Die gleichen Fehler wie 1929 – ein Manifest für ökonomische Vernunft

Der Zeitpunkt des Aufrufs ist gut gewählt, und der Inhalt ist dramatisch.

Unmittelbar vor Beginn des EU-Gipfels in Brüssel, auf dem die Staats- und Regierungschefs der EU um die Rettung der Währungsunion ringen, haben zwei internationale Top-Ökononem ein Manifest formuliert, in dem sie Europa zu einer wirtschaftspolitischen Kehrtwende aufrufen.

Der Nobelpreisträger Paul Krugman (Princeton University) und der Londoner Volkswirt Richard Layard, Pionier auf dem Gebiet der Glücksökonomie, sind überzeugt: Europa wiederholt derzeit die gleichen wirtschaftspolitischen Fehler, die in den 20er und 30er Jahren gemacht wurden und zur Großen Depression geführt haben:

As a result of their mistaken ideas, many Western policy-makers are inflicting massive suffering on their peoples.

But the ideas they espouse about how to handle recessions were rejected by nearly all economists after the disasters of the 1930s, and for the following forty years or so the West enjoyed an unparalleled period of economic stability and low unemployment. It is tragic that in recent years the old ideas have again taken root.

But we can no longer accept a situation where mistaken fears of higher interest rates weigh more highly with policy-makers than the horrors of mass unemployment.

Um das Wichtigste vorweg zu sagen: Ich fürchte, die beiden haben absolut Recht und hoffe, dass der Aufruf mit dem Titel “A Manifesto for Economic Sense” (hier das PDF des Aufrufs) vor allem im Bundeskanzleramt gelesen und verstanden wird.

Schon die in Europa und vor allem in Deutschland vorherrsche Analyse der Krisenursachen ist falsch, wie Krugman und Layard betonen: Bis auf wenige Ausnahmen – vor allem Griechenland – ist nicht die zügellose Verschuldung des Staates der Kern der Probleme, sondern exzessive Kreditaufnahme des privaten Sektors. Das führte sowohl die USA als auch Irland und Spanien an den Abgrund.

Auf das Platzen dieser Kreditblase reagierten die privaten Akteure, indem sie ihre Ausgaben zurückführten – eine individuell richtige Position, die aber die Krise nur noch verstärkt, wenn alle so handeln. Die Wirtschaftspolitik solle in solche einer Situation nicht zusätzlich sparen, sondern im Gegenteil veruschen, mit einem expansiven Kurs gegenzusteuern – vor allem, wenn die konventionelle Geldpolitik schon ihr Pulver verschossen hat.

Doch in Europa passiert genau das Gegenteil, wie Krugman und Layard – aus meiner Sicht: zu Recht – monieren:

After responding well in the first, acute phase of the economic crisis,conventional policy wisdom took a wrong turn – focusing on government deficits, which are mainly the result of a crisis-induced plunge in revenue, and arguing that the public sector should attempt to reduce its debts in tandem with the private sector.

As a result, instead of playing a stabilizing role, fiscal policy has ended up reinforcing the dampening effects of private-sector spending cuts.

Mit dem Argument, staatliche Sparprogramme würden das Vertrauen in der Privatwirtschaft stärken und so auch kurzfristig positive konjunkturelle Wirkungen entfalten, rechnen die beiden Wissenschaftler überzeugend ab. Ebenso wie mit dem Einwand, strukturelle Ungleichgewichte seien der Kern der Krise.

Ihr Manifest mündet in einem klaren Appell:

Better policies will differ between countries and need detailed debate. But they must be based on a correct analysis of the problem.

We therefore urge all economists and others who agree with the broad thrust of this Manifesto to register their agreement at www.manifestoforeconomicsense.org, and to publically argue the case for a sounder approach.

The whole world suffers when men and women are silent about what they know is wrong.

Ich habe bereits unterschrieben und hoffe, möglichst viele tun es mir gleich.

.

Besuchen Sie mein englisches Weblog “Economics Intelligence” und meine Facebook-Seite – ich freue mich über jedes “like”!

Ähnliche Beiträge

Alle Kommentare [18]

  1. 29. Juni 2012
    Klaus Kozaczenko

    Diesen Vergleich mit 1933 finde ich absolut passend.

    Ist doch klar, dass sich die Mitläufer-Protagonisten darüber echauffieren, weil es genau den Kern ihres feigen, perfiden Verhaltens trifft.

    Trittins heutige theatralische Bemerkung zu diesem Vergleich war mehr als bühnenreif. Ich denke nicht, dass ATTAC da einen Rückzieher machen sollte. Jeder mag über diese Aktion urteilen wie er will. Auf jeden Fall zwingt dieser Vergleich zur Diskussion und damit zur Beschöftigung mit dem undemokratischen ESM.

    Daraus wie Hitler an die Macht gekommen ist, kann man viel lernen Herr Trittin. Wer nichts aus der Geschichte lernt, entwürdigt die vielen Opfer, die diese Tragödie gekostet hat. Bei unserer Vergangenheit ist jedes politische Verhalten, dass auch nur den leichtesten Hauch oder Anschein von undemokratisch beinhaltet absolut verwerflich und durch nichts zu rechtfertigen.

    Das Ermächtigungsgesetz von 1933 kam im Grunde im Vorwege noch harmloser daher als der heutige ESM. Er war nur auf 4 Jahre festgeschrieben und alle Beteiligten hatten versprochen, dass er nur vorübergehend und nur zum Wohle des ganzen Volkes sein soll. Hitler hielt man damals noch für harmlos, genau wie man heute die Macht des ESM unterschätzt, was Schäuble heute in seiner Rede klar zum Ausdruck gebracht hat.

    Heute geht man sogar soweit, dass man den Vertrag ESM nicht einmal zeitlich befristet, nein man schreibt ihn für die Ewigkeit fest. Und ewig ist sehr lange. Niemand der noch alle Tassen im Schrank hat, wird glauben dass jemals alle 27 Länder der Auflösung dieses Vertrages zustimmen könnten.

  2. Krugman & Co sollen mir bitte mal erklären,

    wie man in einen geplatzen Luftballon noch mehr Luft pumpen möchte?

  3. Es ist ein Hohn, das uns Europäern unter dem Deckmantel der Vernunft weisgemacht werden soll, wir könnten uns aus der Krise shoppen.
    Das klappt ja schon in der Heimat von Herrn Krugmann nicht, einfach weil die 10% Staatsdefizit eben nicht zur Auslastung einheimischer Kapazitäten führen, sondern einen Importsog auslösen – weil man den Menschen halt nicht vorschreiben kann, was sie mit dem frisch gedruckten Geld kaufen sollen.

    Übertragen auf Europa: wir können noch soviele Brücken und Autobahnen in Griechenland bauen, es werden doch nur deutsche und koreanische, aber eben keine griechischen Autos darauf fahren.

    Aber dem griechischen Bauer werden die Erntehelfer fehlen, weil die auf dem Bau mehr verdienen.

    Nein, es ist wohl leider so, das die Einkommen der Südeuropäischen Länder um den konsumtiven Anteil ihrer Leistungsbilanzdefizite sinken müssen. Das ist aber keine Katastrophe, sondern irgendwas zwischen 5 und 10%.

    Wichtig ist vielmehr, das die Privatwirtschaft liquide bleibt, damit konkurenzfähige Firmen nicht an kurzfristigen Engpässen eingehen, und das die Konsolidierung möglichst an Gütern mit hohem Importanteil (Luxusautos, fossile Energieträger) ansetzt, und weniger am allgemeinen Konsum, und möglichst garnicht bei Dienstleistungen und Arbeitskosten, um die inländische Wertschöpfung nicht zu belasten.

    Dann können diese Länder auch schon bald wieder wachsen. Erneuter importierter Wohlstand auf Pump verschiebt nur den Tag der Abrechnung, und macht ihn nicht angenehmer.

  4. Wer soll ihrer Meinung nach die gesamteuropäische Nachfrage stärken.

    Der Agenda 2010 – Dolch steckt jetzt im Rücken der europäischen Idee.

    Wie zynisch dürfen PÜolitiker sein, die sich ihre Zustimmung ohne einen deutschen allgemein verbindlichen Mindestlohn abhandeln ließen, nur damit niemand den Zusammenhang zu einer falschen Wirtschaftspolitik Agenda 2010 herstellt.

    Wie schrieb Layard, jeder Staat kann sich einen Sozialstaat gemäß seiner Arbeitsproduktivität leisten.
    Der Wechselkurs glättet die Lohnstückkosten.
    Und Zölle unfairen Wettbewerb.

  5. Diese beiden liegen mit ihrem Vergleich der heutigen Situation mit 1929 weitgehend daneben.

    Was wir heute haben ist der wirtschaftspolitisch notwendige und vernünftige Abbau einer Kreditblase die über 40 Jahre von Betrügern mlt keynsianischer Verbrämung angerichtet wurde. An einer Fortsetzung dieser Betrugspolitik können nur Betrüger ein Interesse haben.

    Der Korrespondent “Thomas” hat leider nicht begriffen, daß wenn “Nur die Banken & Versicherungen” von einem haircut betroffen werden, seine Ersparnisse, seine Lebensversicherung und seine Betriebsrente ebenso dran sind.

    Und das Ersparnisbildung von der Erfahrung eines haircuts stark beeinträchtigt würde, mit langfristig wesentlich schlimmeren Folgen für den Weltwohlstand und auch für die sparunwilligen PIGS als durch eine geodnete Rückführung der Schulden gegeben wäre.

    Krugman & Konsorten sind gefährliche Spinner.

  6. Ich stimme dem Artikel zu und auch dem, was die beiden Wissenschaftler sagen. Von Krugman habe ich einiges gelesen, was mich sehr überzeugt hat. Aber auch Heiner Flassbeck, Albrecht Müller von den nachdenkseiten, Hickel u.a. schreiben überzeugend gegen diese Merkelsche Politik.

    Nun macht Merkel diese nicht allein. Sie wird unterstützt und beraten, vielleicht ist sie ihren Helfern noch einige Gefallen schuldig, wer weiß es denn ? jedenfalls kommen diese Finanz-und Politikberater durchweg aus dem Stall amerikanischer Großbanken wie Goldman Sachs und Großkanzleien wie Mc Kinsey.

    Merkel ist aufgrund von Biographie und frisierten Image eine hervorragende Dienerin für die Einführung einer Finanzdiktatur, die durchweg neoliberal-neokonservativ geprägt ist.

    Dadurch, dass die Opposition in Deutschland, außer der Partei “Die Linke” sich Merkels Politik völlig verschrieben haben, ist auch keine Veränderung dieser katastrophalen Politik in Sicht.

    Von daher halte ich diesen Artikel mit der Bitte um Unterschriften für sinnvoll und richtig und werde mich an dieser Aktion gerne beteiligen.

  7. @Herbert
    Dann sollten sie sich bitte auch mit den Details des “ausgeglichenen Staatsbudgets” auseinandersetzen. Denn der wurde eben auch dadurch hergestellt, dass man staatliche Ausgaben auf nahezu Null gefahren hat und mit dem zeitgleichen Einbruch aus dem Privatsektor (kaum Investitionen in Realwirtschaft, Hortung von Kapital in Form von Finanzprodukten, Gold oder sonstige Anlagen, die makroökonomisch gesehen sehr schädigend für die Realwirtschaft waren). Und genau den Zustand haben wir heute auch. Weder Privat- noch Staatssektor wollen Geld in die Hand nehmen.

    Die Einen haben es im Überfluss, spielen damit aber lieber auf dem Finanzcasino oder horten es aus Angst vor falschen Investionen und die Anderen haben kaum noch was, weil sie die retten mussten, die eben damit Casino gespielt haben und als Lösung wird wieder genau auf die gleichen “Experten” gehört, die schon das alles haben nicht kommen sehen oder wollen oder was auch immer.

    Wir sollten uns nämlich langsam die richtigen Fragen stellen. Wohin ist die gestigene Produktivät der letzen 20 Jahre in Germany gemündet, also wer hat profitiert? Sind die Forderungen der Gläubiger welche aus unserem Wirtschaftsystem hervorgehen immer gerechtfertigt (Beziehung Finanz- zu Realwirtschaft)? Was ist Ursache und was Wirkung (also Finanzkrise -> Staatsschuldenkrise oder andersherum)? Sind wirklich immer höhere Staatsausgaben das Problem oder wurden einfach nur die Einnahmen kontinuirlich gesenkt? Usw, usw, usw.

  8. Vielleicht hilft ein Blick in die Wirtschaftsgeschichte: Hier ein Artikel aus dem Jahr 1989 der Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte mit der Überschrift “Politische Alternativen zum Brüningschen Deflationskurs (Ulrike Büttner; Heft April 1989, Seiten 209-251; http://www.ifz-muenchen.de/heftarchiv/1989_2.pdf); damals wurde ebenfalls ein strikter Austeritätskurs mit deflatorischen Konsequenzen gefahren. Nicht umsonst wurde der damalige Reichskanzler Heinrich Brüning die Jahre 1930 bis 1932 auch als “Hungerkanzler” bezeichnet.

    Die antizyklischen Investitionen des “Staates” fließen sehr zeitnah in Form von Steuern, insb. Mehrwertsteuer, und Abgaben, insbes. von Sozialversicherungsbeiträgen zurück.

  9. Hatten wir in den 1920ern auch solch hohen Privatvermögen wie heute?

    Mal drüber nachdenken, wenn der Staat jegliches Privatvermögen über 1 Mio. Euro pro Nase mit 75 % Steuersatz wegbesteuern würde…

    Die Staatsschulden wären auf einen Schlag weg…

  10. Ich nehme es genüsslich zur Kenntnis, dass den Mainstream-Medien der knallharte Neoliberalismus zu heiß geworden ist. Die Frage ist nur, warum sie ihn Jahrzehnte lang propagierten….

  11. Ich wüsste nicht, weshalb man auf den beiden Angelsachsen mehr Beachtung schenken sollte, als dem sonstigen längst Alltag gewordenen Geflenne der US-Administration nach mehr Europäischem Deficit Spending, wohl wissend, das man die eigenen Möglichkeiten auf diesem Gebiet längst überreizt hat, und ignorierend, das dies ein Hinweis auf die langfristige Untauglichkeit dieser Massnahmen sein könnte.

    Mich ärgern diese ständigen Ratschläge, mit Verlaub, masslos.

    Es entspricht NICHT den Tatsachen, das Südeuropa an einer Gesamtwirtschaftlichen Nachfrageschwäche leidet. Vielmehr sprechen die Leistungsbilanzdefizite dafür, das die Nachfrage IMMER NOCH die Produktionskapazitäten übersteigt.

    Es existiert daher auch nicht ein gesamtwirtschaftlicher Überschuss an Erparnissen, der über kreditfinanzierte Staatsausgaben wieder in Umlauf gebracht werden muss, sondern es müssen Konsum und Produktion wieder in Einklang gebracht werden.

    Zusätzliche Staatsausgaben würden nur in einer Vergrösserung der aussenwirtschaftlichen Defizite resultieren.

    Die Frage ist, wie verringert man den nicht investitiven Anteil des Leistungsbilanzdefizits unter möglichst geringer kontraktiver Wirkung auf die Gesamtwirtschaft?

    Es schiene sinnvoll, den Konsum von Gütern mit hohem Importanteil (KFZ, Energie, Mineralöl) extrem höher zu besteuern, die inländische Wertschöpfung, insbesondere resourcenschonende (Dienstleistungen) und den Faktor Arbeit jedoch niedriger.

    Dann schrumpft die Wirtschaft möglichweise wirklich nur um den konsumtiv verwendeten Importüberschuss und kann von dieser Basis wieder wachsen.

    Staatsdefizite sind ab diesem Moment nicht mehr so bedenklich, da die inländische Ersparnis aufgrund ausgeglichener Aussenbilanz wieder zur Finanzierung ausreicht, was automatisch zu sinkenden Zinsen führt.

  12. “Verschuldung durch weitere Verschuldung unschädlich zu machen hieße aber, den Teufel mit Beelzebub auszutreiben. Selbst wenn die reichen Nachbarn das Risiko auf sich nehmen – die Probleme wären dadurch nicht gelöst, sondern eher neue geschaffen. Der Vergleich mit 1931 mündet in einen klassischen Denkfehler.
    Der historische Vergleich hinkt, wenn sich die Grundlagen geändert haben. Heute ist das Bankenproblem in eine umfassende Krise des Kapitalmarkts eingebettet, deren Akteure nur vordergründig die Banken sind.”
    Werner Abelshauser, “Vergesst den Vergleich mit 1931″, Financial Times Deutschland 19.06.12.

    Wenn Paul Krugman “Greece as Victim” sieht (N. Y. Times 17.6.12) dann läuft das (trotz allem Wenn und Aber) auf eine Forderung nach Besitzstandswahrung für Kreditbetrüger hinaus. Zu finanzieren vom deutschen Steuerzahler und/oder von Europas Verbrauchern.
    Vergleichbar in Irland, Portugal, Spanien: Überall haben sich die Menschen einen Lebensstandard angewöhnt, den sie nicht erarbeitet haben, der von anderen bezahlt wurde. Weil die privaten Kreditgeber jetzt aussteigen, sollen Deutschlands Steuerzahler einsteigen.
    Produktionsanlagen werden so jedoch nicht geschaffen (schon gar nicht in Griechenland, über das sogar George Soros sagt:
    “Um Griechenland zu retten, bräuchte es eine enorme Großherzigkeit. Die Situation dort ist einfach zu vergiftet. Wenn Angela Merkel im Fall Griechenlands hart geblieben wäre, könnte sie jetzt die deutsche Öffentlichkeit leichter von Hilfen für andere Länder überzeugen. Merkel könnte unterscheiden zwischen den guten und den bösen Jungs in Europa.” (SPON-Interview “Star-Investor prophezeit Hass auf Deutschland”)

    Erfreulich ehrlich sind zwei (in den USA lehrende) griechische Wirtschaftswissenschaftler, Costas Azariadis und Nicholas Economides.
    Die sagen im WELT-Interview “Deutschland muss anführen oder den Stecker ziehen”:
    Azariadis:
    “Der schwache Euro verschafft der deutschen Exportwirtschaft große Wettbewerbsvorteile. Als Gegenleistung muss Deutschland sich verpflichten, die Finanzmärkte zu befriedigen, indem es den Südstaaten der Euro-Zone etwa über ein Jahrzehnt finanziell hilft. Diese Rettungsmaßnahmen werden mehrere Billionen Euro kosten – mehr als die deutsche Wiedervereinigung. Deutschland muss abwägen, ob diese Ausgaben im Vergleich zu den durch den Euro entstehenden Exporterfolgen angemessen sind. Sind sie es nicht, kann Deutschland den Stecker ziehen, indem es mit kleineren, finanzpolitisch konservativen Ländern wie Österreich, Finnland oder den Niederlanden einen kleinen eigenen Währungsraum gründet.”
    Economides:
    “Economides:
    “Deutschland sollte sehr ernsthaft darüber nachdenken, ob es willens ist, die Euro-Zone überleben zu lassen. Falls ja, muss es folgende Schritte unternehmen: Die Garantien für den Rettungsschirm müssen verzehnfacht werden, um Italien und Spanien auffangen zu können. Zweitens muss Deutschland die Einführung von Euro-Bonds, also einer gemeinschaftliche Haftung, erlauben, etwa bis zu einer Schuldenquote bis zu 60 Prozent. Griechenland wird darüber hinaus einen weiteren Schuldenerlass benötigen.”

    Also nichts wie raus aus dem Euro-Irrenhaus – bevor wir Rettungsschirme von 5 Billionen aufspannen, und außerdem (zunächst, mindestens) diese Summe noch einmal 10 Jahre lang versüden!

    Nobelpreis bewahrt vor Irrtum nicht und ist erst Recht kein Ticket zur Verteidigung UNSERER Interessen!
    Gelddrucken wie nicht gescheit (wie OECD-Generalsekretär Angel Gurria fordert – WELT-Interview “Erlaubt der EZB, ihre Bazooka einzusetzen!”) ist ebenfalls KEINE akzeptable Lösung!

  13. Der Kommentator mag Recht haben mit seiner These, dass zielgerichtete
    Konjunkturprogramme -etwa mit dem Fokus Infrastruktur, Bildung und ökologische Erneuerung- konjunkturell enorm helfen können.
    Das Problem aber ist, dass moralisch minderwertige Mentalitäten in den Südeuropäischen Ländern der EU die Währungsunion in den Abgrund stürzen. Statt endlich insbesondere bei den Reichen die eigentlich fälligen Steuern einzusammeln und Steuerhinterziehung zu bekämpfen, steht man in Griechenland und Italien auf dem Standpunkt, dass man lieber deutsches Geld haben möchte. Mit solchen Partnern ist der Euro
    nicht zu retten. Zugleich widersetzen sich etwa in Deutschland neoliberale Egoisten wie die FDP einer höheren Besteuerung der Reichen. Würden alle durch eine Bekämpfung von Steuerhinterziehung einerseits und höhere Reichenbesteuerung andererseits Gelder mobilisieren, wären schuldenneutral in dieser Situation enorm wichtige Konjunkturprogramme finanzierbar. Die Realität sieht aber leider anders aus.

  14. Und wie soll die Politik reagieren?

    Noch mehr Staatsverschuldung und damit noch geringere Bonität?
    Also hochgradig defizitäre Haushalte?

    Oder sollen die Steuern auf Einkommen-/Gewinne massiv angehoben werden und damit wahlweise staatliche Konjunkturprogramme finanziert werden, oder durch Verbesserung der Abschreibemöglichkeiten Unternehmensgewinne/hohe Einkommen in Investitionen “gedrängt” werden?

  15. Ende der 1920 fuhr man ausgeglichene Staatsbudgets.

    Heute fahren die PIGS allesamt exzessive Staatsdefizite, und zwar seit Jahren. Daher sehe ich keine Parallele zu den 1920ern und bitte Herrn Storbeck zu erklären, wie noch höhere Defizite eigentlich objektiv bewerkstelligt werden sollen.

    Sehen Sie nicht, wie nahe das Ende der europäischen Verschuldungsorgie schon ist? Nächste Woche I, dann F, und danach ist D fällig.

  16. Um das Wichtigste vorweg zu sagen: Ich fürchte, die beiden haben absolut Recht und hoffe, dass der Aufruf mit dem Titel “A Manifesto for Economic Sense” (hier das PDF des Aufrufs) auch vom CHEFREDAKTEUR DES HANDELSBLATT gelesen und verstanden wird.

    Damit uns ähnliche “Kommentare” wie heute auf der Titelseite in Zukunft erspart bleiben.

  17. Ich stimme dem voll und ganz zu, wir müssen uns wehren und werden das auch tun,
    Renate Knoll-Heinrichs

  18. Die Herren haben dahingehend Recht, dass die gleichen Fehler wie Ende der 1920er/Anfanger der 1930er begangen wurde. Allerdings war die primäre Ursache des Übels oder besser gesagt wurde die Erholung nachdem Crash verhindert, weil es fixe Wechselkurse gab. Diese waren damals über den (schlecht implementierten) Goldstandard zueinander fixiert und heute ist es eben der Euro. Das verhindert, dass Länder ihre Währungen auf-/abwerten können, um die wirtschaftlichen Ungleichgewichte, die es nun mal gibt und immer geben wird, auszugleichen. Wenn dieses fundamentale außenwirtschaftliche Instrument nicht mehr gegeben ist, muß die Anpassung über fiskalische Maßnahmen mit den Folgen a la Griechenland einhergehen. Und das letztere Maßnahme eher zum Bürgerkrieg als zur wirtschaftlichen Erholung führt liegt auf der Hand. In heutigem Szenario kommt natürlich noch die immense Staatsverschuldung hinzu, die es so damals nicht gab. Die kann nur wirksam mittels Haircut begegnet werden, natürlich zum Schaden der Anleihehalter, aber wer hält seit 2010 noch Staatsanleihen ? Nur die Banken & Versicherungen.