Braucht man den Bundestag für die Hebelung des ESM?

Zur Zeit empört man sich in Deutschland über eine mögliche Hebelung des ESM. Dabei ist diese Hebelung in Artikel 21 des ESM Vertrags angelegt. Der Bundestag hat dem Vertrag zugestimmt.

“ARTICLE 21
Borrowing operations
1. The ESM shall be empowered to borrow on the capital markets from banks, financial institutions or other persons or institutions for the performance of its purpose.
2. The modalities of the borrowing operations shall be determined by the Managing Director, in accordance with detailed guidelines to be adopted by the Board of Directors.
3. The ESM shall use appropriate risk management tools, which shall be reviewed regularly by the Board of Directors.”

Artikel 21 legt nahe, dass eine Kreditaufnahme durch den ESM zunächst in den Händen des ESM Managements liegt. Wer nun eine spezielle Beteiligung des Bundestages an einer Kreditaufnahme des ESM fordert, der wird das schwer mit Artikel 21 in Einklang bringen können.

Allerdings ist mir auch gar nicht klar, was eine Beteiligung des Bundestags an einer Kreditaufnahmeentscheidung des ESM bringen sollte. Der Bundestag entscheidet ja bereits über das Kreditvergabevotum des deutschen Vertreters im ESM Board of Governors. Es hätte wenig Sinn, wenn der ESM Kredite aufnimmt, die er dann nicht weiterreichen kann, weil das vom Bundestag blockiert wird. Wenn also der Bundestag keine wirksame Hebelung will, dann muss er die Vergabeentscheidungen des ESM blockieren.

Allerdings sollten Abgeordnete, die die Geldpolitik nicht weiter in die Schuldenkrise hineinziehen wollen berücksichtigen, dass die EZB bei einem geringem ESM Kreditvolumen am Sekundärmarkt stärker aktiv werden könnte. Wer das nicht möchte, muss entweder ganz gegen ein ESM Programm für ein Land stimmen oder für das passende Kreditvergabevolumen im ESM sorgen.

Nachtrag: Ein Kommentar stellt klar, dass nach den Beschlüssen der EZB bereits der Verzicht auf Primärmarktkäufe des ESM ausreichen würde, um Sekundärmarktkäufe der EZB auszuschliessen. Demnach ist grundsätzlich denkbar, dass man ein ESM Programm mit (zu) kleinem Volumen ohne Primärmarktkäufe beschliesst und die EZB dann nichts tut, um auszuhelfen.

Die Top-Fakultäten für BWL

Heute veröffentlichen wir den zweiten Teil der Ergebnisse des BWL-Rankings. Nach den Ranglisten für die Einzelforscher folgt jetzt das Ranking für die Fakultäten.

Die Liste ist hier verfügbar:

Top-25 Fakultäten Betriebswirtschaftslehre

Zudem haben wir gestern korrigierte Daten für die Listen der Einzelforscher hochgeladen. Ein Wissensschaftler waren  gegen seinen Willen zu den Ranking-Verweigerern gezählt worden, ein anderer wurde trotz Boykott-Aufruf irrtümlich ausgewiesen.

Zudem waren einige, wenige Forscher irrtümlich als nicht Ranking-relevant eingestuft wurden. Hinzu kamen Korrekturen bei einigen wenigen Forschern, bei denen es noch Korrekturen bei den erfassten Publikationen (insbesondere Zahl der Koautoren) gab. Hier die neuen Ergebnisse:

Top-250 Lebenswerk (Publikationen seit Karrierebeginn)

Top-100 Unter 40 Jahren

Top-100 aktuelle Forschungsleistung (Publikationen seit 2008)

Zum Schluss noch ein Hinweis auf die Studie “Which Factors Drive the Decision to Boycott and Opt Out of Research Rankings?”  von Michael Berlemann und Justus Haucap, die den Ranking-Boykott empirisch anaylsiert haben. Die Studie hat heftige Kritik von Alfred Kieser und Margit Osterloh provoziert,  die  Berlemann und Kieser aber zurückweisen (Details dazu hier.)

 

 

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Der Streit um das BWL-Ranking geht in die nächste Runde

Die Wissenchaftler Michael Berlemann und Justus Haucap haben anhand der Rohdaten des Handelsblatt-Rankings BWL untersucht, ob es bestimmte systematische Merkmale gibt, die den Boykott des Handelsblatt-Rankings treiben.

Ihre Analyse ist am Freitag  unter dem Titel “Which Factors Drive the Decision to Boycott and Opt Out of Research Rankings?” bei SSRN als Arbeitspapier erschienen. Die Forscher stellen fest:

“Firstly, a withdrawal from the ranking is the less likely the more points a scholar has achieved over his academic career. Secondly, more senior scholars are more likely to boycott the ranking than younger ones. And thirdly, the more reputed the average outlet is in which a scholar published his or her papers the less likely he or she is to boycott the ranking.”

Dies führt Berlemann und Haucap zu folgendem Fazit:

“This finding supports the impression that we currently do not only see a change of generations within the German‐speaking community of business researchers, but also a change of culture. Younger researchers are more internationally oriented and strive for publications in internationally well renown journals with high impact factors.”

Ich hatte mit dem Einverständnis von Berlemann und Haucap eine vorläufige Version der Studie an die Ranking-Kritiker Alfred Kieser und Margit Osterloh weitergeleitet. Sie haben mir eine Stellungsnahme geschickt, in der sie die Arbeit heftig kritisieren: Die Forscher würden “gravierende methodische Fehler” machen,betrieben eine “wissenschaftliche Veredelung von Vorurteilen” und stempelten die Aussteiger “zu Losern”.

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Die Illusion der Schuldenbremse

Das Bundesverfassungsgericht urteilt am Mittwoch nicht nur über die Verfassungsmäßigkeit des Rettungsschirms ESM sondern auch über den europäischen Fiskalpakt. Ein wichtiger Bestandteil davon ist die europaweite Verankerung von Schuldenbremsen. Sie sollen künftig Schuldenkrisen verhindern und das Vertrauen der Märkte in die Eurozone vebessern, lautet die Begründung. In einer aktuellen Studie hat die KfW diese Argumente auf den Prüfstand gestellt. Die Analyse zeigt, dass diese Erwartungen verfehlt sind. Dafür liefert die Studie ein anderes Argument für die Schuldenbremse, das in der öffentlichen Debatte kaum eine Rolle spielt. Aber der Reihe nach.

- Dass eine Schuldenbremse die Schuldenkrise nicht verhindert hätte, zeigen die Beispiele Spanien und Irland. Beide Länder waren Musterschüler bei der Einhaltung der Maastrichter-Kriterien.Zwischen 1999 und 2007 erzeilten sie im Schnitt Haushaltsüberschüsse von 0,2% (Spanien) und 1,6 % (Irland) des BIP. Dennoch hat die Krise beide voll erwischt, WEil nicht der Staat sondern der Prtivatsektor sehr hohe Schulden angehäuft hat.

- Auch das Marktvertrauen lässt sich durch Schuldenbremsen kaum verbessern. Darauf deutet zumindest ein Vergleich von Spanien und Großbritannien hin. Obwohl Spanien im Gegensatz zu Großbritannien den strengen Haushaltsregeln des Stabilitäts- und Wachstumspakts unterliegt, muss es am Anleihemarkt deutlich höhere Risikoprämien zahlen.Dabei steht Spanien aus struktureller Sicht in vielen Punkten besser da als Großbritannien: Es hat einen niedrigeren Schuldenstand (70% des BIP vs. 87%), geringere Haushaltsdefizite und es hat drastischere Sparanstrengungen unternommen.

Offenbar sind für die Risikoprämie am Anleihemarkt andere Faktoren wichtiger als die Schuldenbremse. Sie haben mit den Eigenheiten einer Währungsunion zu tun.Wichtigster Punkt ist die lender of last resort Funktion der Notenbank. Käufer britischer Staatsanleihen wissen, dass ihnen die Bank von England im Notfall die Anleihen abkaufen würde, falls der britische Staat in Zahlungsschwierigkeiten geriete.Im Falle Spaniens wissen die Anleger hingegen nicht, ob die EZB dasselbe tun würde. Wie wir grade sehen, ist die Hürde für eine EZB-Intervention höher – schließlich ist damit eine Umverteilung der Risiken eines spanischen Zahlungsausfalls verbunden. Daher besteht die Gefahr, dass Spaniens Spar- und Reformbemühungen schnell erlahmen. Das Hauptargument für eine Schuldenbremse ist nun, dass sie dieser Gefahr entgegenwirken könnte – und damit der EZB den Spielraum für eine Intervention eröffnen würde.

Kurzum: Schuldenbremsen erfüllen die in sie gesteckten Erwartungen zwar nicht, aber sie sind trotzdem sinnvoll, weil sie der EZB den Spielraum für Interventionen am Anleihemarkt eröffnen.

Kritikpunkt bei der Ausgestaltung der deutschen Schuldenbremse ist allerdings, dass sie Zukunftsinvestitionen nicht gesondert berücksichtigt. Gemeint sind Investitionen wie zum Beispiel der Bau eines Hochseedeichs, der sich über einen sehr langen Zeitraum auswirkt. Andere Euro-Länder solltendeshalb die deutsche Schuldenbremse nicht zum Vorbild nehmen, so die Empfehlung. Stattdessen sollten sie einen Kreditrahmen von 1,5 % des BIP für Zukunftsinvestitionen zulassen.

BWL-Ranking 2012 – die Ergebnisse

In den vergangenen Wochen und Monaten wurde viel darüber diskutiert, und mehr als  300 Forscher boykottieren es: Das Handelsblatt BWL-Ranking 2012.

Hier die Ergebnis-Tabellen für das Personenranking (die Ergebnisse des Uni-Rankings veröffentlichen wir nächste Woche Montag)

Top-250 Lebenswerk (Publikationen seit Karrierebeginn)

Top-100 Unter 40 Jahren

Top-100 aktuelle Forschungsleistung (Publikationen seit 2008)

Der Boykott hat übrigens sehr überschaubare Auswirkungen auf die Aussagekraft der Ranking-Ergebnisse (Details dazu hier).

Update: Der Begleittext zum Ranking, eine Dokumentation der wichtigsten Kritikpunkte der Ranking-Gegner sind inzwischen online. Die Methodik des Rankings wird hier erläutert, die Zeitschriftenliste findet sich hier.

Die Initiatoren des Offenen Briefs gegen das Handelsblatt-Ranking,  Alfred Kieser und Margit Osterloh, beziehen in  einen Gastbeitrag zur Handelsblatt-Berichterstattung Stellung (dieser Text ist parallell auch im Blog der Ranking-Gegner erschienen.)

 

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So wirkt sich der Boykott-Aufruf auf das BWL-Ranking aus

Jörg Schläpfer von der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich hatte in den vergangenen Tagen allerhand zu tun: Er pflegt die Forschungsmonitoring-Datenbank, die  unter anderem Grundlage für das Forschungsranking BWL des Handelsblatts ist. Seit dem vergangenen Wochenende hat Jörg sich durch hunderte von E-Mails gearbeitet und in der Datenbank vermerkt, welche Forscher  nicht im Personenranking erfasst sein wollen.

Insgesamt haben sich in diesem Jahr 339 Betriebswirte auf die “Robinson-Liste” setzen lassen – deutlich mehr als bei unserem ersten BWL-Ranking vor drei Jahren. Die allermeisten Forscher haben sich nach dem von Alfred Kieser und Margit Osterloh initiierten Boykott-Aufruf bei uns gemeldet. (Zu den Argumenten der Kritiker habe ich hier im Handelsblog Stellung bezogen, eine ausführlichere Stellungnahme folgt in den nächsten Tagen.)

Insgesamt haben wir 3016 für das BWL-Ranking relevante Forscher in unserer Datenbank erfasst, von denen 2224 mindestens eine für das Ranking relevante Publikation haben. Grob geschätzt machen die Ranking-Verweigerer also elf Prozent der Wissenschaftler nicht mit.

Die Auswirkungen auf das Personenranking sind aber deutlich geringer, als diese nackten Zahlen suggerieren.

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