Ex-Wirtschaftsweiser schreibt offenen Brief an Hans-Werner Sinn

15 Jahre lang, von 1970 bis 1985, war er Mitglied des Sachverständigenrates, neun Jahre davon als Vorsitzender: Olaf Sievert, emeritierter Professor der Universität Saarbrücken, war einer der einflussreichsten deutschen Ökonomen der “alten” Bundesrepublik – und einer der profiliertesten Fürsprecher einer angebotsorientierten Wirtschaftspolitik.

Auch im Ruhestand hat sich der heute 78-jährige nicht aus der wirtschaftspolitischen Debatte verabschiedet. Jetzt hat er sich in die Debatte um die Target2-Salden eingeschaltet – in einem bemerkenswerten offenen Brief an Hans-Werner Sinn, den er im Blog “Wirtschaftliche Freiheit” veröffentlicht hat.

Sievert macht darin folgende Punkte:

- “Target2 ein Zahlungssystem, kein Finanzierungssystem – Über das Target2-System wird kein Kredit gewährt.”

- “Die Betrachtung der Target2-Salden macht erst Sinn, wenn man die Möglichkeit untersucht, dass die Europäische Währungsunion aufgelöst und die EZB liquidiert wird. Dann werden aus internen Verrechnungsgrößen  Vermögenspositionen – beanspruchte, bestrittene, durchsetzbare, undurchsetzbare. Freilich, dann ändert sich so viel anderes zugleich, und womöglich in katastrophaler Weise, dass eine solche separate Antizipation wieder keinen Sinn macht.”

- “Verbringung von Zentralbankgeld und Schaffung von Zentralbankgeld sind grundverschiedene und zu trennende Vorgänge.”

- Ein internationales Zahlungssystem könne nicht so  ausgestaltet werden, “dass mit der Ausführung der Zahlungen die Pflicht zum Ausgleich der Zahlungen – Ausgleich der Zahlungsbilanz – (in bestimmter Frist) verbunden wird (…) Die Gegner vonTarget2 müssen den Eindruck vermeiden, sie wollten ein weniger perfektes Zahlungssystem, weil jeder Mangel an Perfektion wie ein Handelshemmnis wohltuend dem beklagten Leistungsbilanzdefizit entgegenwirkt.”

Zum vollständigen Brief von Sievert.

Update: Hans-Werner Sinn hat gestern – ebenfalls auf “Wirtschaftliche Freiheit” – auf den Brief von Sievert geantwortet.

Gestoßen bin ich auf Sieverts Brief übrigens über die hervorragende Link-Liste zu Target2 von Robert M. Wuner.

Besuchen Sie mein englisches Weblog “Economics Intelligence” und meine Facebook-Seite – ich freue mich über jedes “like”!

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Alle Kommentare [2]

  1. Hallo Herr Storbeck,

    Wieso liefern Sie denn nicht gleich auch die Antwort von Herrn Sinn mit, die auf der gleichen Seite zu finden ist?

    Zu lesen hier: http://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?p=8812

    Zu den Target2 Salden kann ich nur sagen, solche extremen finanziellen Risiken anzuhäufen, finde ich gesamtgesellschaftlich unverantwortlich. Eine wirklich unabhängige Bundesbank hätte das niemals zugelassen.