Deutsche Ökonomen bei Twitter – das Sommer-Update

Nach gut einem halben Jahr ist es höchste Zeit, meine Liste der deutschen Ökonomen, die bei Twitter unterwegs sind, zu aktualisieren.

Das Update war lange überfällig – erstellt habe ich es jetzt auch aus einem eigennützigen Anlass: Ich möchte ein bisschen Werbung machen für unser neues Twitter-Account @hb_aus_london.

Zugegeben, mit Ökonomie hat Account das nicht viel  zu tun. Es geht um London und die olympischen Spiele. Unter diesem Account tweetet  das Londoner Handelsblatt-Büro – Michael Maisch, Katharina Slodczyk und ich – während der größten Sportveranstaltung der Welt  über alles mögliche und unmögliche rund um London 2012 (allerdings kaum über Sport).  Eine kurze Vorstellung unseres Accounts findet sich auch hier: “Zwitschern über London, Olympia – und Bier”

So, und damit endet der Werbeblock. Hier die Übersicht über die Twitter-Ökonomen.

Beim Aktualisieren dachte ich lange: “Viel hat sich ja nicht bewegt” – bis ich bei @eFlation angekommen war, der im Januar mit 371 Followern auf Platz 16 lag. Im letzten halben Jahr ist seine Twitter-Followerzahl absolut explodiert – auf unglaubliche  23913. Ich habe das dreimal nachgeprüft, aber diese Zahl weist Twitter wirklich aus. Damit hat sich  der Fondsmanager und Publizist mit großem Abstand ganz nach vorne katapuliert, er hat jetzt sieben Mal mehr Follower als @littlewisehen, der bislang unangefochten auf Platz 1 lag. Weiß jemand, was der Grund ist für diese magische Follower-Inflation bei @eFlation?

Abgesehen von dem Riesensprung bei @eFlation gab es nur kleinere Verschiebungen – und eine Reihe von neuen Ökonomie-Twitterern. » weiterlesen

Uni Mannheim prüft Vorwürfe gegen Ulrich Lichtenthaler

Nachdem der  Rektor Hans Wolfgang Arndt die nötigen Kollegen aus dem Urlaub geholt hat, tagte heute an der Universität Mannheim die Kommission, die die  Vorwürfe gegen den Mannheimer Betriebswirten Ulrich Lichtenthaler untersucht.

Sie hat beschlossen, externe Gutachter einzuschalten und verspricht eine “schnellstmögliche, sorgfältige Aufklärung der Vorwürfe “.

Die Universität veröffentlicht dazu folgende Pressemitteilung:  » weiterlesen

Der publizistische Amoklauf des Walter Krämer

Mein Düsseldorfer  Kollege Jan Mallien hat eine ziemlich unglaubliche Story ausgegraben: In einem Interview mit der Studentenzeitung “Pflichtlektüre” hat der  Dortmunder Statistik-Professor  Walter Krämer  einen publizistischen Amoklauf hingelegt.

(Update: Nach dem Handelsblatt-Bericht hat Walter Krämer das Interview mit der Studentenzeitung überarbeitet und die kritischen Passagen herausnehmen lassen – mehr dazu unten.  Die Original-Fassung ist allerdings noch hier verfügbar.

Noch ein Update: Meine Kollegen von Handelsblatt.com haben heute mit Krämer gesprochen: Das Interview mit der “Pflichtlektüre” sei nicht authorisiert worden, er habe sich bei Bofinger entschuldigt.)

Seinen Kollegen Peter Bofinger, der den von Krämer initiierten Ökonomenaufruf hart kritisiert hat, bezeichnet Krämer als “akademische Nullnummer”. Und den “Spiegel”-Journalisten, der einen kritischen Artikel über Hans-Werner-Sinn geschrieben hat, möchte Krämer am liebsten “erwürgen und an die Wand klatschen”.

Bislang hatte ich den Aufruf selbst für den Tiefpunkt der akademischen Debatte über die Euro-Krise gehalten, aber dieses Interview toppt die Sache gewaltig. Das ist auf einem Niveau mit anonymen Kommentatoren, die hier im Blog Leuten, die anderer Meinung sind, offen gedroht haben: “Machen Sie ruhig so weiter, wenn die Stimmung im Volk kippt wird man sich an Sie erinnern.” » weiterlesen

Roman Herzog zu Bundesbank und EZB

Altbundespräsident Roman Herzog hat ein bemerkenswertes Interview zum ESM gegeben. Darin findet sich auch eine interessante Passage zur Rolle der Bundesbank.

Frage: “Artikel 88 schreibt vor, dass die Kompetenzen der Deutschen Bundesbank auf die EZB übertragen werden können, wenn diese „unabhängig ist und dem vorrangigen Ziel der Preisstabilität verpflichtet“. Sind die politischen Entscheidungen der EZB und das Fluten der Märkte mit einer Billion Euro also ein Verfassungsbruch?”

Antwort: “Ich würde es umgekehrt sagen: Der Grundgesetzverstoß wäre es, wenn man zu lange wartet, diese Übertragung zu widerrufen. Ich bin da für schonungslose Drohungen in den Verhandlungen.”

Der Widerruf der Übertragung von Kompetenzen an die EZB muss mit einer eigenen Währung einhergehen. Es ginge also um den Austritt Deutschlands aus der Währungsunion. Interessant scheinen mir in diesem Zusammenhang drei Fragen. Erstens: Wann müssen wir davon ausgehen, dass die EZB nicht mehr dem vorrangigen Ziel der Preisstabilität verpflichtet ist? Zweitens: Wann müssen wir davon ausgehen, dass die EZB nicht mehr unabhängig ist? Drittens: Spielt es bei der Anwendung von Artikel 88 des Grundgesetzes eine Rolle, ob die Bundesbank nach einem Euro Austritt weniger Inflation als die EZB erreicht?

Die Unabhängigkeit ist formal erfüllt. Aber die formale Unabhängigkeit hilft der EZB nicht, wenn die Fakten ihr keine Wahl lassen. Die EZB ist trotz ihrer festgelegten Ziele und trotz der formalen Unabhängigkeit Bilanzrisiken eingegangen, die auch Risiken für die Preisstabilität werden können. Allerdings wurde die EZB mehrfach von der Politik in eine Lage gebracht, in der sie die Wahl hatte, wichtige Grundsätze aufzugeben oder eine Finanzkrise in Verbindung mit einer Rezession hinzunehmen. Sie hatte die Wahl zwischen dem Risiko von Inflation und dem von Deflation. Eine Entscheidung zu Gunsten eines Inflationsrisikos würde ich nicht als Indiz für eine Abkehr vom Ziel der Preisstabilität deuten.

Allerdings wäre es im Zusammenhang mit der Allokation der Finanzaufsicht oder einer Vergabe einer Banklizenz an den ESM sehr problematisch, wenn der EZB per Vertrag oder faktisch weitere Aufgaben zuwachsen. Im Fall der Banklizenz weiß die EZB, was die Aufgabe des ESM ist, an den sie Geld verleiht. Je mehr konkurrierende Aufgaben die EZB faktisch hat, desto weniger glaubhaft ist es, von einem Vorrang der Preisstabilität zu sprechen. Deshalb sehe ich eine Banklizenz für den ESM und die Übertragung von Aufsichtsaufgaben kritisch.

Am interessantesten finde ich die Frage, was der Bundesbank nach einem einseitigen deutschen Euro-Austritt gelingen kann. Spielen wir den Austritt also einmal durch.

• Mit Blick auf die Risiken in der Bilanz der EZB, die Höhe der Target Salden der Bundesbank von inzwischen über 1000 Milliarden Euro und unter Berufung auf Artikel 88 des Grundgesetzes kündigt die Bundesregierung die sofortige Umstellung aller deutschen Sichtguthaben, Termineinlagen, Forderungen und Verbindlichkeiten in D-Mark zum Kurs 1:1 an.

• Noch am selben Tag erklären Frankreich, Italien und Spanien den Austritt Deutschlands als vertragswidrig und schädlich für ganz Europa. Deshalb machen sie deutlich, dass Target-Forderungen austretender Länder nur teilweise beglichen werden. Diese Salden seien schließlich alleine durch den deutschen Austritt zu einer relevanten Größe geworden. Sie verweisen in diesem Zusammenhang auch auf die Stellungnahmen der Bundesbank zu diesem Thema.

• In der Eröffnungsbilanz der neuen Bundesbank finden sich nun zweifelhafte Forderungen an die europäische Zentralbank in Höhe von etwa 1000 Milliarden Euro. Auf der anderen Seite der Bilanz stehen Verbindlichkeiten gegenüber den deutschen Geschäftsbanken. Deren Einleger fragen sich, was die Bundesbank tun wird, wenn sie versuchen, an ihr Geld zu kommen. Vor diesem Hintergrund fordert die Bundesbank die Bundesrepublik zu einer raschen Rekapitalisierung auf.

• Die Kanzlerin überschlägt, dass sie diese Rekapitalisierung über einen Schuldenstand von 100 Prozent des BIP bringt. Da das Bundesbankgesetz wegen des Austritts ohnehin neu geschrieben werden muss, wird dort die Entscheidung über eine Rekapitalisierung der Bundesregierung zugewiesen. Die Mehrheit im Bundesrat erreicht, dass die Aufgaben der Zentralbank im Bundesbankgesetz erweitert werden. Nach einer nur mäßigen Kapitalerhöhung begleicht die Bundesbank Verbindlichkeiten gegenüber den deutschen Banken über die „Notenpresse“.

• In Italien und Spanien kaufen die nationalen Zentralbanken im ESZB von den Geschäftsbanken des Südens Staatsanleihen der beiden Länder. Damit verschwinden große Teile der Schulden der Geschäftsbanken bei den nationalen Zentralbanken. Die Staatsanleihen werden von den nationalen Zentralbanken an die EZB weitergegeben. Damit verschwinden die Target Salden. Die EZB erklärt, dass sie diese Anleihen nicht einlösen wird. Damit sinken die Schuldenstände Italiens und Spaniens auf ein vertretbares Niveau.

Bei der Anwendung von Artikel 88 sollte man die Alternativen genau vergleichen. Die Eröffnungsbilanz der Bundesbank würde den Start in eine neue Währung erheblich erschweren.

Schwere Vorwürfe gegen Mannheimer BWL-Professor Ulrich Lichtenthaler

Als erstes haben zwei englischsprachige Wissenschaftsblogs  vor einigen Tagen über den Fall berichtet: Zwei Fachzeitschriften haben seit Anfang Juli drei Aufsätze des Mannheimer BWL-Professors Ulrich Lichtenthaler zurückgezogen. Zwei waren in “Research Policy” erschienen, einer in “Strategic Organization”.

Ich habe heute im Handelsblatt – und, noch ausführlicher, in meinem englischen Blog – über die Vorwürfe berichtet.

Die Herausgeber von “Research Policy” haben auf ihrer Webseite eine ausführliche Begründung ihrer Entscheidung veröffentlicht. Demnach gab es drei unterschiedliche Probleme:

  1.  Eigenplagiate: Querverweise zu sehr ähnlichen Arbeiten fehlten. Hätte es diese Verweise gegeben, wären die Artikel wohl nicht zur Veröffentlichtung akzeptiert worden, weil nicht originell genug. Dieser Aspekt des Vorgangs erinnert an die Bruno-Frey-Affäre des vergangenen Jahres.
  2. Ungereimtheiten beim Umgang mit Variablen: Die Argumentation in den jeweilgen “Schwesterpublikation” ist nicht stimmig, sondern widersprüchlich. Variablen, die in einer Arbeit als wichtig erklärt werden, werden in der anderen igoniert und umgekehrt. Das stellt nicht nur die Ergebnisse der beiden Reseach-Policy-Paper in Frage, sondern auch vier weitere Arbeiten, die in “R&D Management”, dem “Journal of Product Innovation Management”, “Strategic Organization” und in “Organization Science” erschienen sind.
  3. Fehler in der Statistik: Ergebnisse, die nicht statistisch signifikant waren, wurden dennoch als solche ausgegeben. Auf dieses Problem, das nur bei einem der beiden Research-Policy-Paper besteht,  hat Lichtenthaler die Herausgeber selbst hingewiesen. Der gleiche Fehler führte dazu, dass das Paper in “Strategic Organizsation” zurückgezogen wurde.

Von mehreren Leuten, die mit den Details der Vorwürfe gegen Lichtenthaler vertraut sind, habe ich gehört, dass all das nur die Spitze es Eisbergs sei. Eine Reihe von weiteren Journalen stehe kurz davor, Aufsätz von ihm zu widerrufen, unter anderem wohl  “Industrial and Corporate Change” und  “Strategic Management Journal” .

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Hans-Werner Sinn und der Ökonomenaufruf

Heute morgen überrascht das Münchener Ifo-Institut mit einer merkwürdigen Pressemitteilung.

Die Denkfabrik erklärt, Hans-Werner Sinn sei für den Aufruf der deutschsprachigen Ökonomen gegen die Ausweitung des ESM auf die Bankenrettung nicht verantworlich, sondern nur einer von 250 Unterzeichnern.

In der Pressemitteilung heißt es:

“In den vergangenen Tagen wurde in der Presse mehrfach geschrieben, dass Prof. Sinn den Aufruf der deutschsprachigen Ökonomen gegen die Ausweitung des ESM auf die Bankenrettung, der am 5. Juli auf den Online-Seiten der FAZ erschien, initiiert habe.

Diese Behauptung ist falsch. Der Aufruf wurde von Prof. Walter Krämer, Technische Universität Dortmund, initiiert und formuliert. Richtig ist, dass Prof. Sinn als einer von mittlerweile 250 deutschsprachigen Ökonomieprofessoren unterschrieben hat und – wie viele andere auch – Vorschläge zur Änderung des Textes gemacht hat. An der Anwerbung von Mitunterzeichnern war Prof. Sinn nicht beteiligt.”

Diese Erkärung ist  aus mehreren Gründen erstaunlich.

Vor allem, weil Walter Krämer in der E-Mail, mit der er vor der Veröffentlichung des Aufrufs um Unterschriften warb, ausdrücklich Bezug auf Sinns Mitarbeit an den Text nahm.

Wörtlich heißt es in der E-Mail, die Krämer am Abend des 3. Juli an zahlreiche Ökonomie-Professoren verschickte und die dem Handelsblatt vorliegt:

“Liebe Kolleginnen und Kollegen,

was halten Sie – was haltet Ihr – von dem beigefügten Aufruf, den ich zusammen mit H. W. Sinn (und redaktioneller Unterstützung von Manfred Deistler) verfaßt habe?» weiterlesen

Marcel Fratzscher als DIW-Chef – eine gute Wahl

Das DIW hat heute abend bekannt gegeben, dass der EZB-Volkswirt Marcel Fratzscher erste Wahl für die Leitung der Berliner Denkfabrik ist. (Hier unser ausführlicher Artikel zu der Personalie.) In einer gerade verschickten Pressemitteilung heißt es:

“Marcel Fratzscher ist der Kandidat, der dem Kuratorium des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin)  für die Nachfolge an der Spitze des Instituts vorgeschlagen wird. Dies hat die Findungskommission unter Leitung des Vorsitzenden des Kuratoriums, Bert Rürup, heute einmütig beschlossen. (…)

„Marcel Fratzscher ist ein hervorragend ausgewiesener Wirtschaftswissenschaftler, von dem neue Impulse für einen Ausbau der makroökonomischen Kompetenz des Instituts wie für die  theoriegeleitete und empirisch fundierte  Politikberatung zu erwarten sind“, begründet Rürup die Empfehlung der Kommission.”

Marcel wer?

Das werden sich jetzt viele Leute fragen, auch Ökonomen. Denn Fratzscher ist der breiteren Öffentlichkeit bislang nicht bekannt. Ich habe ihn 2009 im Rahmen unserer Proträt-Serie “Jugend forscht” getroffen und für das Handelsblatt porträtiert. Fratzscher war uns früh aufgefallen, weil er im Handelsblatt-Ökonomenranking ganz weit vorne lag.

Im aktuellen  Handelsblatt-Lebenswerk-Ranking liegt er auf Platz 38 von 250. Seit 2007 haben nur drei Volkswirte häufiger in Topjournalen veröffentlicht als er.

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Eine Pumpe? Eine Anmerkung zum ESM Vertrag

Der ESM Vertrag enthält einen Punkt, der mir unklar erscheint.

Das Kapital des ESM teilt sich in eingezahltes und nicht eingezahltes Kapital auf. Das eingezahlte Eigenkapital des ESM kann durch Verluste gemindert werden.

Für das Wiederauffüllen des eingezahlten Eigenkapitals ist eine einfache Mehrheit im Gouverneursrat ausreichend (Artikel 9.2). Damit ist es möglich, dass nach Verlusten, die z.B. im Rahmen einer Bankenrekapitalisierung entstehen könnten, Länder gegen ihren Willen in den ESM wieder Kapital einzahlen müssen.

Dabei finde ich (und dazu würde mich eine Fachmeinung sehr interessieren) es nach Lektüre der relevanten Artikel 8-10 nicht klar, ob diese Pumpfunktion des ESM bis zur Grenze von 700 Milliarden Euro reicht oder darüber hinaus.

Hierzu die Passagen, auf die ich Bezug nehme:
Artikel 8.1.: “The authorised capital stock shall be EUR 700 000 million.”
Artikel 8.2: “The authorised capital stock shall be divided into paid-in shares and callable shares.”
Artikel 9.2.: “The Board of Directors may call in authorised unpaid capital by simple majority decision to restore the level of paid-in capital…”

Wenn nun nach Verlusten das “paid in capital” wieder aufgefüllt würde, frage ich mich, ob Artikel 8.1 und 8.2. auch ein Auffüllen der callable shares nach sich zögen.

Der ESM Vertragstext findet sich hier.

PS: Hier noch einmal die Frage in einer anderen Form:
A:= paid in shares
B:= callable shares
C:= the level of paid-in capital

Artikel 8.1. und 8.2. sagen A + B = 700 Mrd. Euro. Artikel 8.2 sagt A = 80 Mrd. Euro (The initial total aggregate nominal value of paid-in shares shall be EUR 80000 million.), Artikel 9.2. sagt C = 80 Mrd. Euro. Wenn jetzt paid in capital dasselbe ist wie paid in shares gilt A=C. Aus A+B = 700 Mrd. Euro und C = 80 Mrd. Euro und A = C folgt, dass B = 620 Mrd. Euro. Dann müsste also die Höhe der callable shares immer erhalten werden.

Natürlich ist eigentlich gemeint, dass nur zu Beginn gilt: A + B = 700 Mrd. Euro. Später, falls es Verluste gibt, verringert sich B um die Verluste. Ich finde das nur leider nicht so deutlich im Vertragstext.

“Was nun, Herr Smith?”

In der vergangenen Woche habe ich mich intensiv mit einem Herren beschäftigt, der seit meinem Umzug nach England Dauergast in meiner Brieftasche ist: Adam Smith.

Der schottische Ökonom und Moralphilosoph, Gründer der modernen VWL, schmückt die 20-Pfund-Noten der Bank of England. Und heute auch das Titelbild des Handelsblatts.

 

Gemeinsam mit meinem Kollegen Norbert Häring  beschreibe ich die Kritik an der derzeitigen VWL, wie das Fach das geworden ist, was es heute ist und wie es an den Universitäten zu einem Aufstand von unten der Studenten gegen die gängigen Dogmen kommt.

Ist ein ziemlich langer Text geworden, fast 700 Zeilen auf zwei Doppelseiten.

Wir erklären unter anderem, dass Smith gar nicht der Marktradikalinski war, als der er heute oft gesehen wird - tatsächlich lassen sich in seiner Forschung 29 verschiedene Argumente für staatliche Interventionen in das freie Spiel der Märkte finden.  (Besonderer Dank übrigens an den Grazer Ökonomie-Professor Richard Sturn, der derzeit gleich an zwei Büchern zu Adam Smith schreibt und sich viel Zeit genommen hat, meine Fragen zu beantworten. Sehr lesenwert ist Sturns Kapitel über Smith in dem von Heinz D. Kurz herausgegeben, hervorragenden  Taschenbuch “Klassiker des ökonomischen Denkens”.)

Außerdem beschreiben wir, wie das Gesetz von Angebot und Nachfrage auf den Preis von Smith’s “Wohlstand der Nationen” wirkte. Denn das Buch verkaufte sich so gut, dass seine Londoner Verleger schon bei der zweiten Auflage eine kräftige Preiserhöhung durchsetzen.

Insgesamt hat das Konjunkturteam fünf Doppelseiten zu dem Thema produziert.  Vier der Nachwuchswissenschaftler, die diese  Studentenrevolte der anderen Art vorantreiben, porträtieren wir aussführlich, es gibt ein Interview mit dem Mainstream-Kritiker und Bestseller-Autoren Max Otte und einen Rückblick auf die größten Irrtümer der Volkswirte im Zusammenhang mit der Finanzkrise.

Wer sich dafür interessiert, muss heute an den Kiosk sprinten, oder sich auf Paid Content einlassen: Online gibt es die Story nur hinter unserer Bezahlschranke. Kostenpunkt: 1,59 Euro, weniger als ein Cappuccino bei Starbucks. (Hinweis: Leider kann man auf unserer Webseite immer nur die tagesaktuelle Ausgabe kaufen. Wer Interesse an dem Schwerpunkt hat, kann mir aber eine E-Mail schreiben – seit Ende September ist der Text auch frei auf Handelsblatt.com verfügbar.)

Ich freue mich übrigens auch über Feedback zu der Geschichte.

Besuchen Sie mein englisches Weblog “Economics Intelligence” und meine Facebook-Seite  - ich freue mich über jedes “like”!

 

Die Märkte geben eher Merkel Recht

Eines der Argumente im Aufruf der inzwischen mehr als 200 Ökonomen um Hans-Werner Sinn und Walter Krämer gegen die Beschlüsse des EU-Gipfels vom 28./29. Juni ist es, dass die Finanzmärkte über die Bereitschaft der Deutschen “jubelten”, noch größere Risiken für die Euro-Rettung einzugehen.

Auch in der Antwort Sinns und Krämers auf den Chor der Kritiker, die heute in der FAZ erschienen ist, heißt es wieder: “Der Jubel der Kapitalmärkte über die Bereitschaft Deutschlands, die Verluste mit seinem Geld auszugleichen, sollte die deutschen Bürger genauso sorgenvoll stimmen wie uns.” Wenn man allerdings einmal auf die Kursentwicklung für Bankaktien und Staatsanleihen schaut, dann fragt man sich: Welcher Jubel?

Die spontane Reaktion vieler Bankaktien war in der Tat sehr positiv. Aber nachdem die Märkte Gelegenheit hatten, die Gipfelergebnisse zu analysieren, sehen sie das Geschehen ganz anders. Bei Aktien südeuropäischer Banken ergibt sich ein uneinheitliches Bild. Während zum Beispiel die Aktie der italienischen Großbank im Vergleich zum Vor-Gipfel-Stand am 28. Juni um sieben Prozent gestiegen ist, ist die Aktie der ebenfalls italienischen Krisenbank Monte dei Paschi um ein Prozent gesunken. » weiterlesen