Wegweiser durch den VWL-Blog-Dschungel

In der vergangenen Woche habe ich im Handelsblatt über eine Weltbank-Studie (“The Impact of Economics Blogs”) berichtet, die erstmals versucht, den Einfluss von Ökonomie-Blogs zu messen: ‘”Übermäßig aktive Blogger” treiben Ökonomen an”.

Dazu gab es noch ein Interview mit dem ehemaligen Weissgarnix-Macher Thomas Strobl und eine Liste von interessanten deutschsprachigen Ökonomie-Blogs.

Heute hat Kantoos einen sehr guten Blogguide für Bachelor-Studenten veröffentlicht, und auch Dirk Elsner vom Blicklog hat sich Gedanken über den Einfluss von Ökonomie-Blogs gemacht. Dirk ist es auch, der die wirklich geniale Mindmap zu Wirtschaftsblogs “Made in Germany” pflegt.

Mit großer Freude habe ich außerdem gesehen, dass einer meiner Lieblings-Ex-Kollegen soeben ein neues Blog gestartet hat:  Marcello Berni bloggt seit letzter Woche aus Mailand unter Berni’s View. Marcello war 15 Jahre beim Handelsblatt, zuletzt Ressortleiter Unternehmen.

Von  2007 bis 2011 war er  Kommunikationschef bei der italienischen Großbank UniCredit, derzeit ist er – um es mit Thomas Strobl zu sagen – “in between jobs”.

Marcello ist einer der nettesten und zugleich kompetentesten Kollegen, der mir in meinen inzwischen fast elf Jahren beim Handelsblatt begegnet ist. Sein Blog ist – wen wundert es – stark banken-und krisenorientiert.

Und dass Marcello ein exzellenter Italienkenner ist, kann in der derzeitigen Lage auch nicht wirklich schaden…

Also: Starke Leseempfehlung für “Berni’s View”

.
Besuchen Sie mein englisches Weblog “Economics Intelligence” und meine Facebook-Seite – ich freue mich über jedes “like”!

Die Arge spielt Sommertheater

Diese Pressemitteilung, die am heutigen Montag versendet wurde, hat absurde Züge. Dort heißt es:

Prof. Dr. Dr. h.c. Ulrich Blum wurde am 5. September 2011 von der Mitgliederversammlung der Arbeitsgemeinschaft deutscher wirtschaftswissenschaftlicher Forschungsinstitute e.V. (ARGE-Institute) als Nachfolger von Prof. Dr. Klaus F. Zimmermann zum Vorsitzenden der ARGE-Institute gewählt.

Warum absurd? Weil Ulrich Blum bereits einen Tag nach der Wahl, die laut der heutigen Pressemitteilung bereits am 05.09. war, sein Amt als Chef des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) zur Verfügung gestellt hat. Am Abend des 06.09. wurde bekannt, dass die in Halle erscheinende Mitteldeutsche Zeitung berichten werde, IWH-Präsident Blum habe wie auch der Geschäftsführer Frowin Gensch dem Vorstandsrat des IWH seinen Rücktritt angeboten. Das Wirtschaftsministerium habe das mit Respekt zur Kenntnis genommen. Der Grund: Das Institut war seit Jahren in der Kritik der Leibniz-Gesellschaft, die über die Vergabe der Fördermittel entscheidet.

Blum hat die Schwierigkeiten seinen Institutskollegen bei der Arge-Sitzung keineswegs verschwiegen, er hat ihnen reinen Wein eingeschenkt. Auch das geht aus der heutigen Pressemitteilung hervor:

Im Vorfeld der Wahl hatte Prof. Blum auf die schwierige Diskussion am Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) verwiesen und die damit verbundene Möglichkeit eines Amtsverzichts ebendort thematisiert.

Unmittelbar nachdem Blum dennoch das Vertrauen der Arge-Kollegen ausgesprochen bekam, ist aus der “schwierigen Diskussion” ein endgültiges Aus für den IWH-Chef geworden - Blum wird nur noch bis zur nächsten Vorstandssitzung Mitte Oktober in Halle im Amt bleiben.

Seinen neuen Job bei der Arge dürfte er damit freilich auch schnell wieder los werden. Die schreibt heute vielsagend:

In Anbetracht der öffentlichen Diskussion nach dem Angebot dieses Amtsverzichts als Präsident des IWH hat Prof. Blum den stellvertretenden Vorsitzenden erneut für den persönlichen Vertrauensbeweis gedankt. Nach ersten internen Überlegungen soll im Januar 2012, im Anschluss eines ohnehin geplanten Treffens der ARGE-Institute, auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung ein Nachfolger bestimmt werden.

Besonders absurd ist das Hickhack auch deswegen, weil die Arge – dahinter verbergen sich die sechs großen Wirtschaftsforschungsinstitute der Leibniz-Gemeinschaft sowie 20 weitere Forschungseinrichtungen – just am 05.09., also am Tag der Mitgliederversammlung, auf der Blum gewählt wurde, zu einer Pressekonferenz in Frankfurt eingeladen hatte. Am Rande der Jahrestagung des Vereins für Socialpolitik hatten einige Institutsleiter im Gespräch mit Journalisten erklärt, auch künftige, gemeinsame Stellungnahmen zu wichtigen Themen für möglich zu halten – um ihnen so mehr Gewicht zu verleihen. Die Erklärung, was genau die Arge ist und will, war difus. Auf ihrer Internetseite schreibt sie über ihren Zweck:

Zweck des Zusammenschlusses ist die gemeinsame Bearbeitung von wirtschaftswissenschaftlichen Gutachten sowie der Informationsaustausch in wirtschaftspolitischen und wirtschaftswissenschaftlichen Fragen.

Wenn es der Arge noch nicht einmal gelingt, einen Vorsitzenden zu finden, der die Perspektive hat, länger als wenige Wochen im Amt zu bleiben – wie will sie sich dann Gehör verschaffen?

Auf ihrer Internetseite nennt die Arge übrigens noch ihren alten Vorstand:

http://www.arge-institute.de

Eigenplagiate von Bruno Frey – weitere Fälle entdeckt

In der heutigen Printausgabe des Handelsblatts (inzwischen auch online verfügbar) berichte ich über eine ganze Reihe weiterer Eigenplagiatsfälle beim Züricher VWL-Professors Bruno Frey.

Frey war vor einigen Monaten innerhalb des Fachs in die Kritik geraten, weil er zusammen mit zwei Koautoren vier sehr ähnliche Arbeiten in Fachzeitschriften veröffentlichte, ohne auf die anderen Papiere zum gleichen Thema querzuverweisen.

Bislang hat Frey die fehlenden Zitate als bedauerlichen Lapsus dargestellt. Offenbar waren sie aber kein Einzelfall, wie die Berichte auf der Internet-Plattform “FreyPlag Wiki” nahelegen.

» weiterlesen

Hilfe, ich bin ein Geek! (sagt “Wired”)

Wired Deutschland - das Erstlingswerk

Ich bin mir nicht ganz sicher, was es über einen selbst aussagt, wenn ein früherer Chef einen für einen “Geek” hält.

Als mich Thomas Knüwer,  der  vor zehn Jahren in der Netzwert-Redaktion beim Handelsblatt mein erster Boss war, mich vor einigen Monaten fragte, ob ich als ein Fallbeispiel für eine Geschichte über “Geeks” in der ersten deutschen Ausgabe von “Wired” zur Verfügung stünde,  habe ich schon einen Moment lang  gezögert. (Mein spontaner Gedanke war, dass das auf ihn vielleicht eher zutrifft als auf mich….)

Aber gut, ich habe mich drauf eingelassen (sind wir nicht alle ein bisschen eitel?) » weiterlesen

Schweizer Franken: Jan Egbert Sturm im Rausch

Ich habe hier im Foyer des schicken neuen Hörsaalgebäudes der Goethe Uni Frankfurt am Rande der Jahestagung des Vereins für Socialpolitik gerade einen völlig euphorisierten Jan-Egbert Sturm getroffen.

Wenige Minuten vorher hatte er die Nachricht bekommen, dass die Schweizer Nationalbank den Schweizer Franken an den Euro gekoppelt hat und einen Frankenwechselkurs unter 1.20 Euro nicht zulassen will. Genau das hatte Sturm und die von ihm geleitete Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich empfohlen.

Sturm konnte es kaum glauben – und hielt jedem, der ihm über den Weg lief,  sein iPhone mit dem Wechselkurs-Chart unter die Nase.

Tatsächlich kommt es wohl nur selten vor, dass Empfehlungen von Ökonomen so schnell und konsequent umgesetzt werden.

Was für die Schweizer Wirtschaft wahrscheinlich sinnvoll ist, kann übrigens für die Euro-Zone unangenehm werden. Denn um den Wechselkurs zu stabilisieren, dürfte die SNB im großem Stil europäische Staatsanleihen  kaufen – leider nicht solche aus Griechenland, Italien und Spanien, sondern wahrscheinlich lieber welche aus Deutschland und Frankreich.

Das dürfte ein Grund dafür sein, dass die Renditen der Bundesanleihen in letzter Zeit gesunken sind – und verschärft die Situation, dass die Risikoaufschläge, die die Regierungen der Krisenländer für ihre Staatsanleihen bezahlen müssen, weiter steigen.

Gut möglich, dass die SNB damit indirekt  die Euro-Krise verschärft…

Besuchen Sie mein englisches Weblog “Economics Intelligence” und meine Facebook-Seite – ich freue mich über jedes “like”!

Handelsblatt VWL-Ranking 2011

Es ist 1.07 Uhr, ich sitze in einem Frankfurter Hinterhof in einem lausigen Hotel und versuche, die Ergebnisse des Handelsblatt-Volkswirte-Rankings 2011 online zu stellen. Ins W-Lan komme ich nicht, weil das Hotelpersonal schon Feierabend hat (bin froh, dass ich überhaupt mein Zimmer gefunden habe) und die Tethering-Verbindung übers iPhone ist zu instabil für unser Redaktionssystem.

(Und zu allem Überfluss bombardiert mich Vodafone auch noch mit Textnachrichten mit der Aussage, dass ich meine Data-Roaming-Allowance schon lange überschritten habe…)

Kurzum: Technik, die begeistert.

Deshalb vorerst auf diesem Weg die Ergebnis-Tabellen:

Top-25 Fakultäten

Lebenswerk-Ranking – die Top-250 Forscher, gemessen an Publikationen seit Karrierebeginn

Aktuelle Forschungsleistung - die Top-100 Forscher, gemessen an ihren Publikationen seit 2007

Unter-40-Ranking - die Top-100 der Volkswirte, die jünger sind als 40

Auslandsökonomen – die Top-100 der deutschsprachigen Volkswirte im nicht deutschsprachigen Ausland

Top-Emeriti

Alles weitere folgt morgen.

Nachtrag: Halleluja, es hat doch noch geklappt. Die Links zu den Tabellen sind jetzt auch auf Handelsblatt.com verfügbar, mein Text über die Ranking-Ergebnisse taucht hier gleich hoffentlich ebenfalls auf. Ich geh jetzt schlafen.
.
Besuchen Sie mein englisches Weblog “Economics Intelligence” und meine Facebook-Seite – ich freue mich über jedes “like”!

Worst Case?

Meine Mitblogger Dirk Heilmann und Dorit Heß entwerfen heute im Handelblatt ein Worst-Case Szenario für die Eurozone. Es könnte noch schlimmer kommen.

Sommer 2014: Der Dax unterschreitet die psychologisch wichtige Marke von 400 Punkten. Deutschland scheitert im letzten Spiel der WM Vorrunde an Aserbaidschan.

Der unerwartete Rückgang der Nachfrage nach Brauereiprodukten und Deutschlandfahnen löst eine allgemeine Skepsis unter Konsumenten und Investoren aus. Ifo Index, ZEW Index und Dax zeigen nach unten, die Rezession verstärkt sich.

1. Oktober 2014: Mitten in der Krise beruft Siegmar Gabriel Florian Silbereisen als Superminister für Wirtschaft und Finanzen ins Kabinett. Wirtschaft sei, so Gabriel, bis zu 50 Prozent Psychologie. Der Rest sei Musik. Die Entscheidung wird von den Börsen dennoch mit Skepsis aufgenommen.

2. Oktober 2014: Minister Silbereisen macht in seiner ersten Pressekonferenz widersprüchliche Aussagen über die Einführung eines EWS II und über die Rolle der Volksmusik in der Politik. Nach anfänglicher Erholung fällt der Dax um weitere 200 Punkte auf den historischen Tieftswert von Null.

3. Oktober 2014: Die Zeitung eröffnet mit dem Titel: „Jetzt kann es nur noch aufwärts gehen“.

Update: Das Handelsblatt-Szenario ist inzwischen auch online verfügbar.