Eigenplagiate von Bruno Frey – weitere Fälle entdeckt

In der heutigen Printausgabe des Handelsblatts (inzwischen auch online verfügbar) berichte ich über eine ganze Reihe weiterer Eigenplagiatsfälle beim Züricher VWL-Professors Bruno Frey.

Frey war vor einigen Monaten innerhalb des Fachs in die Kritik geraten, weil er zusammen mit zwei Koautoren vier sehr ähnliche Arbeiten in Fachzeitschriften veröffentlichte, ohne auf die anderen Papiere zum gleichen Thema querzuverweisen.

Bislang hat Frey die fehlenden Zitate als bedauerlichen Lapsus dargestellt. Offenbar waren sie aber kein Einzelfall, wie die Berichte auf der Internet-Plattform “FreyPlag Wiki” nahelegen.

Ich habe die dort gelisteten Beispiel  detailliert überprüft. Mein Fazit: Nicht alle, aber die meisten dort erhobenen Vorwürfe sind gerechtfertigt.

Einige Beispiele sind noch deutlich haarsträubender als der Titanic-Fall.  Das “European Journal of Law and Economics” hat gleich zweimal (“Problems with Publishing” / “Selfish or indoctrinated?”) bereits woanders erschienene  Artikel von Frey quasi wortwörtlich nachgedruckt, ohne auf die Originalquelle zu verweisen – ein klarer Verstoß gegen die Submission Guidelines des Journals. Besonders pikant: Frey selbst gehört dem Herausgeber-Gremiums des EJLE an.

Ich habe die Beispiele in einer umfangreichen Tabelle dokumentiert. Mein Print-Artikel ist hier online verfügbar. Zudem diskutiere ich die einzelnen Fälle auch ausführlich hier auf “Economics Intelligence”.
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Alle Kommentare [3]

  1. Die Sache Frey zeigt dreierlei: 1) Bei A-Journalen zählen die Namen, sodaß die doppelt blind Begutachtung ausgehebelt ist. 2) Die Behaviour Economics sollte sich fragen, welchen wissenschaftliche Ertrag es bringt, das Verhalten von Menschen in Extrem-Situationen zu analysieren. 3) Der Beitrag von Frey wäre besser in einem D-Journal aufgehoben oder in einem Übungsbuch zur Statistik.
    Prof. Dr. Richard Vahrenkamp
    Universität Kassel

  2. Wie du selbst auf Handelsblatt.com schreibst, geschah der Nachdruck im EJLE im (nachträglichen?) Einvernehmen mit den Herausgebern. Insofern kann man wohl Frey kaum einen Vorwurf machen. Allerdings hätte eine wissenschaftliche Fachzeitschrift wohl darauf hinweisen müssen, dass der Artikel bereits publiziert war. Wenn es eine Schuld gibt, dann liegt die aber beim EJLE.

    • @Wirtschaftswurm: Ich denke, dass es sowohl einen “Fall Frey” als auch einen “Fall EJLE” gibt. Frey hat ja längst nicht nur in dieser einen Zeitschrift von sich selbst abgeschrieben, ohne auf die anderen Arbeiten querzuverweisen.
      Dass sich der Herausgeber aus welchen Gründen auch immer vor ihn stellt, rechtfertigt m.E. auch noch lange keinen Verstoß gegen die Submission Guidelines des Journals.
      Die Aussagen, die Jürgen Backhaus mir gegenüber gemacht hat, finde ich ehrlich gesagt ziemlich skandalös. Jeder Student, der in unterschiedlichen Seminaren die gleiche Seminararbeit abgeben würde, wäre zurecht massiv in Schwierigkeiten. Und hier stellt sich der Herausgeber hin und sagt: “Na ja, unsere Submission Guidelines gelten halt nicht für jeden.”
      Mein Eindruck im Gespräch war auch, dass ihm das Ausmaß der Prostitution-Sache nicht bewusst war (ich hatte ihm die Vergleichstabellen vorab mit meiner Anfrage geschickt). Er stritt ab, dass die beiden Arbeiten identisch sind.
      Wenn Springer die beiden Arbeiten nicht offiziell “retracted”, wie es die COPE-Regeln empfehlen, kann man das EJLE nicht mehr ernst nehmen.