Eine Konferenz zur Ehrenrettung von Bruno Frey

Der Erfurter Professor Jürgen Backhaus, der auch das “European Journal of Law and Economics” herausgibt, veranstaltet im Dezember eine interessante Konferenz.

Es geht allgemein um die Frage von Eigenplagiaten und konkret um Bruno Frey sowie meine journalistische Arbeit zu Frey’s Publikationsverhalten.

Hier ist die Einladung, die über den Newsletter der “Societies for the History of Economics” verschickt wurde:

“It is only by varied repetition that new ideas can be impressed upon reluctant minds.”

This often repeated admonition by the Nobel-prize winning economist James M. Buchanan is obviously unknown to the journalist of the German daily “Handelsblatt” Olaf Storbeck, who has initiated a vendetta against the well-respected economist Bruno S. Frey accusing him of self-plagiarism.

Many people agree that such a delinquency does not even exist. For this reason, a meeting will be convened at the University of Erfurt to discuss the issue, the merits and demerits of repeating oneself.

Essays read and defended at this meeting will be published in the journal “Homo Oeconomicus” in a conference issue. The meeting will take place at the University of Erfurt on December 9.”

Ich fühle mich sehr geschmeichelt, dass meine Arbeit so einen Einfluss hat und sogar wissenschaftliche Konferenzen inspiriert (auch wenn ich bei dem Vendetta-Teil der Einladung nicht ganz sicher bin….)

Wer sich für die Hintergründe der ganzen Diskussion interessiert -  meine  beiden Handelsblatt-Artikel dazu sind hier und hier verfügbar, ausführlicher gehe ich auf die Fälle hier und hier in meinem englischen Blog ein.

Auf jeden Fall bin sehr gespannt, wer dort sprechen wird (in meinem englischen Blog mache ich ein paar Vorschläge) und freue mich schon jetzt auf die Lektüre der  Essays.

Besuchen Sie mein englisches Weblog “Economics Intelligence” und meine Facebook-Seite – ich freue mich über jedes “like”!


Der indische Elefant und die Euro-Krise

Zwei Wissenschaftler lernen auf einer Indien-Reise einen dressierten Elefanten kennen. Das Tier kann Walzer tanzen und Porzellanteller kleben. Sie bringen es mit nach Europa, wo sie eines Tages mit dem Elefanten einen Porzellanladen aufsuchen. Das Tier beginnt einen Walzer zu tanzen und zerstört Teller und Tassen. Anschliessend klebt es die Scherben behände zusammen.

Befragt, warum sie den Elefanten in den Porzellanladen mitgenommen haben, antworten die Wissenschaftler, es sei die kostengünstigere Alternative, den Elefanten die Scherben kleben zu lassen.

Hätte jemand das Porzellan zerstört, der weniger geschickt ist, als der Elefant, dann würde das viel teurer:

“Verantwortungsbewusste Politik darf nicht darauf setzen, dass man vielleicht Glück haben kann.”

Das Geschäft müsse zwar für einige Jahre geschlossen werden, aber das Porzellan werde geklebt. Nach Abschluss der Umschuldungsverhandlungen erhole sich der insolvente Laden “oft überraschend schnell”. Daher: “Die Richtung stimmt”.

Harald Hau und Bernd Lucke betrachten die Rekapitalisierung der Banken als eine günstige Versicherung gegen die Folgen einer Bankenkrise. » weiterlesen

Rettet die Banken, nicht die Staaten

In der vergangenen Woche hat der Mannheimer VWL-Professor Hans Peter Grüner hier im Handelsblog einen Vorschlag seiner Kollegen Harald Hau und Bernd Lucke zur Lösung der Schuldenkrise auseinandergenommen. Hau und Lucke hatten in einem Gastbeitrag für die FAZ vorschlagen, statt den Staaten die Banken zu retten. Grüner hält diesen Ansatz für falsch. Jetzt haben Hau und Lucke auf Grüners Kritik reagiert:

Hans-Peter Grüners vermeintliche Kritik an unserem Vorschlag ist zunächst einmal eine Bestätigung unserer zentralen These: Es gibt eine Alternative zum Rettungsschirm.

Statt deren Existenz zu leugnen (wie die Bundesregierung dies tut), sollten die Zahlen auf den Tisch: Was kostet eine Rekapitalisierung der Banken und was kostet der Rettungsschirm?

Hans-Peter Grüner nimmt diese Debatte ernst und leistet seinen Beitrag dazu. Die Kosten verschiedener Strategien kann man nur evaluieren, wenn man einen geeigneten Referenzpunkt setzt. Für Grüner lautet dieser Referenzpunkt: Der Rettungsschirm funktioniert.

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Die Top-10 der deutschen Ökonomen auf Twitter

Wie die Zeit vergeht – schon wieder wird  eine Neuauflage meiner Liste der wichtigsten deutschen Ökonomen bei Twitter fällig, die ich in  Anlehung an die englische Liste meines FT-Kollegen  Tim Harford im April gestartet und im Juli erstmals aktualisiert habe.

Die wichtigsten Veränderungen

Neu in der Liste sind @rkeuper, der es direkt in die Top-10 schaffte,  @schuldensuehner, @iw_koeln und @teraeuro. Verschwunden ist Thomas Strobl, der leider sein eigenes Account und auch das von Weissgarnix zugemacht hat (Zu den Hintergründen habe ich Thomas hier interviewt.) Außerdem habe ich @KeynesMakro gestrichen -  weil der letzte Tweet  aus  April 2010 stammt.

@littlewisehen hat in den vergangenen drei Monaten als erster deutscher Wirtschaftsblogger die Schallmauer von 3000 Followern überschritten. @PatrickBernau und @egghat legen weiter kräftig zu, und auch ich bin sehr zufrieden – vor allem mit meinem englischen Account, das sich der Schwelle von 2000 Followern nähert.

Andere Übersichten

Patrick Bernau hat eine schöne Übersicht über Ökonomen bei Google Plus zusammengestellt. Wer sich für die Euro-Krise interessiert, sei noch auf den “PIIGS Plus Club” bei Twitter hingewiesen – eine Liste mit Twitterern aus allen möglichen EU-Ländern, die auf Englisch über die Misere tweeten. (Hier ein bisschen was zu den Hintergründen des PIIGS-Plus-Clubs.)

Wer fehlt noch? Hinterlasst mir einen Kommentar im Blog oder schreibt an @olaf_storbeck.

Hier die komplette Liste:

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Wer Straßen sät, wird Staus ernten

Stau

(Bild: Osvaldo Gago via Wikipedia)

Gerade schaue ich das Inhaltsverzeichnis der aktuellen Ausgabe des “American Economic Review” durch – und stelle mit Freude fest, dass es der Aufsatz “The Fundamental Law of Road Congestion: Evidence from US Cities” der kanadischen Forscher Gilles Duranton und Matthew Turner in die Zeitschrift geschafft hat.

Es ist eine wirklich bemerkenswerte Studie: Die Ökonomen haben den Zusammenhang zwischen Straßenbau und Verkehrsaufkommen am Beispiel der Vereinigten Staaten empirisch untersucht. Mehr Straßen, so das Ergebnis der Studie, sind kein  Mittel zur Bekämpfung des Staus. Das Kernergebnis lautet:

“Eine Verdoppelung der Straßen verdoppelt den Verkehr.”

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Können wir wirklich fünf EU Länder pleite gehen lassen?

Harald Hau und Bernd Lucke finden, daß eine Rekapitalisierung der Banken eine kostengünstige Alternative zur jetzigen Politik sei. Ich teile diese Einschätzung nicht.

In einem kürzlich erschienenen Zeitungsartikel legen Harald Hau und Bernd Lucke nahe, daß ein Default Griechenlands, Italiens, Spaniens, Portugals und Irlands durch eine Rekapitalisierung der Banken für Europa verkraftbar sei.

Hau und Lucke sehen die Rekapitalisierung und den dann möglichen Default als Alternative zur Ausweitung des EFSF. Die Bankenrekapitalisierung sei „kostengünstiger und effektiver“ als die „gegenwärtige Politik“. Deshalb sei die Politik der Bundesregierung nicht alternativlos.

Der Aufsatz der beiden verfolgt den (in seiner Anreizwirkung nützlichen) Ansatz, die Eigentümer der Banken zunächst weitgehend mit Eigenkapital haften zu lassen. Bei der Rekapitalisierung stünden den eingesetzten Mitteln dann die Assets der Bank gegenüber, so daß hier keine Verluste auftreten müssen. Zu recht argumentieren Hau und Lucke, daß jeder Bailout der Investoren gerade auch vermögende Anleger verschont. Dennoch bin ich überzeugt, daß die beiden in ihren Schlussfolgerungen zu weit gehen.

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EZB widerspricht Sinn bei Target2

Für alle Target2-Aficionados ist der heute vormittag erschienene Oktober-Monatsbericht der Europäischen Zentralbank Pflichtlektüre.

Auf fünfeinhalb Seiten werden dort ab Seite 36 die Target2-Salden der Zentralbanken diskutiert.

Ohne Hans-Werner Sinn namentlich zu nennen, widerspricht die Zentralbank dort den zentralen Thesen des Ifo-Chefs auf ganzer Linie.

Update: Das Ifo-Institut hat heute eine interessante Pressemitteilung zum EZB-Monatsbericht herausgegeben – mit der Überschrift “Keine sachlichen Differenzen zwischen ifo und EZB über Target-Salden”. (Leider scheint die Presse-Sektion auf der Ifo-Webseite derzeit abgestürzt zu sein, so dass ich derzeit nicht auf die Pressemitteilung verlinken kann.

Irgendwie lese ich den EZB-Bericht anders – in mindestens sechs Punkten widerspricht die EZB Sinn deutlich. Ich habe einige diametral unterschiedliche Ausagen beider Seiten dieser Tabelle gegenübergestellt.

Es fängt bei einfachen technischen Dingen an, so schreibt Sinn zum Beispiel immer wieder, die Bundesbank leihe den Krisenstaaten Geld über Target2 – die EZB dagegen betont, dass Geld von den Notenbanken der Krisenländer geschöpft wird, und es über Target2 nur in andere Länder transferiert wird. (Interessanterweise macht Sinn diesen Fehler nur in seinen populärwissenschaftlichen Aufsätzen. Im wissenschaftlichen Papier, das er gemeinsam mit Wollmershäuser geschrieben hat, wird dieser Aspekt richtig dargestellt: Dort heißt es, dass das Geld von den Notenbanken der Krisenländer geschaffen wird.)

Diametral anderer Meinung sind Sinn und EZB bei der Einschätzung der Gefahren, die mit Target2 verbunden sind  und ob man die Target2-Verbindlichkeiten deckeln sollte. Auch mit Blick darauf, wie das Zahlungsverkehrsystem in den USA organisiert ist, werden ganz unterschiedliche Positionen deuetlich).

Hier eine Übersicht über die zentralen Argumente der EZB (alle Hervorhebungen durch mich).

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Die ökonomische Rocky Horror Picture Show

Den heutigen Vormittag habe ich auf  der “Annual Conference” der privaten Denkfabrik Capital Economics (CE) verbracht – in der wunderschönen “Drapers’ Hall” in der Londoner City.

Die Location war aber so ziemlich das einzig positive an der Veranstaltung.

Das Bild, das die Ökonomen um den  CE-Chef Roger Bootle von der Lage der Weltwirtschaft im Allgemeinen und der Euro-Zone im Besonderen zeichnete, war derartig negativ, dass es selbst einem eingefleischtem Pessimisten wie mir die Sprache verschlagen hat.

Die Veranstaltung war ungefähr so aufheiternd wie der neue Lars-von-Trier-Film “Melancholia”.

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“Mainstream lehnt Glücksökonomie bis heute ab”

Ich halte Richard Easterlin, den Vater der Glücksökonomie, ja für einen starken Kandidaten für den Ökonomie-Nobelpreis.

Letzte Woche Donnerstag hat Easterlin hier in London einen Vortrag gehalten, danach hatte ich die Möglichkeit, ihn zu interviewen.

Er hat mir über die Anfänge seiner Forschung berichtet, sein Verhältnis zum ökonomischen Mainstream und den wirtschaftspolitischen Implikationen seiner Forschung. (Eine Einführung in Easterlins Forschung gibt es übrigens hier.)

Heute um 13 Uhr deutscher Zeit wird in Stockholm die Entscheidung des Nobelpreis-Komitees bekannt gegeben. Ich bin sehr gespannt – und drücke Easterlin die Daumen.

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