Vor dem Champions-League-Finale in München: Wirtschaftswunder Bundesliga?

Wer mir bei Twitter folgt, konnte es live miterleben:  Als eingefleischter Schalke-Fan habe ich das DFB-Pokalfinale am Samstag in Berlin mit sehr gemischten Gefühlen gesehen, zumal ich vor einem Jahr beim Schalker Pokalgewinn selbst in der Kurve stand.

Aber ich muss gestehen: Es war ein tolles Fußballspiel, und am Ende siegte bei mir die Schadenfreude über die Blamage Bayern Münchens über den Missgunst eines weiteren Erfolgs für die Mannschaft unserer Lokalrivalen aus Lüdenscheid-Nord.

Nächsten Samstag findet in München das nächste Spitzenspiel statt, Bayern tritt im Champions-League-Finale im eigenen Stadion gegen Chelsea an. Die wirklich  schwierige und immens wichtige Frage, wen ich als Schalke- und Arsenal-Fan an dem Abend unterstütze, will ich hier nicht weiter diskutieren. Sondern die Frage, ob die Begegnung auch ein Aufeinandertreffen von zwei verschiedenen Geschäftsmodellen des Profifußballs ist.

Auf der seinen Seite stehen die vergleichsweise solide wirtschaftenden Bundesliga-Vereine, in denen dank der “50 plus 1-Regel” Investoren nicht die Mehrheit übernehmen können – auf der anderen Seite die Premier-League-Clubs, die das Hobby- und Prestigeprojekt gelangweilter Oligarchen (Chelsea) und Ölscheichs (Man City) sind.

Emmanuel Hembert von der Management-Beratrung A.T. Kearney sieht das Finale als das Aufeinandertreffen der beiden wirtschaftlich stärksten Ligen in Europa – und er ist überzeugt, dass das Finale in München die wachsende Dominanz der Bundesliga im europäischen Profifußball widerspiegelt.

Schon seit 2009 ist A.T. Kearney überzeugt, dass die Bundesliga die besten Voraussetzungen hat, die englische Premier League als die dominante Liga in Europa zu überholen – weil das Geschäftsmodell der Clubs nachhaltiger sei. Der jüngste Deal mit dem Bezahlsender Sky, die den Vereinen bis zur Saison 2013/14 fast zwei Milliarden Euro einspiele, ist für  A.T. Kearney eine Bestätigung für diese These. Die anderen großen Ligen in Europa befänden sich alle in mehr oder weniger großen Problemen:

“The Spanish Liga is currently battling with over €1bn tax and national insurance debt without accounting for the late payment of salaries.

Italian club losses continue, increasing to a staggering €285m for last season.

Eight English top clubs are reported to be under investigation by tax probes.

With an anaemic transfer market, French clubs have lost a large part of the windfall from transfers to other European leagues.

Across the smaller leagues, such as Scotland and Switzerland, several once famous teams are in or close to bankruptcy including Glasgow Rangers and Servette Geneva.”

Mehrere Faktoren macht A.T. Kearney für die gute Lage der Bundesliga verantwortlich.

Erstens verhinderten vergleichsweise strenge Regeln, dass die Vereine dauerhaft über ihre finanziellen Verhältnisse leben. (Wäre schön, wenn das wirklich überall so wäre, denke ich angesichts der immer noch  185 Millionen Euro Schulden meines Lieblingsvereins, der vor nicht allzu langer Zeit einen Bailout des Boom-Stadt Gelsenkirchen brauchte…).

Zweites helfe der systematische Ausbau der Nachwuchsförderung,  Spitzenspieler zu vertretbaren Kosten zu entwickeln.

Drittens habe die Bundesliga von den öffentlichen Investitionen in die Stadion während der WM 2006 profitiert.

(Bei diesem Argument bin ich mir ebenfalls nicht so sicher, wie überzeugend ich das finde. Von den zwölf WM-Stadien gehört die Hälfte zu Vereinen, die immer wieder um den Abstieg spielen und nicht gerade ein positives Beispiel für die wirtschaftliche Dominanz der Bundesliga sind: Berlin, Köln, Kaiserslautern, Nürnberg und Frankfurt;  Leipzig ist Fußball-technisch komplett unterhalb der Wahrnehmungsschwelle. Die anderen Stadien – Schalke,  München, Stuttgart, Hamburg, Hannover und Lüdenscheid-Nord – wurden zum Teil lange vor der WM gebaut und umgebaut, zum Teil – in Stuttgart –  auch erst deutlich später.)

Viertens profitiere der deutsche Fußball von der guten Konjunktur  in Europas größter Volkswirtschaft: Das ermögliche es den Vereinen, lukrative Sponsoring- und Hospitality-Pakete zu verkaufen.

Ein weiterer Punkt, den A.T. Kearney nicht nennt, dürfte die gute Auslastung der Stadien sein: In Deutschland ist es ja mittlerweile bei vielen Bundesliga-Clubs sehr schwierig, an Tickets zu kommen  - in Italien dagegen sind die Stadien chronisch leer. Einer der Gründe dafür dürfte sein, dass die Vereine das Hooligan-Problem sehr gut in den Griff bekommen haben und man sich heute in deutschen Stadien wirklich sicher fühlen kann.

A.T. Kearney kommt daher zu dem Schluss:

“The financial domination of the Bundesliga is now confirmed. History shows that domination on the pitch is likely to come next. Perhaps we will see this on the 19th May?”

Ja, auch als Schalke-Fan würde mich das für den deutschen Fußball freuen. Eine Voraussetzung dafür ist allerdings, dass Bayern nicht so unkonzentriert spielt wie am letzten Wochenende.


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