Der Streit um das BWL-Ranking geht in die nächste Runde

Die Wissenchaftler Michael Berlemann und Justus Haucap haben anhand der Rohdaten des Handelsblatt-Rankings BWL untersucht, ob es bestimmte systematische Merkmale gibt, die den Boykott des Handelsblatt-Rankings treiben.

Ihre Analyse ist am Freitag  unter dem Titel “Which Factors Drive the Decision to Boycott and Opt Out of Research Rankings?” bei SSRN als Arbeitspapier erschienen. Die Forscher stellen fest:

“Firstly, a withdrawal from the ranking is the less likely the more points a scholar has achieved over his academic career. Secondly, more senior scholars are more likely to boycott the ranking than younger ones. And thirdly, the more reputed the average outlet is in which a scholar published his or her papers the less likely he or she is to boycott the ranking.”

Dies führt Berlemann und Haucap zu folgendem Fazit:

“This finding supports the impression that we currently do not only see a change of generations within the German‐speaking community of business researchers, but also a change of culture. Younger researchers are more internationally oriented and strive for publications in internationally well renown journals with high impact factors.”

Ich hatte mit dem Einverständnis von Berlemann und Haucap eine vorläufige Version der Studie an die Ranking-Kritiker Alfred Kieser und Margit Osterloh weitergeleitet. Sie haben mir eine Stellungsnahme geschickt, in der sie die Arbeit heftig kritisieren: Die Forscher würden “gravierende methodische Fehler” machen,betrieben eine “wissenschaftliche Veredelung von Vorurteilen” und stempelten die Aussteiger “zu Losern”.

Kieser und Osterloh schreiben:

“Eine seriöse Studie würde zweitens nicht mit billigen Unterstellungen arbeiten, z.B. dass die Verweigerer deswegen verweigern, weil sie aufgrund ihres Alters mit dem kulturellen Wandel ihres Fachs nicht mehr klarkommen oder eine bequeme Ausrede für ihr prognostiziertes schlechtes Abschneiden suchen. Stattdessen müssten Stichproben von Gerankten und Nicht-Gerankten, von Verweigerern, die gerankt worden wären und solchen, die nicht gerankt worden wären, auf Variablen hin untersucht werden , die Aufschluss jenseits von Unterstellungen über die Gründe der Verweigerung geben könnten. Alles andere ist der Versuch, Vorurteile als wissenschaftliche Analyse auszugeben.”

Das abschließende Fazit von Kieser und Osterloh lautet:

“Es wäre besser gewesen, die Autoren hätten ihre methodischen Kenntnisse zu einer Evaluation der Aussagefähigkeit von Rankings und ihrer Auswirkungen auf die Scientific Community eingesetzt statt zur wissenschaftlichen Veredelung von einigen ihrer Vorurteile.”

Diese Fundamenalkritik haben widerum Berlemann und Haucap nicht auf sich sitzen gelassen. In einer Replik auf die Replik schreiben sie unter anderem:

“Der Interpretation von Frau Kollegin Osterloh und Herrn Kollegen Kieser, nicht-gerankte BWL-Kollegen seien Loser, können wir uns nicht anschließen. Wir dürfen an dieser Stelle darauf hinweisen, dass wir beide im Volkswirte-Ranking auch nicht unter den TOP 250 gelistet sind. Wir sehen uns selbst jedoch genauso wenig als Loser an wie wir andere Kollegen als Loser ansehen, die nicht in den TOP 250 sind.”

In voller Länge gibt es die Original-Studie von Berlemann und Haucap bei SSRN, und die Replik von Kieser und Osterloh sowie die Antwort von Berlemann und Haucap hier im Blob.

Ich bin sicher, es wir auch eine Replik auf die Replik zur Replik geben. Trotzdem verabschiede ich mich erstmal in den Urlaub. Am Montag veröffentlichen wir im Handelsblatt übrigens die Ergebnisse des Uni-Rankings.

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Alle Kommentare [2]

  1. So langsam wird diese ganze Geschichte lächerlich. Ich verstehe nicht, wieso so lange über das Thema diskutiert wird. Volkswirte und Betriebswirte sind groß darin Zustände, Personen und Ereignisse zu bewerten. In wie weit man dabei dem Selbstbild bzw. dem Anspruch des betroffenen Objektes gerecht wird ist dabei relativ unbedeutend, da es sich a) meistens um eine Approximation handelt und b) es im Zuge einer wissenschaftlichen Betrachtung geschieht. Wäre es nicht angebrachter, die gleiche Gelassenheit diesem Ranking entgegen zu bringen? Kritik kann sehr produktiv sein aber es scheint mir, dass die betroffenen Wissenschaftler mit zweierlei Maß messen.

  2. Berlemann und Haucap sollten sich mal in die Schuhe von Betriebswirten versetzen und ihre “Analyse” aus dieser Persprektive noch einmal sorgfältig lesen, dann würden sie sich bestimmt auch als Loser wahrnehmen. Als Volkswirte fühlen sie sich wahrscheinlich deshalb nicht als Loser, weil sie jung sind und überzeugt – wie viele hunderte junger Volkswirte auch, es doch noch unter die 250 Besten zu schaffen.
    Im Übrigen gehen Sie nicht auf unsere Kritik ein, Sie hätten zwei nicht vergleichbare Populationen miteinander verglichen. Übrigens ist uns bekannt, dass in Fakultäten Konsens darüber hergestellt wurde, dass sich die Mitglieder nicht an dem Boykott beteiligen.