Schüsse mit Schrot: Wachstums- prognosen werden wieder ungenauer

Bei den Wachstums-Orakeln kehrt der Pessimismus zurück: So prognostiziert das Münchener Ifo-Institut der deutschen Wirtschaft für dieses Jahr nur noch ein reales Wachstum von 0,7 Prozent. Vorher hatten die meisten Forscher noch etwas von rund einem Prozent erzählt.

Was im nächsten Jahr passiert, scheint zurzeit noch völlig unklar: Die Gemeinschaftsdiagnose warf im April eine Prognose von zwei Prozent in den Ring, das Ifo schätzt jetzt 1,3 – und das Düsseldorfer IMK sogar nur 0,4 Prozent. Gerade die IMK-Schätzung sollte einen ängstlich machen, schließlich warnten die Düsseldorfer Gewerkschafter auch vor dem Schreckensjahr 2009 als erstes vor schlimmen Einbrüchen – womit sie am Ende recht behielten.

Irgendwer wird sich also am Ende ziemlich verschätzt haben – auch wenn wir das natürlich erst im Frühjahr 2014 wissen. Wie schwer es ist, treffsichere Prognosen zu machen, zeigt jetzt eine neue Studie, die demnächst im German Economic Review erscheinen wird.

Darin haben Ulrich Heinemann (Uni Leipzig) und Herman Stekler (George Washington University) die Vorhersagen der letzten 45 Jahre unter die Lupe genommen, die der Sachverständigenrat, die Gemeinschaftsdiagnose, die OECD und die Bundesregierung jeweils kurz vor dem Beginn des prognostizierten Jahres herausgegeben haben –  und sie mit den tatsächlichen späteren Werten verglichen. Das Ergebnis ist einigermaßen desillusionierend: Im Schnitt lagen die Prognosen um 1,3 Prozentpunkte daneben. Allerdings zeigt die Untersuchung auch: Meistens waren die Prognostiker zu pessimistisch. So gab es doppelt so oft Unter- als Überschätzungen.

Leider ist die Fehleranfälligkeit zuletzt aber nicht einmal besser geworden, im Gegenteil: Zwar waren die Prognosen zwischen den 70ern und den 90ern immer genauer geworden, so dass sie in den 90ern im Schnitt „nur“ noch 0,9 Prozentpunkte am Ziel vorbeischossen. Doch seitdem ging es mit der Treffsicherheit wieder rapide bergab: Im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends waren es wieder durchschnittlich 1,4 Punkte. „Bessere Theorien, Daten und Methoden konnten keine substanzielle Verbesserung des Treffsicherheit mit sich bringen“, schreiben die Forscher. Sie empfehlen den Prognostikern, sich noch einmal hinzusetzen und ihre Technik gründlich zu überprüfen.

Übrigens, die „besten“ Prognosen lieferte immer die deutsche Bundesregierung! Wer hätte das gedacht? Schließlich haben die ja das größte Interesse daran, das Gesamtbild etwas blumiger zu malen als es tatsächlich war. Zur Ehrenrettung der anderen Institutionen sei aber gesagt: Die Bundesregierung veröffentlicht ihre Prognosen immer als letztes – hat also Zeit, noch aktuellere Daten zu berücksichtigen.

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Alle Kommentare [1]

  1. Wir managen unter Ungewissheit und in ungewissen Zeiten.

    Umso spannender also, sich mit dem Führen und Steuern einer Vertriebsorganisation in ungewissen Zeiten näher zu beschäftigen. Quasi bereits eine Standardaufgabe für uns.

    Und mit neuen Modellen und Methoden zur Prognose andererseits.