BWL-Forscher rufen zum Boykott des Handelsblatt-Rankings auf – mit Update

In knapp zwei Wochen – am 10. September – veröffentlicht das Handelsblatt die Neuauflage des BWL-Rankings. Wir bieten Forschern, die nicht mitmachen wollen, eine Opt-Out-Möglichkeit aus den Personenrankings (für das  Hochschul-Ranking werden die Personen trotzdem mitgezählt).

Einige Betriebswirte um Margit Osterloh (Uni Zürich) und Alfred Kieser (Zeppelin Universität, Friedrichshafen) haben jetzt einen Boykott-Aufruf initiiert und einen offenen Brief verfasst, der dem Handelsblatt vorliegt. Darin heißt es:

Warum wir aus dem Handelsblatt BWL-Ranking ausgestiegen sind

Am 9. September [Anmerkung: tatsächlich ist es der  10. September] dieses Jahres wird das Handelsblatt in seinem zweiten BWL-Ranking wieder verschiedene Ranglisten veröffentlichen: die der besten 250 deutschsprachigen Betriebswirte nach den Forschungsergebnissen ihres Lebenswerkes, die der 100 Besten nach den Forschungsergebnissen der letzten 5 Jahre und die der 100 Besten unter 40 Jahren. Ermittelt werden diese Ranglisten auf der Basis der in Zeitschriften veröffentlichten Aufsätze. Buchveröffentlichungen werden nicht berücksichtigt. Die Aufsätze werden nach einem vom Handelsblatt ermittelten Maßstab gewichtet, welcher die Qualität der jeweiligen Zeitschrift und der darin veröffentlichten Arbeiten zum Ausdruck bringen soll. » weiterlesen

Drei weitere Lichtenthaler-Aufsätze zurückgezogen

Drei weitere Fachzeitschriften haben in den vergangenen Tagen Arbeiten des Mannheimer BWL-Professors Ulrich Lichtenthaler wegen schwerer Fehler zurückgezogen: Das “Journal of World Business”, das  “Strategic Management Journal” (SMJ) und das “Journal of Management Studies”.

Die SMJ-Retraction ist unter anderem deswegen besonders frappierend, weil es sich um eines der neuesten Papiere von Lichtenthaler handelt – der Aufsatz, den er gemeinsam mit seinem Doktorvater Holger Ernst von der WHU geschrieben hat, ist erst 2012 erschienen.

Damit ist die Zahl der Aufsätze von Lichtenthaler, die seit Anfang Juni offiziell “retracted” wurden, auf sechs gestiegen. Forscher, die  Details des Falles kennen, sagen mir, dass in den nächsten Wochen und Monaten noch eine Reihe weiterer seiner  Arbeiten, die  in anderen Fachzeitschriften erschienen sind, zurückgezogen werden. Mindestens zwei weitere Retractions stehen unmittelbar bevor. Lichtenthaler hat nach meinen Informationen auch von sich aus noch bei noch deutlich mehr Fachzeitschriften um den Widerruf von problematischen Artikeln gebeten. » weiterlesen

Griechenland spart – so viel, wie niemand sonst in Europa

Griechen-Bashing ist gerade mal wieder ziemlich in Mode in Deutschland. Der CSU-Politiker Stefan Müller brachte des Volkes Stimme jüngst auf den Punkt. In Griechenlandsei  kein ausreichender Wille erkennbar, die Auflagen der internationalen Geldgeber zu erfüllen.

Zumindest mit Blick auf die Entwicklung der Staatsfinanzen stimmt das aber schlicht und ergreifend nicht. Ein schöner Beleg dafür ist eine Studie der Irischen Notenbank, über die die Kollegen der FAZ heute in ihrer Printausgabe unter der Überschrift “Niemand saniert so hart wie die Griechen” berichtet. In dem Artikel heißt es:

“… kein Krisenland der Eurozone [unternimmt] so harte Anstrengungen zur Sanierung der Staatsfinanzen wie Griechenland. Das zeigt eine neue Untersuchung der Irischen Zentralbank. Der griechische Staat hat nach Berechnung der Notenbank-Ökonomin Laura Weymes in den vergangenen beiden Jahren Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen im Volumen von 20 Prozent der Wirtschaftsleistung vorgenommen und damit fünfmal so viel wie Portugal und Spanien bislang. Selbst Irland, das für seine entschlossene Sparpolitik als vorbildlich gelobt wird, ging bei der Haushaltssanierung nicht annähernd so hart vor wie Griechenland”

Die Studie mit dem Titel “Fiscal Consolidation – does it deliver” kann man auf der Webseite der Irischen Zentralbank herunterladen. Darin findet man unter anderem folgende Grafik, die die Konsolidierungsanstrengungen der verschiedenen Krisenstaaten vergleicht. » weiterlesen

Deutsche Ökonomen bei Twitter – das um Fake-Follower bereinigte Sommer-Update

Ende Juli habe ich nach rund einem halben Jahr die Liste der deutschen Ökonomen bei Twitter aktualisiert – und bin dabei auf eine sagenhafte Follower-Inflation bei @eflation gestoßen. Im Januar hatte er noch 376 Follower, jetzt sind es fast 24000.

Bei Twitter spekulierten mehrere Leute darüber, dass es sich um gekaufte Follower handeln könne, auch der Wirtschaftsphilosoph monierte   in einem Blogpost  Fake-Follower bei eFlation. eFlation selbst weist von sich, dass er sich Follower gekauft hat.

Heute machte mich @egghat über Twitter auf ein neues Tool von Status People aufmerksam, mit dem man die Qualität der Twitter-Follower beurteilen kann. (Hintergrund zu dem Tool hier.) Die App gibt an, wie groß der Anteil der Follower ist, deren Accounts entweder Fake oder inaktiv sind.

Ich habe mich daher entschlossen, die Twitter-Liste abermals zu aktualisieren – und nach dem mit der Status-People-App bereinigten Zahl der Follower zu sortieren, womit ich mich selbst leider wieder aus der Top 10 katapultiere….

  1. @littlewisehen – Der Münchener Wirtschaftsblogger Wolfgang Unglaub –  3548 “gute” Follower (89% von 3987)
  2. @eFlation – “Fondsmanager, Publizist, Cosmonaut” – und  Autor bei Wiessaussieht –  3355 “gute” Follower (14% von 23967)
  3. @PatrickBernau – Der Online-Chef des Wirtschaftsressorts der Frankfurter Allgemeinen Zeitung – 1992 “gute Follower (70% von  2845) – Patrick  war auch einer der ersten Wirtschaftsjournalisten mit einer eigenen Facebook-Fanpage, mit derzeit 198 “Likes”
  4. @abuschmeier- Management-Consultant und Hochschullehrer  - 1967 “gute” Follower -  (88% von 2235)
  5. @doener – Der  Düsseldorfer Wirtschaftsblogger Stephan Dörner – 1917 “gute” Follower (79% von  2426)
  6. @egghat – “Econblogger und iOS Developer”, der das Blog “Die Wunderbare Welt der Wirtschaft” betreibt – 1810 “gute Folloer (78% von 2320)
  7. @tiefseher – Daniel Eckert, Finanzreporter der “Welt” und “Welt am Sonntag”: 1463 “gute” Follower (58% von 2522 )
  8. @rkeuper – Ralf Keuper tweeted aus Paderborn über Ökonomie, Banking und Finance – 1287 “gute” Follower (90% von 1430)
  9. @blicklog – Das unabhängige Ökonomie-Blog “Blicklog” bei Twitter –1265 “gute” Follower (75% von 1687)
  10. @schuldensuehner - Holger Zschäpitz, Wirtschaftsredakteur bei der “Welt” – 1247 “gute” Follower  (67% von 1862 Follower)
  11. @marcusgatzke -Ressortleiter Wirtschaft bei “ZEIT Online” – 813 “gute” Follower (73% von 1115 )ollower (Januar: 777)
  12. @olaf_storbeck – Handelsblatt-Ökonomie-Korrespondent – 783 “gute” Follower (69% von 1135)   [das bin ich – es gibt auch noch mein englisches Account @olafstorbeck mit 2018 “guten” Followern (61% von 3309)  Followern (Januar:  2498)  und meine Facebook-Seite mit derzeit 766 “Likes”  
  13. @teraeuro - laut Twitter-Profil “sporadischer Hobby-Blogger” – 740 “gute” Follower (83% von  892 )
  14. @pixeloekonom- Johannes Eber, Berater der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft – 532 “gute” Follower  (74% von 719 )
  15. @mh120480 – betreibt das Blog Goowell – 524 “gute” Follower (75% von 699)
  16. @aloa5 – Otmar S, betreibt das Blog Logicorum – 473 “gute” Follower  (88% von 538)
  17. @ralfdrescher – Mein ehemaliger Handelsblatt-Kollege Ralf Drescher, heute Ressortleiter beim deutschen Wall Street Journal  – 455 “gute” Follower (75% von 606)
  18. @wirtschaftswurm – Der freie Journalist und Ghostwriter Arne Kuster –449 “gute” Follower  (71% von 632)
  19. @lostgen – Der Autor des Blogs “Verlorene Generation” twittert auch – 435 “gute” Follower (75% von 580)
  20. @kantosEcon – Twitter-Feed des Blogs “Kantoos Economics” 383 “gute” Follower – (55% von 697)
  21. @Haucap – Der Vorsitzende der Monopolkommission und lange Zeit der einzige VWL-Prof in dieser Liste –  310 “gute” Follower (72% von 430)
  22.  @StephanEwald - Profi-Zyniker und Blogger bei Wiesaussieht  – 245 “gute” Follower (81% von 303)
  23. @Wirtschaftsphil - Ein anonymer Hochschulvolkswirt, der als “Wirtschaftsphilosoph” auch ein eigenes Blog betreibt – 244 “gute” Follower (76% von 321)
  24. @DanielDaffke – “Gelegenheitsblogger” – 219 “gute” Follower (87% von 252 )
  25. @markusgaertner – Der ehemalige China-Korrespondent des Handelsblatts berichtet heute aus Vancouver über die Weltwirtschaft  – 203 “gute” Follower (82% von 248)
  26. @stefan_sell: Der Professor der Hochschule Koblenz twittert  über Wirtschaftsthemen – 175 “gute” Follower (70% von 250)
  27. @SDullien: Der ehemalige FTD-Kollege Sebastian Dullien, heute VWL-Professor an der FH Berlin -  103  “gute” Follower  (82% von 126)
  28. @profpaulwelfens – Der Wuppertaler VWL-Professor Paul Welfens –77 “gute” Follower  (73% von 106)
  29. @zopolan – “Economics, Social Sciences, Politics, Political Culture, Philosophy, Humanism. And Coffee. The guy on the photo is not me.” –77 “gute” Follower  (82% von 72)
  30. neu: @lumpyeconomist: Der Aachener VWL-Professor Rüdiger Bachmann, der als Lumpenökonom auch bloggt – 47 “gute” Follower (65% von 72 )

Medien, Wirtschaftsforschungsinstitute u.ä.

  1. @FTD_Wunder – Die Konjunktur-Kollegen der “Financial Times Deutschland” – 1408 “gute” Follower (64% von 2200))
  2. @FAZ_Finance – Finanz- und Wirtschaftsnews der FAZ – 1484 “gute” Follower (60% von 2474)
  3. @OECDStatistik – Die Mitarbeiter des OECD Berlin Centre wühlen in den OECD-Datenbanken und veröffentlichen  Zahlen, die für aktuelle Diskussionen im deutschsprachigen Raum relevant sind.  – 1248 “gute” Follower (64% von 1951)
  4. @insm – Twitter-Repräsentanz der “Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft” – 910 “gute” Follower  (71% von 1282)
  5. @DIW_Berlin – Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung bei Twitter  -714 “gute” Follower  (68% von 1050)
  6. @iw_koeln – Das Institut der deutschen Wirtschaft bei Twitter – 669 “gute” Follower  (69% von 969)
  7. @ZBW_news – Twitter-Repräsentanz der Kieler Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften – 476 “gute” Follower (63% von 755)
  8. @hb_oekonomie – Die Handelsblatt-Ökonomie-Berichterstattung bei Twitter – 402 “gute” Follower (56% von 718))
  9. @fazitblog – Das Wirtschaftsblog der FAZ-Kollegen bei Twitter – 378 “gute” Follower (60% von 630)
  10. @oekonomenstimme – Deutschsprachiges Ökonomenportal nach dem Vorbild von VoxEU.or – 369 “gute” Follower (63% von 586)
  11. @IMKFlash - das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung und ihr Chef Gustav Horn sind ebenfalls online – 267 “gute” Follower (62% von 431)

Andere Übersichten

Patrick Bernau hat eine schöne Übersicht über Ökonomen bei Google Plus zusammengestellt. Wer sich für die Euro-Krise interessiert, sei noch auf den “PIIGS Plus Club” bei Twitter hingewiesen – eine Liste mit Twitterern aus allen möglichen EU-Ländern, die auf Englisch über die Misere tweeten. (Hier ein bisschen was zu den Hintergründen des PIIGS-Plus-Clubs.)

Wer fehlt noch? Hinterlasst mir einen Kommentar im Blog oder schreibt an @olaf_storbeck.

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Besuchen Sie mein englisches Weblog “Economics Intelligence” und meine Facebook-Seite – ich freue mich über jedes “like”!

 

http://twitter.com/LostinEU

 

 

Mario Draghi dient der Stabilität

Er nannte keine Summen, keine Ziele, keinen Zeitplan: Auf den ersten Blick blieb Mario Draghi, der Präsident der Europäischen Zentralbank, heute in seiner Erklärung zu möglichen Staatsanleihekäufen durch die Notenbank im Ungefähren stecken. Was, wann und wie viel die EZB kaufen könnte, das ließ er  im Dunkeln. Erst in den nächsten Wochen will die EZB die genauen Details ausarbeiten.

Die wenigen Einzelheiten und die vielen „Vielleichts“ enttäuschten die Finanzmärkte. Nach der Brandrede, die der EZB-Chef in der vergangenen Woche in London gehalten hatte, hatten die Beobachter mehr Details und konkrete Pläne erwartet. Die Botschaft, die bei ihnen ankam, lautete: Die EZB will alles tun, was nötig ist, um den Euro zu retten – weiß aber noch nicht genau, was oder hat sich zumindest noch nicht entschieden.

Doch diese naheliegende Interpretation wird dem wahren Inhalt von Draghis Rede nicht gerecht. Denn indirekt hat der EZB-Präsident zum ersten Mal öffentlich eingeräumt, dass die Notenbank eine bestimmte Zielgröße für die Risikoaufschläge bei Staatsanleihen hat – und dass sie bereit ist, alles zu tun, um diese Zielgröße zu erreichen. Wo die Schmerzgrenze der Notenbank liegt, verriet Draghi zwar nicht. Aber allein die Tatsache, dass es sie gibt, ist ein wichtiger Schritt nach vorn. Wenn Draghi meint, was er sagt, dann bedeutet das, dass die Bank im Zweifel unbegrenzt aufkauft. » weiterlesen