Kräftig Strampeln im Auftrag des Chefs

E-Bikes im Praxistest. Bild: Handelsblatt

E-Bikes im Praxistest. Bild: Handelsblatt

Wäre die Meldung im Frühjahr veröffentlicht worden, hätte mancher sie wohl für einen Aprilscherz gehalten: Das sogenannte Dienstwagenprivileg gilt ab sofort auch für Fahrräder und E-Bikes. Das haben die Finanzbehörden der Länder mit Zustimmung des Bundes beschlossen – und die Regelung soll sogar rückwirkend für das Jahr 2012 gelten. Auch in dieser Dezemberwoche schaffte es die steuerliche Änderung meist nur in die Randnotizen. Zu Unrecht.

Tatsächlich könnte sich für Fahrradfans, Chefs und Arbeitnehmer einiges ändern. Der Verkehrsclub VCD jubelt bereits. Endlich werde die steuerliche Ungleichbehandlung von Pkw und Zweirad abgeschafft. Damit werde das Fahrrad für die Wege zur Arbeit wesentlich attraktiver. Das Potenzial erscheint groß. Zwar wird der Weg zur Arbeit in Deutschland tendenziell länger, doch etwa 45 Prozent der Arbeitnehmer müssen noch immer weniger als 10 Kilometer zur Arbeitsstätte fahren.

Aber Dienstfahrräder, Dienst-E-Bikes? Gibt es die überhaupt? Also mal abgesehen von solchen, auf denen Kurierfahrer sitzen, weil es nun mal ihr Beruf ist, mit dem Fahrrad Brief- und Paketsendungen zu transportieren? Aktuell sei das Dienstfahrrad tatsächlich noch eine Nischenerscheinung, sagt der VCD. Aber bisher habe auch der konkrete Anreiz gefehlt.

Den sieht der Verband nun darin, dass Arbeitgeber und -nehmer künftig Rechtssicherheit in Bezug auf das Thema Steuern haben. Denn Arbeitnehmer, die ihr Dienstfahrrad auch privat nutzen, müssen diesen geldwerten Vorteil versteuern. Durch die neue Regelung sei aus der Grauzone eine steuerlich eindeutige Situation geworden, so der VCD. Das sei besonders für größere Unternehmen wichtig, aber auch ein Anreiz für Angestellte, die das Dienstrad privat nutzen dürfen.

Bislang mussten Arbeitnehmer, die auch privat mit dem Firmenrad fuhren, wohl den vollen Preis als zusätzliche Einnahme versteuern – wobei es natürlich nicht klar ist, wie viele das tatsächlich taten. Nun aber muss der geldwerte Vorteil nur noch pauschal mit monatlich einem Prozent des Listenpreises versteuert werden. Ein Beispiel: Angenommen, das Fahrrad hätte laut Hersteller 1.000 Euro gekostet, dann müssten monatlich zehn Euro als zusätzliche Einnahmen berücksichtigt werden. Bei einem persönlichen Steuersatz von 40 Prozent wären also pro Jahr etwa 48 Euro Steuern fällig.

„In der Regel werden die Unternehmen wohl Vereinbarungen getroffen haben, die private Fahrten untersagen“, sagt Anita Käding vom Bund der Steuerzahler. Dann hätten die Angestellten auch keinen geldwerten Vorteil und müssten für das Rad keine Steuern zahlen. Für sie ändert sich jetzt nichts. Anders sieht es bei jenen aus, die das Rad bisher privat nutzten und keine Steuern zahlten, weil sie das Fahrrad beispielsweise eher in dieselbe Kategorie wie den Firmenlaptop steckten – der tatsächlich steuerfrei zu Hause genutzt werden darf. Sie werden nun zur Kasse gebeten.

Wie die privaten Fahrten überprüft werden, ist eine andere Frage. Wer den Dienst-Pkw auch privat nutzt, kann immerhin zwischen zwei Möglichkeiten der Besteuerung wählen: der 1-Prozent-Regel und dem Fahrtenbuch. Das Führen eines solchen Fahrtenbuches sieht die Regelung jedoch nicht vor und es wäre auch schwer umsetzbar, schließlich hat ein Fahrrad üblicherweise keinen Tacho mit Kilometerzähler.

Aber mal nicht so kleinlich gedacht, auch wer monatlich das eine Prozent zahlen muss, wird dabei kein Vermögen los. Und die gesellschaftlichen Vorteile liegen auf der Hand: weniger Autos in der Innenstadt, weniger Staus, weniger CO2-Ausstoß und gesündere Arbeitnehmer – zumindest, wenn man die gesundheitsfördernde Wirkung von Sport in den Vordergrund stellt und die möglichen Verkehrsunfälle außer Acht lässt.

Alle Dienstwagenfahrer, die den Fahrradsattel wenig schätzen, können jetzt nur noch hoffen, dass ihr Chef nicht die Anschaffungskosten der Gefährte gegenüberstellt, die hohen Benzinkosten nicht mit kostenloser Muskelkraft vergleicht und sie häufig auf Langstreckenfahrten schickt – wobei, das Fahrrad könnte man ja auch mit in die Bahn nehmen.

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Alle Kommentare [5]

  1. Und schon könnte sich auch bei der Besteuerung der Dienstfahrzeuge wieder etwas ändern: Am Donnerstag wurde vor dem Bundesfinanzhof darüber verhandelt, ob es noch zeitgemäß ist, für die Berechnung der 1-Prozent-Regel den Bruttoneuwagenlistenpreis anzusetzen. Auch die BFH-Richter waren wohl noch unterschiedlicher Meinung: http://bit.ly/UFZJf4

  2. Ich bin begeistert. Man macht sich auch definitiv keine Gedanken, was das wieder für einen Verwaltungsaufwand nach sich zieht – für die Firmen und für die Finanzämter, die ggf. dies prüfen.
    Rein aus Gleichbehandlungsgrundsätzen werden die ersten Klagen schon anstehen: Ein Geldwerter Vorteil darf nur pauschaliert werden, wenn keine alternative korrekte Berechnung möglich ist (z.B. über Fahrtenbuch).
    Eine förderungswürdige Fahrlösung könnte man wirklich ähnlich dem Firmennotebook von der Steuer befreien!

  3. Das zeigt vor allem, wohin die “Reise” geht! Wie schon von Sarrazin vorausgesagt, werden sich in Zukunft viele Leute kein Auto mehr leisten können – oder zumindest nicht den Sprit dazu. Wie steuern geradewegs auf den Lebensstandart der 1950er Jahre zu – mit dem Unterschied zu damals, daß die Aussichten eher trist als bergauf sind und man sich den Busfahrschein auch nicht mehr leisten kann!
    Die Leute können sich schon mal darauf vorbereiten, in Zukunft mit dem Rad oder zu Fuß zur Arbeit zu kommen. Wenn man dann auch in der Freizeit nicht mehr so mobil ist, besinnen sich die Leute hoffendlich auch wieder auf häusliche Freuden und bekommen mehr Kinder; dann hätte die Sache auch noch eine gute Seite. Und die, daß ansich gut ausgebildete Menschen keinen Job kriegen, weil sie den Führerschein nicht packen, entfällt dann auch.

  4. Das Ganze ist kein Regelungswahn des Staates, sondern tatsächlich eine lange fällige Gleichstellung. Das (E-)Fahrrad ist auf Kurzstrecken nachgewiesenermaßen das schnellere, gesündere und sowieso umweltfreundlichere Verkehrsmittel. Innovative Arbeitgeber haben dies schon längst erkannt und wollen es fördern. Weil es aber bisher keine klare Regelung dazu gab, scheiterten viele gute Ansätze an der Steuerabteilung. Jetzt haben Arbeitgeber die Wahl z.B. zwischen Benzingutschein (old-school), JobTicket (Zuschuss zum Nahverkehr) oder JobRad (Fahrradleasing mit Steuerbonus), siehe z.B. http://www.jobrad.org

  5. … welch erbärmliche Leistung des Staates. Haben wir nicht andere Sorgen? Anstatt froh darüber zu sein, dass es Geschäftsfahrräder gibt, weil Folgen wie Energiesparen, Gesundheit, Parkraum etc. gesellschftliche Werte sind!! Wenn unter dem Namen von Gerechtigkeit und Gleichheit derartige Blüten entstehen, wird die Sinnfrage für mache staatsaktionen relevant.