Euro-Krise: Heftige Worte von Lagarde und Bernanke

IWF-Chefin Christine Lagarde (Bild: IWF)

Die neue IWF-Chefin Christine Lagarde hat auf der Notenbank-Konferenz in Jackson Hole, Wyoming gerade eine bemerkenswerte Rede gehalten.

Mit Blick auf die Euro-Krise nimmt sie kein Blatt vor den Mund.

Wenn die Politik nicht die richtigen Schlüsse sieht, sieht Lagarde die Zukunft des Euros bedroht.

Die Krise drohe dann vollends auf den Kern der Euro-Zone überzugreifen.

Nach der Rede von Fed-Chef Bernanke von gestern ist das der zweite Warnschuss in Richtung Europa.

Lagarde betonte: Ohne eine schnelle Rekapitalisierung der Banken in Europa drohe die Schuldenkrise noch stärker auf die Kernländer der Währungsunion überzugreifen.

“[European] banks need urgent recapitalization. They must be strong enough to withstand the risks of sovereigns and weak growth. This is key to cutting the chains of contagion. If it is not addressed, we could easily see the further spread of economic weakness to core countries, or even a debilitating liquidity crisis.” (alle Hervorhebungen durch mich)

Zur Zukunft der Euro-Zone:

“The current economic turmoil has exposed some serious flaws in the architecture of the eurozone, flaws that threaten the sustainability of the entire project.”

Zur den Anforderungen an die Politik und der Notwendigkeit einer klaren politischen Vision, wohin die Reise in Europa gehen soll:

“In such an atmosphere, there is no room for ambivalence about its future direction. An unclear or confused message will add to market uncertainty and magnify the eurozone’s economic tensions.

So Europe must recommit credibly to a common vision, and it needs to be built on solid foundations—including, for example, fiscal rules that actually work.”

Bemerkenswert war auch, was Fed-Präsident Ben Bernanke gestern in Jackson Hole mit Blick auf Europa sagte. Zwischen den Zeilen, aber für einen Notenbanker schon überaus deutlich, machte er in seiner Rede deutlich, dass die Euro-Krise auch die langfristigen Wachstumsaussichten der Vereinigten Staaten gefährdet. In seinem Abschnitt über die”Economic Policy and Longer-Term Growth in the United States” sagte er:

“I have confidence that our European colleagues fully appreciate what is at stake in the difficult issues they are now confronting and that, over time, they will take all necessary and appropriate steps to address those issues effectively and comprehensively.”

Übersetzt man diese Botschaft aus der diplomatischen Sprache der Notenbanker in richtiges Deutsch, dann sagt Bernanke da meiner Meinung nach: Leute,  ihr steht unmittelbar vor dem Abgrund und Euer Kampf gegen die Krise ist bislang erfolglos. Handelt endlich, bevor es zu spät ist.

Ich hoffe, diesen Botschaft kommen in Europa – vor allem in Deutschland – an…

Wenn Bernanke durch die Euro-Krise die langfristigen Wachstumsaussichten der USA bedroht sieht, was bitte heißt das dann für die langfristigen Wachstumsaussichten Europas?

Nachtrag: Bei EZB-Chef Trichet scheint die Botschaft zumindest noch nicht angekommen zu sein. Er redet über langfristiges Wirtschaftswachstum, ohne eine der wichtigsten Voraussetzungen dafür in den Griff zu kriegen: Das Ende der Panik auf den europäischen Anleihemärkten und die Euro-Krise.

Wie ein Nutzer namens  Conor Sen auf Twitter süffisant kommentiert:

“Hey ECB, there’s a glitch on your site. This Trichet speech is about LT growth. You forgot to put up the one about the PIIGS crisis. Oh.”

Langsam bekomme ich wirklich Angst.

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Alle Kommentare [4]

  1. Hier geht es offenbar um vorweggenommene Schuldzuweisungen falls die Sache gegen die Wand fährt. Durchsichtiger geht es wohl kaum mehr.Von Erpressungsversuchen möchte ich nicht sprechen obwohl man durchaus auch diese Idee kommen kann.

  2. Eurobonds
    1. Frau Lagarde ist Französin und spricht vor allem für ihre schwachen französischen Banken.
    2. Wenn es bei einer deutschen Zinsmehrbelastung von 30 – 45 Milliarden jährlich bleiben würde, wäre es im gesamteuropäischen Sinne noch vertretbar, aber das ist nur der Anfang niemand spricht von den 10 Jahren die folgen, wenn
    3. Griechenland abgewickelt wird und das wird es, werden andere Länder sehen, dass Griechenland damit besser lebt als vorher, und werden folgen, stärkere Länder wie Italien, Spanien und Frankreich reduzieren ihre Sparmaßnahmen, Deutschland steht in Verbindung mit stagnierendem weltweitem Wirtschaftswachstum vor 2- 3 Rating Downgrades, die nicht mehr bezahlbar sind.
    4. Die Finanzmärkte hetzen deutsche Finanzpolitiker von einer Ecke in die andere.
    Die Deutschen stehen vor Steuererhöhungen und Sozialabgaben-erhöhungen die die produktive Bevölkerung strangulieren.
    Die Sozial- und Bildungsausgaben müssen gekürzt werden. Die Großstädte werden brennen.
    5. Eurobonds, eingeführt in den nächsten 3-4 Jahren, machen Deutschland zum Sklaven der Finanzmärkte und der verschwenderischen Länder und dann gibt es kein zurück mehr.
    6. Amerika muss sich selbst retten ohne Eurobonds aber mit realitätsbewussten, verantwortlichen Abgeordneten und Senatoren.

  3. Ich weiß nicht, wo diese US-Gläubigkeit herkommt. Die derzeitige Krise ist vornehmlich den weltweiten Ungleichgewichten geschuldet. Und im Zentrum dieser Ungleichgewichte stehen die USA. Ich kann nicht erkennen, dass jenseits des Atlantiks Anstrengungen unternommen werden, diese Ungleichgewichte abzubauen.

    Die Handelsbilanz der Eurozone ist im Gegensatz zu der der USA nahezu ausgeglichen. Und die erzwungenen Sparbemühungen in vielen Euroländern wird die Handelsbilanz der Eurozone noch weiter verbessern. Oder macht sich jemand Gedanken über die unterschiedliche Leistungsfähigkeit der US-Bundesstaaten. Ich kann auch nicht sehen, wo die US-Regierung die Zahlungsfähigkeit einzelner Bundesstaaten sicherstellt oder gar verbürg t.

    Im Gegensatz zu den USA haben wir in Europa viel besser ausgebaute antizyklische Sozialsysteme. Hinsichtlich der US-Konjunktur starrt alles auf den Privatkonsum, der eine der Hauptursachen für die weltweiten Ungleichgewichte ist. Die USA scheinen sich selbst als Industriestandort schon aufgegeben zu haben. Um so mehr hängen sie an einem sich immer weiter aufblähenden Finanzsystem.

    Natürlich muss sich Europa seinem Bankensystem annehmen. Aber dieses System wird nicht dadurch gerettet, dass Bürgen für wertlose Anleihen gesucht werden.

    Wenn Banken nicht mehr lebensfähig sind, müssen sie verstaatlicht und anschl. rekapitalisiert oder abgewickelt werden. Wofür braucht in einem einheitlichen Währungsraum jedes Land eine riesige eigene Bankenlandschaft ? Doch wohl nur, um durch gegenseitige Beeinflussung einen letztlich unhaltbaren Verschuldungsgrad aufzubauen.