“Was nun, Herr Smith?”

In der vergangenen Woche habe ich mich intensiv mit einem Herren beschäftigt, der seit meinem Umzug nach England Dauergast in meiner Brieftasche ist: Adam Smith.

Der schottische Ökonom und Moralphilosoph, Gründer der modernen VWL, schmückt die 20-Pfund-Noten der Bank of England. Und heute auch das Titelbild des Handelsblatts.

 

Gemeinsam mit meinem Kollegen Norbert Häring  beschreibe ich die Kritik an der derzeitigen VWL, wie das Fach das geworden ist, was es heute ist und wie es an den Universitäten zu einem Aufstand von unten der Studenten gegen die gängigen Dogmen kommt.

Ist ein ziemlich langer Text geworden, fast 700 Zeilen auf zwei Doppelseiten.

Wir erklären unter anderem, dass Smith gar nicht der Marktradikalinski war, als der er heute oft gesehen wird - tatsächlich lassen sich in seiner Forschung 29 verschiedene Argumente für staatliche Interventionen in das freie Spiel der Märkte finden.  (Besonderer Dank übrigens an den Grazer Ökonomie-Professor Richard Sturn, der derzeit gleich an zwei Büchern zu Adam Smith schreibt und sich viel Zeit genommen hat, meine Fragen zu beantworten. Sehr lesenwert ist Sturns Kapitel über Smith in dem von Heinz D. Kurz herausgegeben, hervorragenden  Taschenbuch “Klassiker des ökonomischen Denkens”.)

Außerdem beschreiben wir, wie das Gesetz von Angebot und Nachfrage auf den Preis von Smith’s “Wohlstand der Nationen” wirkte. Denn das Buch verkaufte sich so gut, dass seine Londoner Verleger schon bei der zweiten Auflage eine kräftige Preiserhöhung durchsetzen.

Insgesamt hat das Konjunkturteam fünf Doppelseiten zu dem Thema produziert.  Vier der Nachwuchswissenschaftler, die diese  Studentenrevolte der anderen Art vorantreiben, porträtieren wir aussführlich, es gibt ein Interview mit dem Mainstream-Kritiker und Bestseller-Autoren Max Otte und einen Rückblick auf die größten Irrtümer der Volkswirte im Zusammenhang mit der Finanzkrise.

Wer sich dafür interessiert, muss heute an den Kiosk sprinten, oder sich auf Paid Content einlassen: Online gibt es die Story nur hinter unserer Bezahlschranke. Kostenpunkt: 1,59 Euro, weniger als ein Cappuccino bei Starbucks. (Hinweis: Leider kann man auf unserer Webseite immer nur die tagesaktuelle Ausgabe kaufen. Wer Interesse an dem Schwerpunkt hat, kann mir aber eine E-Mail schreiben – seit Ende September ist der Text auch frei auf Handelsblatt.com verfügbar.)

Ich freue mich übrigens auch über Feedback zu der Geschichte.

Besuchen Sie mein englisches Weblog “Economics Intelligence” und meine Facebook-Seite  - ich freue mich über jedes “like”!

 

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Alle Kommentare [4]

  1. Vielleicht hätten Sie noch dazu schreiben sollen, daß man “hinter der Bezahlschranke” nur die jeweils tagesaktuelle Ausgabe bekommt. Jetzt habe ich die Dienstagsausgabe gekauft. Toll. Ein Cappuccino wäre mir lieber.

    • @js: Sorry, das war mir nicht klar. Ich habe gerade versucht, Ihnen das PDF zu mailen. Leider funktioniert die Email-Adresse, die sie bei Ihrem Kommentar hinterlegt haben, nicht. Schreiben Sie mir doch bitte eine kurze Mail an o punkt storbeck at vhb punkt de. Dann schicke ich ihnen unsere Texte zu.

  2. Ökonomen-Bashing leicht gemacht!
    Die Kritik am methodischen Mainstreamder Ökonomie war auch zu meinen Studienzeiten in den 1990er Jahren bereits ausgeprägt. Daher eine Relativierung Ihrer zeitungstauglichen Vereinfachung:
    1. Was heute als Mainstream bezeichnet wird, kommt grob vereinfachend aus der Zeit vor 1970: Hicks Formalisierung von Keyens Allgemeiner Theorie, Eugen Famas Theorie informationseffizienter Märkte, Beckers umstrittener Humankapitalbegriff etc. Andere Ansätze werden mittlerweile auch seit Jahrzehnten verfolgt (evolutorische Wirtschaftsforschung, Ordnungsökonomie, Finanzpsychologie), sind aber in ihren Aussagen häufig nicht konkret genug, um erfolgreiche Politikberatung zu betreiben. Aber immerhin erhalten in den letzten Jahren auch modell-skeptische Ökonomen den Nobellpreis (Sen, Kahnemann).
    2. Auch dass die ökonomische Politikberatung auf Basis eines liberalen Mainstreams gut funktioniert habe, würde ich bezweifeln. Eher handelte es sich um ein politisches Rosinenpicken: die Finanz- und andere Märkte wurden dereguliert, gleichzeitig aber stieg die Staats- und Abgabenquote massiv an.
    3. Ohnehin ist der modelltheoretische Mainstream nicht mit liberaler Ökonomie gleichzusetzen: Ob linke oder liberale Ökonomen, sie alle haben dieses Instrumentarium angenommen.
    4. Vielleicht sogar im Gegenteil: Der erzliberale August Friedrich von Hayek, derzeit kaum ernsthaft im Curriculum der Ökonomen berücksichtigt, hat nach seinem Frühwerk kaum noch mathematisiert.