Wie es wirklich um Deutschland steht

Wir beim Konjunkturteam des Handelsblatts schauen ja immer auf die knallharten Wirtschaftsdaten, wenn wir analysieren, wie es einem Land geht. Doch Wachstum ist natürlich nicht alles – wir Menschen wollen ja nicht nur viel kaufen und besitzen, sondern in erster Linie  schön leben.

Ökonomen wie die Nobelpreisträger Joseph Stiglitz und Amartya Sen fordern daher, auch die Lebensqualität der Menschen, ihre Zufriedenheit und die Nachhaltigkeit ihrer Lebensweise zu berücksichtigen, wenn der Wohlstand eines Landes gemessen wird. Seit zwei Jahren diskutiert auch eine Enquete-Kommission des Bundestages, wie das gehen könnte  (auch wenn sich die Abgeordneten dabei seit neuestem vor allem in die Haare kriegen).

Das Statistische Bundesamt hat jetzt zum vierten Mal Statistiken vorgelegt, die Aufschluss geben über den nicht-ökonomischen Wohlstand Deutschlands. Hier ein Überblick im Schnelldurchlauf:

Die schlechten Nachrichten zuerst: Die Zahl der Vogelarten geht weiter zurück, wir transportieren nur noch jede zehnten Frachtcontainer auf der Schiene (ein Viertel weniger als vor  zehn Jahren) und wir haben nur für einen von zehn Knirpsen einen Krippenplatz (obwohl wir längt für zwei weitere einen haben wollten) . Außerdem ändert sich seit Jahren nichts daran, dass Frauen ein Viertel weniger verdienen als Männer. Dazu kommt: Immer mehr von uns sind zu dick.

Die guten Nachrichten: Wir betonieren nur noch 77 Hektar Land pro Tag zu (statt über 120 vor zehn Jahren), schicken 40 Prozent unseres Nachwuchses auf die Uni (statt 30 vor zehn Jahren), können eine Tonne Zeug mit 20 Prozent weniger Energie durch die Gegend transportieren, bauen doppelt so viel Öko-Essen an, begehen weniger Straftaten und sterben seltener, bevor wir ins Rentenalter kommen. Gleichzeitig rauchen nur noch 13 Prozent der Jugendlichen – halb so viele wie vor zehn Jahren.

Die subjektive Zufriedenheit der Deutschen hat das Statistische Bundesamt nicht gemessen. Bei der letzten Berechnung des Happy-Planet-Indexes vor drei Jahren hatten wir in der Kategorie Lebenszufriedenheit einen Wert von 7,2. Wie glücklich sich 7,2 anfühlt, weiß man leider nicht – aber Deutschland lag damit auf Platz 27 (von 143).

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