Eigenplagiate von Bruno Frey: Uni Zürich drückt ein Auge zu

Fast ein dreiviertel Jahr hat die Universität Zürich gebraucht, um die Eigenplagiats-Vorwürfe gegen den VWL-Professor Bruno Frey untersuchen zu lassen.

Jetzt liegt der Bericht der externen Kommission vor – die drei Gutachter Richard Layard, Christopher Pissarides (beide: London School of Economics) und Georg Winckler (Uni Wien) haben mindestens ein Auge zugedrückt.

Sie haben offenbar nur den ersten bekanntgewordenen Fall – die fehlenden Querverweise in vier sehr ähnlichen Papieren zum Untergang der Titanic analysiert, nicht aber die zahlreichen anderen Fälle.

Sie kommen zu folgendem Schluss: Diese fehlenden Zitate seien “unangemessen” und die Autoren sollten dafür gerügt werden. Weitere Maßnahmen seien aber nicht nötig, da zu erwarten sei, dass die fehlenden Querverweise zu den anderen Arbeiten ein “einmaliges Ereignis” blieben.

Das ist eine – um es vorsichtig auszurücken – sehr erstaunliche Einschätzung. Die Uni Zürich ist ihr dennoch gefolgt und betrachtet den Fall als erledigt.

Jeder, der sich ein bisschen mit der Materie auseinandergesetzt hat, weiß: Der Titanic-Fall war nur die Spitze des Eisbergs – es gibt eine ganze anderer, ähnlicher Fälle, in denen Bruno Frey eigene Arbeiten ohne Querverweise mehrfach veröffentlicht hat.

In mindestens zwei Fällen wurde sogar ein über weite Strecken wortwörtlich identisches Papier zweimal veröffentlicht.

Mir fällt es daher schwer, die Ergebnisse von Layard, Pissarides und Winckler ernst zu nehmen. Wenn sie die anderen Fälle nicht kennen, haben sie schlampig gearbeitet – wenn sie sie kennen, ist ihr Urteil ein Witz. Aus meiner Sicht ist die Glaubwürdigkeit aller Beteiligten damit erheblich beschädigt.

Abzuwarten bleibt, ob die Uni Zürich im Sommer den Vertrag für den eigentlich schon lange emeritierten Frey abermals verlängern wird.

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Alle Kommentare [5]

  1. Ich stimme Stefan und R.B. in jeder Hinsicht zu: Sie, Herr Storbeck, bauschen die Sache m. A. unangemessen auf. Es mag sicherlich etwas dran sein. Aber zum einen werden Ideen nun einmal durch Wiederholung erst verbreitet und Herr Frey ist nicht der Einzige, der dies tut. Zum anderen regen sich auch nur diejenigen auf, für die Handelsblattpunkte der Sinn des Lebens sind. Traurig ist nur, dass viele – nicht alle! – dieser Arbeiten nur noch Müh-Forschung darstellen. Die Wissenschaft bringt das nicht voran und die Betroffenen sollten mit ihrer Zeit besser etwas Sinnvolleres anfangen, z.B. wieder mal andere Arbeiten lesen oder in die Praxis schauen, was hier die wirklichen Probleme sind.
    Aber wie gesagt – das ist Anschauungssache und sollte jedem selbst überlassen sein. Nur täten Sie, Herr Storbeck, gut am Motto: Leben und leben lassen.

  2. Sieht denn keiner die Ironie über Prostitution beim Publishen zu schreiben und das ganze 2 mal quasi gleich einzureichen?

  3. Im Prinzip mögen Sie Recht haben Hr. Storbeck.
    Nur halte ich die ganze Eigenplagiatsstory um Hrn. Bruno Frey für schrecklich aufgebauscht. Wenn Hr. Frey woanders abgeschrieben und das nicht entsprechend gekennzeichnet hätte, wäre ich bei Ihnen.

    Aber wenn er wie Stefan oben formuliert seine eigenen Artikel recycelt …
    Meine Güte. Das fällt für mich nicht in die Kategorie Kapitalverbrechen. Wenn wir sonst keine Probleme haben …

  4. Ich verstehe die Aufregung nicht so ganz.
    Zum einen ist das Recyclen von eigenen Papieren zumindest im Bereich der Ökonomen gang und gäbe. Zum anderen sollte sich die Kritik an die referierten Zeitschriften und die jeweiligen Gutachter richten und nicht an diejenigen, die diese alberne Publikationsmaschinerie für sich (aus)nutzen.
    Eine Zweit-, Dritt-, Viertverwertung von Ergebnissen wird im akademischen Bereich doch nicht nur toleriert sondern in Teilen sogar verlangt. Und wenn Gutachter keine Ahnung vom Inhalt eines Artikels haben, dürfen sie eben nicht als Gutachter aktiv werden. Für den Fall dass sie das Thema kannten und trotzdem der Veröffentlichung zustimmen, spricht das nur für das gerade gesagte.

    • @ Stefan: Das Problem sind die fehlenden Querverweise auf die anderen Arbeiten – das verstößt gegen die Submission Guidelines der Journals und gilt innerhalb der Profession als “unethical”. (In den Texten von vergangenem Sommer habe ich das im Detail nachgezeichnet, und der öffentlich ausgesprochene Tadel des Journal of Economic Perspective (link) lässt daran ja auch keinen Zweifel.)

      Wo ist das Problem bei den Mehrfachpublikationen? Wer parallel das gleiche Paper bei verschiedenen Journalen einreicht, belastet die ehrenamtlich arbeitenden Gutachter der Journale unnötig und nimmt – wenn er erfolgreich ist – anderen Arbeiten, die abgeleht werden, knappen Journalspace weg.