Schmerzfreie Geldbußen

HSBC, Europas größte Bank. Bild: Reuters

HSBC, Europas größte Bank. Bild: Reuters

Europas mächtigste Bank HSBC muss in den USA die Rekordstrafe von 1,9 Milliarden Dollar zahlen, weil das Geldhaus Drogenbaronen und Terrorfinanzierern bei der Geldwäsche geholfen hat. Aber eigentlich kommt das Institut damit noch immer ziemlich billig davon.

“Sorry seems to be the hardest word”, sang der englische Pop-Barde Elton John einst in den 70er Jahren. Aber im Moment entschuldigen sich die britischen Banker wieder einmal als gäbe es kein Morgen mehr, um seine Sünden zu bereuen. „Wir akzeptieren die Verantwortung für unsere Fehler, wir haben bereits betont wie tief uns diese Fehler leidtun und wir entschuldigen uns erneut“. Stuart Gulliver der Chef der britischen Großbank HSBC scheint wild entschlossen, keinerlei Zweifel an seiner Zerknirschung aufkommen zu lassen.

Grund genug dazu hat der Banker angesichts der Geldwäschevorwürfe gegen die HSBC. Die Details des Skandals lassen einem die Haare zu Berge stehen. Im Sommer mussten sich die Briten vor dem US-Senat entschuldigen, weil HSBC-Banker über Jahre hinweg mexikanischen Drogenbossen und saudiarabischen Terrorfinanzierern beim Transfer riesiger Summen geholfen hatten. Allein 2007 und 2008 soll das Institut sieben Milliarden Dollar in bar per Lastwagen und Flugzeug aus Mexiko in die USA geschleust haben.

Bereits gestern war es an Peter Sands, dem Chef der britischen Großbank Standard Chartered, sich zu entschuldigen. Weil die Briten jahrelang aus Profitgier die Iran-Sanktionen der USA unterlaufen haben sollen, muss Standard Chartered insgesamt 670 Millionen Dollar Strafe an diverse US-Behörden bezahlen.

Addiert man die beiden Bußen, dann kommt man auf die stolze Summe von 2,6 Milliarden Dollar. Eine Zahl, die dafür spricht, dass die Regulierer inzwischen sehr viel aggressiver gegen Großbanken vorgehen, die vom geraden Weg abkommen. Dieser Eindruck täuscht nicht, vor allem wenn es um die US-Behörden geht. Einige Banker in der Londoner City fühlen sich von den Aufsehern jenseits des Atlantiks bereits regelrecht verfolgt. Aber die Aufseher haben recht mit ihrem rabiaten Vorgehen. Denn die nach der Finanzkrise vorangetriebenen Reformen werden alleine nicht ausreichen, um Märkte und Gesellschaft wirksam vor Missbrauch zu schützen. Dazu muss die abschreckende Wirkung harter Strafen kommen. Die Geldbußen müssen so teuer ausfallen, dass sie den Banken finanziell wirklich wehtun und ihrer Reputation ernsthaften Schaden zufügen.

Akzeptiert man diese These, dann kommen HSBC und Standard Chartered eigentlich noch zu billig davon. Beide Banken sind hoch profitabel, und die Buße macht im Fall von HSBC gerade einmal 15 Prozent des Vorsteuergewinns im ersten Halbjahr aus. Bei Standard Chartered sind es noch immer relativ bescheidene 17 Prozent. Außerdem kann man natürlich die Frage stellen, ob es wirklich korrekt ist, dass sich die Geldhäuser in aller Regel von allen Vorwürfen freikaufen können. Weder HSBC noch Standard Chartered drohen nach Zahlung der Strafen strafrechtliche Konsequenzen in den USA.

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Alle Kommentare [2]

  1. … wer einmal lügt dem glaubt man nicht.

    Woher hat die HSBC ihr Startkapital für die Unternehmensgründung?
    Schonmal etwas von den chin. Opiumkriegen gehört?