Ich bin ein Euro, holt mich hier raus!

Diese geniale Überschrift ist leider nicht von mir, sondern von den Volkswirten von Credit Suisse. Die haben heute in einer Research-Note ihre Sicht zur Target2-Debatte dargestellt – und betonen die Bedeutung der Kapitalflucht aus Spanien und Italien für die Explosion der Target-Salden.

Bislang werde die Kapitalflucht hauptsächlich von ausländischen Investoren getrieben, nicht von spanischen und italienischen Sparern.

Zudem unterschreiben die Credit-Suisse-Ökonomen, dass die Target-Salden nur ein Symptom für die Probleme des Währungsraums sind, nicht aber selbst ein Problem darstellen. Eine Sichtweise, die ich seit fast einem Jahr vertrete. Daraus folgt, dass eine wie auch immer geartete Beschränkung der Target-Salden nichts bringt.

Hier die Argumentation der Credit-Suisse-Ökonomen in voller Schönheit: » weiterlesen

Die Bilanz der Vermögensübertragungen

Eine Antwort auf Hans Werner Sinns Kommentar zu meinem Beitrag „Die Dürre Bertha“.

Lieber Herr Sinn,

Ich möchte die Wahl, vor der wir stehen, noch einmal mit Blick auf alle drei Hauptkomponenten der Zahlungsbilanz (Leistungsbilanz, Bilanz der Vermögensübertragungen, Kapitalverkehrsbilanz) beschreiben.

Neben der Leistungsbilanz und der Kapitalverkehrsbilanz gibt es die Bilanz der Vermögensübertragungen. Erst die Salden dieser drei Bilanzen und der Betrag, der den statistisch nicht aufgliederbaren Transaktionen zugewiesen wird, addieren sich zu Null. In normalen Zeiten spielt die Bilanz der Vermögensübertragungen praktisch keine Rolle. Im vorliegenden Fall sehe ich das anders. » weiterlesen

Hört auf die Unternehmen!

Die deutschen Unternehmen haben im April wieder einmal eines gezeigt: Mit ihnen ist zu rechnen. Selbstbewusst haben die Firmen bei der monatlichen Ifo-Umfrage klar gemacht, dass sie trotz der wieder aufflammenden Euro-Schuldenkrise erfolgreich Geschäfte machen – und annehmen, dass das künftig so bleibt. Der Chef der Münchener Wirtschaftsforscher aus der Poschingerstraße, Hans-Werner Sinn, sagt das so:

Die deutsche Wirtschaft zeigt sich widerstandsfähig.

Was sich daran ablesen lässt? Die These, dass die deutsche Wirtschaft im Winter nur eine Wachstumspause eingelegt hat – im vierten Quartal 2011 war das Bruttoinlandsprodukt im Vorquartalsvergleich geschrumpft – hat neues Futter bekommen. Inzwischen spricht sehr viel dafür, dass die Zeit der Pessimisten vorbei ist – und das Wachstum spätestens im zweiten Quartal zurückgekehrt ist. » weiterlesen

Die dürre Bertha

Hans Werner Sinn hat Ende März ein neues ausführliches Target 2 Papier verfasst*, das seine Thesen zusammenfasst und auf einige neue Aspekte eingeht – ein Kommentar.

Mehrere deutsche Ökonomen kritisieren die Target Salden innerhalb des ESZB, die sie als „Target Kredite“ bezeichnen. Beginnen will ich mit Hans Werner Sinns Kernaussage:

“Target Kredite bedeuten wie öffentliche Rettungsschirme, dass das deutsche Sparkapital mit dem Geleitschutz der Staatengemeinschaft, faktisch vor allem mit dem Geleitschutz des deutschen Steuerzahlers, wieder aus Deutschland ins Ausland gelockt wird, damit es dort statt hier Arbeitsplätze schafft.”

Jörg Krämer kommt zu einer ähnlich negativen Einschätzung:

“Sie (die EZB) finanziert mittlerweile die Leistungsbilanzdefizite der hochverschuldeten Peripherieländer und bürdet damit den Kernländern der Währungsunion hohe Risiken auf.”**

Beides ist wenigstens in Teilen richtig, aber es ist nur ein Ausschnitt der Lage, der bei alleiniger Betrachtung falsche politische Schlüsse nahelegt.

Tatsächlich gibt es in Italien und den anderen GIIPS der Eurozone schon lange Zeit Leistungsbilanzdefizite. Diese Leistungsbilanzdefizite sinken aber in letzter Zeit leicht (vergleiche hierzu diesen sehr nützlichen Beitrag von Bornhorst und Mody ebenso wie Sinns eigene Abbildung 9 – bei der man allerdings die Steigung der Kurve der kumulierten Leistungsbilanzdefizite betrachten muss). » weiterlesen

Bruno Freys publizistischer Amoklauf gegen die Uni Zürich

Es ist ein in der Geschichte der deutschsprachigen Volkswirtschaftslehre wahrscheinlich einmaliger Vorgang: Der Züricher Ökonomie-Professor Bruno Frey hat die öffentliche Hand in der Schweiz indirekt aufgefordert, seiner eigenen Fakultät den Geldhahn abzudrehen – weil die Forschung seiner Kollegen irrelevant sei.

Die Volkswirte der Universität Zürich hätten den Bezug zur Wirklichkeit verloren und lebten in einer abstrakten Modellwelt. Seine Kollegen würden unter Ausschluss der Öffentlichkeit forschen.

„Wann rebellieren die Steuerzahler?“, fragt Bruno Frey in einem vor wenigen Tagen in einem Gastbeitrag für den Schweizer „Tages-Anzeiger“. Die Forschung seiner Züricher Kollegen beeinflusse die Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik “sicherlich nicht”, schreibt er:

“Irgendwann dürfte dies auch den Steuerzahlenden auffallen, welche die Universität finanzieren.”

Der  Gastbeitrag ist nicht nur eine Generalabrechnung mit der modernen Volkswirtschaftslehre, Frey kritisiert explizit die Arbeit seiner Züricher Fakultätskollegen:

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Die Zukunft der VWL

(c) Institute for New Economic Thinking, 2012

Seit Donnerstag bin ich hier in Berlin auf der Jahrestagung des Institute for New Economic Thinking (INET) .

Leider ist das Programm so dicht gepackt, dass ich nicht zum Bloggen komme. Der Deutschlandfunk hat mich zur Zukunft der VWL interviewt - hier meine Einschätzung.

Das Interview mit Amartya Sen, das ich in dem Interview nenne, findet ihr hier, Hintergrund-Infos zu INET hier. Ich hoffe, dass ich in den nächsten Tagen auch noch Zeit finde, mein persönliches Fazit zur INET-Tagung in Berlin aufzuschreiben.

Morgen und Sonntag geht es noch weiter, auf der Webseite von INET gibt es einen Livestream und auch Videos von den bisherigen Vorträgen.

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Besuchen Sie mein englisches Weblog “Economics Intelligence” und meine Facebook-Seite – ich freue mich über jedes “like”!

Die Deutschen und die Inflation

Die Deutschen seien so sensibel, was die Inflation angeht, heißt es oft. Das Trauma der Hyperinflation von 1923 habe sich so sehr in das deutsche Gefühlsleben eingebrannt, dass wir bei steigenden Preisen schnell zur Panik neigen, ist dabei meist die zentrale These.

Aber sind wir wirklich so feinfühlig, was Preissteigerungen angeht – mehr als andere Europäer? Eine schöne Statistik, um das zu prüfen, sind die monatlichen Konsumenten-Umfragen der Europäischen Union. Die lässt die Forschungsinstitute nämlich regelmäßig die Frage stellen, wie man die Preisentwicklung der zurückliegenden zwölf Monate empfunden hat – gestiegen, gefallen oder gleich geblieben?

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Drei Mythen zum Benzinpreis

Pünktlich vor Ostern gibt es mal wieder eine Debatte über den Benzinpreis. Einige Mythen sind dabei einfach nicht tot zu kriegen.

Mythos 1: Parallele Preisänderungen verschiedener Tankstellen beweisen, dass sich die Anbieter absprechen.

Tatsächlich ist es häufig so: Hebt die eine Tankstelle ihre Preise an, ziehen die anderen kurze Zeit später nach – so dass nahezu gleiche Preise herrschen. Ein solches Verhalten der Unternehmen kann jedoch zwei völlig unterschiedliche Erklärungen haben: Es kann darauf hindeuten, dass es nicht genug Wettbewerb gibt. Es kann aber auch Ausdruck besonders intensiven Wettbewerbs sein, bei dem keiner dem Anderen Marktanteile schenkt.

Mythos 2: Der abrupte Anstieg des Benzinpreises vor Ostern zeigt, dass der Markt nicht funktioniert.

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Das RWI und der Mindestlohn am Bau – Fünf Jahre später sieht die Welt ganz anders aus

Da ist man mal eine Woche im Urlaub und schon hat man gleich eine ganze Reihe spannender Entwicklungen verpasst.

Unter anderem, dass ich für die “Financial Times Deutschland” arbeite – das zumindest behauptet der Bund der Steuerzahler in Bayern in einem Brief an die Hamburger Kollegen zum Dauer-Thema “Target 2″ (Vielen Dank an “jmg”, der mich in einem Kommentar auf dieses Schreiben hingewiesen hat.) Außerdem ist dieses Blog als eines von elf Wirtschaftsblogs für den Comdirect-Finanzblog-Award nominiert, der am 2. Mai in Berlin vergeben wird.  (Wow, vielen Dank!) » weiterlesen