Drei Mythen zum Benzinpreis

Pünktlich vor Ostern gibt es mal wieder eine Debatte über den Benzinpreis. Einige Mythen sind dabei einfach nicht tot zu kriegen.

Mythos 1: Parallele Preisänderungen verschiedener Tankstellen beweisen, dass sich die Anbieter absprechen.

Tatsächlich ist es häufig so: Hebt die eine Tankstelle ihre Preise an, ziehen die anderen kurze Zeit später nach – so dass nahezu gleiche Preise herrschen. Ein solches Verhalten der Unternehmen kann jedoch zwei völlig unterschiedliche Erklärungen haben: Es kann darauf hindeuten, dass es nicht genug Wettbewerb gibt. Es kann aber auch Ausdruck besonders intensiven Wettbewerbs sein, bei dem keiner dem Anderen Marktanteile schenkt.

Mythos 2: Der abrupte Anstieg des Benzinpreises vor Ostern zeigt, dass der Markt nicht funktioniert.

Auch in anderen Branchen ist es üblich, dass die Preise bei einer erhöhten Nachfrage steigen. Deshalb erheben Fußballvereine zum Beispiel bei Spitzenspielen einen Topspiel-Zuschlag und Hotels erhöhen ihre Preise, wenn Messen stattfinden. Unabhängig davon, ob der Wettbewerb zwischen Tankstellen funktioniert oder nicht, ist das Preisverhalten schwer zu interpretieren.

Mythos 3: Die Pendlerpauschale ist ein probates Mittel, um die Wirkung der hohen Benzinpreise auf die Verbraucher abzufedern.

Dagegen gibt es viele Argumente, hier nur eines: Eine höhere Pendlerpauschale würde die Ölförderländer zu höheren Preisen ermuntern. Trotz aller Debatten um Preisabsprachen der Tankstellen ist der Ölpreis immer noch die Hauptursache für den hohen Benzinpreis. Und der Ölpreis hängt von den Quoten der Förderländer ab, die möglichst viel Geld verdienen wollen. Sie wägen dabei zwei Effekte ab: Eine niedrigere Fördermenge sorgt einerseits für höhere Preise – sie schwächt andererseits aber auch die Nachfrage. Immer dann, wenn der Ölpreis am höchsten ist, setzt die Forderung nach staatlichen Hilfen ein – auf der ganzen Welt. Je stärker aber die Politik diesem Drängen nachgibt, desto größer wird der Spielraum der Ölförderländer für weitere Preiserhöhungen. Sie können dann davon ausgehen, dass die Nachfrage trotz Preiserhöhungen stabil bleibt.

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Alle Kommentare [16]

  1. Es gibt in der Tat nicht genug Wettbewerb und die Konzerne sind auf dem besten Weg sind, das ökonomische Prinzip in seiner extremsten Form durchzusetzen. Leidtragende sind diejenigen mit der kleinsten Lobby, weil Kleinvieh ja bekanntlich ordentlich Mist macht.

    Solange der Staat durch höhere Kraftstoffpreise kräftig mitverdient, ist er kaum bestrebt, der Preistreiberei in irgendeiner Weise Einhalt zu gebieten.

    Und noch eins, die Ölförderländer sitzen garantiert wie auf Kohlen und verfolgen die Debatte um eine Vielleichterhöhung der Pendlerpauschale in D-Land, nur um kurz darauf den Ölpreis in die Höhe zu treiben … Was für ein Quatsch, die interessiert nicht, ob in D-Land ein Stuhl umgefallen ist oder nicht.

  2. Keine (markt)wirtschaftliche Logistik ist auf die Bewältigung der Maximalanforderung ausgelegt. Darum gibt es z.B. auch immer wieder Staus im Berufsverkehr oder zu Ferienbeginn. Dies gilt auch für die Logistik bei Tankstellen.
    In Phasen erhöhter Nachfrage wird mitunter die Leistungsgrenze der Logistik überschritten. Der Tankstellenpächter hat also die Wahl seinen “billigen Sprit” schnell auszuverkaufen und dann seine Tankstelle zeitweise zu schließen – oder den Sprit etwas teurer anzubieten und dafür seinen Kunden durchgehend die Versorgung zu sichern.
    Letzteres ist auch für den Kunden unter dem Strich billiger weil er über´s Jahr gerechnet nicht große Überkapazitäten in der Treibstofflogistik mitfinanzieren muß.

    Somit bleibt eigentlich nur der Rat an den Verbraucher das Auto dann stehen zu lassen wenn Alle fahren. Das gilt für die Rushhour und den Ferienbeginn in ähnlicher Weise wie das Fahren zu Feiertagen.
    Beklagenswert ist somit nur daß wir aufgrund vieler Unfreiheiten (Schul-PFLICHT – GESETZLICHE Feiertage usw.) meist nicht die Möglichkeit haben unser Verhalten zu optimieren.
    Je mehr Freiheit wir im Alltag haben – desto angenehmer und billiger wird das Leben. Jemand der seine Arbeitzeit “gleiten” lassen kann plant seinen Arbeitsweg so daß er keine unnötige Zeit im Stau verbringt. Wer keine schulPFLICHTigen Kinder hat macht in der Nebensaison Urlaub und spart viel Geld und Gedränge. Wer nicht an GESETZLICHEN Feiertagen Verwandte besuchen muss – fährt an normalen Werktagen ebenfalls staufrei.

    Der Feind ist also nicht der Markt – der Feind ist die fehlende Freiheit.

  3. Diese Interpretation wirkt aber arg konzipiert und bemüht. Viel Informationsgewinn oder gar eine Erklärung bietet sie auf jedem Fall nicht.

    “Es kann aber auch Ausdruck besonders intensiven Wettbewerbs sein, bei dem keiner dem Anderen Marktanteile schenkt.” – gilt dies nicht ausschließlich bei einer Preisanpassung nach unten? Wenn die Konkurrenz die Preise anhebt, ich jedoch auf niedrigerem Niveau verharre, dann habe ich doch erst die gute Chance, Marktanteile zu gewinnen…

    Top-Zuschlag beim Fussball, Messezuschlag bei Hotels… Das sind zum einen eher Randerscheinungen, die gerade erst dann zu greifen vermögen, wenn es keinen Wettbewerb gibt. Auf welchen Verein soll ein Fussballfan ausweichen, Bayern statt Dortmund oder Kreisliga statt Bundeliga? Soll der Messebesucher 200 Kilometer Anfahrtsweg in Kauf nehmen? Eher ein Argument für das Vorliegen einer Wettbewerbsverzerrung…

    Eine höhere Pendlerpauschale in Deutschland hätte Auswirkungen auf den Preis der internationalen Rohölbörse? Langsam wird es lächerlich… Da wäre es informativer geweseen zu fragen, warum trotz stabilem Rohölpreis die Preise an den Tankstellen trotzdem große Sprünge machen – da fehlt nämliche jede Form der Erklärung.

    Kein sonderlich nützlicher Artikel, wirkt eher wie eine PR-Aktion.

  4. Wie kann ein Preisanstieg aller Anbieter auf harten Wettbewerb hindeuten?
    Das steht da einfach so, ohne jede Argumentation.

  5. Wir brauchen keine Erstsemester-Mythen, nur weil niemand die Entwicklung der Benzinpreise durch Marktphänomene erklären kann. Tatsache ist, dass an der Höhe der Gewinne des Oligopols (die sind nicht angemessen, sondern VIEL zu hoch!) das Faktum des Nichtfunktionierens des Markts nachgewiesen wird.

  6. Die Pendlerpauschale hemmt zwar die Teuerung der Kosten für Pendler, aber der höhere Preis sorgt auch für gewaltige Steuermehreinnahmen für den Staat. Die Pendlerpauschale ist nicht kostendeckeng und mildert nur die Kosten für die Aufwendungen, die im Zusammenhang mit der Arbeit stehen, ab. Ich wüsste nicht was dagegen spricht, dass man einen Teil der Mehreinnahmen wieder den Steuerzahlern zurück gibt und Pendlern einen Teil der enstandenen Kosten von der Steuer absetzen lässt, so wie es auch bei den anderen Unkosten, wie Fortbildungen, Arbeitszimmer etc., ist.

  7. Ich hatte gestern mit einem älteren Freund über die Benzinpreise diskutiert und behauptet, daß wir heute weniger für den Sprit bezahlen als in den Sechziger Jahren.
    In den Sechzigern verdiente mein Freund 4,50DM/Stunde und zahlte etwa 0,50DM den Liter Benzin = 11% des Stundenlohns.
    Heute würde er in seinem Beruf etwa 28,00EUR/Stunde erhalten und zahlt etwa 1,60EUR pro Liter = 5,7% des Stundenlohns.

    Es ist also so, daß der Sprit gar nicht so teuer ist, wie wir immer glauben.

    Ein weiterer Punkt ist der Verbrauch. Mein erstes Auto, ein VW-Scirocco mit ca. 75PS verbrauchte auf 100km im Schnitt 6l Normalbenzin. Letztens fuhr ich einen modernen Opel mit ca. 90PS und verbrauchte ca. 9l/100km Super E5. Mein erster Golf Diesel verbrauchte ca. 4l pro 100km, der heutige Golf Diesel schafft das nicht mehr.

    Das Problem besteht also weniger in den bösen Mineralölkonzernen, Förderländern und dem Staat sondern darin, daß wir zum einen mehr fahren und unsere Autos heute mehr verbrauchen. Umweltschutzzonen wären überhaupt nicht erforderlich, wenn die Autos weniger verbrauchen und die Autofahrer weniger fahren würden. Und da Vernunft hier scheinbar sinnlos ist, sollte der Benzinpreis weiter steigen. Aus dieser Sicht wäre eine höhere Pendlerpauschale kontraproduktiv.

  8. Dass eine Erhöhung der Pendlerpauschale in Deutschland zu weltweit höheren Ölpreisen führen würde, ist wohl eine arge Überschätzung des deutschen Einflusses auf das Weltgeschehen. Deutschland dürfte – ohne dass ich das nachgegoogelt habe – wohl nicht mehr als maximal 10% des weltweit geförderten Erdöls verbrauchen und auf die deutschen Pendler dürften nicht mehr als maximal 10% des deutschen Verbrauchs entfallen, eher weniger. Durch eine höhere – sprich realistischere – Pendlerpauschale würde man die Funktionsfähigkeit des deutschen Arbeitsmarkts spürbar erhöhen und es wäre auch ein Stück mehr Steuergerechtigkeit. Den Welt-Erdölmarkt würde das bei weitem aber nicht erschüttern.

  9. Was bitte soll denn dieser Artikel an Sachverstand widerspiegelt? Hat der Redakteur den 1. April verpasst?
    Zumindest These 1 und These 3 sind grundfalsch.

    Add 1: Marktanteile überlässt der, der Preise anhebt denen, die die Preise günstiger halten. Die Schlussfolgerung, dass die Preise angehoben werden, um anderen keine Marktanteile zu überlassen ist also komplett falsch.
    Heben alle die Preise an, zeugt dies von einer Skimming Strategie, also “abkassieren”.

    Add 3: Bei allem politischen Verständnis, aber die deutsche Pendlerpauschale ist den Förderländern völlig egal. Dazu verbraucht der dt Autfahrer im globalen Vergleicj viel zu wenig. Eine Anhebung der Pauschale würde aber zumindest der. Binnennachfrage helfen.

    Leider kein Artikel, wie er im HB stehen sollte…

  10. Ein Argument für den fehlenden Wettbewerb/eventuelle Absprachen sind die hohen Gewinne der Ölkonzerne.

  11. Dann sollten die Politiker schnell das Australische System einführen, das bedeudet der Preis muss am vortag bis 14:00 Uhr angemeldet werden und darf am nächsten Tag nicht mehr verändert werden. Es würde die Ausrede mit der Preisbeobachtung wiederlegen. Das Kartellamt könnte dann auch gegen illegale Preisabsprachen vorgehen, ohne Preisbeobachtungen kann es ja nur noch Preisabsprachen geben um gleiche Preise anzukündigen.

  12. wenn der preis jenseits der 2 euro liegt, gibts ne saftige rezession in deutschland und dann geht endlich die eurotitanik unter. etwas besseres kann uns doch gar nicht passieren oder ? also, ölmultis: noch ne schöne pfingstrallye bis 2 euro und mehr, dann ist ende 2012 schicht im schacht.

  13. Herr Mallien, da haben Sie aber schön den Schwachsinn der Mineralöllobby nachgeplappert…

    Vom Handelsblatt hätte ich da einer deutlich differenziertere Stellungnahme erwartet. Fakt ist, dass die einzelne Tankstelle mit dem angeschlagenen Preis rein gar nichts zu tun hat. Dieser wird zentral gesteuert. Und von dort kann man nicht mal eben über die Straße schauen, wie der Peis dort angeschlagen ist.

    Der ADAC hat in den vergangenen Jahren widerholt bewiesen, dass vor Feiertagen die Preise immens anziehen; so viel Zufall ist statistisch gar nicht möglich.

  14. Vielleicht sollte Herr Mallien nochmal ein VWL-Grundlagenbuch lesen: Seine Vergleiche in “Mythos 2″ zielen auf Preisanstieg duch Verknappung des Angebots – das Sprit in Ferienzeiten knapp wird, ist wohl nicht gegeben. Seine Argumentation ist unlogisch.

  15. In diesem Fall handelt es sich wohl um tacit collusion. Mit dem impliziten Ziel die Kraftstoffpreise an den Monopolpreis anzunähern. Die Preise sind trotzdem stabil, da sich alle Marktteilnehmer aufeinander verlassen können und das “Spiel” noch viele (unendlich) Runden gespielt wird.

    Es ist daher auch nicht nachvollziehbar, dass Politik ein vorheriges Ankündigen der Preise fordert. Das wird nicht zu niedrigeren Kraftstoffpreisen führen. Es unterstützt vielmehr die tacit collusion – oder behindert sie zumindest nicht.