BWL-Forscher rufen zum Boykott des Handelsblatt-Rankings auf – mit Update

In knapp zwei Wochen – am 10. September – veröffentlicht das Handelsblatt die Neuauflage des BWL-Rankings. Wir bieten Forschern, die nicht mitmachen wollen, eine Opt-Out-Möglichkeit aus den Personenrankings (für das  Hochschul-Ranking werden die Personen trotzdem mitgezählt).

Einige Betriebswirte um Margit Osterloh (Uni Zürich) und Alfred Kieser (Zeppelin Universität, Friedrichshafen) haben jetzt einen Boykott-Aufruf initiiert und einen offenen Brief verfasst, der dem Handelsblatt vorliegt. Darin heißt es:

Warum wir aus dem Handelsblatt BWL-Ranking ausgestiegen sind

Am 9. September [Anmerkung: tatsächlich ist es der  10. September] dieses Jahres wird das Handelsblatt in seinem zweiten BWL-Ranking wieder verschiedene Ranglisten veröffentlichen: die der besten 250 deutschsprachigen Betriebswirte nach den Forschungsergebnissen ihres Lebenswerkes, die der 100 Besten nach den Forschungsergebnissen der letzten 5 Jahre und die der 100 Besten unter 40 Jahren. Ermittelt werden diese Ranglisten auf der Basis der in Zeitschriften veröffentlichten Aufsätze. Buchveröffentlichungen werden nicht berücksichtigt. Die Aufsätze werden nach einem vom Handelsblatt ermittelten Maßstab gewichtet, welcher die Qualität der jeweiligen Zeitschrift und der darin veröffentlichten Arbeiten zum Ausdruck bringen soll.

Die Unterzeichnenden haben dem Handelsblatt mitgeteilt, dass sie in keiner dieser Ranglisten geführt werden möchten.

Dies sind die Gründe, die uns zu diesem Schritt bewogen haben:

  1. Eindimensionalität der Leistungsmessung: Personenrankings, die ausschließlich auf die Publikationsleistungen abstellen, blenden aus, dass es noch weitere Tätigkeiten gibt, die darüber entscheiden, wie gut ProfessorInnen ihrer Aufgabe insgesamt gerecht werden. Diese umfasst neben der Forschung u.a. Lehre, Betreuung von Studierenden, Mitwirkung in der Selbstverwaltung, Vermittlung von Forschungsergebnissen in die Praxis. Rankings des Forschungsoutputs, besonders solche, die eine Öffentlichkeitswirkung entfalten, führen indirekt zu einer Abwertung von Tätigkeiten außerhalb der Forschung. Es wird nur das gemessen, was gemessen werden kann; genau das aber hat dann für die Unterzeichnenden eine Anreizwirkung, die sie für nicht wünschenswert halten. Das Argument, es handele sich ja „nur“ um ein Forschungsranking, verliert damit seine Unschuld.
  2. Methodische Mängel: Darüber hinaus enthält das Handelsblatt-BWL-Ranking gravierende methodische Mängel und vermittelt deswegen ein unzutreffendes Bild der Forschungsleistungen von WissenschaftlerInnen. Auf der Basis verschiedener Zeitschriften-Rankings werden Indikatoren der Qualität von Zeitschriften ermittelt, mit denen die in verschiedenen Zeitschriften erschienen Aufsätze einzelner Wissenschaftler gewichtet werden. Diese Indikatoren spiegeln nicht die Qualität der jeweiligen Publikationen wider. Zeitschriftenrankings ermitteln eine durchschnittliche Qualität der in den erfassten Zeitschriften veröffentlichten Beiträge. Weil aber die Aufsätze einer Zeitschrift eine höchst unterschiedliche Qualität aufweisen, sagt der Durchschnitt kaum etwas über die Qualität einzelner Aufsätze aus und macht keinesfalls die Würdigung des einzelnen Aufsatzes entbehrlich. Auch bieten die von den Zeitschriften eingeholten Gutachten in keiner Weise eine Gewähr dafür, dass einzelne veröffentlichte Aufsätze über ein der Einstufung der Zeitschrift entsprechendes Qualitätsniveau verfügen. Die Kombination verschiedener Rankings in den Handelsblatt-Ranglisten macht es unmöglich, die Qualität der Datenbasis abzuschätzen.
  3. Keine Neutralität gegenüber Fachgebieten: Ein weiterer methodischer Mangel liegt darin, dass die Chancen von WissenschaftlerInnen verschiedener Fachgebiete im Handelsblatt-Ranking gut abzuschneiden, nicht gleich groß sind. So finden sich beispielsweise unter den ersten 50 Betriebswirten im letzten Handelsblatt-Ranking von 2009 nach dem Lebenswerk keine Vertreter aus den Bereichen Steuerlehre oder Rechnungswesen. Daraus kann sicherlich nicht der Schluss gezogen werden, dass Vertreter dieser Fachrichtungen weniger gute Wissenschaftler sind als z.B. Vertreter des Fachs Marketing.
  4. Falsche Anreizwirkungen zum Schaden für die Wissenschaft: Rankings beeinflussen das Verhalten von WissenschaftlerInnen in einer Weise, die der Wissenschaft schadet. Sie veranlassen WissenschaftlerInnen, nicht mehr das zu erforschen, was sie interessiert und was für den Fortschritt der Wissenschaft wichtig ist, sondern das, was Ranking-Punkte bringt. Die Innovativität der Wissenschaft nimmt ab: Ein System, in dem sich alle an den gleichen Kriterien orientieren, verliert seine Innovationsfähigkeit. So schreiben viele WissenschaftlerInnen keine Bücher mehr, denn diese gehen nicht in die Bewertung ein. Sie verfolgen keine riskanten Projekte mehr, sondern variieren in einem hohen Maße das Bewährte. Auch versuchen sie, aus ihren Forschungsprojekten so viele Aufsätze wie möglich zu pressen, indem sie bspw. identische oder fast identische Textpassagen in mehreren Aufsätzen verwenden.Rankings können Berufungskommissionen und andere universitäre sowie nicht universitäre Gremien dazu verleiten, sich nicht mehr inhaltlich mit den Forschungsergebnissen von BewerberInnen zu beschäftigen, sondern sich an Rankings zu orientieren. So bleiben Manipulationen in Berufungsverfahren unentdeckt. Auch bergen sie die Gefahr, dass freie Positionen nicht mit WissenschaftlerInnen besetzt werden, die in die jeweiligen Forschungskontexte passen, sondern mit solchen, die die Ranking-Bilanz der Fakultät oder der Universität verbessern.
  1. Falsche Anreizwirkung zum Schaden für die Gesellschaft: Die für das Ranking herangezogenen Zeitschriften sind in großem Ausmaß von ihrer Ausrichtung her wenig an ‚lokalen‘ Fragestellungen interessiert. Das schadet der lokalen und regionalen Einbettung von Universitäten und den damit verbundenen positiven Auswirkungen auf die Gesellschaft wie z.B. wissenschaftliche Analyse lokaler Probleme und Ausarbeitung entsprechender Lösungsansätze.

Personenrankings sind kein geeignetes Instrument, die Qualität von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zu messen. Diese festzustellen, bleibt eine Sache des lebendigen Diskurses.

Wir nehmen diese Kritik sehr ernst. Festzuhalten ist aber, dass die Methode, die wir anwenden, eine in den Wirtschaftswissenschaften international gängige Vorgehensweise zur Evaluierung von Forschungsleistung ist: Dass von der Qualität einer Fachzeitschrift auf die Qualität eines Aufsatzes geschlossen wird, ist in der akademischen Praxis gängige Praxis. Genau aus diesem Grund versuchen ja Wissenschaftler, ihre Arbeiten zuerst in den besonders renommierten Fachzeitschriften zu veröffentlichen.

Auch die Fokussierung auf Journal-Publikationen haben wir uns nicht ausgedacht. Dieses Vorgehen reflektiert einen Trend, der in der internationalen Wirtschaftswissenschaft seit mehreren Jahrzehnten existiert und sich zunehmend auch an deutschen Hochschulen – vor allem unter jüngeren Forschern – durchsetzt. Man kann diesen Trend mögen oder nicht, aber er existiert unabhängig von Handelsblatt-Ranking. Einer der Gründe für die stärkere Konzentration auf Fachzeitschriften ist, dass dort, anders als bei Monographien, eine externe Qualitätskontrolle durch unabhängige Gutachter stattfindet.

Das Handelsblatt-Ranking konzentriert sich bewusst nur auf die Messung der Forschungsleistung, die eine der Kernaufgaben schlechthin von Hochschullehrern ist. Nicht ohne Grund steht die Forschungsleistung eines Wissenschaftlers im Mittelpunkt von Personalentscheidungen bei Hochschulen.  Universitätsprofessoren (nur diese werden von uns gerankt) haben mit dem Argument, dass sie Zeit für ihre Forschung brauchen, eine deutlich niedrigere Lehrverpflichtung als FH Professoren.   Das Ranking erhebt zudem nicht den Anspruch, die “besten” Betriebswirte zu bennen, sondern die “forschungsstärksten”.

Selbstverständlich kann und darf kein Ranking die genaue Analyse von individuellen Forschungsleistungen in einer Berufungskommissionen ersetzen. Leider scheint nicht jede Berufungskommission dazu in der Lage zu sein, wie auch uns zu Ohren kommt. (So soll es einen Professor geben, der aufgrund eines Fehlers in einem frühen VWL-Ranking einen Lehrstuhl bekommen hat.)

Um es ganz klar zu sagen: Wenn Berufungskommissionen nur noch Handelsblatt-Punkte zählen statt die Arbeiten der Kandidaten im Detail zu würdigen, machen sie ihren Job nicht richtig. Das offenbart  keine Schwäche des Rankings, sondern eine Schwäche der Disziplin. Von einem Fachgebiet, dessen Kerngeschäft die Analyse komplexer Daten ist, sollte man  einen verantwortungsvollen Umgang Ergebnissen erwarten können. Wir weisen auf die Grenzen der Aussagekraft unserer Rankings zudem ausdrücklich hin.

Zudem ist es natürlich nicht so, dass vor der Einführung des Handelsblatt-Rankings die Personalauswahl an den Universtitäten reibungslos funktionierte. Zahlreiche Wissenschaftler berichten mir, dass gerade in der deutschen BWL früher eine extreme Klüngel- und Günstlingswirtschaft herrschte. Nicht  die Forscher machten das Rennen, die die besten Leistungen vorzuweisen hatten, sondern die, die beste Protektion in der Fakultät hatten.

In ihrem Begleitschreiben, mit der Margit Osterloh ihre Kollegen zum Ranking-Boykott aufruft, begründet sie dies unter anderem mit dem “Verhalten von einigen Wissenschaftlern” begründet, “das bis zu Manipulationen reicht, wie jüngst  bekannt geworden ist”.

Ohne Ulrich Lichtenthaler namentlich zu nennen, spielt sie damit auf die Vorwürfe gegen den Mannheimer Betriebswirten an, von dem inzwischen sechs Arbeiten offiziell widerrufen wurden. In seinen Arbeiten sind jüngst zahlreiche Fehler in der Statistik bekannt geworden, zudem wird ihm Vorgeworfen, Eigenplagiate produziert zu haben – Lichtenthaler bestreitet aber, dass es sich dabei um  bewusste Manipulationen handelt.

Kommissionen der Universitäten Mannheim und der WHU Vallendar, wo Lichtenthaler promoviert hat, haben vor eingen Wochen mit der Untersuchung der Vorwürfe begonnen.  Neben den Statistik-Fehler, die  er einräumt und bedauert, werfen ihm die Herausgeber der Zeitschrift “Research Policy” vor, sehr ähnliche Arbeiten ohne Querverweise in verschiedenen Fachzeitschriten veröffentlicht zu haben.

Ich finde es erstaunlich, dass Margit Osterloh zwischen den Zeilen in einer E-Mail, die an viele Betriebswirte verschickt wird, einen ihrer Kollegen derart vorverurteilt. (* dazu das Update ganz unten)

Ulrich Lichtenthaler wird nicht nur mit keinem Wort erwähnt, sondern ich spreche ganz allgemein von jüngst bekannt gewordenen Manipulationen als Reaktionen auf Rankings (nicht nur des HB-Rankings).Gemeint sind z.B. auch die 13 Retractions von Diederick Stapel.  Ihre Bemerkung ist deshalb eine bösartige Unterstellung, die ich scharf zurückweise. I

Generell hat es Manipulationen von  Forschungsleistung in der deutschsprachigen Wirtschaftswissenschaft schon lange vor der Einführung des Handelsblatt-Rankings gegeben. Der Serien-Plagiator Hans-Werner Gottinger ist ein Beispiel dafür – und auch der Züricher Volkswirt Bruno Frey, der über viele Jahre mit Eigenplagiaten seine Publikationsliste künstlich aufgebläht hat, wie im vergangenen Jahr bekannt wurde. Auch die meisten umstrittenen Lichtenthaler-Publikationen sind erschienen, lange bevor das erste Handelsblatt-BWL-Ranking erschien.

Durch die Transparenz, die die Rankings über die Forschungsleistungen der einzelnen Wissenschafter herstellen, steigt aus meiner Sicht eher die Gefahr für Manipulatoren – die Wahrscheinlichkeit, dass bei Personen mit nahezu unglaublichen Publikationsleistungen genauer hingeschaut wird, steigt, wie die Beispiele Lichtenthaler und Frey zeigen.

Generell finde ich das Argument, der Anreiz zu Manipulationen steige durch das Ranking, etwas fragwürdig. Folgt man dieser Logik, so müsste man die  Tour de France und die Olympischen Spiele absagen, weil es immer wieder Doping-Sünder gibt.

Zum Schluss noch ein organisatorischer Hinweis: In der E-Mail, die Frau Osterloh an ihre Kollegen verschickt hat, wird ein falscher Ansprechpartner für das Opt-Out genannt. Bitte schicken Sie Opt-Out-Anfragen nicht an Anja Müller, sondern direkt an Jörg Schläpfer von der KOF an der ETH Zürich,  die das Portal Forschungsmonitoring betreibt, geschickt werden (schlaepfer at  kof.ethz.ch),  und  cc an mich (o.storbeck at vhb.de).

Zudem können wir aus organisatorischen Gründen nur Abmeldungswünsche beachten, die bis zum 31. August bei uns  eingegangen sind.

* Update: Gerade erreicht mich eine Email von Margit Osterloh, in der sie die Kritik, sie würde Lichtenthaler vorverurteilen, zurückweist. Sie schreibt in einem Kommentar hier im Blog:

“Sie schreiben, ich würde Ulrich Lichtenthaler vorverurteilen. Davon kann keine Rede sein. In meinem mail an die Kollegen schreibe ich:

“Die Gründe liegen zum einen in gravierenden methodischen Mängeln und zum anderen im negativen Einfluss von Rankings auf das Verhalten von einigen Wissenschaftlern, das bis zu Manipulationen reicht, wie jüngst bekannt geworden ist.”

Ich spreche ganz allgemein von jüngst bekannt gewordenen Manipulationen als Reaktionen auf Rankings (nicht nur des HB-Rankings).Gemeint sind auch andere Retractions. Ihre Bemerkung ist deshalb eine bösartige Unterstellung, die ich scharf zurückweise. Ich erwarte von Ihnen eine Richtigstellung.”

Frau Osterloh legt zudem Wert darauf, dass Sie bei den Manipulationen, die sie in ihrer Email erwähnte, keine Eigenplagiate im Sinn hatte. Dazu schreibt sie:

“Die Erwähnung von sog. “Selbst-Plagiaten” im Zusammenhang mit Manipulationsvorwürfen empfinde ich ebenfalls als bösartig. Manipulationsvorwürfe (unbeabsichtigt oder nicht) sind etwas anderes als solche von Selbst-Kopien. Erstens haben letztere nichts mit Plagiaten zu tun, weil man nicht von sich selber stehlen kann. Zweitens können etwaige Selbst-Kopien – anders als Manipulationen – von der wissenschafltichen Community im Internet selber überprüft werden.”

 

Noch ein Update: Die Initiatoren des Boykott-Aufrufs gegen das Handelsblatt-Ranking haben  ein eigenes Blog gestartet, in dem sie auf meine Argumente eingehen und in dem es auch eine sehr kontroverse und interessante Diskussion gibt.

Besuchen Sie mein englisches Weblog “Economics Intelligence” und meine Facebook-Seite  - ich freue mich über jedes “like”!

 

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Alle Kommentare [37]

  1. Wirklich traurig. Ich finde, Journalisten dürfen ranken, was und wen sie wollen, solange sie damit nicht die Privatsphäre verletzen. Einem solchen Ranking muss ja keiner folgen, wenn er nicht will – soll halt jemand ein anderes Ranking aufmachen.
    Also: Warum überhaupt ein Opt-Out? Warum beschneidet das HB hier seine Pressefreiheit selbst? Gibt es dafür eine Erklärung?

  2. Sie sprechen davon, mit Ihrem Ranking den Anspruch zu haben, nicht die “besten” Betriebswirte zu benennen, sondern die “forschungsstärksten”. Wäre es sachlich nicht richtiger, dass Sie die “(Aufsatz-)outputstärksten” BWLer ranken? Ein solches Ranking scheint mir grundsätzlich legitim zu sein, würden Sie es auch als solches bezeichnen, wären m.E. viele der vorgebrachten Kritikpunkte – andere Leistungen der Universitätsprofessoren werden nicht berücksichtigt, Quantität ist nicht gleich Qualität, Veröffentlichung in einem renommierten Journal ist kein Garant für die Qualität des Aufsatzes – nicht mehr vorzubringen. Dem gemeinen Leser würde damit aber auch nicht mehr suggeriert, er erhielte ein aussagekräftiges Ranking über das Gesamtpaket “Forschungsstärke”, sondern er/ sie muss beim Lesen bewusst eine Entscheidung darüber treffen, welche Aussagekraft a) die quantitative Erfassung der Zeitschriftenveröffentlichungen und b) der zugrunde gelegte Wertigkeitskatalog zum Renomee der Zeitschriften für sie/ ihn hat.

  3. @Externer Beobachter: Sie tun so, als ob man in gute Journals mal “ebenso” kommt und dort publiziert, was man gerade so will. Das zeigt mir, dass Sie da keinerlei Erfahrung haben. Gute Journals haben Ablehnungsquoten von 90% und selbst wenn man dort publizieren darf, dann meistens erst nach 3-4 intensiven Review-Runden.

    Der Graben in der deutschen BWL wird immer größer: Auf der einen Seite, die international ausgerichteten, die Feedback suchen und sich gerne mit anderen messen. Auf der anderen Seite diejenigen, die sich über ihren Titel definieren.

    Ich weiß zu welcher Seite ich gehören will!

  4. Es ist zwar schon alles gesagt – aber noch nicht von allen. So erscheint der wissenschaftliche Betrieb. Jeder glaubt, unentwegt irgendwelche Ergebnisse publizieren zu müssen. Ob diese Ergebnisse wirklich bedeutend sind, ist offensichtlich irrelevant, denn gelesen werden sie von den wenigsten. Die wissenschaftlichen Journale gleichen Facebook, wo jederman seine aktuellen Befindlichkeiten postet und niemand sie mehr richtig zur Kenntnis nimmt.

    Welche Chancen hätte denn heutzutage ein Wissenschaftler mit nur zwei sehr guten Ideen im Leben? Er würde untergehen in der Flut der Publikationen und nie ungehört und ungelesen versinken.

    Gute Wissenschaft zeichnet sich durch Bedächtigkeit und Sorgfältigkeit aus und durch die Erkenntnis, dass es häufig besser ist zu schweigen als irgendetwas zu sagen. Und gute Professoren zeichnen sich darüber hinaus durch Engangement für die Studenten aus und die Fähigkeit, die Studenten zu selbst-denkenden und kritisch hinterfragenden Akademiker zu erziehen.

  5. Einerseits ist es tatsächlich erfreulich wie sehr sich in der Summe die Publikationsleistung deutschsprachiger Autoren in internationalen Fachzeitschriften gesteigert hat. Ein Anreizsystem, das dazu anregt diesen Weg weiter zu beschreiten ist verdienstvoll, jedenfalls solange es nicht zum einzigen Kriterium wird. Vielen Wissenschaftlern macht es zudem sportlichen Spaß VHB, ISI oder Handelsblatt-Punkte zu sammeln, so wie sich Unternehmensberatern an Vielflieger-Meilen freuen (Punkte für Publikationen muss man sich allerdings härter erarbeiten als Flugmeilen).

    Es überrascht mich aber, dass in einigen der zuvor stehenden Beiträgen die Methodik des Handelsblatt-Rankings so ausdrücklich gelobt wird. Da kann man offenbar unterschiedlicher Ansicht sein. Hinweise ergeben sich z.B. aus den Ausführungen von Mingers & Harzing (2007) im European Journal of Information Systems. Eine alternative, einfache aber gut nachvollziehbare Methodik zu einem gewichteten internationalen Meta-Ranking findet sich in Saßmannshausen (2012), Kapitel 4.3.2 (erschienen beim Eul-Verlag). Einige Kritikpunkte möchte ich hier ausführen, denn gerade weil ich kein grundsätzlicher Gegner von Rankings bin, finde ich schade, dass das Handelsblatt-Ranking einige methodische Schwierigkeiten aufweist:

    Dass Äpfel mit Birnen verglichen werden, wenn Forscher aus den Gebieten Marketing, Finance und – sagen wir – Wirtschaftspädagogik in ein und derselben Rangliste verglichen werden, das und anderes wurde schon angesprochen. Was aber sollte ferner bedacht werden?

    Zu bemängeln ist m.E. u.a. dass das Handelsblatt-Ranking nur drei Rankings inkorporiert, VHB Jourqual, Erasmus (EJL) und SSCI/SCI. Das ist für ein Meta-Ranking eine sehr schmale Datenbasis die zudem regional unausgewogen erscheint (DACH+NL, aber kein angelsächsisches Ranking). In dem oben erwähnten Meta-Ranking von Entrepreneurship-Zeitschriften (Saßmannshausen 2012) z.B. habe ich 17 internationale Rankings berücksichtigt. Übrigens ist der Mehraufwand je zusätzlichem Ranking in der Datenauswertung nicht wesentlich und es erscheint mir daher er wäre für die Macher des HB-Rankings gut vertretbar gewesen.

    Dazu muss man zudem noch anmerken, dass die Positionen im EJL (ERASMUS) sich im Wesentlichen nach dem SSCI bestimmen, welcher somit quasi doppelt eingeht.

    Mir fehlt dagegen die Verwendung mindestens eines Rankings aus dem angelsächsischen Raum, dass wie das VHB Jourqual nicht nur Zitationen, sondern auch andere Qualitätskriterien berücksichtigt.
    Entsprechende international bedeutende Listen wie beispielsweise die britischen Aston List (2008) und Cranfield List (2010) bzw. der ABS Guide (2010) oder die australischen ERA (2010) und ABDC (2010) (die zwei umfassendsten Listen in der BWL überhaupt) werden nicht verwendet. Da beispielsweise “Emerald” eine Listung beim SSCI, die m.W. i.d.R. nur gegen hohes Endgelt erfolgt, bis vor kurzem als Verlagspolitik offenbar ablehnte bzw. jedenfalls nicht aktiv unterstützte, werden m.E. besonders einige britische Journals zumindest unterbewertet.

    Eine Alternative oder zumindest zusätzliche Datenquelle neben dem SSCI wäre ferner das „SJR SCImago Journal Rank“, das den Impact nicht basierend auf der relativ kleinen Datenbank von Thomson Reuter‘s berechnet (wie der SSCI) sondern stattdessen SCOPUS als – sehr viel größere – Datenbasis verwendet und übrigens frei zugänglich ist (siehe http://www.scimagojr.com/index.php).
    Es gibt Zeitschriften, deren Impact nach SJR stärker ist als der vieler SSCI-gelisteter Journals, die aber dennoch nicht beim SSCI geführt werden.

    Beim SSCI tritt zudem das Problem auf, dass Eigenzitate nicht korrigiert werden. So kommen tendenziell selbstreferentielle Zeitschriften auf gute Rangplätze, indem dort sehr gerne Aufsätze aus derselben Zeitschrift zitiert werden. So ist z.B. der 2-Jahres-Wert im SSCI der „Technovation“ sogar besser als derjenige von „Research Policy“ oder dem „Journal of Business Venturing“ (siehe Financial Times Top 30-Liste). Im HB-Ranking kommt „Technovation“ so auf dieselbe Stufe wie z.B. “Long Range Planing” und ist sogar vor ZfB und ZfbF platziert. Übrigens wirkt sich hier der oben beschriebene Umstand ungünstig aus, dass der SSCI im Grunde genommen doppelt ins HB-Ranking eingeht (direkt und über das EJL), was die „Technovation“ gegenüber ihrer „D“(!)-Klassifizierung im VHHB Jourqual sehr puscht. (Die Einschätzung der durchschnittlichen Qualitätsanmutung von Aufsätzen in der „Technovation“ im Vergleich zu den anderen Periodika möchte ich jedem Leser selbst überlassen.).

    Aus den vorgenannten und aus weiteren, hier noch nicht aufgeführten Gründen glaube ich, dass die Methodik des Handelsblatt-Rankings nicht ausreicht, um damit einen Maßstab zu schaffen, der die Publikationsleistungen der deutsche BWL im internationalen Relationen derart populär würdigt, was aber der Anspruch des Handelsblatt-Rankings an sich selbst ist (siehe Müller und Storbeck 2009 im Handelsblatt) und an dem es sich messen lassen muss. Gemessen an der öffentlichen Aufmerksamkeit und dem Einfluss auf Berufungsverfahren, den das Handelsblatt-Ranking genießt, wäre eine massive methodische Weiterentwicklung gegenüber dem letzten Ranking wünschenswert gewesen, gerade weil man Rankings – in vernünftigem Maße – eine Bedeutung beimessen möchte.

    Dr. Sean Patrick Saßmannshausen
    Schumpeter School of Business and Economics
    Bergische Universität Wuppertal

  6. Als Doktorand der BWL bin ich schockiert über die aktuelle Entwicklung, offenbar wollen die forschungsschwachen Professoren die MÖGLICHEN Verfehlungen eines Einzelnen nutzen, um das Rad in die Steinzeit zurückdrehen. Sind dann jetzt wieder Dissertationen exzellent, die a la Guttenberg nur der Erstgutachter als summa cum laude eingestuft hat, anstatt das objektive und externe Feedback von anerkannten Fachzeitschriften und anonymen Gutachtern einzuholen? Werden Lehrstühle künftig dann auch wieder danach vergeben, aus welcher “Schule” ein Bewerber kommt? Wenn das die Zielsetzung sein soll, dann gute Nacht Forschungs- und Uni-Standort Deutschland. Von meiner Universität hat übrigens genau derjenige Professor unterzeichnet, dem Forschung UND Lehre völlig egal sind und der statt dessen den Hauptteil seiner Arbeitsleistung in seine (private) Beratung steckt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt…

  7. Ich danke dem HB fuer das Ranking! Nur so gibt es ueberhaupt eine Chance fuer die deutsche BWL wieder an die internationale Forschung anzuschliessen. Das HB Ranking zeigt in vielen Faellen, dass der Kaiser keine Kleider hat. Klar, dass der Kaiser das nicht mag…

    Die Qualitaet der Argumente im Aufruf entspricht in etwa der Qualitaet von durchschnittlichen Aufsaetzen in Festschriften – und zeigt daher auch sinnbildlich, warum die deutsche BWL in den letzten Jahrzehnten international (bis auf sehr (sic!) wenige Ausnahmen) keine Rolle gespielt hat.

  8. Methodik: Das neue Ranking ist methodisch klar verbessert – und besser als die ganzen singulären Rankings. In manchen Kommissionen ging vor der VHB Befragung zu JOURQUAL ein mail herum, man möge doch besonders die Journal aus dem eigenen Feld besonders bedenken. Da sind mir Impact Factor-basierte Rankings bzw. solche, die IFs mit berücksichtigen schon lieber.
    Gewichtung: Die relativen Gewichte passen extrem gut. Und damit auch die Abstände: Die besten Aufsätze/initialen Ideen sind nämlich gar nicht immer in A+ erschienen, sondern eben in dem, was nun HB 0.4 oder 0.5 ist, weil die Ideen nicht dem Mainstream in A+ Communities entsprochen haben.
    Zunahme der Sichtbarkeit der Forscher aus DACH: man schaue sich auch mal an, wer aus DACH in den letzten fünf bis acht Jahren Editor, European Editor, Associate Editor wurde und wer Best Paper und Best Reviewer Awards bekam. Das ist wirklich klasse. Als unsere Altvorderen noch am Ruder waren, hat man bei internationalen Konferenzen Leute aus DACH maximal belächelt.
    Generell zur Debatte und derer, die sie losgetreten haben: “Science advances one funeral at a time.” -Max Planck
    So, ich reviewe jetzt lieber ein Paper für ein 0.7er Journal…

  9. NN halte ich für Unfug.
    Allenfalls ein genereller Hinweis, wie viele Personen am Opt-Out teilgenommen haben, und wie viele davon in den jeweiligen Rankings vertreten gewesen wären.
    Es ist doch ganz einfach: niemand ist gezwungen, teilzunehmen. War auch beim letzten Mal nicht so, und ist auch bei den VWL-Rankings nicht so. Wer nicht teilnimmt, ist halt nicht drin.
    Wo ist da das Problem?

  10. Zwei Gedanken, die glaube ich so noch nicht geäußert wurden (sorry for cross posting):
    1. Trotz aller Schwächen stärkt das Ranking die Position der BWL im Wettbewerb mit der VWL, aber auch mit anderen Disziplinen, da dadurch BWL-Forschung sichtbarer wird.
    2. Zu den unbestreitbaren methodischen Schwächen: Ich denke auch, dass das HB-Ranking nicht die richtigen Anreize setzt. Allerdings sehe ich durch die Gewichtung des HB-Rankings eher den Anreiz, nicht in A+, sondern eher in B/C zu publizieren, um damit den HB-Punktwert zu maximieren. A+Zeitschriften haben mit 1 oder manchmal auch nur 0,7 Punkten einen zu geringen Abstand zu B/C Zeitschriften, die teilweise 0,5 Punkte bringen. (Offensichtlich erachte ich es als wichtig, in A+ zu publizieren, insb. auch im Hinblick auf die internationale Wahrnehmbarkeit der BWL-Forschung aus D/A/CH.)

  11. Lieber Herr Gassmann, vollste Zustimmung zu Ihren Aussagen! Danke für Ihren Beitrag. Genau so ist es. Viele Grüße!

  12. Da einige forschungsorientierte Personen aus der Top 50 aus dem Personenranking ausgestiegen sind, schlage ich vor, dass Sie NN einführen. Ich weiss persönlich von mindestens 5 Personen der Top 50, die das Ranking aus den genannten Gründen boykottiert haben.
    Für die Zukunft hoffe ich, dass das HB dies einstellt. Die Disziplin entwickelt sich dadurch nicht besser. Ich selbst bekenne mich übrigens voll zur internationalen Forschung in Journals, wie zahlreiche meiner anderen Kollegen.

  13. Ich habe das folgende Gedicht nicht verfasst, sondern Eugen Roth hat es geschrieben. Wenn ich es aber verfasst hätte, würde ich es Ihnen ganz persönlich, Lieber Herr Storbeck, und allen Kollegen, die meinen, den Stab über Prof. X oder Prof. Y brechen zu können, widmen.

    Der Salto
    Ein Mensch betrachtete einst näher
    die Fabel von dem Pharisäer,
    der Gott gedankt voll Heuchelei
    dafür, dass er kein Zöllner sei.
    Gottlob! rief er in eitlem Sinn,
    dass ich kein Pharisäer bin!
    -Eugen Roth

  14. @ Rübenbauer: Vielen Dank für Ihren Kommentar, dem ich mich gerne anschließen möchte. Auch ich hatte den Eindruch, dass Herr Storbeck seine wertvolle Arbeit am Ende durch seine persönlichen Angriffe wieder zunichte macht.
    Vielen Dank auch an Herrn Gebhardt für seinen Kommentar!

  15. Die von Frau Osterloh vorgebrachten fünf Argumente sind berechtigt.

    Es ist aber die Frage, ob die Welt ohne Handelsblatt-Ranking eine bessere wäre. Methodisch scheint es mir solide zu sein, auch wenn natürlich einzelne inhärente Schwächen bleiben, z.B. disziplinübergreifende Wissenschaftler, die auch in Nicht-BWL/VWL-Zeitschriften publizieren.
    Insgesamt geht die Kritik eher in Richtung schlechten Umgangs mit dem Ranking. Beklagt wird z.B., dass manchereiner offenbar das Rankingergebnis als Ersatz für eine ernsthafte inhaltliche Beschäftigung nimmt, was gerade dann mit viel Arbeit verbunden ist, wenn der/die potentiell zu berufende Kolleg(e/in) nicht in demselben Fachgebiet forscht. Es ist mit dem Ranking wie mit Kreditratings: Für wen es um etwas geht, ist gut beraten genauer hinzuschauen statt aufgrund eines “AAA” oder 5,87 HB-Punkten einfach zu sagen:”Passt schon!”

    Schließlich muss ich aber auch noch eine Kritik an Herrn Storbeck äußern. Es ist zwar lobenswert, dass er sich mit viel Einsatz und Ideen um die Fortentwicklung der Fachrichtung kümmert und Wissenschaftsjournalismus betreibt, der nicht bei “Prof. A aus B hat für seine C-Forschung den D-Wissenschaftspreis erhalten” endet. Daraus und aus seiner Position als “Fachgebietschef” bei Deutschlands wichtigster Wirtschaftszeitung erwächst ihm erheblicher publizistischer Einfluss. Aber damit muss er auch umgehen können. Stil, Schärfe und die Geschwindigkeit des Urteils sind manchmal vollkommen überzogen. Herr Storbeck sollte sich nicht als Zuchtmeister der Wirtschaftswissenschaft in D/A/CH aufspielen. Die völlig unmotivierte Attacke auf Frau Osterloh, was sie wohl mit ihren Aussagen zu falschen Anreizwirkungen andeuten will – da können doch nur die Fälle Prof. X und Dr. Y gemeint sein – Vorverurteilung! Bösartige Unterstellung!! – sind nur das jüngste Beispiel. Mit solchem Verhalten macht er seine eigene Arbeit wieder zunichte.

  16. Lieber Herr Abel, lieber Herr Gebhardt, vielen Dank für Ihre sehr qualifizierten Kommentare – Sie sprechen sicherlich allen leistungsorientierten BWL-Forschern aus dem Herzen.

    @Herr Storbeck: Ist es möglich, ausgetretene Forscher trotzdem anonymisiert zu führen? oder kann das Handelsblatt intern eine Auswertung machen, wie die “komplette” Liste ausgesehen hätte und uns zumindest die Verzerrung wissen lassen (Bsp: von den ausgetretrenen hätten fünf unter den ersten 50 gerankt?)

    Das würde meines Erachtens sehr zur Transparenz und späteren Verwertbarkeit des Rankings beitragen!

  17. Ich finde es sehr interessant, dass hier zwei emeritierte Altprofessoren Luft ablassen über eine neue Welt, die nicht mehr die ihre ist.

    Der absolute Großteil der 189 Unterzeichner wird mit absoluter Sicherheit ohnehin keine große Rolle spielen in den genannten Rankings, und wenn doch, dann sind es Vertreter, die bereits ihre (in Dt. sogar verbeamtete) Professur haben, und dahr schlichtweg nicht mehr “mitspielen” müssen nach den (weltweit gültigen!) Regeln des Spiels – also so what?

    Warum also ein Schattenkrieg gegen Dinge, die sich eh nicht ändern lassen? Glauben die beiden “Altprofessoren” etwa, Forschung und Forscher würde außerhalb (und selbst innerhalb) Deutschlands ANDERS bewertet, als dies das Handesblatt nun tut! Nein, so. Genau so. Und nicht anders. NAHEZU AUSSCHLIEßLICH auf Basis von Rankings. Im UK ist es das ABS, in Australien das ABDC, die Dänen und die Finnen haben eigene, und dann gibt es noch die ISI/JCR Impact Factors für die anglo-amerikanische Welt. In short: nichts anderes macht das Handelsblatt hier nun auch, indem es sogar 3 versch. Rankings als Basis nimmt, und dadurch etwaige Verzerrungen auszubügeln versucht. Und man kann sagen, was man will: das VHB-Jourqual IST und bleibt (in der jeweils aktuellen Version, und hier wurde die von 2011 verwendet!) das absolute Nonplusultra in Deutschland bei BWL-Berufungen, etc.

    Von daher: Handelsblatt, alles richtig gemacht! Weiter so.

  18. *** Meine Mail an Frau Kollegin Osterloh ***

    Liebe Frau Kollegin Osterloh,

    ich teile voll Ihre Ansicht, dass solche Rankings unvollkommene Meßverfahren sind. Bei aller Unvollkommenheit haben sie aber durchaus auch erwünschte Anreizwirkungen. Das ist besonders deutlich und erfreulich im Bereich Rechnungswesen zu beobachten: Mit der steigenden Relevanz der Rankings und der darin starken Gewichtung internationaler Zeitschriften hat sich ein sportlicher Ehrgeiz vor allem vieler junger Rechnungswesenforscher entwickelt, die sich mit ihren Arbeiten dem internationalen Wettbewerb stellen und dort auch reüssieren. Nachdem lange Jahre die Zahl der deutschen Kollegen bei den Tagungen z.B. der American Accounting Association (AAA) oder der European Accounting Association (EAA) im einstelligen oder niedrigem zweistelligen Bereich gelegen hat, ist die Zahl der Teilnehmer und Vortragenden an AAA und EAA fast explosionsartig gestiegen – bei den letzten drei EAA-Tagungen kamen jeweils die meisten Teilnehmer und Referenten aus dem deutschsprachigen Raum – deutlich vor dem UK. Dies spiegelt sich weiter auch in der Zahl internationaler Publikationen wider. Dabei ist es mein Eindruck als häufig in Anspruch genommener Gutachter, dass die Qualität der vorgelegten Arbeiten sich signifikant verbessert hat.

    Ich hoffe, dass meine vorstehenden Anmerkungen zu den nicht-negativen Auswirkungen der zugegeben unvollkommenen Rankings Ihnen ebenfalls willkommen sind.

    Mit besten Grüßen

    Günther Gebhardt

    P.S.: Ich möchte anregen, dass die Kollegen/-innen, die namentlich nicht im Ranking erscheinen wollen, gleichwohl in der Rangliste berücksichtigt bleiben. Dies könnte man leicht dadurch erreichen, dass statt des Namens ein Platzhalter (z.B. N.N. – für No Name) aufgeführt wird.

    Prof. Dr. Günther Gebhardt

    Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt am Main
    Professur für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Wirtschaftsprüfung
    (Chair of Accounting and Auditing)

    RuW-Building, room 3.235 (3rd floor)

    Grüneburgplatz 1
    Hauspostfach 64

    D-60629 Frankfurt am Main

  19. Ich kann mich Jochen nur anschließen: ein sehr peinlicher Versuch das Rad zurückzudrehen und ein veraltetes deutsches Verständnis der BWL-Forschung und deren Praktiken zu rechtfertigen.

    In jedem anderen Beruf wird man bewertet, muss quantitative Ziele erreichen und wird gerankt. Bonuszahlungen und Karrieren hängen in der Industrie vom Erreichen von objektiven Erfolgsmaßen ab. Es zählt Leistung und nicht (nur) persönliche Beziehungen oder Herkunft.

    Es ist dringend Zeit auch in der Wissenschaft mehr objektive Maßstäbe einzuführen und diese bei Berufungen und Fördergeldern zu berücksichtigen um jungen qualifizierten und engagierten Wissenschaftlern die nicht von “renommierten Schulen“ kommen eine faire Chance zu geben.

    Natürlich kann man mit keiner einzelnen Kennzahl die holistische Leistung eines Menschen beurteilen, sondern es sind mehrere Faktoren und Dimensionen zu beurteilen – für BWL-Professoren neben der Forschung auch die und der Forschungstransfer.

    Das Ranking des Handelsblatt (dass sich auch glücklicherweise nicht nur am deutschen VHB Ranking orientiert, sondern auch international anerkannte Journalrankings berücksichtigt) leistet einen wertvollen Beitrag zu mehr Objektivität in der Bewertung von Forschungsleistungen. Es ist wie jedes Ranking auf einen (wenn auch auf einen für BWL Universitätswissenschafter sehr wichtigen) Teilaspekt fokussiert.

    Wie das Ranking verwendet wird ist natürlich eine andere Sache, stellt aber das Ranking selbst nicht in Frage sondern den Umgang der Wissenschaftler, Fakultäten und Universitäten mit dem Ranking.

    Ich kann mich Hr. Storbeck nur anschliessen:
    - wenn Berufungskommissionen sich singulär auf ein Ranking (welches auch immer) stützen, erfüllen sie ihre Aufgabe nicht.
    - wenn einzelne Wissenschaftler ihre Publikationsverzeichnisse künstlich und/oder unethisch aufblähen, dann haben und hätten sie dies auch ohne ein Ranking gemacht (wie im Falle Prof. Frey lange vor Erscheinen des HB-Rankings)

    Es muss natürlich jeder Wissenschaftler für sich entscheiden, ob er sich mit anderen im Rahmen des HB-Rankings im Bezug auf die Forschungspublikationsleistung messen lassen will. Als Argumente gegen das Ranking methodische Mängel (das meist missbrauchtest Argument überhaupt um etwas zu diskreditieren), falsche Reaktionen der Wissenschaftler und Fakultäten auf das Ranking, „falsche Anreizwirkung zum Schaden für die Gesellschaft“ (was auch immer das genau bedeuten soll) anzuführen und sich statt dessen für einen „lebendigen Dialog“ zur Leistungsbeurteilung (was sich für mich einfach nur nach „Klüngelei“ anhört) auszusprechen ist schlicht peinlich.

  20. @Jochen – (etwas) peinlich ist nicht Margit Osterlohs und Alfred Kiesers Engagement sondern Ihre Bemerkung. Ob das, was Sie behaupten “dass das Gros der jungen BWL Profs ganz anders denkt” stimmt, kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen, würde jedoch meinen, es stimmt nicht. Es ist jedoch auch nicht relevant, weil wir uns nicht danach zu richten haben, was die Mehrheit denkt, sondern welche Handlungen und Entscheidungen welche Folgen haben für Wirtschaft und Gesellschaft. Dieser Aufgabe stellen sich Alfred Kieser und Margit Osterloh und sie tun dies stellvertretend für viele (ich behaupte jetzt auch einfach mal: “jüngere”) Kollegen, welche diese Konfrontation scheuen. Dafür gebührt ihnen Dank und Anerkennung, die ich beiden hiermit nochmals ausspreche.

  21. Ich möchte mich teilweise Herrn Luca anschließen: Die grassierende KPI-Wut und die extreme Reduktion von Komplexität, die überall um sich greift ist mitunter erschreckend. Nun wird dieses Phänomen nicht vom Handelsblatt verursacht und dessen Ranking ist auch nicht des Phänomens einziger Ausdruck – aber es ist ein Teil.

    Nun muss sich aber auch die Wissenschaftlerriege, besonders aus der BWL/VWL, diesem Vorwurf stellen. Die extreme Mathematisierung des Feldes führt zum Teil in einigen Publikationen dazu, dass völlig weltfremde Modelle getestet werden oder unsinnige Prämissen/Grundananahmen mit einbezogen werden. Das kann durch eine Flut von Zahlen und Indikatoren gut versteckt werden. Man beachte, dass ich nichtmal den Vorwurf mache, dass dies intentional geschieht. Vielmehr sind Einflußfaktoren: das geringe oder Unverständnis von Statstik (oder der zugrundeliegenden Matkematik dafür), zu starke Vergröberung der Daten, unrealistische Grundannahmen, Datenerhebungsfehler (externe Validität, hallo!), etc. Wer nicht fähig ist seine These/sein Modell in klaren Worten zu erklären und zu begründen, der versteht nicht, dass all diese Zahlen und Indikatoren Denkstützen/Abkürzungen für Sinnobjekte sind und hat vielleicht mitunter den Sinn hinter diesen nicht mehr unter Kontrolle.

  22. @Andreas: Dieses Argument nimmt als Relevanzkriterium ja genau das kritisierte Ranking ;-) ???
    Generell sind die inzwischen 189 Unterzeichnenden ja durchaus nicht als ‘underperformer’ (in einem weit gefassten performance Begriff) zu bezeichnen – insofern gibt dies dem Argument durchaus Gewicht.
    Dass das Handelsblatt sich als ‘objektiver Linienrichter’ geriert, der ja nur bewertet, was ohnehin passiert, ueberrascht als Argument fuer eine Zeitung diesen Kalibers und Anspruchs.

  23. Frau Osterloh, es ist hochgradig peinlich … was treibt Sie da? Sie haben doch eh keine relevanten Publikationen, die Ihnen einen spitzenrang bieten würden. Auf Ihrer Homepage vermarkten Sie Ihr Buch … das ist die alte gute BWL, richtig? Dieses Buch sollen dann Studentengenerationen kaufen müssen und Ihre Assis schreiben die nächste Auflage. Schön, dass diese Zeiten eigentlich vorbei waren. Bitte aktzeptieren Sie, dass das Gros, besonders der jungen BWL-Profs, heute ganz anders denken!

  24. @dansker: What you say is clearly a logical fallacy of the “ad hominem kind” read more here: http://en.wikipedia.org/wiki/Ad_hominem
    The quality of any argument does not depend on personal characteristics of the person saying them or on the way a person conducts their own life nor does it depend on institutions they were employed by. The quality of any arguments rests solely upon their logic and truth. In my view, Osterloh and Kieser have made a number of excellent points and their arguments stand strong. Of course, as with all arguments and as common in scientific debate, they need to be discussed critically and thoroughly.

  25. I sense the authors would have had a much stronger case had they not held professorships in Mannheim and Zurich for decades, the (former) universities of Lichtenthaler and Frey.

  26. I feel Osterloh/Kieser would have had a much stronger case had they not held professorships in Mannheim and Zurich for decades, the (former) universities of Lichtenthaler and Frey, the two most recent alleged self-plagiators.

  27. Liebe Leute,

    Nun wird es langsam absurd. Erinnert sich jemand an die tollen Zeiten als originelle Forschung deutscher BWL-Professoren zuhauf in Monographien und niedrig-gerankten Zeitschriften publiziert wurden, als Professuren an die qualifiziertesten Bewerber vergeben wurden, als Deutschland überhaupt als Ort wahrgenommen wurde, in dem BWL-Forschung auf akzeptablem Niveau durchgeführt wurde? Mir fällt’s schwer. Wir sollten froh sein, dass sich jemand die Mühe macht, dieses Ranking zu erstellen. Wenn man es kritisieren kann, dann eher dass immer noch zuviel schlechte Forschung honoriert wird.

    Und liebe Beobachter “von draussen”: Bitte nicht übersehen, dass Leute wie Sinn oder Osterloh hier nicht in selbstloser Mission unterwegs sind. Frau Osterloh ist familiär eng mit einem notorischen “Selbstplagiator” verbunden, Herr Sinn freut sich über den steten Verkauf seiner Bücher.

  28. Der Handelsblatt-Blog gerät mehr und mehr zur Farce.

    Erst wird gegen aufrechte Ökonomen um Sinn und damit gegen Interessen des deutschen Volks agitiert. Nun wird Wissenschaftsethik anmahnenden Kritikern des HB-Rankings Unterstellung und Verleumdung vorgeworfen.

    Ein solcher Hochmut sollte personalpolitische Konsequenzen zur Folge haben!

    • @Ulrich Fehl: Danke, dass Sie meinen Rauswurf fordern. Aber keine Sorge, ich habe Ende Juli ohnehin gekündigt, weil ich mich einer neuen beruflichen Herausforderung stellen werde. Nur noch ein bisschen Geduld also, dann sind Sie mich hier los.

  29. Völliger Unsinn, sehen Sie sich die Veröffentlichtungslisten derjenigen an, die das Ranking verlassen. Sie hätten eh keine Rolle gespielt. Das ist die Chance, die BWL wieder dahin zu entwickeln, wo sie herkommt: eine ganz große Mauschelei. Dann können Kommissionen wieder diejenigen berufen, die irgendeine Connection haben und brauchen nicht mehr die besten zu nehmen. BWL Profs sollen forschung und jetzt rankt man halt die Leistung. Natürlich haben Rankings Schwächen, aber es ist die besten Objektivierung von Forschungsleistung, die es gibt.

  30. Storbeck hat die VWL mit seinem Ranking kaputtgemacht. In der VWL betreibt (fast) keiner mehr gesellschaftlich relevante Forschung, alle gieren nur noch nach HB-Punkten, um ihre Karriere voranzutreiben.

    Schön, dass sich die BWL das offenbar nicht so gefallen lässt.

  31. Danke, dass Sie die Kritik am Handelsblatt “sehr ernst nehmen” und dies im Blog kommunizieren. Zu denPunkten, welche Sie zu einer Verteidigung von Rankings anführen, werden wir Stellung nehmen. Die unnötigen Angriffe gegen mich will ich aber gleich zurückweisen.

    1. Sie schreiben, ich würde Ulrich Lichtenthaler vorverurteilen. Davon kann keine Rede sein. In meinem mail an die Kollegen schreibe ich.

    “Die Gründe liegen zum einen in gravierenden methodischen Mängeln und zum anderen im negativen Einfluss von Rankings auf das Verhalten von einigen Wissenschaftlern, das bis zu Manipulationen reicht, wie jüngst bekannt geworden ist.”

    Ich spreche ganz allgemein von jüngst bekannt gewordenen Manipulationen als Reaktionen auf Rankings (nicht nur des HB-Rankings).Gemeint sind auch andere Retractions. Ihre Bemerkung ist deshalb eine bösartige Unterstellung, die ich scharf zurückweise. Ich erwarte von Ihnen eine Richtigstellung.

    2. Die Erwähnung von sog. “Selbst-Plagiaten” im Zusammenhang mit Manipulationsvorwürfen empfinde ich ebenfalls als bösartig. Manipulationsvorwürfe (unbeabsichtigt oder nicht) sind etwas anderes als solche vonSelbst-Kopien. Erstens haben letztere nichts mit Plagiaten zu tun, weil man nicht von sich selber stehlen kann. Zweitens können etwaige Selbst-Kopien – anders als Manipulationen – von der wissenschafltichen Community im Internet selber überprüft werden,

  32. Kann mich der Kritik der Wissenschaftler nur anschliessen. Diese heutige Messwut über Kennzahlen führt zu einer (viel zu starken) verinfachten Bewertung komplexer Tätigkeiten. Weil es zu zeitaufwändig ist alle Publikationen zu lesen gibt es halt einfache Kennzahlensysteme.

    Ich empfehle allen zur mittlerweile vorherrschenden Omnimetrie in allen Lebensbereichen Bücher von Herrn Prof. Dück (Mathematiker), z.B. Wild Duck u.ä. Sehr lesenswert, satirisch, auf den Punkt und polemisch.

    Die Welt braucht nicht noch ein Ranking….

    Grüsse von einem Statistiker/Stochastiker

  33. Dieses Ranking ist eine Schwachsinnsidee, was wäre wenn wir mal ein Journalisten-Ranking veranstalten. Dann sehen fast alle grottenschlecht aus, garantiert, weil fast alle deutsche Journalisten nur kritisieren, wenig neue Ideen für die Zukunft der Republik liefern können. Es wird die Pressefreiheit schamlos für massenhaftes Gestammel gebraucht.

  34. Hut ab vor den Sich-Nicht-In-Ein-0815-Schema-Pressen-Lassenden-Wissenschaftlern…Forschung kommt von forsch !