Die EZB und ihre Inflationsneurose

Paul de Grauwe, Ökonomieprofessor an der Universität Leuven, hat heute im Ökonomenportal Voxeu.org einen bermerkenswerten Gastbeitrag veröffentlicht.  (Aufmerksam darauf wurde ich durch meinen FAS-Kollegen Patrick Bernau).

De Grauwe fordert darin, die EZB solle als “lender of last resort” für Staatsanleihen agieren – und argumentiert sogar, Milton Friedman hätte dies wahrscheinlich ähnlich gesehen. Die Inflationsrisiken seien gering, und die “moral hazard”-Probleme ließen sich in den Griff kriegen.

Sein Fazit lautet:

“The ECB has been unduly influenced by the theory that inflation should be the only concern of a central bank. It is becoming increasingly clear that financial stability should also be on the radar screen of a central bank. In fact, most central banks have been created to solve an endemic problem of instability of financial systems. With their unlimited firing power, central banks are the only institutions capable of stabilising the financial system in times of crisis.

In order for the ECB to be successful in stabilising the sovereign bond markets of the Eurozone, it will have to make it clear that it is fully committed to exert its function of lender of last resort. By creating confidence, such a commitment will ensure that the ECB does not have to intervene in the government bond markets most of the time, very much like the commitment to be a lender of last resort in the banking system ensures that the central bank only rarely has to provide lender of last resort support.”

Mit Blick auf Milton Friedmans mutmaßliche Position bin ich mir zwar nicht so sicher, ansonsten denke ich aber, dass de Grauwe weitgehend recht hat.

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Alle Kommentare [2]

  1. Diese Gelddruckerei sind doch nur Taschenspielertricks, letztlich (Selbst-)Betrug. Dass studierte Ökonomen darauf hereinfallen und das ensthaft diskutieren, ist ein bisschen lächerlich. Und es hilft ja auch nichts. Die USA praktizieren das seit Jahren und werden immer wettbewerbsunfähig-dekadenter, weil die “kreative Zerstörung” verhindert wird. Auch dass es keine Inflation gibt, ist eine Mär, man muss nur richtig hinschauen: Die Verbraucherpreise mögen sich ja (noch!) wacker halten aber die Assetpreisblasen, Derivateblasen, Staatsschuldenblasen, Einkommenblasen usw. werden alle von den Jetons der Zentralbanken inflationiert also aufgeblasen und werden früher oder später in die Gütermärkte schwappen. Bis dahin destabilsieren die in den Blasen enthaltene heiße Luft aber schon mal kräftig das Finanzsystem.

    Der einzige Weg der helfen kann, ist die Optimierung des realen Kapitals durch “Relativierung des Eigentums”. D.h. asozial-unproduktives Kapital muss, wenn der Markt es nicht schafft, dieses zu aktivieren, staatlich demokratisch umverteilt und so produktiv aktiviert werden. Z.B. durch Sozialtransfers an die konsumierende Unterschicht oder arbeitsplatzschaffende Konjunkturprogramme für Zukunftsinvestitionen. Scheinkapital mittels Gelddrucken herbeizutäuschen, verschiebt anstehende Anpassungsprozesse maximal in die Zukunft, was aber niemandem nützt, da sie so oder so kommen werden. Diese ständig zu verschieben und dabei aufzuakkumulieren. macht die notwendige Krise nur immer größer.

  2. Die Notenbanken kommen um die Käufe nicht herum. Es sollten über Nacht Rückkaufstaffeln je nach Bonität veröffentlicht werden. Für Italien gibts 60 für 100 und pro Wartejahr 2 mehr, d.h. in 20 Jahren wieder den Nennwert.
    Damit kann jeder kalkulieren, die Banken sollten nur die Hälfte abschreiben müssen (auf 80), bekommen aber zur Rekapitalisierung eine Frist von 5 Jahren. Sofort sind alle Märkte wieder liquide. Alle Staaten haben Zeit für die Refinanzierung.
    Noch besser wäre ein haircut der Buchwerte, nachdem prozentual überall gleich viel an faulen Schulden aufgekauft wurde, z.B. 25% aller Staaten.
    Die EZB macht eine Ausbuchung bzw. erstattet die aufgekauften Teile in bar. Damit die Ausbuchung von etwa 1,5 Billionen nicht liquiditätswirksam wird, wird die Gutschrift eingefroren und wird mit 5% p.a. liquidisiert. Nach 20 Jahren ist das Guthabne voll verfügbar, z.B. bei den Versicheren, die die Papiere eingetauscht hatten. Den Geldvermögensbesitzern entsteht kein Schaden, und die Schuldner sind Ihre Schulden los. Infaltion entsteht nicht, wenn zugleich eiserne Haushaltsdisziplin auferlegt wird.
    Es gibt noch weitere interessante Ansätze, aber da müsste ich die Weltbank beraten.