Champions League: Warum Bayern gewinnen wird

Die Münchener Allianz-Arena (Foto: Andreas Steinhoff via Wikipedia)

Um gleich vorweg zu sagen: Nein, ich bin kein Bayern-Fan. Zumindest nicht mehr, seitdem ich mein sechstes Lebensjahr hinter mich gebracht habe. Mein Herz schlägt in Deutschland für den geilsten Klub der Welt, und in England für den Verein, an dessen Stadion ich zweimal täglich vorbeiradele.

Und ich bin Ökonom. Und als solcher wage ich die Prognose, dass der Pokal am Samstag in München bleiben wird.

Warum? Nicht, weil Bayern im eigenen Stadion spielt. Sondern weil die Münchener  ganz rational und rein ökonomisch betrachtet die bessere Mannschaft auf dem Platz stehen haben. Gemessen an ihrem aktuellen Transferwert.

Die laut Kicker wahrscheinliche Startaufstellung der Bayern hat laut Transfertmarkt.de einen Marktwert von 290.5 Millionen Euro. Die Spieler des FC Chelsea dagegen sind zusammen schlappe 30 Prozent weniger Wert – sie bringen zusammen nur 202,5 Millionen Euro auf die Waage. Selbst, wenn statt dem alternden Stürmerstar Drogba der teure und bisher chronisch erfolglose Fernando Torres auflaufen sollte, steigt der Marktwert von Chelsea nur auf 235 Millionen Euro.

Wesentlich stärker ist Bayern vor allem im Mittelfeld und im Sturm. Die sechs Spieler Schweinsteiger, Kroos, Robben, Müller, Ribery und Gomez sind laut Transfermarkt.de zusammen mit 212 Millionen Euro mehr wert als die gesamte Chelsea-Elf. Mittelfeld und Sturm der Londoner bringt es zusammen nur auf 115 Millionen Euro.

Im Tor gibt es nur vergleichsweise geringe Unterschiede, Neuer ist mit 30 Millionen nur fünf Millionen mehr wert als Cech. In der Abwehr ist Chelsea sogar etwas stärker aufgestellt als Bayern – die Viererkette der Engländer ist 62,5 Millionen Euro wert, die der Bayern dagegen nur 48,5 Millionen Euro.

Wenn ich mit meiner Prognose dennoch daneben liege und Chelsea als Sieger vom Platz geht, könnt ihr euch übrigens bei den beiden Berliner Professoren Gert Wagner und Jürgen Gerhards beschweren. Auf die beiden geht die Idee, Fußballprognosen auf der Basis des Marktwerts der Spieler zu erstellen, zurück. Ihre Bilanz ist nicht schlecht: Dreimal – bei der WM 2006, der EM 2008 und der WM 2010 – haben sie mit dieser Methode jeweils die Turniersieger richtig vorhergesagt.

Vor zwei Jahren hieß es dazu in einer Pressemitteilung des DIW:

„Grundsätzlich bestätigt unsere Prognose-Methode, dass einfache Modelle oft genauso gut funktionieren können wie überaus komplexe und schwer durchschaubare Prognose-Modelle“, erklärt Jürgen Gerhards. „Zwar haben sich die Niederländer trotz ihres mittelmäßigen Marktwerts nach oben geschoben, insgesamt aber liegen wir mit unserer Prognosemethode sehr gut“, bekräftigt Gert Wagner: „Die strukturell beste Mannschaft gewinnt.“

Allerdings räumen die beiden Forscher ein, dass der Zufall dennoch eine große Rolle spielt – in einem Turnier, in dem die Mannschaften häufiger gegeneinander antreten, weniger als bei einem einzigen Spiel. Dass dieser Faktor von Spieler, Trainern und Zuschauern oft stark unterschätzt wird, habe ich in einem Artikel zur WM 2010 vor zwei Jahren ausführlich beschrieben.

Daher werde ich mir das Spiel morgen auch trotzdem anschauen.

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Alle Kommentare [4]

  1. Naja , …
    War wohl nix mit dem Bayern Sieg, sie sind einfach zu schlecht bei der Chancenverwertung. Und am Schluss war der Chelsea Goalie einfach besser, er war immer in der richtigen Ecke.

  2. Es war der “Zufall”. Woher und aus welchen Dimensionen fällt etwas zu? Offenbar aus der Kausalität und Fogerichtigkeit aller nur denkbaren und undenkbaren Umstände und Umstandskrämereien. Genau wie bei den Ökonomen. Nehmen Sie´s nicht krumm Herr Storbeck, sondern so wie man zufallende Zufälle nimmt, mit Humor, am besten mit englischem.

  3. Sie sollten vielleicht in ihrer Rechnung mit einberechnen ,dass transfermarkt.de eine deutsche Seite ist und die MW im Forum hochspekuliert werden. im TM-Forum treiben sich ca. 30% Bayern-Fans und es wird sehr patriotisch und mit FCB-Fanbrille geschätzt ;) Somit ist gerade TM ,was bundesliga-Clubs betrifft, insbesondere der FCB , weniger Wert als er eigentlich ist. Ich würde mal ca. 20% herunterschätzen, dann kommen wir auf realistische Zahlen.

  4. Naja, schwierig das so zu sehen, sonst hätte Bayern vermutlich nicht gegen Real Madrid gewonnen und wäre gegen Dortmund als strahlender Sieger vom Platz gegangen. Also bleibt wohl leider (oder zum Glück) nur der Zufall und das Hoffen und die Spannung :)