Warum Target2-Forderungen keine Kredite sind

Ifo-Chef Hans-Werner Sinn behauptet es seit mehr als einem Jahr: Die Forderungen, die die Bundesbank über das Target2-Zahlungssystem an die EZB hat, seien letztlich  ein Kredit der deutschen Notenbank an die Target2-Defizit-Länder: Die Target-Salden seien  „eine Art Kontokorrentkredit“ und würden  „eine öffentliche internationale Kreditvergabe“ zwischen den Notenbanken „messen“.

Von vielen – auch von mir – ist diese Wortwahl immer wieder kritisiert worden. So betonte der ehemalige Wirtschaftsweise Olaf Sievert in einem offenen Brief an Sinn:

“Über das Target2-System wird kein Kredit gewährt. (…) Eine irreführende Wortwahl bei der Kennzeichnung eines Sachverhalts ist kein guter Einstieg in dessen Analyse”

Zwei Ökonomen der Uni Jena – Peter Burgold und Sebastian Voll – machen in einem jetzt veröffentlichten Arbeitspapier mit dem Titel “Mythos TARGET2 — ein Zahlungsverkehrssystem in der Kritikden gleichen Punkt”. Aus der Zusammenfassung:

“Die Salden sind keine echten Kredite und sollten nicht als solche betrachtet werden. Die zugrunde liegenden ökonomischen Probleme sind weder hinreichend noch notwendig mit dem Zahlungssystem verknüpft und können deswegen darüber nicht sinnvoll angegangen werden. “

In der Arbeit selbst argumentieren sie mit Blick auf die Kredit-Frage unter anderem so:

“Die Frage, ob TARGET2-Salden als Überziehungskredit zu klassifizieren sind oder nicht, ist keine bloße Definitionsfrage. Durch die Übertragung eines Zentralbankguthabens entsteht für die beauftragende NZB keine Zahlungsverpflichtung. Im Gegenteil.

Die Übertragung von auf Euro lautendem Zentralbankgeld tilgt per Definition auf Euro lautende Geldschulden. Wenn es sich bei TARGET2-Forderungen tatsächlich um Überziehungskredite der Kernländer an die Peripherie handeln würde, so könnten sie jederzeit mittels Übertragung von gesetzlichem Zahlungsmittel vom Schuldner auf den Gläubiger getilgt werden.

Das ist aber genau der Mechanismus, durch den diese Forderungen entstanden sind. Paradoxerweise könnte hier also eine „Tilgung“ mittels gesetzlichen Zahlungsmittels nur stattfinden, indem der Gläubiger (hier: die Überweisungen empfangende NZB) dem Schuldner (hier: die Überweisungen beauftragende NZB) Geld übergibt.”

Die beiden Forscher treffen hier den Nagel auf den Kopf.

Auch mit Blick auf die Frage, ob die Target2-Transaktionen die Leistungsbilanz-Defizite der Krisenländer finanzieren, ist das Paper sehr erhellend.

“Sinn und Wollmershäuser (2011) nehmen implizit an, dass es eine Art Priorisierung in der Kapitalbilanz gibt, so als würden alle Nettokapitalimporte primär zur Tilgung von Nettoleistungsbilanzdefiziten verwendet. Erst dass (…) für Irland die TARGET2-Verbindlichkeiten höher ausfallen als die akkumulierten Leistungsbilanzdefizite, bedeutet für sie, dass es zu Kapitalflucht gekommen sei (S. 41).

Es ist aber durchaus möglich, dass die Kapitalflucht viel größer war als diese Differenz. Das ist z.B. der Fall, wenn Exporteure aus den Kernländern ihren Peripherie-Kunden Kredit einräumen, aber vermögende Wirtschafter gleichzeitig Guthaben aus der Peripherie abziehen, z.B., weil sie der Bonität des Geschäftsbankensektors misstrauen.

Wesentlich ist nicht die Frage, ob dies im Fall einzelner Euroländer der Fall war oder nicht, sondern lediglich, dass ein Blick auf die TARGET2-Salden keine Auskunft darüber geben kann.”

Auch auf die Gefahr hin, rechthaberisch zu wirken: Ganz ähnlich habe ich bereits im Juni letzten Jahres argumentiert.

Für Target2-Aficionados ist die Arbeit von Burgold und  Voll Pflichtlektüre. Detailliert und klar verständlich arbeiten die beiden Volkswirte die Knackpunkte der Target2-Debatte und die zentralen Argumente auf.

An anderer Stelle werden sie noch deutlicher – in der Debatte herrsche eine Sprachverwirrung:

“Sinn sieht in TARGET2 eine Finanzierung der Peripherie durch die Kernländer, während andere darauf verweisen, dass das Geld aus den Peripherieländern stammt.

Letzteres ist offensichtlich korrekt.

Sinns Aussage basiert darauf, die Akzeptanz von Peripherie-Euros in den Kernländern als „Akzeptanz auf Kredit“ zu verstehen.”

Das Fazit der Forscher ist eindeutig:

“Es besteht keine Frage, dass mit der Entscheidung für die Währungsunion hohe politische und wirtschaftliche Risiken eingegangen wurden.

Seit nunmehr zwei Jahren kämpft die Eurozone erbittert mit den Auswirkungen der damals vielfach befürchteten Probleme überbordender Staatsverschuldung und unzureichender Wettbewerbsfähigkeit.

So unterschiedlich auch ökonomische Analysen Ursachen und beste Antworten auf diese Krise einschätzen mögen, das Zahlungssystem TARGET2 findet seinen Platz weder bei den ersteren noch bei den letzteren.”

Download der vollständigen Arbeit hier: “Mythos TARGET2 — ein Zahlungsverkehrssystem in der Kritikden gleichen Punkt”.

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Alle Kommentare [38]

  1. @Herbert

    - ihre groß geschriebenen Definition ist korrekt und entspricht der unsrigen

    - zu “unechte” Kredite: diese Formulierung im Papier war unglücklich, wie die Debatte ganz oben in den Kommentaren gezeigt hat, deshalb die Präzisierung von Herrn Burgold am 09. Mai

    - zu “T2 misst etwas…”: noch besser würde es evtl. lauten “T2 misst, dass gegen ‘schlechte’ Sicherheiten ausgegebe Euro von der Peripherie in den Kern der Eurozone wandern” – T2 ist aber kein eigenständiger Kreditmechanismus, mit dem sich die GIIPS-Länder Geld “leihen”, also kein Kredit.

    Die GIIPS greifen zur Refinanzierung ja nicht auf T2 zurück, sondern auf die EZB-Politik der niedrigen Sicherheitenanforderungen; Nur entscheiden sich die GIIPS Bürger und Unternehmen eben dafür, diese Euro lieber in D auszugeben als in ihren Ländern, wodurch die T2-Salden entstehen.

    Ich hoffe ich konnte die vermeintlichen Inkonsistenzen auflösen.

    • @ Sebastian Voll: Danke für die Klarstellung. Ich melde allerdings mit Blick auf eine Formulierung vorsichtigen Widerspruch an. Sie schreiben im letzten Kommentar ” noch besser würde es evtl. lauten “T2 misst, dass gegen ‘schlechte’ Sicherheiten ausgegebe Euro von der Peripherie in den Kern der Eurozone wandern” .

      Das ist so meiner Meinung nach nicht ganz richtig. Dass die Geldschöpfung in der Peripherie nur noch gegen schlechte Sicherheiten erfolgt, ist zwar richtig, kann man aber doch an den T2-Salden nicht ablesen. Die würden doch genauso aussehen, wenn die Banken in der Peripherie noch genug gute Sicherheiten hätten, aber die Kapitalströme nur noch in einer Einbahnstraße von der Peripherie in den Kern fließen würden. (Klar, das würde dann irgendwann natürlich aufhören und in Bankenpleiten münden, weil die Geldinstitute in der Peripherie sich nicht mehr auf dem Interbankenmarkt refinanzieren können und ihnen irgendwann die für die Refi-Geschäfte notwendigen Sicherheiten ausgehen würden.) Aber genau genommen sagen die T2-Salden für sich betrachtet doch nur was über die Kapitalströme aus, nicht über die Sicherheiten, die hinter dem bewegten Zentralbankgeld liegen, oder nicht?

  2. @Herren Burgold und Voll

    Ihre Haltung zur Frage, ob Target2-Salden Kredite seien, ist inkonsistent, wie sich an folgenden Zitaten aus Ihren Beiträgen zeigt:

    1. Target2-Salden sind “unechte Kredite” (Ihr Paper).

    2. Target2-Salden sind “keine Kredite” (Herr Burgold im obigen Beitrag vom 9. Mai.

    3. “T2 misst also etwas, nämlich Kreditvergabe der EZB gegen schlechte Sicherheiten” (Herr Voll im obigen Beitrag vom 11. Mai.

    Könnten wir uns auf folgende Definition einigen, die sowohl ökonmisch als auch juristisch stimmt? Sie lautet:

    TARGET2-SALDEN SIND FORDERUNGEN / VERBINDLICHKEITEN, DIE ERST BEI AUSTRITT AUS DER WÄHRUNGSUNION FÄLLIG WERDEN.

    Bis zu diesem Zeitpunkt handelt es sich um niedrig verzinsliche Forderungen bzw. Verbindlichkeiten, die adverse selection bewirken: Schlechte Schuldner greifen zu, gute nicht. Das ist das Kernproblem

  3. @pikokelvin & @ R.Rene – Glattstellung der Salden in den USA

    Hier sind Sie wohl der inkorrekten Darstellung von Herrn Sinn aufgesessen: Die ISA-Salden werden in den USA in der Regel ausgeglichen, es gibt aber keine gesetzliche Verpflichtung dazu. In Krisenzeiten wurde der Ausgleich desöfteren ausgesetzt.

    Insbesondere in den letzten 3 Jahren wurde der Ausgleich mit einigen District-Feds ausgesetzt, in denen Banken mit extrem schlechter Liquiditätsposition hohe Refinanzierungskredite von ihren District-Feds bekommen haben. Also eine ähnliche Situation wie in Europa mit den GIIPS-Staaten.

    Siehe bitte hier :
    http://www.eurointelligence.com/eurointelligence-news/home/singleview/article/target-2-of-the-ecb-vs-interdistrict-settlement-account-of-the-federal-reserve.html

    Das die TARGET2-Salden ein Risiko im Fall der Desintegration der Eurozone darstellen, bestreiten wir auch nicht.
    Aber nochmal: T2 ist nur ein Symptom, Änderungen am Überweisungssystem T2 können die dahinter stehenden Probleme nicht lösen.

  4. Fakt ist: Die PIIGS können die Salden nicht mehr ausgleichen. Sollte demnächst Griechenland austreten ist die Forderung der BUBA futsch. Der Steuerzahler in DE haftet für den Ausfall mit 27 Prozent. In USA werden diese Salden einmal im Jahr glattgestellt. Im € System unmöglich weil die PIIGS niemals glattstellen können. Der Ausfall ist klar. Hier tickt eine Zeitbombe für den Steuerzahler.

  5. was verschiedene ökonomen sich ausdenken um target2 schulden als nichtschulden erscheinen zu lassen, ist schon famos und eine versuchte “wissenschaftliche”augenwischerei sondergleichen. die aller einfachste bankelehre sagt schon, dass soll und haben ausgeglichen sein müssen. jede bilanz, egal nach welchen standard sagt das gleiche.
    schulden bleiben schulden solange sie nicht bedient sind. in dem falle darf ich mal an die us-fed’s erinnern, die dieses gleiche problem weitaus früher hatten als die eu.
    letztlich führte es dort zu einem umdenken, indem die fed-zentrale auf den ausgleich der gegenseitigen target-schulden gegen banknoten oder höchste sicherheitspapiere (teilweise nach goldstandard) nach einen bestimmten zeitraum ausgeglichen sein müssen.
    also ist letztlich nichts weiter zu tun als den zeitpunkt des vollständigen ausgleichs dieser target 2 salden, sagen wir mal, monatlich, zu vereinbaren. wer dann das geld oder die werte, nicht hat, um den ausgleich vorzunehmen, muss wie in den usa ausgeschlossen werden. die fed macht das, deshalb sind einige bundesstaaten auch restlos pleite und bekommen keinerlei kredit mehr.
    ich empfehle so manchem ökonomen sich von der allgemeinlehre zu verabschieden und sich mit der ökonomischen EKS zu beschäftigen. villeicht klingelt es dann.

  6. Zwei Ökonomen der Uni Jena – Peter Burgold und Sebastian Voll – FORSCHER sind das??? Haben gerade bewiesen, dass sich Griechenland SELBST finanziert? Das finanzielle Perpetuum Mobile? FEIN, wie waers wenn wir dann alle aufhoeren zu arbeiten, scheint ja prima zu klappen. Wir finanzieren uns einfach selbst. Fangt mal damit an, mir Geld zu ueberweisen. Je mehr desto besser. So ein perpetuum mobile muss man nutzen. Nach Krugman sollten wir ja sowieso soviel Geld wie moeglich verschwenden. Eine meiner Kernkompetenzen.

  7. @Peter Burgold zu renee menendez: “Sie analysieren das Eurosystem als Zusammenspiel unabhängiger NZB. Das mag eine mögliche alternative Konstruktion sein, entspricht aber nicht der rechtlichen Grundlage des aktuellen Systems. Das Eurosystem wird grundsätzlich zentral geleitet (Art. 129 AEUV (1)” und: “Nur die Umsetzung der Beschlüsse erfolgt dezentral. Weil die wirtschaftliche Verantwortung über die NZB dennoch dezentral bei den jeweiligen Regierungen liegt, sind T2-Buchungen notwendig, um den Eigenkapitalausweis nicht zu verfälschen”.
    Renee menendez hat bestätigt (“So ist es”), dass die Existenz der TARGET2-Salden . . . allein in der Konstruktion der Europäischen Währungsunion begründet (Zit. Paper)” liege.
    Und wieder muss auch hier (wie zu “Kredit”) zunächst ein gleiches Verständnis zu verwendeten “Begriffen” und Aussagensätzen mit diesen Begriffen erreicht werden! Zum Beispiel dazu:Was wird nicht “zentral geleitet”, da ja nur “grundsätzlich” – immer das hier bedeuten mag? Wer hat die wirtschaftliche Verantwortung für welche “Gemeinschaftsaufgaben” “des Eurosystems” und warum liege diese Verantwortung “denoch” und warum “über die NZB” bei den “jeweiligen Regierungen”? Wer könnte warum den “Ausweis” des “Eigenkapitals” (von wem?) dann “falsch” – was immer das hier bedeutet – verstehen, wenn keine “T2-Buchungen erfolgten? Mit Buchungen erfolgte ein richtiger – was immer das hier bedeutet – “Eigenkapitalausweis”? Nur der Ausweis?
    So wie ich renee menendez verstanden habe, hat er nicht eine “mögliche alternative Konstruktion” benannt, sondern die “Widersprüchlichkeit” der bestehenden “Konstruktion” eindrucksvoll geschildert.
    Die sich aus Ihren, Peter Burgold, Erläuterungen zu renee menendez Schilderungen ergebenden Fragen, sind zunächst Fragen zum Verständnis sowohl zu “Begriffen” und Aussagensätzen mit diesen Begriffen in diesen Erläuterungen. Die “Konstruktion” gleichermaßen verstehen zu können, setzt also ein gleiches Verständnis zu diesen “Begriffen” voraus.
    Das ist, weil nicht Kultur, nicht einfach zu beachten. Siehe Sebatian Voll: “Deshabl nocheinmal: T2 misst etwas, ist aber kein eigenständiger Finanzierungsmechanismus (Kredit).” Und: “T2 misst also etwas, nämlich Kreditvergabe der EZB gegen schlechte Sicherheiten, ist aber selbst nicht Ursache.”

  8. @renee menendez: Sie analysieren das Eurosystem als Zusammenspiel unabhängiger NZB. Das mag eine mögliche alternative Konstruktion sein, entspricht aber nicht der rechtlichen Grundlage des aktuellen Systems. Das Eurosystem wird grundsätzlich zentral geleitet (Art. 129 AEUV (1): “Das ESZB wird von den Beschlussorganen der Europäischen Zentralbank [...] geleitet.”). Die Aufgaben des Eurosystems (Art. 127 AEUV) sind Gemeinschaftsaufgaben. Deswegen gibt es auch keine Clearing-Stelle. Nur die Umsetzung der Beschlüsse erfolgt dezentral. Weil die wirtschaftliche Verantwortung über die NZB dennoch dezentral bei den jeweiligen Regierungen liegt, sind T2-Buchungen notwendig, um den Eigenkapitalausweis nicht zu verfälschen. Der T2-Forderungsbestand der Bundesbank zeigt Eigenkapitalverluste an, die ihr entstanden wären, wenn es das System der T2-Buchungen nicht gäbe und die wirschaftliche Verantwortung dennoch dezentral wäre (S.8).

    @RD1: Wir behandeln ganz ausdrücklich den Austritt/Zerfall der Währungsunion (S. 35ff).

    @Klaus Kastner: Nicht alle Passiva sind Schulden und nicht alle Aktiva sind Forderungen. Im konkreten Fall spricht alles dafür, dass T2-Forderungen Ausgleichsbuchungen für den Eigenkapitalausweis ohne Rückzahlungsverpflichtung sind (S. 8). Das Risiko, dass eine NZB nicht in Eigenwährung zahlen kann, ist Null.

    @Ron777: Sie irren sich. Im Falle einer Währungsauflösung könnte das Guthaben Ihres genannten Italieners problemlos eingefroren werden. Es könnte dann zwangsumgewandelt oder mit einer besonderen Steuer belastet werden, um ihm die Kapitalflucht im Nachhinein zu vereiteln. Seine Landsleute, die Euro-Banknoten abgehoben haben und später nicht in Neuwährung umtauschen, haben es dann wahrscheinlich besser. Beachten Sie, dass beim Abheben von Banknoten keine T2-Salden entstehen! Wir haben darauf hingewiesen, dass jede Änderung an T2 auch die Umgehungsmöglichkeiten über den Banknotenverkehr berücksichtigen muss, was bisher noch in keinem einzigen uns bekannten Vorschlag berücksichtigt wurde.

  9. @KlarheitBitte – Danke für die konstruktiven und präzisen Fragen!

    zu 1)
    Die T2-Salden enstehen seit 2007, weil nun weniger Euro aus D in die GIIPS-Länder überwiesen werden, als aus den GIIPS nach D. Dies kann verschiedenen Vorgängen geschuldet sein (hier nur die Netto-Betrachtung, es fließt natürlich noch Geld in die GIIPS):
    a) Die dt. Banken wollen ihre vor 2007 an GIIPS vergebenen Kredite nicht verlängern, die GIIPS tilgen diese Kredite durch Überweisung von Euro nach D: T2 in D steigt
    b) Die GIIPS-Bürger empfinden ihre Banken als unsicher und überweisen Euro nach D, um hier Geld anzulegen (Herr Schäuble freut sich über niedrige Refinanzierungszinsen…): T2 in D steigt
    c) Die GIIPS-Bürger kaufen mit den durch die GIIPS-Zentralbanken geschöpften Euro Güter in Deutschland: T2 in D steigt

    Zu 2)
    Vor 2007 erwarben ausländische Banken etc. griechische Staatspapiere und konnten gegen diese bei der EZB über Repos gegen neue Euro eintauschen. Geld wurde dem “Kern” der EU in die GIIPS transferiert. Dies ist seit 2008 weggefallen, nun kaufen mehrheitlich GIIPS-Banken die GIIPS-Staatsanleihen, refinanzieren sich damit bei ihren jeweiligen Banken. Diese “zusätzlichen” Euro fließen dann über T2 in den Kern des Euroraumes.

    T2 misst also etwas, nämlich Kreditvergabe der EZB gegen schlechte Sicherheiten, ist aber selbst nicht Ursache.

    Zu 3)
    Über Geld kann es nur beglichen werden, wenn
    a) die Bundesbank den GIIPS Euro überweist oder
    b) die T2-Forderungen der Bundesbank durch Sicherheiten ausgeglichen werden (Gold? griechische Inseln? Staatsanleihen?)

    Auf diesen Punkt gehen wir in unserem Papier sehr detailliert ein und kommen zu dem Fazit: Ein Ausgleich über Sicherheiten ist nicht möglich. (das ist die Kurzfassung, die Argumente finden Sie in dem Papier)

  10. @Target2 ist kein Kredit
    Kredite kann man durch Zahlung gegen Geld tilgen. Überweist die griechische Zentralbank der Bundesbank Euro, um TARGET2-”Kredite” zu tilgen, würden sich die TARGET2-Forderungen der Bundesbank an die Griechen ERHÖHEN. Dies ist das Paradoxon: Der T2-Kredit würde durch die Tilgung steigen. Die Griechen können die T2-”Kredite” nur tilgen, indem die BUNDESBANK ihnen Euro überweist.

    @Target2 als Problem
    Wir argumentieren in unserem Papier nicht, dass T2-Salden nicht auf ein Problem hinweisen, aber sie sind

    a) keine Ursache für mgl. Probleme, sondern nur Anzeichen und
    b) lösen Regulierungen am T2-System die zu Grunde liegenden Probleme nicht

    @Herbert:
    ja, dies ist das Problem, es wird eben in den T2-Salden sichtbar.

    @Karl:
    Was Sie schreiben ist alles korrekt – liegt aber in der Natur einer Währungsunion begründet, und nicht in T2. Wenn alles in Bargeld und ohne T2-System ablaufen würde, gäbe es die gleichen Entwicklungen.

    Deshabl nocheinmal: T2 misst etwas, ist aber kein eigenständiger Finanzierungsmechanismus (Kredit).

  11. Herr Storbeck,
    setzen, 6.
    Es ist immer wieder interessant wie fundierte Einwände -auch von Kommentatoren hier- von Journos einfach ignoriert bzw. auf infantile Semantik ausgewiesen wird.
    Unglaublich.
    Machen Sie es doch mal so wie ich: malen Sie T-Konten auf und verfolgen Sie den Vorgang. Dann werden Sie feststellen: das sind lupenreine Kontokorrentkredite.
    Ups, ach so: Sie haben nie mit Buchführung im Allgemeinen und Kontierungen in der Bankpraxis im Speziellen zu tun gehabt.
    Ja, so sind sie, die Journalisten: von nix ‘ne Ahnung, aber zu allem eine Meinung.

  12. Der zitierte Aufsatz von Burgold/Voll enthält auf S. 22 zwei interessante Graphiken. Sie zeigen, dass Beschränkungen des TARGET2 durch Barzahlung oder Repos umgangen werden können und insofern nichts nutzen.

    Das grundlegende Problem sind eben die faulen Sicherheiten (PIIGS-Anleihen). Diesem Problem wird D nicht durch Reform von TARGET2 begegnen können, sondern am besten durch Austritt aus der Eurozone und Inkaufnahme eines windfall loss.

  13. @ Hans Fritsch, ja es sind “Scheingefechte” um das Verständnis von dem, was als “Kredit” bezeichnet, was von dem so Bezeichnetem “begriffen” wurde. Und das Begriffene ist nicht deshalb gleich, weil “Kredit” als Begriff verwendet wird. Auch bei diesen Auseinandersetzungen um Target2-Salden kommt es deshalb zu “Scheingefechten” um das Verständnis von “Kredit”. Denn es ist gewollt: Die Beiliebigkeit des Verstehens. Sonst müsste(zunächst), was eine sachliche Auseinandersetzung bedingte, ein gleiches Verständnis erreicht werden zu der Bezeichnung, die als Begriff verwendet wird. Dabei geht es aber weniger darum, eine gleiche “semantische Deutung” zu erreichen. Es geht um das Feststellen des in einem kausalen Zusammenhang als wichtig für das Leben, Zusammenleben Erkennbaren, weshalb das mit einem besonderen Wort bezeichnet wurde und wird. Es geht um ein historisch, logisches Begreifen dessen, was die Bildung eines Wortes und seine Verwendung als Begriff begründet(e). Akademien sind dafür nicht erforderlich.

  14. Einige haben das richtig erkannt; hinter dem “akademischen Beweis”, dass Target2 keine Kredite seien, steckt im wesentlichen nur eine bewusst lancierte Desinformationskampagne, die die leider sehr wenigen Leute, die sich überhaupt mit der Thematik auseinandersetzen, bewußt verwirren soll.
    Im oben zitierten Artikel “TARGET2: Not why Germans should fear a euro breakup” werden altbekannte Scheinweisheiten aufgewärmt, dass Deutschland Probleme nach dem Euro mit seinen Exporten hätte, weil die neue DM zu stark sei. Nach der Argumentation hätte aber auch die “alte” DM vor dem Euro nie funktionieren können. Und das Argument, die neue DM ist ja auch eine FIAT-währung und man könne einfach 600-1000 mrd euro forderung streichen, denn die neue währung sei ja ohnedies durch nichts gedeckt, ist fadenscheinig.
    also BUBA alt pleite und geschlossen, Gründung BUBA neu ohne jegliches Vermögen und DM neu?
    prinzipiell ist es natürlich richtig, dass Fiat-geld wertlos ist, aber in diesem Fall wird der Betrug so offenkundig, dass das notwendige “Vertrauen” sehr rasch schwinden wird.
    realistischer ist folgende Einschätzung:
    http://www.mmnews.de/index.php/wirtschaft/9872-target2-die-party-ist-vorbei

  15. Ich denke, dass die Frage in den Bilanzen zu klären ist. Wenn diese Target2-Forderungen keine Kredite oder eigentlichen Forderungen sind, sondern nur Verrechnungssätze ohne Forderungscharakter, dann dürften diese Forderungen auch nirgends als Guthaben in der Bundesbank auftauchen.
    Genau aber das ist der Fall: In der Bilanz der Bundesbank werden diese Target2-Forderungen als Guthaben ausgewiesen und -falls es hier zum Verlust kommt- ist das ein echter Verlust.
    Da die Verluste der EZB an Deutschland mit 27% weiter gereicht werden, kann man daher von einem entsprechendem Verlustrisiko daher berechtigt sprechen.
    Historisch ist es ja so, dass die Geldzuflüsse aus den reicheren Ländern in die ärmere Ländern diese Geldströme ausglichen, weswegen Taget1/2 früher gering war. Diese Geldströme sind aber längst versiegt. Folglich ist zum Zahlungsausgleich über die EZB das Geld zuzuschießen. Daher, da diese früheren Geldströme Kredite/Investitionen waren, übernimmt hier das Target2 genau auch diese Funktion.

    Wenn also die Südländer austreten oder bankrott sind, in jedem Fall sind dann die Forderungen dann Verluste im klassischen Sinn.

  16. Hallo,
    man muss doch gar nicht so weit schauen, um das Target-System der Eurosystems zu verstehen….

    http://www.bundesbank.de/target2/target2_saldo.php

    Dort steht im dritten Absatz folgendes:
    “…Dies erfordert ein ausreichendes Guthaben an Zentralbankgeld der sendenden Bank. Zentralbankguthaben werden primär durch die geldpolitischen Refinanzierungsgeschäfte des Eurosystems bereitgestellt.”

    und weiter heisst es:
    “Die so entstehenden TARGET2-(Netto)-Salden sind demnach das Ergebnis der grenzüberschreitenden Verteilung von Zentralbankgeld innerhalb der dezentralen Struktur des Eurosystems.”

    Wenn also zzt. 644 Mrd. Euro Forderungen aus dem Target-System bei der Bundesbank liegen (Bilanzsumme ca. 1 Billion Euro), dann verbergen sich dahinter auch 644 Mrd. Euro Zentralbankgeld!!!
    Woher bekommen aber die schuldenden Staaten und damit die am Target-System teilnehmenden spanischen oder griechischen Banken ihre Liquidität?
    Diese Banken besitzen die benötigte Liquidität nicht. Sie erhalten sie durch die EZB, die dafür Sicherheiten akzeptiert, die man als solche nicht bezeichnen kann!

    Damit ermöglicht die EZB die Kapitalflucht nach Deutschland und oder erlaubt weiterhin Leistungsbilanzdefizite min der Peripherie.
    Beides hat Konsequenzen für Deutschland und dem Rest!

    Es ist völlig unerheblich, wie man die Positionen bezeichnet, die aus dem Target-System entstehen. Falls Herr Storbeck noch immer nach Begrifflichkeiten sucht, verweise ich auch hier auf den oben eingefügten Link der Buba.

  17. @Blickensdörfer
    “Echte Kredite” ist tatsächlich keine glückliche Wortwahl. Im Rückblick hätten wir deutlicher machen können, was wir damit meinen. Verbucht werden die T2-Forderungen, als ob es Kredite wären, aber es erwachsen keine Zahlungsverpflichtungen daraus. (“Die Frage, ob TARGET2-Salden als Überziehungskredit zu klassifizieren sind oder nicht, ist keine bloße Definitionsfrage. Durch die Übertragung eines Zentralbankguthabens entsteht für die beauftragende NZB keine Zahlungsverpflichtung.”) Konsequenterweise sind es daher “keine Kredite”, nicht nur “keine echten Kredite”. Ich danke Ihnen für diesen Hinweis.

    @Blinse: Wir haben versucht aufzuzeigen, dass T2-Forderungen keine Zahlungsverpflichtungen von irgendjemand sind. Sie sind also auch nicht einzutreiben. Allerdings sind sie ein Teil der Verluste, die dem Währungsraum bei einem eventuellen Auseinandergehen entstehen und die dann verteilt werden müssen.

    @Hans Fritsch: Wäre T2 eine Finanzierungsart, könnte es andere Arten der Finanzierung ersetzen. Das ist aber nicht der Fall. Haben sich Peripheriebanken früher bei Kernbanken (und damit indirekt über die Kern-NZB) refinanziert, tun sie es jetzt bei ihren heimischen NZB. (Ansteigende Kreditvergabe der Peripherie-NZB und sinkende Kreditvergabe der Kern-NZB sind Ihre gesuchte Kompensation für den Sudden Stop.) Die Finanzierung über den Kernbankensektor hatte T2-Salden hervorgerufen; die Finanzierung über die heimischen NZB tut das nicht mehr. Die T2-Salden entstehen daher je nach Finanzierungsart zusätzlich (Finanzierung aus dem Ausland) zur finanzierenden Kreditaufnahme oder nicht (Finanzierung im Inland). Sie ersetzen eine Finanzierung aber nicht. Außerdem entstehen T2-Salden im nicht-baren grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr, ganz unabhängig von der Finanzierung.

  18. @Blickensdörfer: die Frage, ob es ein “echter” Kredit oder nicht ist, ist vor dem Hintergrund der Regulierungsvorschläge zu TARGET2 in der Tat relevant: Weder die GIIPS-Zentralbanken noch die Deutsche Bundesbank kann eine Überweisung über TARGET2 verhindern – und doch sollen sie jeweils Gläubiger/Schuldner-Positionen einnehmen. Die derzeitige Konstruktion von TARGET2 entstammt aus der Verpflichtung des ESZB, einen reibungslosen grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr zu gewährleisten unter der Bedingung, dass der Wechselkurs zwischen zwei Euro 1:1 ist. Dies schreiben wir in unserem Papier ab S. 8 sehr ausführlich.

    @Blinse: Die TARGET2-Forderungen sind Forderungen an das Eurosystem. Sie werden in voller Höhe uneinbringlich, wenn der Euro aufhört zu existieren. In diesem Fall ergeben sich aber nicht nur mögliche Verluste durch TARGET2, sondern auch die Bargeldausgleichsposten und alle anderen auf Euro lautenden Wertpapiere, die in der Bundesbankbilanz auf der Aktivseite stehen. In so fern sind die TARGET2-Salden nur ein zu regelndes Teilproblem im Fall der Desintegration der Eurozone. (Was dieses Szenario nicht angenehmer macht…)

    @H. Fritsch:
    sie schrieben: “Damit liegt eine Kompensations-/Finanzierungsfunktion mehr als nah.”

    Eben dies ist nicht korrekt: Zieht eine deutsche Geschäftsbank ihren Kredit an eine bspw. griechische GB zurück und überweist diese den Betrag nach Deutschland, entsteht eine TARGET2-Verbindlichkeit bei der griechischen Zentralbank und eine Forderung bei der Bundesbank – obwohl die Griechen ihre SCHULDEN bezahlt haben. Das ist ja das Paradox, was wir auf S. 9 Mitte des Artikels beschreiben.

  19. Die Erhöhung der Target II-Salden geht zeitlich mit einem Sudden Stop einher: Ein aus Schwellenländern bekanntes Phänomen, das seit 2008 in den europäischen PIIGS-Staaten festzustellen ist. Damit liegt eine Kompensations-/Finanzierungsfunktion mehr als nah. Akademische Diskussionen sind nicht mehr als Scheingefechte um die semantische Deutung des Begriffs “Kredit”.

  20. Eine rein akademische Diskussion, die mehr vernebelt denn klärt. Deshalb hier die sinnstiftende Erklärung für Volkswirtschaftsdummies:

    Wenn ein Unternehmer sein Geld in Italien abzieht, es nach Deutschland überweist, hat er hier Anspruch, die dann gültige Summe ausgezahlt zu bekommen. Natürlich ist das solange egal, wie der Euro besteht. Wenn dieser jedoch fällt und neue nationale Währungen eingeführt werden, hätte besagter Italiener im Gegensatz zu seinen Landsleuten, die ihr Geld in Italien gelassen haben, Anspruch auf die Auszahlung seines Guthabens in der neuen nationalen Währung – also vermutlich in Neu-DM. Da dieser Währung eine entsprechende Kaufkraft gegenüber steht, schenken wir dadurch dem italienischen Wirtschaftskreislauf genau diese Summe. Wir finanzieren 100 Prozent dieser Summe oder Kaufkraft durch neues nationales Geld. Das Gerede um die angeblich ungefährlichen Target2-Ausstände ist Quatsch. Genauso gut könnte ich agumentieren, dass man mir doch mal eben 1 Mio Euros drucken möge – wäre doch schön – es würde doch nichts am Euro als Ganzes ändern. Das ist natürlich Blödsinn, da meine illegal gedruckten Euros den Geldwert der Gesamtheit der Euros verwässern und damit schädlich für alle anderen Eurobesitzer wären.

  21. Wieder so ein drolliger Beitrag der uns oberlehrerhaft erklärt es handele sich hier nicht Kredite, wil das nicht mit einer Definition aus dem 1. Semester BWL, oder sich auf altphilologische Wortherkunft von Kredit übereinstimmt. NA GUT! NENNEN WIR ES LOCH!
    Oder Zeitbombe, damit diese neunmalklugen Besserwisser und dreisten Blendern wenigstens im streng etymologischen Sinne recht behalten.

  22. Ich ersuche um Beantwortung nachstehender, ganz einfacher Frage:

    Die Bank of Greece weist Target-2 Salden als Verbindlichkeiten aus, d. h. sie meint, dass sie jemandem Geld schuldet. Wem schuldet sie dieses Geld?

    Wem immer sie dieses Geld schuldet, der hat ein Forderungsrisiko. Ob das technisch jetzt ein Kredit, eine Überziehung oder sonst etwas ist, ist von sekundärer Bedeutung. Von primärer Bedeutung ist, dass ein Forderungsrisiko Risiko beinhaltet: sollte die Forderung nicht beglichen und sollten die Sicherheiten wertlos werden, dann hat der Inhaber der Forderung Geld verloren.

    http://klauskastner.blogspot.com/2012/03/update-on-target-2.html

  23. Lange Rede, kurzer Sinn?

    Es liegt nah, dass der Blogbeitrag von Herrn Storbeck sowie die zitierte wissenschaftliche Arbeit von Burgold und Voll mehr Nebelkerzen sind, als dass sie der Klarstellung dienen.

    Analysieren wir doch die Situation durch Beantwortung folgender Fragen:
    - Warum treten diese Target2-Verzerrungen erst seit Anbeginn der Finanzkrise 2007 auf?
    - Warum treten diese Target2-Verzerrungen auf, seitdem die GIIPS-Staaten zunehmend Probleme haben, sich am Markt für Staatsanleihen zu finanzieren (manifestiert durch die Aufspaltung der Zinsniveaus für Staatsanleihen)?
    - Warum werden diese Target2-Verzerrungen nicht einfach beglichen, so dass der einfache Bürger (dem sich der Inhalt der wissenschaftlichen Arbeiten nicht erschließt) weniger sorgenvoll in die Zukunft schauen muss?

    Unter Verwendung des gesunden Menschenverstandes scheint klar, dass es sich bei den Target2-Salden um ein Analogon zu einem Überziehungskredit handelt. Juristische und bilanztechnische Spitzfindigkeiten dienen nicht der Wahrheitsfindung.

    Sehr geehrter Herr Storbeck, welchen Zweck verfolgen Sie mit Ihrem Blog-Eintrag?

  24. @Blinse

    “Vielleicht könnte man mir mal ganz unakademisch die Frage beantworten: Was passiert mit dem Target-Saldo der Bundesbank, worst case angenommen, wenn die Forderung uneinbringlich ist? Bei Beantwortung wirds nämlich richtig praktisch: Muß das “irgendjemand” bezahlen oder nicht?”

    Genau das ist das Problem!
    Diese nutzlosen akademischen Diskussionen, ob es sich um Kredit oder sonstwas handelt ist doch vollkommene Zeitverschwendung.

    Die einen (Storbeck und Konsorten) sehen das aus dem “going concern”-Ansatz also unter der Voraussetzung, dass der EURO ewig Bestand hat und die anderen messen
    einer Auflösung des EURO eine gewisse Wahrscheinlichkeit zu.

    Insofern haben die Diskutanten natürlich alle recht. Die einen haben recht weil sie eine EURO-Auflösung ausschließen und somit die Target2-Salden niemals fällig werden können und daher auch kein Problem sind.
    Die anderen haben recht weil sie der EURO-Auflösung eine gewisse Wahrscheinlichkeit zuordnen und daher in der der (teilweisen) Uneinbringlichkeit der Target2-Salden ein Risiko sehen.
    Ein nüchterner Betrachter wird allerdings, angesichts der politischen und ökonomischen Verhältnisse in Europa und auch aus den Erfahrungen der Geschichte der Möglichkeit einer Auflösung der EURO-Zone wohl nicht ganz absprechen können, wenn nicht sogar eine hohe Wahrscheinlichkeit zuordnen.
    Ich persönlich halte eine EURO-Auflösung allein schon aus den großen Produktivitätsunterschieden in der EURO-Zone für sehr, sehr wahrscheinlich, will man nicht auf dauer eine Transferunion.
    Die Politiker werden dies aber auf Teufel komm raus zu verhindern suchen. Bis sie abgewähl werden.

  25. Dann erklären Sie doch Ihren geneigten Lesern endlich mal mit Ihren eigenen Worten, warum es sich bei den Target-Salden nicht um Kredite handelt. Sie kündigen dies immer groß an um am Ende eine Zitatenliste mit nichts als Spitzfindigkeiten zu präsentieren, aus der niemand schlau wird. Als Tiger gesprungen und als Blatt Papier geendet, sozusagen. Tun Sie doch mal endlich “Butter bei die Fische”, indem Sie was Greifbares auf den Tisch legen oder lassen Sie das Thema bitteschön ruhen, wenn Sie selbst es nicht beherrschen.

  26. Selbstverständlich wird bezahlt. Whelan hat Unrecht. Siehe Dr. Joachim Nagel Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank: Geldpolitische Sondermaßnahmen und Risiken – Auswirkungen der Finanzkrise auf die Zentralbankbilanz. Rede anlässlich des ACI – Jahreskongress 2012 am 28. April 2012 in München: “Eine eigenständige Bedeutung erhalten Target2-Salden nur in dem hypothetischen Fall, dass ein Land mit negativem Saldo aus der Währungsunion ausscheidet und die NZB des betreffenden Landes nicht in der Lage ist, ihre Verbindlichkeiten gegenüber der EZB voll auszugleichen. In diesem Fall müsste für die verbliebene Differenz eine Regelung gefunden werden, beispielsweise ein Rückzahlungsplan. Erst wenn die Restforderung uneinbringlich wäre, entstünde bei der EZB ein bilanzwirksamer Verlust. EZB-Verluste werden zunächst durch laufende Einkünfte und Wagnisrückstellungen abgedeckt. Über einen darüber hinaus notwendigen Ausgleich entscheiden die nationalen Zentralbanken als Kapitaleigner im EZB-Rat mit Kapitalmehrheit. Für das resultierende bilanzielle Risiko der NZBen ist aber nur ihr jeweiliger Kapitalanteil und nicht ihr Target2-Saldo relevant.”
    Die gesamte TARGET2-Debatte kann in dieser Linksammlung nachvollzogen werden: http://www.robertmwuner.de/materialien_euro_literatur_target2.html

  27. Die Target II-Salden-Diskussion scheint mir mehr und mehr eine rein semantische zu sein. Das Phänomen in der ältesten Abhängigkeitsbeziehung des Menschen (“Kredit”) verorten zu wollen, scheint mir müßig: Immerhin betrachten wir hier die Zentralbankebene eines Fiat-Geldsystems. Doch liegt die Wahrheit aus meiner Sicht näher an Sinn als an Whelan.

    Lassen Sie mich jedenfalls eine ganz unakademische, schon fast pragmatische Frage stellen: Wie kann man guten Glaubens abstreiten, dass die Erhöhung der Target II-Salden mit dem Sudden Stop in den GIIPS seit 2008 in Verbindung steht? Vormals ein reines Tequila-Krisen/Schwellenländer-Phänomen, nun mitten in Europa?! Und wenn eine Verbindung zu bejahen ist, wie kann sie nicht kompensierender bzw. finanzierender Natur sein??! Riddle me this.

  28. @Alex Hummel
    Danke für den link. Ich kenn zwar Whelans Meinung schon in etwa (aus dem Blog hier), aber ich quäl mich nochmal durch. Vielleicht beruhigt es mich : )

  29. “Durch die Übertragung eines Zentralbankguthabens entsteht für die beauftragende NZB keine Zahlungsverpflichtung.”

    und

    “…während andere darauf verweisen, dass das Geld aus den Peripherieländern stammt.
    Letzteres ist offensichtlich korrekt.”

    und dann auch noch:

    “Paradoxerweise könnte hier also eine „Tilgung“ mittels gesetzlichen Zahlungsmittels nur stattfinden, indem der Gläubiger (hier: die Überweisungen empfangende NZB) dem Schuldner (hier: die Überweisungen beauftragende NZB) Geld übergibt.”

    Irgendwie kann hier etwas nicht stimmen. Der Fehler liegt wohl wieder mal darin, daß den Autoren irgendwo die Fehlvorstellung von der “bargeldlosen Zahlung” in die Quere gekommen ist. Denn wenn die Peripherie-NZB einen Auftrag hat Zentralbankgeld an eine Zentrum-NZB zu zahlen, dann müßte sie eigentlich zahlen, sprich Zentralbankgeld übergeben – im wörtlichen Sinne! Insofern stimmt zwar der Verweis, daß das Zentralbankgeld aus den P-Ländern stammt. Der Punkt ist jedoch: die P-NZB gibt zwar eine Anweisung über einen Anspruch auf Zentralbankgeld an die Z-NZB weiter und und beide verbuchen das, ohne daß jemals gezahlt wird. Weswegen die P-NZB aber keine Zahlungsverpflichtung hat, bzw. darauf verzichtet werden kann, ist doch der ganze Witz an der Sache. DAS hätten die Autoren mal erklären sollen!

    Der Grund, daß man auf die Übergabe des Zentralbankgeldes aber tatsächlich verzichtet, ist, daß eine Zentralbank gedanklich über einen nicht beschränkten Bestand an Zentralbankgeld verfügt und es DESWEGEN entbehrlich ist einen Zentralbankgeldausgleich zu machen, da eine nicht beschränkte (oder unendliche) Menge von Zentralbankgeld durch eine Zahlung von einer Zentralbank, die ebenso über einen unendlichen Bestand an Zentralbankgeld verfügt, nicht vergrößert werden kann. Die Empfänger-NZB wird dadurch weder reicher noch ärmer, ebenso wie die Sender-NZB nicht ärmer oder reicher wird. Oder anders gesagt: weil eine Forderung gegen eine Zentralbank schon Zentralbankgeld IST, kann man auf die tatsächliche Zahlung verzichten. Noch anders: das Verbringen von ZBG von einer P-NZB zu einer Z-NZB erzeugt nur eins: Kosten! Woran liegt das alles letztlich? Weil Zentralbankgeld für eine Zentralbank keinen Wert darstellt! (Schöner Gruß an den gesunden Menschenverstand – der hat hier aber gerade nichts zu suchen!)

    Daher ist auch eine Verringerung der TARGET-Salden davon abhängig, daß ob die Besitzer von Sichtforderungen gegen deutsche Banken ihre Vermögens-Konten wieder in der Peripherie halten und damit ihre Guthaben statt im Zentrum wieder in die Peripherie verlagern. Die Übertragung von Zentrum zu Peripherie erfolgt – wie im umgekehrten Fall – ebenso ohne Übertragung von Zentralbankgeld, wozu auch, wenn ein paar Buchungssätze reichen! Die Voraussetzung dafür wäre, daß die Peripherie-Banken ihre verlorengegangene Bonität wiederherstellen, um so für Vermögensanleger wieder interessant zu sein. Denn das – die verlorengegangene Bonität – ist der eigentliche Grund dafür, daß es überhaupt zu diesen TARGET-Salden gekommen ist – ein Aspekt, der bei den Autoren immerhin einmal in einem Nebensatz erwähnt wird.

    “Die Existenz der TARGET2-Salden liegt allein in der Konstruktion der Europäischen Währungsunion begründet.” (Zit. Paper) So ist es. Und das liegt in a nutshell daran, daß wir es mit 17 NZBen zu tun haben und die EZB noch nicht mal eine ordentliche Clearingstelle ist – weil zwischen Zentralbanken, die dasselbe Zentralbankgeld emittieren, kein Clearing erforderlich ist. Its that simple!

  30. Natürlich wird bezahlt. Whelan hat Unrecht. Siehe Dr. Joachim Nagel Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank: Geldpolitische Sondermaßnahmen und Risiken – Auswirkungen der Finanzkrise auf die Zentralbankbilanz. Rede anlässlich des ACI – Jahreskongress 2012 am 28. April 2012 in München: “Eine eigenständige Bedeutung erhalten Target2-Salden nur in dem hypothetischen Fall, dass ein Land mit negativem Saldo aus der Währungsunion ausscheidet und die NZB des betreffenden Landes nicht in der Lage ist, ihre Verbindlichkeiten gegenüber der EZB voll auszugleichen. In diesem Fall müsste für die verbliebene Differenz eine Regelung gefunden werden, beispielsweise ein Rückzahlungsplan. Erst wenn die Restforderung uneinbringlich wäre, entstünde bei der EZB ein bilanzwirksamer Verlust. EZB-Verluste werden zunächst durch laufende Einkünfte und Wagnisrückstellungen abgedeckt. Über einen darüber hinaus notwendigen Ausgleich entscheiden die nationalen Zentralbanken als Kapitaleigner im EZB-Rat mit Kapitalmehrheit. Für das resultierende bilanzielle Risiko der NZBen ist aber nur ihr jeweiliger Kapitalanteil und nicht ihr Target2-Saldo relevant.”
    Die gesamte TARGET2-Debatte kann in dieser Linksammlung nachvollzogen werden: http://www.robertmwuner.de/materialien_euro_literatur_target2.html

  31. Semantisch-scholastischer Eiertanz im Gestrüpp der Auseinandersetzung um Wortfindungen und Begrifflichkeiten.
    Die Target2 Forderungen haben sich in der Realität zu einem Ankerinstrument entwickelt, das den Euro scheinbar fixiren und unsinkbar machen soll.
    Solle der Euro kollabieren und die Ankerkette reißt, wird uns dieses “Instrument” um die Ohrern fliegen.
    Ob die Target2 Forderungen als Kredit angesehen oder genommen werden oder nicht, ist in den praktischen Folgewirkungen bei einer schweren Krise des Euro uninteressant, die Auseinandersetzung zwischen Storbeck und Sinn findet nur statt auf der Ebene der Begrifflichkeiten, der “Realität” ist dieser “Schaukampf” egal.
    Sinn kommt der Sache allerdings sehr nah, wenn er die Target2 Forderungen als Teilaspekt der Falle ansieht, in der wir, als die Eingezwänkten im Einheitseuro uns Befindenden, allesamt sitzen.

  32. Zitat: “Sinn sieht in TARGET2 eine Finanzierung der Peripherie durch die Kernländer, während andere darauf verweisen, dass das Geld aus den Peripherieländern stammt.”

    Gut, die Einen sagen, T2 ist nur ein “Anzeiger” von Kapitalströmen, die Anderen sagen, es ist mehr, es finanziert regelrecht.
    Vielleicht könnte man mir mal ganz unakademisch die Frage beantworten: Was passiert mit dem Target-Saldo der Bundesbank, worst case angenommen, wenn die Forderung uneinbringlich ist? Bei Beantwortung wirds nämlich richtig praktisch: Muß das “irgendjemand” bezahlen oder nicht?

  33. “Die Salden sind keine echten Kredite und sollten nicht als solche betrachtet werden. Die zugrunde liegenden ökonomischen Probleme sind weder hinreichend noch notwendig mit dem Zahlungssystem verknüpft und können deswegen darüber nicht sinnvoll angegangen werden.“
    Wenn mit einem Attribut – hier echt – die Verwendung eines Wortes – hier Kredit – als nicht zutreffend begründet wird, dann flüchtet man damit und zwar davor, wissenschaftlich zu definieren, was als Kredit zu verstehen ist. Gleiches trifft zu für “hinreichend”, “notwendig”, “sinnvoll” zu den nicht definierten “zugrunde liegenden ökonomischen Probleme(n)”.
    Target2 ermöglicht und bedingt die Darstellung von Salden, aber nicht die von “Zahlungen” durch Verkauf/ Kauf von Gütern und Leistungen. Es sind Salden und sollen als solche in Target2 ausgewiesen werden. Es sind Salden der von den Euro-Ländern unterschiedlich beanspruchten/ verwendeten Teile der Euro-Geldmenge. Sie seien auszugleichen auf das vereinbarte Maß der Verwendung, so das Verständnis derjenigen, für die, trotz gleicher Währung und zunehmender wirtschaftlicher Verflechtungen, die Summe der Geldmengen aller Euro-Länder gleich der Euro-Geldmenge gesamt sein müsse.
    Die Salden in Target2, ganz gleich wie sie bezeichnet werden, verdeutlichen das die weitere Entwicklung beherrschende widersprüchliche Verständnis von “Europa”.