Die Ökonomie des Schenkens

Weihnachtsgeschenke. Bild: dpa

Zu Weihnachten geht es nicht ums Tauschen, sondern ums Schenken. Bild: dpa

Wir haben uns angewöhnt, Ökonomie als eine Lehre vom Tauschen zu verstehen. Bis weit in Grenzgebiete hinein: Die politische Ökonomie untersucht, wie man Politik als Tauschgeschäft auffassen kann. Alternative Auffassungen kommen eher aus anderen Disziplinen, von Soziologen, Philosophen oder Anthropologen, von Franzosen wie Marcel Mauss, Jacques Derrida und Michel Serres oder dem Franzosenfreund Peter Sloterdijk, von David Graeber, einem Initiatior der Bewegung “Occupy Wall Street”: häufig Leute, die selbst in ihrer eigenen Wissenschaft oder politisch besehen eher Außenseiter sind.

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Das deutsche Risiko

Deutschland, so scheint es immer noch, kann vor Kraft kaum laufen. Der deutsche Staat bekommt de facto Geld von den Investoren geschenkt, deutsche Konzerne leihen sich ihr Fremdkapital billiger als manche Staaten und drücken vor allem in Europa ihre Konkurrenten an die Wand. Alle Versuche angeschlagener Euro-Staaten, ihre Wettbewerbsfähigkeit wieder zu erlangen, sind in Gefahr, unter der Übermacht der deutschen Wirtschaftskraft zu zerbröseln. Deutsche Ingenieure, so scheint es, sind unschlagbar, und deutsche Manager immerhin gut genug, die Technik ihrer Ingenieure weltweit zu verkaufen.
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Dispo-Geschenk mit fadem Beigeschmack

Der Dispo-Kredit kann teuer werden.

Der Dispo-Kredit kann teuer werden. Bild: dpa

Ja, ist denn heute schon …? Nein, noch ist nicht Weihnachten und mit Geschenken hat die Meldung auch wenig zu tun: „Viele Banken senken die Dispozinsen“. Welch feiner Zug – gerade in diesen Wochen, wo so mancher Verbraucher beim Geschenkekauf auch mal Fünfe gerade sein lässt und mehr Geld ausgibt als das Konto eigentlich hergibt. Doch für Bankkunden ist die Meldung kein Grund zur Dankbarkeit. Hier wird nur nachgeholt, was längst überfällig war. » weiterlesen

Europas Stärke ist die Kleinstaaterei

Visionen für Europa

Anlässlich der Nobelpreisübergabe an die EU haben wir diese Woche zwölf persönliche Visionen für Europa präsentiert.

Ich wünsche mir ein Europa der Regionen. Zunächst natürlich, weil es demokratischer ist als ein Zentralstaat. Politische Präferenzen sind regional oft sehr unterschiedlich, deshalb ist es besser vor Ort zu entscheiden, damit niemand zu sehr bevormundet wird.

Abgesehen davon, gibt es aber auch handfeste ökonomische Gründe für den Föderalismus.Warum? Viele Wirtschaftshistoriker führen die wirtschaftliche Dominanz Europas in den vergangenen Jahrhunderten grade auf die politische Zersplitterung zurück. Statt eines großen Zentralstaats wie in China, gab es unzählige Kleinstaaten, die miteinander konkurrierten. » weiterlesen

Kräftig Strampeln im Auftrag des Chefs

E-Bikes im Praxistest. Bild: Handelsblatt

E-Bikes im Praxistest. Bild: Handelsblatt

Wäre die Meldung im Frühjahr veröffentlicht worden, hätte mancher sie wohl für einen Aprilscherz gehalten: Das sogenannte Dienstwagenprivileg gilt ab sofort auch für Fahrräder und E-Bikes. Das haben die Finanzbehörden der Länder mit Zustimmung des Bundes beschlossen – und die Regelung soll sogar rückwirkend für das Jahr 2012 gelten. Auch in dieser Dezemberwoche schaffte es die steuerliche Änderung meist nur in die Randnotizen. Zu Unrecht.

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China – das Schlachtfeld für Nokia und Apple

Allgegenwärtig für 700 Millionen Kunden: China-Mobile-Bude

Allgegenwärtig für 700 Millionen Kunden: China-Mobile-Bude

Nokia ist noch nicht abgeschrieben. Das ist spätestens seit der Vorstellung des konkurrenzfähigen Windows-Smartphones Lumia 920 klar. Doch gelingt es den Finnen, gegenüber Apple wieder Boden gutzumachen?

China könnte das Schlachtfeld sein, auf dem Nokia der Gegenschlag gelingt. Der Apple-Anteil am hiesigen Markt für schlaue Handys (dem größten der Welt) ist im Sommer bereits deutlich gesunken, wie gerade herausgekommen ist.

Zugleich wurde bekannt, dass Nokia mit China Mobile einig geworden ist, das Lumia 920 im großen Stil in den Markt zu drücken. Das ist einei wichtige Nachricht. Denn China Mobile hat 700 Millionen zahlende Kunden – mehr als jeder andere Mobilfunkanbieter in China.  » weiterlesen

Lug und Trug in der City

Wer derzeit versucht das International Centre for Financial Regulation anzurufen, der erreicht nur einen Anrufbeantworter, wer eine Mail schickt, der bekommt prompt eine Fehlermeldung zurück. Der angesehene Londoner Think Tank für die Reform der Finanzmärkte ist scheinbar nicht mehr zu erreichen, und das liegt daran, dass das ICFR mit seinem ganz eigenen Regulierungsproblem zu kämpfen hat.
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China redet sich den Markt kommunistisch

Luxus-Leninismus: Pekinger Edel-Mall "Village North"

Luxus-Leninismus: Pekinger Edel-Mall “Village North”

Ausländische Beobachter nennen China immer noch häufig „kommunistisch“. Gerade während des laufenden Führungswechsels fällt dieser Sprachgebrauch auf.

Der Augenschein im Land spricht dagegen für harten, eindeutigen Kapitalismus. Auf jeden Fall passt die gängige Definition für Kapitalismus deutlich besser auf die Verhältnisse als die für Kommunismus.

Sollten wir das Wort im Zusammenhang mit China dann nicht besser über Bord werfen? Gerade wir Journalisten sollten die Dinge doch beim Namen nennen. Warum die Charade weiter mitmachen?  » weiterlesen

Was Deutschland von Südeuropa lernen muss

Beim Aufräumen am Wochenende  fiel mir eine alte Ausgabe des Economist in die Hände – mit einer bizarren Karikatur. Zu sehen ist ein übergewichtiger Deutscher neben einem spanischen und einem französischen Muskelprotz. Die Story handelt von den Wachstumsunterschieden in Europa. Sie hat den Titel: „The fit and the flabby“ –  die Fitten und die Schlaffen. Damals, also 2004,  waren Spanien und Frankreich fit – und Deutschland schlaff.

Heute ist es umgekehrt. In den Karikaturen ist Deutschland zum Muskelprotz und zum leuchtenden Vorbild geworden. Vor allem wegen der hohen Exportüberschüsse.
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