Falsche Generalabrechnung mit dem Euro

Martin Feldstein ist so etwas wie der Grand Seigneur der US-amerikanischen Makroökonomie.

Der konservative Harvard-Professor hat US-Präsident Ronald Reagan beraten, lange Jahre das amerikanische Forschungsnetzwerk NBER geleitet und wird regelmäßig als Kandidat für den Ökonomie-Nobelpreis gehandelt.

Feldstein hat die europäische Währungsunion immer kritisch gesehen – jetzt hat er eine Generalabrechnung mit dem Euro veröffentlicht.

In einem Arbeitspapier mit dem harmlosen Titel “The Euro and European Economic Conditions” stellt er die These auf, die Schuldenkrise sei die unvermeidliche Folge der Währungsunion.

Der Euro sei gescheitert – nicht nur wegen der wirtschaftlichen Gegensätze in Europa, sondern auch wegen kultureller Differenzen.

Feldstein schreibt:

“The emergence of these problems just a dozen years after the start of the euro in 1999 was not an accident or the result of bureaucratic mismanagement but the inevitable consequence of imposing a single currency on a very heterogeneous group of countries, a heterogeneity that includes not only economic structures but also fiscal traditions and social attitudes.”

Die niedrige Inflation seit dem Start der Gemeinschaftswährung, die sich die EZB an die Brust hefte, sei kein Argument für den Euro – andere Länder hätten ebenfalls Preisniveau-Stabilität genossen, ohne die “Kosten einer gemeinsamen Währung” in Kauf nehmen zu müssen.

Nach Ansicht von Feldstein ist die Einführung des Euro ein Experiment, das idie Schuldenkrise in den Mitgliedsstaaten erst ausgelöst habe. Der Euro sei zudem für die Probleme im europäischen Bankensektor verantwortlich, für die hohe Arbeitslosigkeit und die großen Handelsdefizite.

Meiner Meinung nach schießt Feldstein deutlich über das Ziel hinaus. Auch ich frage mich inzwischen, ob der Euro rückblickend ein Fehler war und den Umgang mit der Finanzkrise erschwert. Aber die Gemeinschaftswährung für die gesamte Krise verantworlich zu machen, halte ich für deutlich überzogen.

Was der US-Professor  vollkommen unter den Tisch fallen lässt, ist: Die Schuldenkrise ist nicht das alleinige Problem der Euro-Zone. Auch in  Großbritannien und den Vereinigten Staaten sind die Staatsschulden explodiert – nicht ohne Grund hat  Standard & Poor’s US-Staatsanleihen die Bestnote “AAA” entzogen.

Die gesamte westliche Welt befindet sich in der tiefsten Finanz- und Wirtschaftskrise seit der Großen Depression – und diese hat ihren Ursprung in erster Linie in den USA, nicht in der Euro-Zone.

Die Vereinigten Staaten haben mehrere Jahrzehnte über ihre Verhältnisse gelebt  und einen schuldeninduzierten Wachstumsboom genossen  – mit dem Platzen der Blase auf den Immobilienmärkten ist auch der US-Bankensektor zusammengebrochen.

Die Schockwellen, die aus den USA ausgingen, haben erst die Banken und dann die Staaten in Europa ins Wanken gebracht – vor allem Länder wie Island, Irland und Großbritannien, in denen sich ein zu wenig reguliertert Bankensektor ebenfalls aufblähen konnte wie eine Super-Nova.

Unabhängig davon halte ich Feldsteins Argumentation für wenig konstruktiv: Selbst, wenn man  aus heutiger Sicht vom Euro besser die Finger gelassen hätte, wäre ein Auflösen der Währungsunion mit prohibitiv hohen ökonomischen  Kosten verbunden – wahrscheinlich würde im Bankensektor und in der Realwirtschaft ein Chaos ausbrechen, gegen das die Lehman-Pleite ein Kindergeburtstag war.

Banken würden reihenweise zusammenbrechen, Millionen würden Arbeitslos, die Staatsverschuldung weiter explodieren. Groß wäre die Gefahr, dass wir eine zweite Große Depression erleben, die die Welt Ende 2008, Anfang 2009 noch mit Mühe abwenden konnte.

Vor diesen Problemen schließen die Euro-Kritiker in Deutschland kollektiv die Augen. Sie tun so, als könne man den Euro ablegen wie eine dreckige Unterhose. Tatsächlich käme es einer Amputation beider Beine näher – und zwar ohne Narkose.

Der polnische Außenminister Radoslaw Sikorski hat dies erkannt, als er gestern in einem dramatischen Appell Deutschland aufgefordert hat, die Euro-Zone zu retten. Das größte Risiko für Polens Wohlstand und Sicherheit seien nicht russisische Raketen, deutsche Panzer oder internationale Terroristen, sagte Sikorksi – sondern ein Zusammenbruch der Eurozone.

Hinweis an die Kommentatoren: Bitte argumentieren Sie sachlich und ohne Verschwörungstheorien. Kommentare  mit beleidigendem Inhalt werden nicht freigeschaltet.

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Alle Kommentare [25]

  1. Sie haben recht mit Ihren Ausführungen. Leider hat die Eurozone wirtschaftliche Ungleichgewichte gefördert und nicht gedämpft. Hier liegt die Tragik, dieser Konstruktionsfehler muss beseitigt werden. Nur wie in der jetzigen Krisenzeit? Für aktives Handeln ist die Zeit zu spät, der Finanzmarkt wird diesen Konstruktionsfehler durch Kapitalflucht beseitigen. Dieses wird ein vorübergehendes Ausschieden der Krisenländer aus dem Welthandel bedingen. Die Aufgabe, die sich dann stellt, ist in einem dann erweiterten Euroraum, die Scherben so zusammenzukehren und den Konstruktionsfehler so zu beseitigen, dass die Krisenländer nicht in eine Depression verfallen, sondern die Krisenländer ihre neue Rolle, als Länder mit ausgeglichenen Leistungsbilanzen kraftvoll und der Zukunft vertrauend angehen können.

  2. Erstmal guter Kommentar. Der Euro ist nicht alles Schuld. Bei weitem nicht. In den drei großen Währungsblöcken Dollar, Yen und Euro gibt es sehr ähnliche Verschuldungsprobleme. Das kann nicht nur alles am Euro liegen.

    Ich bin generell der Meinung, dass der Euro viel zu schnell kam und Länder mit viel zu großen Unterschieden aufgenommen hat. Man hat in der Zeit der “festen” Wechselkurse dauernd angepasst, wieso sind die Politiker davon ausgegangen, dass das auf einmal plötzlich aufhören würde?

    Klar, haben die die Politiker einen gewissen Druck von aussen einkalkuliert. Erstens politisch durch Sanktionen bei Verletzung der Maastrichtkriterien, zweitens durch höhere Zinsen am Markt. Beides ist aber ausgeblieben. Dumm.

    Und dann noch eine Formulierung aus einem Kommentar:

    “Ein Euro-Austritt würde in den betroffenen Ländern zu einem Bank run führen”

    Würde? Das passiert schon lange, in Griechenland sind die Banken (eigentlich) schon alle Pleite und in den anderen Südländern sieht es kaum besser aus. Das passiert auf allen Ebenen gleichzeitig, bei den Banken in den Südländern sind schon dreistellige Milliardenbeträge abgeflossen.

    http://www.diewunderbareweltderwirtschaft.de/2011/11/der-banken-marsch-in-europa-geht-weiter.html

    Das hält man nur noch mit einer Bazooka auf. Und die ist (weiterhin) nicht in Sicht.

  3. Natuerlich ist uebergrosse Verschuldung das Problem. Das ist unabhaengig davon, ob es einen Euro gibt.

    Aber diese ueberhohe Verschuldung wurde zumindest erleichtert durch den Euro, dadurch das Kredite leicht in die Peripherie fliessen kann (bis 2008) und seitdem halt wieder abfliessen. Jetzt zur Zeit extrem abfliessen.

    Diese Nachteile des Eurosystems sollte man in Zukunft, nach der Krise, reparieren. Es sind die Kredite von Euroraum Banken vom Zentrum an die Peripherie bis 2008, die diese Krise mitausloesten:

    http://eurogate101.com/2011/11/25/wer-ist-schuld-an-der-eurokrise/

  4. Hallo in die Runde!

    Hab mich hier her verirrt und ich wundere mich, weshalb immer noch über diese oder jene Auswirkungen diskutiert wird, die ein Schuldgeldsystem auf Grund des Zinseszinses hervor bring.

    Wir haben doch keine Schuldenkrise. Genauso könnt man sagen, wir haben eine Vermögenskrise.
    Geld hat zwei Aggregatzustände: Schulden und die daraus resultierenden Vermögen. Plus und Minus.

    Auf Grund des Zinseszinses und der Entstehung als Schuld, s. a. Giralgelschöpfung, lastet ein permanenter Schuldendruck auf dem System. Es mangelt ständig an Liquidität. Schulden müssen her, also Nachschuldner.

    Wenn man die Form des Wirtschaftens als Kapitalismus bezeichnet, dann sollte man die Form den Geldsystems als Debitismus ( Paul.C. Martin) bezeichnen. Wenn Debitismus auf Kapitalismus trifft, dann entsteht in der Wirtschaft Wachstumszwang und beim Endverbraucher Konsumzwang.

    Beides hat die Wirkung, dass wir uns ein Klumpenrisiko einhandeln. Schuldenklumpen und Vermögensklumpen.

    Alles was wir sehen, sind Versuche im System weiter auf zuschulden. Nichts weiter.

    Ein Zinseszinszyklus endet eben „jetzt“. Ganz nüchtern betrachtet.
    Die Welt wird nicht untergehen. Dass die meisten, die noch etwas zu verlieren haben dem gegenüber negative Gefühle entwickeln, ist zu verstehen. Leider gibt es in diesem System keine Gewinner. Monopoly eben. Zum Schluß hat einer alles.

    Es hilft aber nichts. Es gibt Dinge, die sind unvermeidlich.

    Die Frage ist nur: Wie kommen wir ohne großen Krieg in den nächsten Zyklus?
    Und die andere: Sollten wir das überhaupt? Oder machen wir mal was Neues?
    Oder gibt es zum Debitismus keine Alternative, weil wir glauben den rasanten technologischen Fortschritt zu benötigen. Oder wäre es nicht besser auf dem Stand der westlichen Welt mal ein paar Jahre zu konsolidieren? Leider mit ständigem Aufschuldungszwang nicht möglich.

    Wir werden sehen. Es wird schhon was vorbereitet sein.

    Alles Gute und VG aus Sachsen

  5. “Selbst, wenn man aus heutiger Sicht vom Euro besser die Finger gelassen hätte, wäre ein Auflösen der Währungsunion mit prohibitiv hohen ökonomischen Kosten verbunden” Natuerlich – das sagen die Alkoholiker auch immer, wenn sie sich vor dem entzugsbedingten Delirium tremens fuerchten. Wuerden Sie stattdessen sagen, wie es “mit” dem Euro weitergeht? Jeden Tag eine neue Hiobsbotschaft, aber bestimmt, wenn man gaaaaaanz lange wartet, bessern sich diese? Wie realistisch ist das denn?

  6. Sehr geehrter Herr Storbeck,

    ich habe den Artikel von Herrn Feldstein noch nicht gelesen und kann daher im Moment nur Ihre Aussagen kommentieren. Sofern Herr Feldstein geschrieben hat, daß der Euro an der aktuellen (Welt-)Finanzkrise schuld ist, würde ich dem zumindest nicht uneingeschränkt zustimmen. Das aktuelle Chaos in der Eurozone war seit dem Vertrag von Maastricht keine Frage des „Ob“ sondern nur des „Wann“. Es werden ständig Untergangsszenarien heraufbeschworen, für den Fall das auch nur ein Staat den Euro aufgeben würde. Sicherlich würde es zu erheblichen Verwerfungen an den Märkten kommen, aber halten Sie die Alternative einer Transferunion für attraktiver?

    Der Euro kann, wie Frau Merkel festgestellt hat, tatsächlich zu einer Frage von Krieg und Frieden werden. Je länger der Euro in seiner heutigen Form und Zusammensetzung besteht und (auch offensichtlich rechtswidrige) Maßnahmen für seinen Erhalt eingesetzt werden, ohne eine echte Perspektive das eigentliche Problem (Divergenz der Wettbewerbsfähigkeit) zu lösen, je wahrscheinlicher werden soziale Unruhen. Dies betrifft sowohl Geber- als auch Nehmerländer.

    Milton Friedman hat behauptet, daß der Euro seine erste Krise nicht überstehen wird. Eine Aussage der ich damals zugestimmt habe und der ich heute weiterhin zustimme, wobei die Politik ihren Beitrag dazu leistet.

    Mit freundlichen Grüßen
    Thomas Bytomski

  7. @riri: Ich stimme Ihnen zu, daß wir ein grundsätzliches Schuldenproblem haben, welches sich in den nächsten Jahren und Jahrzehnten bedrohlich verschärfen wird. Was wir zur Zeit erleben ist jedoch (meiner Meinung nach) offensichtlich eine Eurokrise. Das Problem besteht nicht in den viel zu hohen Schuldenbergen, ansonsten würden Länder wie Japan schon lange kein Geld mehr aufnehmen können, sondern in der hohen Divergenz bei der Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft in den einzelnen Mitgliedstaaten. Es gab und gibt keinen glaubhaften Vorschlag wie diese Unterschiede behoben oder zumindest verringert werden sollen. Der Euro kann daher nur dann überleben, wenn es zu einer Transferunion kommt.

    Die deutschen Erfahrungen (Länderfinanzausgleich, Wiedervereinigung) zeigen, daß diese Transferzahlungen zwar eine Währungsunion zusammenhalten kann, wenn die nötige Akzeptanz in der Bevölkerung vorhanden ist, aber wirtschaftlich äußerst kontraproduktiv (es gibt nur ein Land was von einem Empfänger- zu einem Geberland wurde). Ich persönlich glaube nicht, daß eine Transferunion politisch umsetzbar ist, da dies in Deutschland und einigen anderen Ländern zwingend einer Volksabstimmung erfordern würde. Die Erfolgsaussichten kann jeder für sich selber bewerten.

    Mit freundlichen Grüßen
    Thomas Bytomski

  8. @Storbeck: Sie dagen: “Sie können die Währungsunion mit der DDR nicht mit dem Auflösen einer Währungsunion vergleichen. Es handelt sich um vollkommen unterschiedliche Vorgänge, und die DDR war bis zur Währungsunion nicht in den internationalen Finanzmarkt integriert. Ein Euro-Austritt würde in den betroffenen Ländern zu einem Bank run führen, der den Bankensektor vernichtet; zudem würde der Staat mit einem Schlag zahlungsunfähig, weil die Schulden in Euro denominiert sind, aber in der neuen Währung zurückgezahlt würden”

    Da frage ich mich: War die DDR im Finanzmarkt ein schwarzes Loch? Haben wir nicht von der DDR Maschinen usw. gekauft? War die COMECON ausserhalb der Finanzmärkte? Und hat die DDR bei Wechsel auf die DM einen bankrun erlebt? Ihre Argumente stimmen allesamt nicht. Sie sind subjektiv vom Wunsch beeinflusst, alles aus der Verteidigungsicht des Euro zu interpretieren.

  9. Am Ende wird es zu einem Nord-Euro kommen und zwar aus politischen Gründen mit Frankreich.
    Die Südländer werden nicht bereit sein, ihre Haushaltsdefizite und ihre Schulden zu verringern , da der Druck auf der Straße vermutlich zu groß sein wird.

    In einem ersten Schritt bieten Deutschland und Frankreich den übrigen Staaten den Beitritt zu einer “Stabilitätsgemeinschaft” mit einem Nord-Euro an. Die Beitrittsbedingungen sehen vor, dass ab 2013 ein ausgeglichener Haushalt vorgelegt werden muss und der “Stabilitätsgemeinschaft” bei Nichteinhaltung ein Vetorecht zusteht.
    Jetzt kann jeder einzelne Staat entscheiden ob er beitreten will oder nicht.
    Ich bin mir ziemlich sicher, dass bei dieser Konstellation die allermeisten Staaten auf die Bedingungen eingehen und schon hat man die gewünschten Vertragsänderungen beim EURO.

  10. Vergessen Sie eines nie: der Euro ist eine politische Währung und war als solche gewollt und sicher gut gemeint. Das ist die Wurzel des Übels.
    Die Angleichung der Lebensverhältnisse in kürzester Zeit ohne produktive Gegenleistung, der schuldenfinanzierte Konsum, das hat mit der Ex-DDR geklappt, aber nicht für ganz Europa.

  11. Die hier zitierten Ausführungen von Feldstein gehen an dem eigentlichen Problem vorbei. Der kritische Punkt ist eine nicht genügend ausbalancierte Finanz- und Fiskalpolitik. Genauer gesagt eine falsch verstandene und sogar bewußt mißbräuchlich ausgelegte Methodik des deficit spendings.

    Unabhängig von irgendwelchen nationalen oder auch supranationalen Währungen wurden und werden in mehreren Staaten seit Jahrzehnten die periodischen Kreditaufnahmen ausgeweitet und die Schuldsalden wachsen im Mittel Jahr um Jahr an. In mehreren Fällen überstiegen und übersteigen die aus der Kreditbedienung heraus entstandenen Belastungen die finanziellen Möglichkeiten, die aus der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit heraus entstanden.

    Richtig ist wahrscheinlich, daß durch den Euro diese negative Entwicklung noch verschärft und beschleunigt wurde. Aber auch nicht mehr als das.

  12. Aus der Geschichte wissen wir, dass die Werthaltigkeit des Geldes stets von den Herrschern bestimmt wurde. Ich bin kein Ökonom, kann sein das ich mich da irre. Dennoch bin ich erstaunt über die hier in den Kommentaren ersichtliche Jammerstrategie. Wichtig wäre, zu erkennen, was man überhaupt will. Jeder der Beteiligten, der mit Geld zu tun hat, will etwas anderes, meistens für seine eigenen Interessen. Das ist nunmal so. Die Beteiligten sollten sich einigen, dass nach der Einigung für alle noch etwas da ist. Und zwar nicht nur “Geld”. Diese Diskussion wird sicher lange brauchen, und in der Zwischenzeit kommt es völlig anders. Knapp gesagt, muss das Finanzwesen seinen eigenen Hunger zurückstellen. Das Geld versagt zur Zeit als Informationsträger für Marktprozesse. Also muss was anderes her. Unabhängig von den sogenannten Währungen. Seien Sie sicher, es wird anderes geben, schon bald. Dann hat sich die “Werthaltigkeitslage” des Geldes sehr verschlechtert.

  13. Jemand kann nur über seine Verhältnisse leben wenn andere unter ihren Verhältnissen leben.

    Es ist von der deutschen Elite gar nicht geplant, dass die die in Deutschland unter ihren Verhältnissen gelebt haben nun ein besseres Leben bekommen.

  14. Herr Storbeck, zunächst vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen auf Kommentare zu antworten.

    Wie so viele stellen Sie den Ausstieg einzelner Länder aus dem Euro als unmöglich, oder unheimlich teuer dar. Dabei sind Sie allerdings wenig kreativ, sich einen solchen Ausstieg auszumahlen. Können Sie Ihren Lesern die Varianten eines Ausstiegs darstellen und wo sie problematisch sind? Währungstrennungen sind möglich (siehe Tschechoslowakei, freilich unter ganz anderen Voraussetzungen).

    Meine bevorzugte Variante wäre Rückwärts zum Eurobeitritt. Eine neue Währung, z.B. der Peso wird eingeführt und wird von der EZB in einem festen Korridor zum Euro gehalten. Spanien führt den Peso als gesetzliche Währung ein und bezahlt Staatsangestellte in Peso. Vorallendingen werden aber auch Steuern in Peso erhoben.
    Das würde reichen damit der Peso auch auf der Strasse verwendet würde, wobei der Euro sich evtl. noch eine Weile als Schwarzwährung halten würde. Nach einiger Zeit, wenn sich die Spanische Wirtschaft angepasst hat, wird die Wechselkursbindung aufgehoben.

    Ich sehe nicht, warum diese Variante teurer sein muss, als jetzt spanische Staatsanleihen durch die EZB kaufen zu lassen. Sicher gibt es noch weitere und bessere Varianten. Eine Argumentation die darin endet, dass die Einheit des Euro die beste aller Varianten ist, sollte sich die Mühe machen auch die zweitbesten zu eruieren.

    Dass mein Vorschlag nicht ganz abwegig ist, wird klar, wenn Sie Peso durch DM ersetzen. Dabei ist es interessant zu beobachten wie sich dabei Ihre Argumentation dagegen ändert.

  15. Sehr geehrter Herr Storbeck!

    Wenn ich Sie richtig verstehe, soll die €-Rettung weiterlaufen, da die Alternativen zu schlimm wären. Da kein €uro-Staat hierzu in der Lage ist, nehmen wir die USA als Vorbild und lassen die EZB FED spielen. Die USA haben nach Ihrer Aussage aber maßgeblich mit Schuld an den Finanzproblemen der westlichen Welt?! Das klingt nach einem Zirkelschluss und wird letztendlich nur dahin führen wo es immer hin geführt hat und hinführen wird: Kollaps durch Hyperinflation. Wer dieses Kind nicht beim Namen nennen mag, scheint es darauf anzulegen, dass die Menschen sich stillschweigend ihre Lebensarbeit zu Gunsten von Banken und Staaten abnehmen lassen.

    Schon heute merken viele Menschen, offenbar vor allem Asiaten, Deutsche aber auch Amerikaner, dass die Inflation wesentlich höher ist, als offiziell angegeben. Das Verhalten vieler Notenbanken spricht eine analoge Sprache.
    Allein, es fehlt noch in breiten Teilen der Bevölkerung das Wissen darum Inflation zu begegnen. Viel wurde schließlich dafür getan, es uns nachhaltig zu nehmen. Seien Sie versichert, es wird wiederkommen. Und dann ist der chaotische Zusammenbruch ebenfalls da. Ich bin mir recht sicher, dass ich mir keine ungeordnete Deflation wünsche, aber Hyperinflation halte ich auch für kein schönes Schauspiel.
    Lassen Sie mich mit einem chinesischen Fluch abschließen der uns wohl leider alle trifft: “Mögest du in spannenden Zeiten leben!”

    Gruß,

    Marcus W.

  16. Nichtsdestotrotz muß man heute den seinerzeit verlachten Euro-Kritikern der ersten Stunde ,wie Herrn Prof Hankel recht geben. Die Eurozone war und ist ein suboptimaler Währungsraum und die Einführung des Euro ein gewagtes Experiment. Es liegt in der Natur eines noch nie erprobten Experiments, dass es mißlingen kann. In einem hat Herr Storbeck recht. Das Experiment abzubrechen ist mindestens genau so riskant wie es fortzusetzen. Eines ist aber auch klar, Verantwortung tragen die Politiker, die das Experiment in Kenntnis des ungewissen Ausgangs starteten und nicht die “Märkte”, die “Banken” oder sonstige anonymen Kräfte.

  17. In der aktuellen Eurettungsdebatte wollen alle Ökonomen mitreden und der Politik (angeblich oder vermeintlich) gute Ratschläge erteilen.
    Das Problem (soweit ich die Debatte beobachten konnte) ist nur, dass sämtliche derartigen Diskussionsbeiträge sozusagen von einem Betriebsunfall ausgehen, den man eigentlich doch ‘leicht’ beheben könne: Deutsche Steuergelder ins Feuer werfen, und/oder Geld drucken.

    Nur, wie der Blogmaster treffend feststellt:
    “Die gesamte westliche Welt befindet sich in der tiefsten Finanz- und Wirtschaftskrise seit der Großen Depression – und diese hat ihren Ursprung in erster Linie in den USA, nicht in der Euro-Zone.
    Die Vereinigten Staaten haben mehrere Jahrzehnte über ihre Verhältnisse gelebt .”
    Außerdem liegt das Wachstum der Zentralbankgelder schon lange über dem Wachstum der Realwirtschaft.
    Weiterhin beobachten wir eine Hypertrophie der Finanzwirtschaft, die Gewinne ohne realwirtschaftlichen Bezug generieren zu können scheint.

    Folgerung: Die Probleme scheinen sehr viel tiefer in der Struktur der Geldwirtschaft selbst begründet zu liegen (Akkumulation des Geldes bei den Reichen / den Chinesen (Deutschen) / Rentenfonds – Kapitaldeckungsverfahren).
    Dieses Geld kommt offenbar nicht im ausreichendem Maße wieder als Tauschmittel (im Gegensatz zu Kreditmittel) auf den Markt; deshalb versucht etwa die FED krampfhaft, das Volk weiterhin als Kreditesel zu benutzen.

    Das scheint mir “the big picture” zu sein. Das Problem der Finanzkapitalakkumulation hatte bekanntlich schon Keynes vorhergesehen (und es lag vielleicht schon der Krise von 1929 ff. zu Grunde).

    Auch deswegen stößt bei mir die allenthalben von Wirtschaftswissenschaftlern feil gebotenen Vorschläge für Finanzklempnerei auf allergrößtes Misstrauen; letztlich ist alles Angebotene ja nur “more of the same”.

    Ein Ende des Euro wäre gewiss schrecklich; noch schrecklicher wäre indes ein Schrecken ohne Ende. Und in dieser Schreck-Schraube hat uns die Politik m. E. momentan gefangen.
    Wer mich von etwas anderem überzeugen will, muss mir eine große ökonomische Theorie anbieten, welche die Krise insgesamt erklärt. Und Lösungsvorschläge aus einer solchen neuen Theorie ableiten.

  18. “Auch ich frage mich inzwischen, ob der Euro rückblickend ein Fehler war und den Umgang mit der Finanzkrise erschwert.”

    Hört, hört!

    “Was der US-Professor vollkommen unter den Tisch fallen lässt, ist: Die Schuldenkrise ist nicht das alleinige Problem der Euro-Zone. Auch in Großbritannien und den Vereinigten Staaten sind die Staatsschulden explodiert”.

    Ja, die Krise ging von den USA aus und dort sind die Staatsschulden viel größer. Doch die Probleme dort sind offensichtlich viel kleiner, so dass die Hauptursache hier eben nicht die Schulden oder der Ausgangspunkt in den USA sind, sondern Fehler in der Konstruktion des Euro.

    Wenn man diese Diagnose versteht, liegt die Lösung ganz nahe, die übrigens nicht gegen die europäische Integration gerichtet ist, sondern gerade deren Ideale und die EU rettet.

  19. Es gibt keine Euro-Krise

    Das ist eine recht einfache und nichts desdo trotz richtige Feststellung.

    Was es gibt ist eine Staatsschuldenkrise und auf diese wird seit 40 Jahren kontinuierlich von den Regierungen der westlichen Welt hingesteuert und zwar einfach dadurch, das systematisch die Staatsausgaben immer über den Einnahmen liegen und zugleich immer weiter erhöht werden.

    Erweitert man noch die Perspektive auf nicht bilanzierte Dauerschuldverhältnisse wie Renten und Pensionszusagen ist der Berg an Schulden noch viel größer.

    Da es also letztlich keine Euro sondern eine Schuldenkrise ist, kann auch die Lösung nur darinnen bestehen, dass die Staatsverschuldung relativ zum BIP abnimmt um die Lage zu entschärfen.

    Das beschreibt aber die aktuelle Problematik sehr schön – wir werden insbesondere dank unserer linken Ideologen mit 90% Sicherheit innerhalb der nächsten 15 Jahre vor die Wand fahren. Trotz fantastischer Innovationen und Potentiale für Wirtschaftswachstum und Breitenwohlstand.

    Warum? Nun die Pensionspflichten usw. werden schlagend, der Staat verringert allenfalls nur seine Nettoneuverschuldung, baut also weiterhin Schulden aus und wird Steuern und Staatsquote erhöhen statt bei den Ausgaben zu sparen und Arbeitskräftepotentiale (Frauenvollzeiterwerbsquote, Freisetzen von Staatsbediensteten) für die Wirtschaft zu aktivieren.

    Der Euro verlagert das Thema nur dahin, dass es zusätzlich einen Anreiz gibt für strukturschwache Länder im Euro sich von den anderen aushalten zu lassen.

    Es verbleibt die Erkenntnis – Rückbau der Staatsquote, der Ausgaben des Staates und der Staatsverschuldung mit all den damit verbundenen Spannungen und eine Zukunft wirtschaftlich für die nächsten Jahrzehnte auch mit Euro oder eine Verweigerung der Annerkennung dieser Notwendigkeit was sich dann in einem zusammenbruch und Neustart äußern wird.

  20. Naturally the euro is (and remains) a political dimension in what should be an economics driven discussion. That was the case at its inception (how well I remember here in Germany where I have lived for the last 30 years the discussion on Greece at the time). And the politicians still have the last word – either it’s everyone in, no matter what the cost (and guess which country will pay it..) or total collapse.

    Why then should we not indeed consider a smaller euro-zone, comprising those countries willing to subject themselves to common fiscal capping and governance and able to meet Maastricht (remember that one?)in full. And if that means us losing Italy, Spain and Portugal, even Ireland, so be it. Why should we pay for these countries unemployment and fiscal instability?

    Nor do we have to throw them out for ever, just create a secondary exchange maket for euro-2 countries.

  21. Sehr geehrter Herr Storbeck,

    ich hoffe Sie stimmen überein, dass deutsche Panzer mitnichten die polnische Sicherheit gefährden, sie vielmehr einen wichtigen Beitrag zur NATO-Sicherheit leisten. Falls das Hr. Sikorski von sich gegeben hat, kann man wohl auch die restlichen Statements vergessen, oder haben etwa Sie diese “Wortmeldung” Hr. Sikorski in den Mund gelegt?

    Mit freundlichen Grüssen

    • @rtt_hdl: Sowohl die Financial Times als auch das Wall Street Journal haben diese Aussagen von Sikorski so berichtet. Beim WJS heißt es zum Beispiel:

      “The Polish foreign minister said Germany would suffer if the euro zone imploded, while for Poland its collapse is the biggest threat to the country’s security and prosperity — bigger than Russian missiles at its borders, or German tanks, or international terrorism.

      “I demand of Germany that, for your own sake and for ours, you help [the euro] survive and prosper. You know full well that nobody else can do it. I will probably be first Polish foreign minister in history to say so, but here it is: I fear German power less than I am beginning to fear German inactivity,” he said.”

      Die FT schrieb:

      “In a startling comment for a senior Polish minister, Mr Sikorski declared that the biggest threat to his nation’s security was not terrorism, or German tanks, or even Russian missiles, but “the collapse of the eurozone”.”

      Der Außenminister sieht sich sicherlich nicht heute von deutschen Panzern bedroht, sondern hat die historische Perspektive im Blick.

  22. warum soll der Euroaustritt zur Katastrophe für die Realwirtschaft werden? Die Geschäftsprozesse in Exportunternehmen sind soweit automatisiert, dass jederzeit in jeder anderen Währung fakturiert werden kann. Und dann noch eine Analogie: Die DDR-Wirtschaft hat von einem Tag auf den anderen auf DM umstellen müssen. Dass sie pleite ging, lag am gleichen Effekt wie beim Euro für wirtschaftsschwache Länder. Die Produkte wurden unbezahlbar. Diese Schauermärchen vom Euroaustritt sind Scheinargumente.

    • @ Baier: Sie können die Währungsunion mit der DDR nicht mit dem Auflösen einer Währungsunion vergleichen. Es handelt sich um vollkommen unterschiedliche Vorgänge, und die DDR war bis zur Währungsunion nicht in den internationalen Finanzmarkt integriert. Ein Euro-Austritt würde in den betroffenen Ländern zu einem Bank run führen, der den Bankensektor vernichtet; zudem würde der Staat mit einem Schlag zahlungsunfähig, weil die Schulden in Euro denominiert sind, aber in der neuen Währung zurückgezahlt würden. Auch Unternehmen in Austrittsland, die Schulden in Euro haben, wäre de facto zahlungsunfähig. Beides hätte massive Rückwirkungen auf das Bankensystem in den anderen Ländern der Euro-Zone und darüber hinaus. Zudem würde vermutlich das Vertrauen in die Staatsanleihen anderer Peripheriestaaten verschwinden, wars zur Zahlungsunfähigkeit weiterer Staaten führen würde.

      Ein paar wissenschaftliche Studien, die diskutieren, was bei einem Auseinanderbrechen des Euro passieren würde, habe ich in diesem Text vorgestellt.

  23. Der Euro in dieser Zusammensetzung (mit Griechenland, Portugal, Spanien) ist eine dreckige Unterhose und wir müssen ihn ablegen, weil sein Gestank langsam unerträglich wird.
    Noch so apokalyptische Bilder von Ihnen bringen mich nicht dazu, etwas anderes zu fordern. Was Sie eigentlich wollen (bzw. was die Euro-in-dieser-Form-Befürworter eigentlich wollen) wird mir immer fragwürdiger. Es wurden Schulden aufgehäuft, die jetzt einen Stand erreicht haben, an dem es nicht mehr weiter geht. Mit Eurobonds oder EZB-Staatsanleihekäufen soll das nun einfach fortgesetzt werden. Auf die Frage, wo denn das Wirtschaftswachstum oder immer neue Geldmittel zur Fortsetzung dieses Wahnsinns herkommen sollen, schweigen sich die Eurobefürworter aus. Wunderdinge erwarten sie jetzt von einer ganz schnellen europäischen Fiskal- und Transferunion, als ob Europa kein Gebiet unterschiedlicher Kulturen und Mentalitäten wäre. Erstens wird diese neue “Union” nicht so schnell kommen und zweitens wird die Durchsetzung von durch Brüssel gelenkter Wirtschaftspolitik von vielen Staaten als “Angriff von außen” angesehen werden, der durch die “Straße” entsprechend abgewehrt wird.
    Die Wahrheit ist wohl, dass der Absturz der Weltwirtschaft, wenn dann wirklich kein Geldgeber mehr angezapft werden kann, umso schlimmer sein wird. Meiner Meinung nach sollte der Schnitt jetzt gemacht werden, vielleicht haben die Euro-Nordstaaten noch genug Potential und Kredit, um den Zusammenbruch für sich selbst und für die Peripherieländer abzufedern.
    An die Anhänger der Theorie, dass die EZB einfach nur genug Geld drucken muss und alles sei dann gut, sei gesagt: gerade in einem Land wie Deutschland, in dem man den Leuten gesagt hat, die Rente reicht nicht mehr, versichert euch privat, treibt Vorsorge, wäre so eine Politik ungeheuerlich und würde das Vermögen der Menschen auslöschen. Das ist keine Apokalypse a la Storbeck, sondern das konnte man regelmäßig auf Grund staatlichen Gelddruckens in der Welt beobachten.