Das IZA schmeißt renommierte Forscher raus

Es war einer der kürzesten Briefe, die David Jaeger je erhalten hat. Und wenige andere haben ihn so verärgert: “Dear David, we have decided to terminate your IZA affiliation. Thank you for your cooperation in the past and all my best wishes, Klaus”, schrieb ihm der Bonner Ökonom Klaus Zimmermann vor einigen Wochen.

Für David Jaeger, der jüngst von der Kölner VWL-Fakultät and die New Yorker City University gewechselt ist, war das ein Schlag ins Gesicht. Der Volkswirt war einer der ersten Research-Fellows, als das Bonner Institut zur Zukunft (IZA) 1998 gegründet wurde. 2003 und 2004 arbeitete Jaeger, ausgestattet mit dem renommierten Humboldt-Stipendium, ein Jahr vor Ort in Bonn. Er unterrichtete an der IZA-Sommerschule und besuchte das Institut fast jeden Sommer.

“Das IZA war ein guter Ort, um wissenschaftlich zu arbeiten”, erinnert sich Jaeger. Er habe stark vom IZA profitiert, sich aber im Gegenzug auch sehr für das Institut engagiert. Der Rauswurf ärgert ihn gewaltig. “Ich finde es verstörend, nach all diesen Jahren der Verbundenheit fristlos entlassenzu werden.” Auf seine Bitte, die Entscheidung zu erklären, habe Zimmermann auch nach mehreren Wochen nicht geantwortet. “Ich habe keine Ahnung, warum ich rausgeschmissen wurde.”

Jaeger ist nicht der einzige Wissenschaftler, der das IZA unfreiwillig verlassen musste. Das gleiche Schicksal teilt Christian Dustmann, Professor am University College London und einer der führenden empirischen Arbeitsmarkt- und Migrationsforscher Europas. “Ich war sehr überrascht, und mir sind keine Hintergründe für diesen Vorgang bekannt”, sagt Dustmann, der seit Januar 1999 IZA-Fellow war.

Die Entscheidung des Instituts ist besonders seltsam – denn bis vor kurzem haben Dustmann und Zimmermann noch eng zusammengearbeitet. Zwischen 2003 und 2010 war Dustmann Mitherausgeber des “Journal of Population Economics”, eine von Klaus Zimmermann gegründete und vom IZA herausgegebene Fachzeitschrift.

Das IZA ist eines der wichtigsten weltweiten Forschungsnetzwerke in der Volkswirtschaftslehre und hat sich auf Arbeitsmarkt- und Migrationsforschung spezialisiert. Rund 1100 Ökonomen aus 40 Ländern sind mit dem Institut verbunden. Es kooperiert eng mit der Universität Bonn, die eine der führenden Hochschulen im deutschsprachigen Raum ist. Das IZA wurde 1998 von Klaus Zimmermann gegründet, der dem Institut bis heute vorsteht. Finanziert wird es von der Stiftung der Deutschen Post, und der umstrittene Ex-Post-Chef Klaus Zumwinkel ist bis heute der Präsident der Denkfabrik.

Forscher, die dem Institut als “IZA Fellow” verbunden sind, erhalten dadurch keinen monetären Vorteil, profitieren aber von der Reputation der Denkfabrik. Zudem können sie ihre Forschungspapiere in der viel gelesenen Discussion-Paper-Serie des Instituts verbreiten.

Die Entscheidung, Jaeger und Dustmann vor die Tür zu setzen, hat andere international führende Arbeitsmarktforscher irritiert. “Das, was da passiert ist, beunruhigt mich sehr”, sagt says Jennifer Hunt, Ökonomie-Professorin an der Rutgers University und selbst IZA-Fellow. “Die Trennungen sehen sehr willkürlich aus.” Hunt weiter:

“Both Christian and David rank very highly both in terms of the quality of their research and their contributions to the IZA. Christian was an editor of the Journal of Population Economics, associated with IZA, and David has spent long periods in residence at the IZA, and is valued as a mentor by younger researchers on the IZA staff in Bonn. Both continue to publish in top journals. If they have been excluded from IZA, it is certainly not because of their research and service, and the migration group, in particular, will be much weaker.“

Justin Wolfers, Professor an der Wharton School (University of Pennsylvania) und ebefalls IZA Fellow, argumentiert ähnlich:

“I do know that he [David Jaeger] is not only a fine economist, but has been an enthusiastic supporter of IZA. He’s been involved with their conferences and summer schools, published useful working papers — pretty much exactly what you might hope a research fellow would do. Given how many fellows IZA has, and how few of them have been as involved as Jaeger, it does seem like an odd decision to terminate him.”

Für IZA-Chef Klaus Zimmermann ist die gesamte Diskussion viel Lärm um nichts. Jeder Fellow werde alle drei Jahre evaluiert. “Dies ist geübte jährliche Praxis von Anbeginn des IZA”, so Zimmermann. Die Entscheidungen würden sich “neben einer Auswertung von CVs, Tätigkeitsnachweisen und Forschungsvorschlägen auch auf Referenzschreiben aus dem Fellownetzwerk” gründen. Basis sei “die fachliche Qualifikation, Einschlägigkeit in der Fachrichtung und wechselseitige Bereitschaft zu einer intensiven Kooperation in Forschung und wirtschaftspolitischer Beratung.”

Unzufriedenheit über Entscheidungen im Zusammenhang mit Fellowships gebe es “jedes Jahr seit der Begründung des Fellownetzwerkes. Dennoch sind diese regelmäßig wiederkehrenden Entscheidung leider zur Aufrechterhaltung der Standards und zur Sicherung der Arbeitsfähigkeit des IZA unzichtbar.”

Andere ökonomische Forschungsnetzwerke wie das Londoner CEPR und das Münchener CESifo gehen dagegen anders mit ihren Fellows um. CEPR-CEO Stephen Yeo zum Beispiel erklärt:

“We occasionally find that fellows are no longer active in CEPR – either because they have moved into university administration, or their interests and the Programme’s interests have diverged. In this case we write to them suggesting that their association with CEPR no longer makes sense, etc etc. Some write back and disagree, and we usually give them another chance.”

Ähnlich verfährt nach Aussgabe von Julio Saavedra auch das CESifo-Netzwerk. In aller Regel trennt es sich nur dann von Fellows, die nicht mehr wissenschaftlich arbeiten.

Nicht nur die tadellose akademische Bilanz von Christian Dustmann und David Jaeger macht stutzig. Auffällig ist auch, dass einige wichtige DIW-Wissenschaftler aus dem IZA-Netzwerk herausgeflogen sind: Gert G. Wagner und Georg Weizsäcker, die das DIW kommissarisch leiten, seitdem Klaus Zimmermann dort im Februar 2011 seinen Posten als Präsident niederlegen musste.

Gibt es da einen Zusammenhang?

Klaus Zimmermann weist diese Frage vehement zurück:

“Eine irgendwie geartete, etwa kausale Verknüpfung mit einer Institution, wie bsw. dem DIW, ist abwegig.”

Die Entscheidungen über die Fellowships seien ausschließlich “individuell-sachlich begründet”. Im vergangenen Jahr seien mehr als zehn Prozent Fellows neu aufgenommen worden, etwa ein Prozent der Fellowships seien nicht fortgeführt worde. “Die Trennungen bewegen sich in dem Rahmen, wie er seit Jahren üblich ist.”

Einige Volkswirte fürschten, dass die Art und Weise, wie das IZA mit seinen Fellows umgeht, die Institution möglicherweise beschädigen könnte. So argumentiert Justin Wolfers:

“If the decision to terminate fellows is based on anything other than a considered evaluation of their scholarship and their contribution to IZA’s broader mission, then it most definitely would tarnish IZA’s reputation. If fellows start to be terminated for non-scholarly reasons, then it would naturally lead the readers of IZA research to wonder whether there are other ways in which political or personal vendetta’s are influencing the scholarship, which would reduce the prestige of the institution.”

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Alle Kommentare [2]

  1. Klaus Zimmermann ist nicht nur einer der unfähigsten deutschen Wirtschaftswissenschaftler, sondern er hat das renommierte DIW als Präsident soweit tyrannisiert, dass ab 2005 viele Wissenschaftler das Institut verließen.
    Nachdem er im Februar 2011 nunmehr gegangen ist -viel zu spät-, terrorisiert er nunmehr verdiente Mitarbeiter am IZA in Bonn. Zimmermann ist vom Charakter her leider nicht nur inkompetent, sondern auch bösartig und rachsüchtig. Er sollte so schnell wie möglich das IZA, das er selbst gegründet hat, verlassen, ansonsten sollten die Geldgeber ihm die Mittel entziehen. Der Ruf von DIW und IZA hat ohnehin schon genug Schaden genommen.

  2. „Das IZA ist eines der wichtigsten weltweiten Forschungsnetzwerke in der Volkswirtschaftslehre und hat sich auf Arbeitsmarkt- und Migrationsforschung spezialisiert.“

    Das heißt, bei Ergebnissen wie

    (1)
    Hilmar Schneider vom Institut der Zukunft der Arbeit (IZA) zieht allerdings eine völlig andere Schlussfolgerung aus der Hartz-Debatte als die die SPD. „Es führt kein Weg an der Arbeitspflicht vorbei.“

    (2)
    Anno 2006: Hilmar Schneider möchte Arbeitslose versteigern lassen und mit den Einnahmen die explodierenden Kosten für ALG-II teilkompensieren

    handelt es sich also um Spitzenforschung in einem internationalen Netzwerk? Mit Klaus Zumwinkel als oberstem Chef? Pardon, das kann man doch nicht wirklich nicht ernst nehmen. Aber wenn doch – wann gibts den ersten Nobelpreis für einen IZA-Vertreter?