energieriesen! Was dann gern auch mit einem “Pöstchen” belohnt wird! Das bedeutet nichts anderes, als dass das unternehmerische Risiko auf die Bevölkerung umgelegt wird.