Eine Pumpe? Eine Anmerkung zum ESM Vertrag

Der ESM Vertrag enthält einen Punkt, der mir unklar erscheint.

Das Kapital des ESM teilt sich in eingezahltes und nicht eingezahltes Kapital auf. Das eingezahlte Eigenkapital des ESM kann durch Verluste gemindert werden.

Für das Wiederauffüllen des eingezahlten Eigenkapitals ist eine einfache Mehrheit im Gouverneursrat ausreichend (Artikel 9.2). Damit ist es möglich, dass nach Verlusten, die z.B. im Rahmen einer Bankenrekapitalisierung entstehen könnten, Länder gegen ihren Willen in den ESM wieder Kapital einzahlen müssen.

Dabei finde ich (und dazu würde mich eine Fachmeinung sehr interessieren) es nach Lektüre der relevanten Artikel 8-10 nicht klar, ob diese Pumpfunktion des ESM bis zur Grenze von 700 Milliarden Euro reicht oder darüber hinaus.

Hierzu die Passagen, auf die ich Bezug nehme:
Artikel 8.1.: “The authorised capital stock shall be EUR 700 000 million.”
Artikel 8.2: “The authorised capital stock shall be divided into paid-in shares and callable shares.”
Artikel 9.2.: “The Board of Directors may call in authorised unpaid capital by simple majority decision to restore the level of paid-in capital…”

Wenn nun nach Verlusten das “paid in capital” wieder aufgefüllt würde, frage ich mich, ob Artikel 8.1 und 8.2. auch ein Auffüllen der callable shares nach sich zögen.

Der ESM Vertragstext findet sich hier.

PS: Hier noch einmal die Frage in einer anderen Form:
A:= paid in shares
B:= callable shares
C:= the level of paid-in capital

Artikel 8.1. und 8.2. sagen A + B = 700 Mrd. Euro. Artikel 8.2 sagt A = 80 Mrd. Euro (The initial total aggregate nominal value of paid-in shares shall be EUR 80000 million.), Artikel 9.2. sagt C = 80 Mrd. Euro. Wenn jetzt paid in capital dasselbe ist wie paid in shares gilt A=C. Aus A+B = 700 Mrd. Euro und C = 80 Mrd. Euro und A = C folgt, dass B = 620 Mrd. Euro. Dann müsste also die Höhe der callable shares immer erhalten werden.

Natürlich ist eigentlich gemeint, dass nur zu Beginn gilt: A + B = 700 Mrd. Euro. Später, falls es Verluste gibt, verringert sich B um die Verluste. Ich finde das nur leider nicht so deutlich im Vertragstext.

“Was nun, Herr Smith?”

In der vergangenen Woche habe ich mich intensiv mit einem Herren beschäftigt, der seit meinem Umzug nach England Dauergast in meiner Brieftasche ist: Adam Smith.

Der schottische Ökonom und Moralphilosoph, Gründer der modernen VWL, schmückt die 20-Pfund-Noten der Bank of England. Und heute auch das Titelbild des Handelsblatts.

 

Gemeinsam mit meinem Kollegen Norbert Häring  beschreibe ich die Kritik an der derzeitigen VWL, wie das Fach das geworden ist, was es heute ist und wie es an den Universitäten zu einem Aufstand von unten der Studenten gegen die gängigen Dogmen kommt.

Ist ein ziemlich langer Text geworden, fast 700 Zeilen auf zwei Doppelseiten.

Wir erklären unter anderem, dass Smith gar nicht der Marktradikalinski war, als der er heute oft gesehen wird - tatsächlich lassen sich in seiner Forschung 29 verschiedene Argumente für staatliche Interventionen in das freie Spiel der Märkte finden.  (Besonderer Dank übrigens an den Grazer Ökonomie-Professor Richard Sturn, der derzeit gleich an zwei Büchern zu Adam Smith schreibt und sich viel Zeit genommen hat, meine Fragen zu beantworten. Sehr lesenwert ist Sturns Kapitel über Smith in dem von Heinz D. Kurz herausgegeben, hervorragenden  Taschenbuch “Klassiker des ökonomischen Denkens”.)

Außerdem beschreiben wir, wie das Gesetz von Angebot und Nachfrage auf den Preis von Smith’s “Wohlstand der Nationen” wirkte. Denn das Buch verkaufte sich so gut, dass seine Londoner Verleger schon bei der zweiten Auflage eine kräftige Preiserhöhung durchsetzen.

Insgesamt hat das Konjunkturteam fünf Doppelseiten zu dem Thema produziert.  Vier der Nachwuchswissenschaftler, die diese  Studentenrevolte der anderen Art vorantreiben, porträtieren wir aussführlich, es gibt ein Interview mit dem Mainstream-Kritiker und Bestseller-Autoren Max Otte und einen Rückblick auf die größten Irrtümer der Volkswirte im Zusammenhang mit der Finanzkrise.

Wer sich dafür interessiert, muss heute an den Kiosk sprinten, oder sich auf Paid Content einlassen: Online gibt es die Story nur hinter unserer Bezahlschranke. Kostenpunkt: 1,59 Euro, weniger als ein Cappuccino bei Starbucks. (Hinweis: Leider kann man auf unserer Webseite immer nur die tagesaktuelle Ausgabe kaufen. Wer Interesse an dem Schwerpunkt hat, kann mir aber eine E-Mail schreiben – seit Ende September ist der Text auch frei auf Handelsblatt.com verfügbar.)

Ich freue mich übrigens auch über Feedback zu der Geschichte.

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